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Sonntag, 5. Mai 2019

Große Überraschung: Die Niederlande triumphiert über Russland und gewinnt den ESC 2019

Am 16.04.2019 ärgerte sich der niederländische Fernsehmoderator und ESC-Experte Cornald Maas auf Twitter über eine Veröffentlichung zur Bewerbung der Stadt Maastricht, den nächsten ESC 2020 auszutragen.  Bereits vorher hatten Amsterdam und Den Haag ihr Interesse einer Austragung angemeldet. Seit Wochen reden sich BuchmacherEurovisions-Experten und Fans  den Sieg der Niederlande herbei. Obwohl die Niederländer erst noch die Vorrunde überstehen müssen steht fest, dass sie das Finale landesweit in 21 Kinos übertragen werden. Man bekommt Beklemmungen bei dem Gedanken, die Niederländer könnten vielleicht doch nicht gewinnen... 

Was spricht für einen ESC-Sieg der Niederländer in 2019? 
  • 59 mal haben die Niederländer bereits an der Eurovision teilgenommen, 4 mal haben sie gewonnen, der letzte Sieg liegt allerdings 44 Jahre zurück, so dass es mal wieder Zeit für einen Erfolg wird.
  • Seit 2013 verfolgen die Niederländer ein professionelles Konzept, indem sie statt Vorentscheidungsmarathone einfach einen Musiker nominieren und ihn selber über alles Weitere selbstständig entscheiden lassen. Dieses Konzept führte zu guten Beiträgen, was wiederum zur Bereicherung der Shows beitrug.
  • Die Niederländer haben eine quirlige Fangemeinde, denen man die Freude über einen ESC-Sieg durchaus gönnt.
  • Last not least verstehen die Niederländer etwas vom Showbusiness und werden sich mit Sicherheit als gute Gastgeber erweisen. Doch:

Warum ausgerechnet der Beitrag von Duncan Laurence? 
In einem Songcheck des NDR hört man nach vielen Lobpreisungen von Fans zum Ende hin den Musikredakteur Peter Urban mit der kritischen Anmerkung, dass der Song irgendwie ins Leere läuft.

Bei der Aufzählung von den Vorzügen dieses Songs muss ich sarkastisch werden:
  • Wie bei fast allen Siegen der letzten 20 Jahre ist der Sänger ein Noname. Wahrscheinlich weil statt der Sieger nur Abgreifer am Erfolg verdienen.
  • Wie bei vielen Siegen der letzten Jahre verletzt dieses Lied die Eurovisionsregeln, es wurde nämlich lange vor der Deadline veröffentlicht. (Auch das ukrainische Siegerlied wurde lange vorher schon aufgeführt, das israelische Siegerlied war wie einige andere vor ihm ein Plagiat usw. usw.).
  • Das Musikvideo passt nicht zum Song, es versucht mit pornographischen Mitteln an niedrige Instinkte zu appellieren.

Welche Funktion hat ein Wettbewerb, wenn Vorlieben bereits geklärt sind? 
Um im sarkastischen Modus zu bleiben: Um Fans und Zuschauer zur Unfairness, Doppelmoral und Infantilismus zu erziehen. 

Interessant wäre ja mal ein Konzept, bei dem ca. 40 Lieder ins Rennen geschickt werden, von denen man die Herkunftsländer nicht kennt. Daraufhin wird in Auseinandersetzungen zwischen Fans, Musikern und Experten argumentativ herausgearbeitet, welcher dieser Songs am besten ist.

Stattdessen geben Polls, Umfragen und Wettquoten den Ton an und können auf intransparente und manipulative Weise beliebige Hypes erzeugen. Meine Einschätzung von Hypes: Man dichtet sich DIE Kindermärchen zurecht, mit denen man sich später bescheissen lässt, indem man sich beispielsweise Regelbrüche, Unfairness, Volksverhetzung etc. schön redet. 

Mit gepflegter Verdummung gegen Russland 
Wem also nicht klar ist, warum ausgerechnet die Niederlande gewinnen sollte, braucht sich nur auf den Seiten der Wettbüros umschauen um dann zu wissen, GEGEN wen der niederländische Beitrag als siegreich zu gelten hat: [Russia] is rated as the 9/2 second-favourite with most bookmakers, behind the Netherlands entry, Arcade.“ Weiter: „In an open Eurovision, Lazarev [Russia] has to be taken seriously as a potential winner.  

Leider ist der Eurovision Song Contest alles andere als OPEN, denn weiter heisst es: „Any Russian entry is at risk of being hit by political sentiments, given the unpopularity of ‚the Putin regime‘ (Hervorhebung E. S.] and the ongoing situation in Ukraine.

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Sonntag, 17. März 2019

Ukraine und der Sex-Scheiß im Militainment

Dass bei der ukrainischen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2019 einiges im Argen lag, drang nur bis zu deutschen Intellektuellen durch, die bunten Fachblätter der „Guten“ indes hüllten sich in beredtes Schweigen . Ausgerechnet die Nachdenk-seitenberichteten ausführlich und beklagten die Politisierung des Musikwettbewerbs. Der Begriff ist allerdings falsch gewählt, denn es geht um Militarisierung. 

Regelbrüche beim ESC sind eine Passion „der Guten“ 
Sie dürfen nur nicht thematisiert werden. Bei der Vorentscheidung in der Ukraine wurde natürlich nicht politisiert, denn es wurden ja keine Meinungen ausgetauscht. Stattdessen gab es eine noch nie dagewesene Gewissensprüfung, wie sie seinerzeit auch bei Wehrdienstverweigerungen geläufig waren. Die Fragen lauteten: „Wie stehst du zur Krim, zu Russland und zur Ukraine?“ Die Antworten waren vorgegeben, wer sie zuungusten der Ukraine beantwortete, wurde als Verlierer vorgeführt. Dass diese Vernehmung nicht ‚vor‘ der Veranstaltung stattfand, sondern als Show inszeniert wurde, ist ein Regelbruch, der allerdings folgenlos blieb. 

Durchgeführt wurde die Inquisition von ehemaligen ESC-Teilnehmern, vor allem von der Siegerin Jamala aus 2016. Zur Erinnerung: Jamala wurde nachweislich vom Militär promotet.  

Nutten-Pop für‘s Offizierskasino 
Jamalas Siegerlied aus 2016 war eine abgedroschene Ami-Schnulze mit ein paar Ethno-Elementen, es handelte von Josef Stalin. Während das künstliche Bejubeln abgedroschener US-Schnulzen den Interessen der US-Musikindustrie dient (sie dulden in Europa keine ernsthafte Konkurrenz, gerade die ost-europäischen Musiker sind immer noch viel zu gut), ist die Reduzierung auf Hass (Josef Stalin) und niedere Bedürfnisse wie Sexualität und Scharfmacherei Sache des Militärs. 

Abgedroschene US-Schnulzen waren auch dieses Jahr wieder dabei, z. B. das Lied „My Road“ vom Zwillingspaar Anna und Maria Opanasiuk. Auch Maruvs Lied „Siren Song“ folgte dem Muster der Abgedroschenheit mit Ethnoelementen, wichtiger aber war ihr ordinäres Auftreten (ab 01'20) mit der Funktion, als Sex-Lockvogel die ukrainische Vorentscheidung ins internationale Boulevard zu puschen.

Der Widerspenstigen Zähmung misslingt 
Im Bemühen, es den Herren und Gebietern aus US-Musikindustrie und Militär recht zu machen, sind die Ukrainer dann in deren Grube gefallen, die eigentlich für Russland und Verbündete gedacht war. Nachdem „Verräter“ wie das Duo Anna Maria mit schlechter Platzierung abgestraft wurden – sie sind auf der Krim geboren und hatten sich kurz zuvor im krimtatarischen TV-Kanal ATR geweigert, von einer Annexion der Krim zu sprechen und zudem betont, dass es dort zwischen Russen und Ukrainern keinen Krieg gäbe – ließ man den Sex-Lockvogel Maruv gewinnen. 

Das passte zwar zum Militär, aber nicht zum Eurovisions-Pathos der „Repräsentation des Landes als Kulturbotschafterin“. Ich wette, dass noch am gleichen Abend die EBU darauf hingewiesen hat. Selbst der NDR gab zu, dass Maruvs Auftritt „noch entschärft werden müsse“, Titelzeile und Text sind leider nicht mehr auffindbar. Genau diese Einschränkung könnte die widerspenstige Siegerin Maruv dann als Knebelung verstanden haben. Natürlich, denn ohne obszöne Performance ist das Lied belanglos.

Ukraine als neue Machtzentrale Europas?
Das Bemühen der Ukrainer, nach 2 gescheiterten Versuchen sodann weitere knebelwürdige Kandidaten zu suchen, wirkte nur noch halbherzig und war schnell vom Tisch. Es dürften wohl die Militärs gewesen sein, die nach diesem Reinfall die ukrainischen Pappnasen mit abstrusen Forderungen – sprich Regelbrüchen - nachlegen ließen: 

In einer Abschluss-PR verkündete die Ukraine ihren Rücktritt vom ESC 2019 und drohte der EBU und den Europäern gleichzeitig weitere Rückzüge für die Folgejahre an, wenn sie es wagten, Russland gewinnen zu lassen. 

Es sieht so aus, als würden „die Guten“ gehorchen, denn der bombastische Beitrag aus Russland wird schlicht totgeschwiegen. Und dabei passt diese europäische Sieger-Hymne „Scream“ zu den Rechtsbrüchen „der Guten“ wie Faust aufs Auge:

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Freitag, 18. Mai 2018

Politik und Militär haben den Eurovision Song Contest nicht vergessen

Nachdem wir Fans 1 Jahr Ruhe vor politisch-militärischer Instrumentalisierung hatten, darf man nach dem Sieg Israels wieder zur Kriegsstimmung übergehen. Nach Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt und der Aufkündigung des Iran-Deals durch die USA wird außerhalb der Eurovisionswelt eifrig polarisiert, die europäischen Länder werden schon wieder zur Positionierung aufgefordert, die Medien werden gemaßregelt. 

Ist es nicht bemerkenswert, dass ich als ESC-Fan schon Monate vorher wusste, dass Israel gewinnen würde? Meine Glaskugel sagt mir zudem, dass Israel für den ESC 2019 solchen Ländern Teilnahme und Einreise verweigern wird, die sich nicht der israelisch-transatlantischen Politik beugen, die z. B. Kontakte zum Iran pflegen. Schließlich wurden bereits 2017 entsprechende „Regeln“ bei der Eurovision erlassen. Damit wäre dann aber für mich ein weiteres Mal bewiesen, dass im Militainment alles nach Plan verläuft und die Europäer beim ESC NICHTS zu melden haben. 

Desinformation und Emotionalisierung
Eine Politik, die auf Eskalation und Konfrontation setzt, täuscht im Boulevard Populärität und Beliebtheit vor. Wenn aber Israel mit der gackernden Netta, dem #MeToo-Thema von und für Gays wieder mit einem oberflächlichen Bezugssystem triumphiert, weiss ich, dass ich es mit psychologischer Kriegsführung zu tun habe. 

Dieses Bezugssystem besteht aus abgedroschenen Phrasen zur Offenen Gesellschaft, mit denen einer durchsexualisierten, kommerziellen und anti-intellektuellen Spaßgesellschaft (Freakshow) künstlich eine revolutionäre Vorreiterrolle unterstellt wird, zu der man sich dann auch noch ständig bekennen soll. Dieses Bekennertum fing 1998 mit dem Sieg einer transsexuellen Sängerin aus Israel sowie der Einführung des Telefonvotings an, und damit auch das ständige Miteinbeziehen, Polarisieren, Entsolidarisieren und Einschüchtern des Publikums. 

Die teilweise pseudo-religiöse Überhöhung von Casting-Sternchen und ihren Rating-Erfolgen, Gender Gaga und Schwulenpropaganda in Dauerschleife, moralische Vorwürfe gegen ein unspezifisches und sprachloses Publikum und Dämonisierung ganzer Länder sind seit 1998 die Lieblingsthemen beim ESC. Das ist weder Unterhaltung noch Information und zerstört bestenfalls die Wahrnehmungs- und Beurteilungsfähigkeit. Schon jetzt kann offensichtlich niemand mehr Show und Realität auseinanderhalten. Und nochmal: 

Die Siege sind vorprogrammiert und die Folgen sind gewollt! 
War es Zufall, dass Netta gleich nach ihrem Sieg das konservative – und derzeit als Pulverfass umstrittene – Jerusalem als Austragungsort nannte?  
Die Süddeutsche Zeitung kritisiert brav: „Netanjahu will den ESC für seine Zwecke missbrauchen“  Daraufhin kontert eine jüdische Newsseite reflexartig mit dem Vorwurf des Antisemitismus und relativiert einige der Vorwürfe. Der Karikaturist der Süddeutschen muss gar den Hut nehmen. In Island wird aus politischen Gründen zum Boykott des ESC in 2019 in Israel aufgerufen.  Auch in Irland ein Boykottaufruf.

Die Jüdische Allgemeine läuft mit ihren Texten zur Sängerin Netta geradezu zur Hochform auf. Neben der Freude schwingt in jedem Text zugleich der Versuch einer Skandalisierung mit. Die Boykottaufrufe sind „anti-israelisch“. Demgegenüber stellt man ein liberales, tolerantes, pluralistisches Israel. Und das ausgerechnet im Zusammenhang mit einer „Freakshow“. Hoppla! Im Text lerne ich, dass Freakshow für den ESC eine „grenzwertige“ Bezeichnung ist. Hat also die Spaßgesellschaft mittlerweile den Rang einer Religion und der ESC ist ihr Gottesdienst...? 

Vonwegen wir haben von alledem nichts gewusst! 
Auch die Qualitätsmedien wussten vorher, dass Israel gewinnen wird - selbst die Jüdische Allgemeine hebt den frühzeitigen Favoritenstatus von Israels Interpretin hervor. Warum entrüstet man sich dann nicht schon im Vorfeld über das abgekartete Spiel? Warum nicht Sorge ausdrücken, bemängeln, scharf kritisieren wie man es bei Nicht-Nato-Ländern seit Jahren praktiziert? 

Erinnert sich noch jemand, wie die LGBT Putins Friedenslied bereits vor dem ESC 2015 zum Kotzen fand? Wenn aber Netanjahu sich als ulkiger Frauen- und Schwulenversteher gibt, ist das kein Thema?

Intellektuelle lassen den Zuschauer regelmäßig im Stich
Warum nicht vorab schon dieser perfiden durchkalkulierten PR-Maschine mit Kriegstaktik den Wind aus den Segeln nehmen? Vor allem sollte man mal Profiteure, Organisation, Vermarktung und aggressive Kommunikationsstrategien dieses durchgeknallten Bezugssystems hinterfragen. 

Israel, Ukraine, Österreich u. a. haben doch nicht gewonnen, weil Juroren und Publikum während des Finales von einem unbekannten Meisterwerk überrumpelt wurden. Vielmehr wurden diese ESC-Siege wochenlang in allen Medien sowie von Fans vorweggenommen, die sich dabei wiederum auf Wettquoten-Ergebnisse, Hitlisten, Ratings, Rankings, Spotify etc. beziehen durften. Mit diesen unüberprüfbaren und manipulierbaren Zahlen kann mit jedem x-beliebigen Beitrag Beliebtheit oder – je nach Kampagne – Feindseligkeit vorgetäuscht werden. Den Rest erledigen zerstörte Maßstäbe, Entprofessionalisierung des Musikjournalismus, schleichende Sprachlosigkeit und Konformismus.


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Samstag, 14. April 2018

Haben Politik und Militär dieses Jahr den Eurovision Song Contest vergessen?

10 Jahre ein weltweites Alleinstellungsmerkmal als Frau in einem unfairen Spiel, das seit 20 Jahren auch als „schwule Sportart“ bezeichnet wird: der Eurovision Song Contest. 10 Jahre lang regelmäßig Blogtexte vor der Austragung über politischen und militärischen Missbrauch, für die ich genauso regelmäßig wie reflexartig von der rechten LGBT als Verschwörungstheoretikerin angegriffen wurde. Als diese möchte ich mir und meinen Gegnern auch in einem ereignislosen Jahrgang treu bleiben. 

In 2018 verläuft die Vorbereitungsphase politisch derart ereignislos, dass ich im doppelten Sinne sprachlos bin 
Kein Diktator weit und breit, der den ESC für böse Selbstdarstellung missbraucht. Kein Jammern wegen Homophobie. Kein Schreihals, der mit einem Stalin-Song Russland dämonisiert und die Nato-Anhänger entzückt. Keine ermüdende Promo über schwedische Super-Heroes. Kein Fräuleinwunder mit Onkel im deutschen Kanzleramt, die mit schiefen Tönen total emotionalisiert. Kein männlicher Teilnehmer, der sich vorbildlich auf den Operationstisch zur Frau hat umoperieren lassen. Kein Mann mit Bart im Abendkleid als die Krönung westlicher Werte. Plagiatsvorwürfe? Regelbrüche? Alles kein Thema dieses Jahr. 

Ist Schweigen die neue Verschwörung? 
Liegt es an der Zurückhaltung und Bescheidenheit der Portugiesen? 
Oder hat die EBU die Reißleine gezogen? 
Sind durch die inszenierten Polit-Querelen die Einschaltquoten gesungen? 
Hat sich die Telekommunikationsindustrie deswegen gar über sinkende Einnahmen beschwert? 
Hat es gar mit dem Regierungswechsel in den USA zu tun? 
Haben etwa die von George Soros finanzierten NGOs Bedenken, vollends aufzufliegen? 
Haben die bislang angegriffenen Nicht-NATO-Länder endlich ein wirksames Druckmittel gefunden? 

Oder ist es nur die Ruhe vor dem Sturm? 

Glaskugel-Verschwörung 
Lediglich bei 2 Beiträgen wittere ich die üblichen volksverhöhnenden Framings, und zwar bei Frankreich und Israel. Der israelische Beitrag wird wegen etwas Gender-Gaga sogar als Sieger gehandelt, womit die (Kriegs-) Stimmung beim Länderwettbewerb ESC gerettet wäre. Italiens Beitrag hingegen würde sich bestens als Hymne für Ostermärsche eignen. Leider werden Ermal Meta und Fabrizio Moro nicht als Sieger gehandelt.

Die üblichen verdächtigen Nicht-NATO-Länder  
Russland und Aserbaidschan schicken dermaßen „unscheinbare“ Beiträge ins Rennen, dass ich befürchte, sie im Finale nicht mehr wieder zu sehen. Dass stattdessen Weissrussland etwas mehr Promotion macht als üblich, ist weniger dem Lied, sondern eher der Eitelkeit des Sängers geschuldet. Der Beitrag aus Serbien erfüllt auf nette Weise die Erwartungen. 

Der Song aus Georgien hingegen ist im ESC-Bezug musikalisch allererste Sahne. Ein Sieg wäre die Ansage, dass man auf einmal wieder Wert auf guten Gesang und Tradition legt. Soll das? 

Und wenn, wäre Estland mit einer russischstämmigen Sopranistin da nicht als ESC-Sieger geeigneter? 

Oder startet Russland dieses Jahr mit einem Song von Kirkorov gar verdeckt unter moldawischer Flagge? 

Auf jeden Fall könnte mit den ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien, Moldawien oder Estland als Austragungsland in 2019 Russland wieder angegriffen werden
Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die letzte Regeländerung in Juli 2017, die zwar kaum thematisiert aber sicherlich nicht ohne Grund vorgenommen wurde. Von der Ukraine noch dreist durchgezogen, wurde damit im Nachhinein legitimiert, dass Gastgeber Einreiseverbote erteilen dürfen, und das aufgrund irgendwelcher fadenscheiniger Gründe.


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Samstag, 17. März 2018

Netta Barzilai aus Israel - Quoten-Frau im Militainment des Eurovison Song Contest?

Die Siegerin des diesjährigen ESC scheint seit dem 11.03.2018 bereits festzustehen: Es ist die 25 Jahre alte Netta Barzilai aus Israel mit dem Lied „Toy“. Sie überrascht mit ungewöhnlicher Stimmperformance, die an Hühnergegacker erinnert und mit der sie sich gleich zu Beginn des Liedes selbstironisch als Ulknudel präsentiert. 

Virtuos beherrscht sie ihr Loop Station und avanciert im 3-Minuten-Song mit einem Mix aus elektronischen Elementen, Popmelodien, HipHop-Sounds, Rap-Passagen und Zweisprachigkeit zur ESC-Rampensau.



Dass Netta nicht den Normen eines Super-Models entspricht, ist vielen sympathisch. Ob es – wie in zahlreichen Medien hervorgehoben wird - allerdings ihre Absicht ist, diese Normen zu hinterfragen, lasse ich dahingestellt. Sie tut es durch ihr Aussehen auch ohne Absicht, und das ist gut so. Und was den ESC betrifft: Die durch Körperfülle Präsenz zeigende Damen sind zwar in einer Heidi-Klum-Sendung unerwünscht, beim ESC erfreuen sie sich großer Beliebtheit wie Stars wie Joy Fleming, Hera Björk oder Vania Fernandes bewiesen.

Feministen-Hymne oder Etikettenschwindel? 
Nettas Lied wird in Medien als Feministen-Hymne bezeichnet. Schaue ich (mit meinem Background der 80er Jahre mit autonomen, selbstbestimmten Frauen- und Lesbenreferaten) genauer hin, komme ich zum gegenteiligen Ergebnis: Netta ist genau das, was sie vorgibt nicht sein zu wollen: Ein abhängiges Spielzeug des Mannes. Es gibt nämlich kaum einen Medienbericht, wo nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es Männer sind, die sich dieses Eurovisionskonzept ausgedacht haben. Der Artikel „Meet the gay composer of Netta's Toy, the song tipped to win Eurovision“ belegt dies bestens.

Feministische Kritik oder Spaßverderberei? 
Man mag meine Kritik als Haarspalterei zurückweisen und einwenden, dass es ja NUR Kommerz und NUR Eurovision Song Contest sei. Gegenfrage: 

Was wäre aus Conchita Wurst geworden, wenn 3 Frauen laut damit geworben hätten, dass sie sich eine provokative Kunstfigur für schwule Toleranz ausgedacht, dieser Figur den Namen Wurst verpasst, sie mit Bärtchen und Kleidchen ins ESC-Rennen und gegen Russland ins Feld gejagt hätten? Man kann mit Fug und Recht sagen: Nichts. Und die 3 Frauen wären wohl zu Per·so·nae non gra·tae erklärt worden. Daran, wie UNDENKBAR so etwas ist, sieht man, wie weit wir von der Emanzipation entfernt sind. Ist auch die Frage, ob Feministinnen solche Methoden und Kunstfiguren benötigen. 

Um meine kritische Haltung verständlicher zu machen, ein Blick zurück auf das Werk „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir, das früher unsere Bibel war. Dazu heißt es zusammengefasst auf Wikipedia, „dass Frauen von den Männern zum „Anderen Geschlecht“ gemacht worden seien. Dies bedeutet [...], dass sich der Mann als das Absolute, das Essentielle, das Subjekt setzt, während der Frau die Rolle der Anderen, des Objekts zugewiesen wird. Sie wird immer in Abhängigkeit vom Mann definiert. [...] Wenn sie ihrer „Weiblichkeit“ gerecht werden will, muss sie sich mit einer passiven Rolle begnügen.“ 

Der propagierte Feminismus im ESC-Konzept von Netta Barzilai ist also reiner Etikettenschwindel. Unter dem Gesichtspunkt der männlichen Vormachtstellung und seines Wunschdenkens bekommt Nettas Hühnergegacker und „ungenormtes“ Aussehen ein … Geschmäckle.

Aufgesprungen auf den #MeToo-Zug 
Das hat zusätzlich eine polarisierende Wirkung. Meiner Beobachtung nach ist es mit Emanzipation, Freiheit, Demokratie usw. vorbei, wenn sie von Medien und Mächtigen mit der Geste der "Fürsorge" der „kindlichen“ Bevölkerung aufgezwungen werden. 

Gab es bei den Emanzipationsbewegungen der 70er und 80er Jahre noch eine gemeinsame „linke“ Identität, werden heutzutage Homosexuelle, Feministinnen, Behinderte, Anti-Rassisten etc. auf nicht-diskursive körperbezogene Bedürfnisse reduziert, stets isoliert hervorgehoben und gerne als Opfer irgendwelcher Bösewichte (meistens Putin) hofiert. Als „betroffene“ Emotionsbündel aufgestachelt dienen sie Medien und Politikern als Spielball und Sprachrohr gleichermaßen. Eine sichere Methode, um in der Bevölkerung Verunsicherung und Zwietracht zu streuen und jede Form der Solidarität zu zerstören. 

Fazit: Netta und ihr Lied sind gut, aber das Konzept ist genauso mies wie beim französischen Beitrag.


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Donnerstag, 14. April 2016

Israel Calling als neues Promo-Event - Deutschland glänzt wie immer mit Abwesenheit

Vom 11.04.16 bis 13.04.16 zeigte sich Tel Aviv zum ersten Mal als Gastgeber eines Promo-Events für den Eurovision Song Contest. Unterstützt wurde die Veranstaltung von den Ministerien für Tourismus und Auswärtige Angelegenheiten sowie von der Stadt Tel Aviv. Angemeldet hatten sich prompt 20 Teilnehmer des diesjährigen ESC. Es wurde den Stars Einiges geboten, aber auch Einiges abverlangt. 

Neben Live-Auftritten in Club-Atmosphäre, zahlreichen Interviews, Pressekonferenz und Roter Teppich musste jeder Teilnehmer bei regnerischem Wetter ein Bäumchen pflanzen für den neuen Eurovisions-Wald. Dafür gab es Restaurant- und Kneipenbesuche, Stadtrundfahrten durch das alte Jaffa und Tel Aviv so wie eben ein Besuch des Waldes vom JNF-KKL, des Jüdischen Nationalfonds

Die Dokumentationen von und für Fans haben großen Unterhaltungswert! 
Teilgenommen haben Sergey Lazarev (Russia) Amir (France) Sanja Vucic ZAA (Serbia) Freddie (Hungary) Agnete (Norway) Poli Genova (Bulgaria) Donny Montell (Lithuania) Michal Szpak (Poland) ZOË (Austria) Samra (Azerbaijan) Joe and Jake (United Kingdom) Jüri Pootsmann (Estonia) Ovidiu Anton (Romania) ManuElla (Slovenia) Sandhja (Finland) Eneda Tarifa (Albania) Rykka (Switzerland) Lidia Isac (Moldova) Ivan (Belarus) Hovi Star (Israel).

Grundsätzlich wird bei diesen Events der Ball noch flach gespielt, denn sie sind vor allem für und von Newcomer und Fans, insofern sind die Rollen zwischen Fans und Stars mitunter kaum zu unterscheiden. Dadurch hat vor allem der israelische Vertreter Hovi Star, der zunächst durchfiel, ausgesprochen viele Sympathiepunkte bekommen.  Eine gute Zusammenstellung aller Promo-Events, Live-Auftritte, Interviews etc. findet man auf der Youtube-Seite von ESCKAZ. 

Jamie-Lee aus Deutschland auch in Israel nicht dabei 

Während sich andere Stars diesen Herausforderungen stellen und den Fans damit das eine oder andere unterhaltsame Video liefern, kommt von Jamie-Lee nicht mehr als „ich und mein Outfit, ich und mein Album, ich und mein Backgroundchor, ich und meine Berater, ich und meine tiefsinnigen Gedanken ich ich ich…“ Ihre über 30 Berater haben beschlossen, dass sie sich nicht überanstrengen soll. Das tut sie nun weder bei Auftritt noch bei Promo wahrhaftig nicht! 

Vorgetäuschte Fürsorge und Popularität kaschieren militärische Zwecke 
Man muss nur den Bezugsrahmen eng fassen und von außen auf Deutschland schauen, dann wird es überdeutlich: Wir Deutschen und unsere Stars werden in einem Goldenen Käfig zur narzistischen Selbstbespiegelung angehalten. Beschränkte Star-Promotion führt Stars und Publikum auf die falsche Fährte und isoliert. Um so bereitwilliger lässt man sich einen hegemonialen Habitus antrainieren, mit dem Vorurteile gepflegt und auf alles eingehauen wird: Russland, Weissrussland, Aserbaidschan, neuerdings Türkei… (der Fall Böhmermann ist nichts anderes) 

Spätestens seit dem ESC in Aserbaidschan ist klar, dass unsere Medien selbst bei den abwegigsten Themen von militärischen Interessengruppen zensiert und gelenkt werden. Mit einer bis dahin nicht vorstellbaren brutalen Hasskampagne gegen Teilnehmerland und Konkurrent Aserbaidschan wurde Deutschland innerhalb der Eurovisions-Gemeinde völlig isoliert. Der junge Casting-Star Roman Lob musste bei jeder sich bietenden Gelegenheit Negativ-Statements zu Aserbaidschan abliefern, die man ihm dann ohnehin nicht abkaufte. Denn was wussten wir denn schon darüber, wenn alles nur noch Propaganda und Hetze ist.

Während der NDR seine Eurovisionsseiten nur noch dem damaligen Menschenrechtsbeauftragten Markus Löning (FDP) für politische Statements zur "undemokratischen Lage" und zur "Pressezensur in Aserbaidschan" zur Verfügung stellte (leider werden die Seiten und Videos nach den Kampagnen gelöscht), alamierte uns das bekannteste Newsportal ESCKAZ am 24.04.2012: „Roman Lob is the only Eurovision artist who has totally rejected all proposals for Eurovision related interviews this year, handpicking only the couple of German media plus appearing at local TV and radio.“

Und dann wurde in Baku alles ganz anders.



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Donnerstag, 22. Januar 2009

Ich wünsche mir moderne poppige Acts

Der Song Contest tritt in seine heiße Phase und mit ihm die Spekulationen und Diskussionen. Was im Spaß beginnt endet mitunter in verbitterten Wortgefechten, an der sogar schon Freundschaften zerbrachen und langjährige Vereinsmitgliedschaften aufgekündigt wurden. Ein Kleinkrieg zum Schmunzeln. Aber was machen eigentlich Fans, deren Alltag sporadisch vom realen Krieg heimgesucht wird?
















Meine Frage an Talia aus Haifa: Unsere Medien sind voll mit Berichten aus Israel, eine Info zum israelischen Contest-Beitrag wirkt fast irritierend. Wie ist das bei euch?


Talia: Natürlich mag das auf viele Deutsche irritierend wirken, und eher aus diesem Grunde poste ich seit der Operation im Gaza-Streifen nur sehr vorsichtig in die Foren. Ich befürchte feindselige Kommentare und Fragen, wie ich mich mit der israelischen Contest-Teilnahme befassen kann, wo wir gerade Krieg haben. 2002 herrschte in den ausländischen Foren starke anti-israelische Stimmung, aber selbst die wenigen, die auf unserer Seite waren, haben mich empört gefragt, wie ich mich über die Übersetzung des kroatischen Beitrags ins Englische aufregen kann, wenn bei uns täglich Busse in die Luft gehen.
Wie kann ich ihnen erklären, dass ich gerade deshalb etwas Ablenkung brauche?!

Israel hat sich ja bereits für zwei Interpretinnen festgelegt. Wie findest du die Entscheidung?

Talia: Die Sängerin Noa (bürgerlich Achinoam Nini) wird Israel vertreten und gemeinsam mit der arabischen Sängerin Mira Awad im Duett singen. Die IBA scheint zu glauben, dass angesichts der schwierigen Lage ein Friedenslied das Richtige ist. Ich befürchte, dass Europa uns das nicht abkaufen wird, es wird anbiedernd und unglaubwürdig erscheinen. Waren Sarit Hadad, David D’Or oder auch Eddie Butler kein genügender Beweis, dass wir mit Friedensliedern keinen Blumentopf gewinnen können? Ich will kein Friedenslied und kein politisches Lied für Israel. Zum einen sind Protestsongs bei uns immer weniger beliebt, deren goldene Aera war etwa von 2002 – 2005. Zudem würde ein politisches Lied uns nicht beliebter machen.

Wird in euren Medien wirklich ein Friedenslied in Erwägung gezogen oder ist es eher eine Mutmaßung, eine Begriffsverwechslung o. ä.? Ich stolpere nämlich über die Begriffe Friedenslied und Friedenshymne.

Talia: Die IBA hat darauf bestanden, dass unser Beitrag eine Friedensbotschaft vermitteln wird. Es wird aber aller Voraussicht nach keine Hymne sein. In einem TV-Bericht über unsere diesjährige ESC-Teilnahme waren ein paar Schnipsel eines dreisprachigen Duetts zu hören, bei dem es sich vermutlich um unseren ESC-Beitrag handelt, und es hört sich gar nicht nach einer typischen "Friedensschnulze" an! Es geht eher in die Richtung von "Century of love" (Moldau 2008).

Woher bekommst du deine Infos zum Contest? Und finden deine Freunde deine Liebe zum Contest eher komisch oder bist du für sie eine Fachfrau?

Talia: Meine Infos zu Israel erhalte ich aus israelischen Medien oder aus dem israelischen Forum. Manchmal sind es auch nur Gerüchte. Wohl aus zuverlässigen Quellen, aber trotzdem unzuverlässig, da die IBA ihre Meinung gerne und oft ändert. Unter Fans gelte ich als Expertin und man schätzt meine Meinung, weil ich gerne sage, was ich denke. In ausländischen Foren bin ich natürlich etwas diplomatischer. Als ich z. B. 2007 meine negative Meinung zum österreichischen Beitrag äußerte, bekam ich spontan Hetzmails, die mich verunsichert haben. Aber es gibt erfreulicherweise immer auch gegenteilige Erfahrungen.

Expertin bist du wohl auch wegen deiner Mehrsprachigkeit. Solche Contest-Fans sind im Vorteil. Wie viele Sprachen sprichst du? Und wo hast du dein perfektes Deutsch gelernt?

Talia: Neben meiner Muttersprache Hebräisch spreche ich noch Deutsch, Englisch und ein bisschen Arabisch. Jetzt versuche ich, selbstständig Türkisch zu lernen. Mein Deutsch habe ich von meinen Großeltern gelernt, die mit ihren Nachbarn immer Deutsch sprachen. Meine Großmutter stammte zwar aus Galizien (heute Ukraine), sprach aber perfektes Deutsch, weil die Region bis 1918 zu Österreich-Ungan gehört hatte.

Was waren für dich der beste und der schlechteste israelische Beitrag?

Talia: Halleluja finde ich für die 70er Jahr einfach super. Dana International, Shiri Maymon und Boaz Mauda waren die besten Televoting-Ergebnisse. Dana nicht wegen ihres Gesangs, sondern für die sehr gelungene, mitreißende Dancenummer. Shiri Maymon hat eine schöne zeitlose Ballade mit viel Power und Gefühl vorgetragen und Boaz hat bei mir mit seiner himmlischen Stimme einfach Gänsehaut ausgelöst. Der schlechteste israelische Beitrag war „Ein davar“. Es war fade, altmodisch und einfallslos arrangiert, dazu war die Performance grottenschlecht und alle Chorsänger, bis auf die langhaarige Dame, äußerst hässlich. Wenn wir das 1985 geschickt hätten… aber 2001? Ehrlich, als ich die Performance sah, wünschte ich, die Erde würde mich verschlingen!

Was wäre deiner Meinung nach ein perfekter israelischer Beitrag?

Talia: Ich wünsche mir moderne poppige Acts, die bei uns im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in Landessprache gesungen würden, oder ausgefallene ethnisch angehauchte Titel, die in Europa exotisch rüberkommen und positiv aus dem Rahmen fallen. Mein Lieblingskandidat wäre das Idan Raichel Projekt. Leider hat Idan Raichel die Anfrage der IBA abgelehnt.



Frage: Das ist wirklich bedauerlich, aber ich könnte mir vorstellen, dass Noa und Mira Awad uns auch eine Art Weltmusik präsentieren werden. Welchen Stellenwert hat der ESC eigentlich in Israel?

Talia: Einerseits wird er als eine altbackene Veranstaltung empfunden, die außer Schwulen und alten Frauen niemanden interessiert, andererseits wird er auch wieder zu ernst genommen, als würde es sich dabei um eine nationale Mission handeln. Wegen seines schlechten Rufes wollen nur wenige populäre Musiker teilnehmen. Die IBA, die Sänger und Songwriter und vor allem das Volk glauben immer, beim ESC sollte man etwas ESC-Typisches singen, mit netter Botschaft, hymnenhaften Melodien und möglichst mehrsprachigem Text. Wenn ausnahmsweise ein normales Lied die Vorentscheidung gewinnt, ist es eher Zufall. Shiri Maymon (2005) hat gewonnen, weil sie die beliebteste Sängerin war. Bei Boaz Mauda (2008) haben die Verantwortlichen alles drangesetzt, damit Dana International als Autorin und Komponistin gewinnt.

Frage: Das israelische Bekenntnis zur transsexuellen Dana wirkt auf mich sympathisch und zugleich schwer nachvollziehbar. Ich habe gehört, dass z. B. eine Grundausbildung bei der Armee Voraussetzung für eine Teilnahme ist. Wie ist das eigentlich genau? War Dana bei der Armee? Warst du bei der Armee?

Talia: Grundsätzlich ist eine Grundausbildung bei der Armee Voraussetzung für die Teilnahme, aber es gibt auch berühmte Ausnahmen von der Regel, z. B. Dana International war nicht in der Armee, sie nahm gerade weibliche Hormone und obwohl sie sich noch nicht umoperieren ließ, wirkte sie schon eher weiblich. Aus diesem Grunde wurde sie aus der Armee entlassen. Auch 2002 wurde Sarit Hadad nominiert, obwohl sie sich vor dem Armeedienst gedrückt hatte.

Ich war zwei Jahre bei der Armee und habe dort als Lehrerin gedient. Im Großen und Ganzen hat mir dieser Job viel Spaß gemacht. Was mir weniger gefallen hat, waren die Wachtschichten, die ich mindestens einmal in der Woche und alle 3 – 4 Wochenenden hatte. Ich bin der Meinung, dass jeder Israeli in der Armee dienen sollte, nicht nur, weil Israel aus allen Ecken bedroht wird und sich wehren muss, sondern weil es in Israel die Wehrpflicht gibt. Ich finde es trotzdem doof, dass Sänger, die nicht in der Armee gedient haben, Israel beim ESC nicht vertreten dürfen, denn was hat dies überhaupt mit Musik zu tun?

Ich kann diese Regelung nachvollziehen. Ich glaube auch, dass Israel deswegen selten bis nie mit blödsinnigen Stücken antritt.

Talia: Einige Comedy-Nummer gab es, z. B. Shir habatlanim. Das Lied hat wohl gewonnen, weil die Vorentscheidung am 01. April 1987 stattfand, und die Zuschauer, die damals zwecks Abstimmung angerufen wurden (Televoting gab es 1987 noch nicht) glaubten, es handele sich dabei um einen Aprilscherz. 2000 hatten wir Ping-Pong mit einem polarisierenden Lied, von deren Performance sich die IBA bis heute nicht erholt hat. 2007 gab es Teapacks, die sehr originell und progressiv waren, aber dann leider an einer schlecht vermittelten Performance (an der sie nur zum Teil schuld waren) scheiterten.

Stichwörter Schwule und alte Frauen… Könnte für die deutschen Fanclubs zutreffen, in denen vor allem junge Frauen leider unterrepräsentiert sind. Ist das im israelischen Fanclub auch so? Dann wärst du ja eine Ausnahme.

Talia: In Israel gibt es prozentmäßig mehr weibliche ESC-Fans als in Deutschland. Aber auch was das Alter und die sexuelle Orientierung angeht, ist die israelische Fangemeinde heterogener als in Deutschland.

Wie viel Chancen räumst du dem israelischen Beitrag ein? Vorweg: Ich bin zu 85% überzeugt, dass Israels Beitrag wieder eine musikalische Bereicherung sein wird.

Talia: Am Anfang war ich sehr pessimistisch und habe mir sogar vorgenommen, mich dieses Jahr von unserem Beitrag zu distanzieren, aber anhand des kleinen, vielversprechenden Vorgeschmacks im Fernsehen sowie angesichts der Tatsache, dass der Krieg schon vorbei ist und bis Mai nicht mehr im Mittelpunkt des Weltinteresses steht, bin ich nun etwas optimistischer! Dass die Jurys dieses Jahr mit abstimmen, macht unsere Lage noch günstiger! Immerhin hat Israel dieses Jahr zwei erstklasige Künstlerinnen am Start und nicht umsonst ist Noa Israels international erfolgreichste Sängerin.


1. Foto: Talia am Klavier
Video: The Idan Raichel Project mit "Mikol Haahavot"
2. Foto: Haifa