Nachdem wir Fans 1 Jahr Ruhe vor politisch-militärischer Instrumentalisierung hatten, darf man nach dem Sieg Israels wieder zur Kriegsstimmung übergehen. Nach Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt und der Aufkündigung des Iran-Deals durch die USA wird außerhalb der Eurovisionswelt eifrig polarisiert, die europäischen Länder werden schon wieder zur Positionierung aufgefordert, die Medien werden gemaßregelt.
Ist es nicht bemerkenswert, dass ich als ESC-Fan schon Monate vorher wusste, dass Israel gewinnen würde? Meine Glaskugel sagt mir zudem, dass Israel für den ESC 2019 solchen Ländern Teilnahme und Einreise verweigern wird, die sich nicht der israelisch-transatlantischen Politik beugen, die z. B. Kontakte zum Iran pflegen. Schließlich wurden bereits 2017 entsprechende „Regeln“ bei der Eurovision erlassen. Damit wäre dann aber für mich ein weiteres Mal bewiesen, dass im Militainment alles nach Plan verläuft und die Europäer beim ESC NICHTS zu melden haben.
Desinformation und Emotionalisierung
Eine Politik, die auf Eskalation und Konfrontation setzt, täuscht im Boulevard Populärität und Beliebtheit vor. Wenn aber Israel mit der gackernden Netta, dem #MeToo-Thema von und für Gays wieder mit einem oberflächlichen Bezugssystem triumphiert, weiss ich, dass ich es mit psychologischer Kriegsführung zu tun habe.
Dieses Bezugssystem besteht aus abgedroschenen Phrasen zur Offenen Gesellschaft, mit denen einer durchsexualisierten, kommerziellen und anti-intellektuellen Spaßgesellschaft (Freakshow) künstlich eine revolutionäre Vorreiterrolle unterstellt wird, zu der man sich dann auch noch ständig bekennen soll. Dieses Bekennertum fing 1998 mit dem Sieg einer transsexuellen Sängerin aus Israel sowie der Einführung des Telefonvotings an, und damit auch das ständige Miteinbeziehen, Polarisieren, Entsolidarisieren und Einschüchtern des Publikums.
Die teilweise pseudo-religiöse Überhöhung von Casting-Sternchen und ihren Rating-Erfolgen, Gender Gaga und Schwulenpropaganda in Dauerschleife, moralische Vorwürfe gegen ein unspezifisches und sprachloses Publikum und Dämonisierung ganzer Länder sind seit 1998 die Lieblingsthemen beim ESC. Das ist weder Unterhaltung noch Information und zerstört bestenfalls die Wahrnehmungs- und Beurteilungsfähigkeit. Schon jetzt kann offensichtlich niemand mehr Show und Realität auseinanderhalten. Und nochmal:
Die Siege sind vorprogrammiert und die Folgen sind gewollt!
War es Zufall, dass Netta gleich nach ihrem Sieg das konservative – und derzeit als Pulverfass umstrittene – Jerusalem als Austragungsort nannte?
Die Süddeutsche Zeitung kritisiert brav: „Netanjahu will den ESC für seine Zwecke missbrauchen“
Daraufhin kontert eine jüdische Newsseite reflexartig mit dem Vorwurf des Antisemitismus und relativiert einige der Vorwürfe. Der Karikaturist der Süddeutschen muss gar den Hut nehmen.
In Island wird aus politischen Gründen zum Boykott des ESC in 2019 in Israel aufgerufen.
Auch in Irland ein Boykottaufruf.
Die Jüdische Allgemeine läuft mit ihren Texten zur Sängerin Netta geradezu zur Hochform auf. Neben der Freude schwingt in jedem Text zugleich der Versuch einer Skandalisierung mit. Die Boykottaufrufe sind „anti-israelisch“. Demgegenüber stellt man ein liberales, tolerantes, pluralistisches Israel. Und das ausgerechnet im Zusammenhang mit einer „Freakshow“. Hoppla! Im Text lerne ich, dass Freakshow für den ESC eine „grenzwertige“ Bezeichnung ist. Hat also die Spaßgesellschaft mittlerweile den Rang einer Religion und der ESC ist ihr Gottesdienst...?
Vonwegen wir haben von alledem nichts gewusst!
Auch die Qualitätsmedien wussten vorher, dass Israel gewinnen wird - selbst die Jüdische Allgemeine hebt den frühzeitigen Favoritenstatus von Israels Interpretin hervor.
Warum entrüstet man sich dann nicht schon im Vorfeld über das abgekartete Spiel? Warum nicht Sorge ausdrücken, bemängeln, scharf kritisieren wie man es bei Nicht-Nato-Ländern seit Jahren praktiziert?
Erinnert sich noch jemand, wie die LGBT Putins Friedenslied bereits vor dem ESC 2015 zum Kotzen fand? Wenn aber Netanjahu sich als ulkiger Frauen- und Schwulenversteher gibt, ist das kein Thema?
Intellektuelle lassen den Zuschauer regelmäßig im Stich
Warum nicht vorab schon dieser perfiden durchkalkulierten PR-Maschine mit Kriegstaktik den Wind aus den Segeln nehmen? Vor allem sollte man mal Profiteure, Organisation, Vermarktung und aggressive Kommunikationsstrategien dieses durchgeknallten Bezugssystems hinterfragen.
Israel, Ukraine, Österreich u. a. haben doch nicht gewonnen, weil Juroren und Publikum während des Finales von einem unbekannten Meisterwerk überrumpelt wurden. Vielmehr wurden diese ESC-Siege wochenlang in allen Medien sowie von Fans vorweggenommen, die sich dabei wiederum auf Wettquoten-Ergebnisse, Hitlisten, Ratings, Rankings, Spotify etc. beziehen durften. Mit diesen unüberprüfbaren und manipulierbaren Zahlen kann mit jedem x-beliebigen Beitrag Beliebtheit oder – je nach Kampagne – Feindseligkeit vorgetäuscht werden. Den Rest erledigen zerstörte Maßstäbe, Entprofessionalisierung des Musikjournalismus, schleichende Sprachlosigkeit und Konformismus.
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Freitag, 18. Mai 2018
Montag, 5. März 2018
Der NDR versprach Eckiges, Lautes, Kantiges
... und errechnete Michael Schulte mit einem rührseligen Schmachtfetzen: Unglamourös, unprätentiös und ein bisschen harmlos.
Genau damit sei er der richtige Repräsentant der Deutschen, denn: „Wir sind keine Pop-Nation. Wir sind auch keine Unterhaltungskünstler. Wir tun uns verdammt schwer mit Leichtigkeit. Wir wollen weder anrühren noch mitreißen.“
Zu Asche, zu Staub
Wenn man „wollen“ mit „dürfen“ ersetzt, kommt man der Sache näher. Ich behaupte, dass amerikanische Zuchtmeister keine Siege durch Extravaganzen genehmigen. Dass wir allerdings einst dazu in der Lage waren, scheint aus dem Bewusstsein noch nicht ganz verschwunden zu sein, wie beispielsweise der Film „Babylon Berlin“ andeutet. Erst seit Ende des 2. Weltkrieges heisst die Devise:
Gut kopiert ist besser als schlecht erfunden
So äußerte sich Ralph Siegel, fragt dann auch folgerichtig, warum für eine Kopie nun so viele ausländische Komponisten nötig waren und kritisiert nebenbei die ablehnende Haltung des NDR gegenüber deutschen Komponisten, Textern und Musikern. Siegel wundert sich über deren Ergebnis: „Dass man dazu vier Autoren braucht, um ein persönliches Lied über den Tod seines Vaters zu schreiben, ist mir ein Rätsel und man wollte doch mal originell und authentisch sein."
Geschmacksdiktatur und simulierte Abstimmungen
Auch Ungarn lässt über Vaterverlust singen, aber das ohne Unternehmensberater, Algorithmen und mathematische Formel, dafür aber laut, eckig, kantig und in ungarischer Sprache.
Im Falschwörterbuch des Neoliberalismus sind Länder wie Ungarn rassistisch, faschistisch, Diktatur. Schulte hingegen ist „authentisch“, obwohl er in der Realität 0815 ist. Aber deswegen auf Schulte herum zu hacken wäre unangebracht, denn er ist nicht schlechter als 100 Millionen andere „einzigartige“ Superstars, die Tag für Tag am Nasenring durch Conteste gezogen werden.
Michael Schulte ist nicht schlechter als die meisten Eurovisions-Teilnehmer 2018.
Absurdität des ständig Neuen stößt an Grenzen
Früher wurde das stets Neue gesucht, gefunden und gepriesen, das sich dann wie von selbst seinen Weg in Charts und an die Spitze der Wettbewerbe erkämpfte. Seitdem es seit 30 Jahren im Westen nichts Neues mehr gibt, sind anstelle der Stars die Methoden zum Aufbau von Stars wichtiger geworden.
Ratings, Rankings, Votings, Castings, Conteste, Awards…
sind nicht mehr als Recyclingprogramme, um den Verlust an Ideen, Originalität und Akzeptanz als zu vertuschen und eine Fassade der Freiheit und Vielfältigkeit als Sensation verramschen zu können. Das erklärt, warum der NDR dieses Jahr 99% für die Methode und 1% für den Beitrag aufgebracht hat. Nicht Michael Schulte, sondern die Voting-Methode beweist, dass Michael Schulte alles ist, was man sich nur wünschen kann und dass die Mehrheit zufrieden gestellt ist.
100 geprüfte Eurovisions-Klatscher, Abreifer und Möchtegerne-Stars als „internationale Experten-Jury“, eine auf „westliche Fassaden-Werte“ abgerichtete devote rechte LGBT und abhängige Medien stehen bei Fuß und freuen sich, dass sie es richten dürfen. Sie müssen uns nur die Zahlen eines noch nie kontrollierten Privatunternehmens namens DIGAME als wissenschaftliche Ergebnisse schön reden – und schon ist gerade das Unglamouröse, Unprätentiöse und Harmlose alles, was Deutsche sich seit je wünschen (dürfen).
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Zu Asche, zu Staub
Wenn man „wollen“ mit „dürfen“ ersetzt, kommt man der Sache näher. Ich behaupte, dass amerikanische Zuchtmeister keine Siege durch Extravaganzen genehmigen. Dass wir allerdings einst dazu in der Lage waren, scheint aus dem Bewusstsein noch nicht ganz verschwunden zu sein, wie beispielsweise der Film „Babylon Berlin“ andeutet. Erst seit Ende des 2. Weltkrieges heisst die Devise:
Gut kopiert ist besser als schlecht erfunden
So äußerte sich Ralph Siegel, fragt dann auch folgerichtig, warum für eine Kopie nun so viele ausländische Komponisten nötig waren und kritisiert nebenbei die ablehnende Haltung des NDR gegenüber deutschen Komponisten, Textern und Musikern. Siegel wundert sich über deren Ergebnis: „Dass man dazu vier Autoren braucht, um ein persönliches Lied über den Tod seines Vaters zu schreiben, ist mir ein Rätsel und man wollte doch mal originell und authentisch sein."
Geschmacksdiktatur und simulierte Abstimmungen
Auch Ungarn lässt über Vaterverlust singen, aber das ohne Unternehmensberater, Algorithmen und mathematische Formel, dafür aber laut, eckig, kantig und in ungarischer Sprache.
Im Falschwörterbuch des Neoliberalismus sind Länder wie Ungarn rassistisch, faschistisch, Diktatur. Schulte hingegen ist „authentisch“, obwohl er in der Realität 0815 ist. Aber deswegen auf Schulte herum zu hacken wäre unangebracht, denn er ist nicht schlechter als 100 Millionen andere „einzigartige“ Superstars, die Tag für Tag am Nasenring durch Conteste gezogen werden.
Michael Schulte ist nicht schlechter als die meisten Eurovisions-Teilnehmer 2018.
Absurdität des ständig Neuen stößt an Grenzen
Früher wurde das stets Neue gesucht, gefunden und gepriesen, das sich dann wie von selbst seinen Weg in Charts und an die Spitze der Wettbewerbe erkämpfte. Seitdem es seit 30 Jahren im Westen nichts Neues mehr gibt, sind anstelle der Stars die Methoden zum Aufbau von Stars wichtiger geworden.
Ratings, Rankings, Votings, Castings, Conteste, Awards…
sind nicht mehr als Recyclingprogramme, um den Verlust an Ideen, Originalität und Akzeptanz als zu vertuschen und eine Fassade der Freiheit und Vielfältigkeit als Sensation verramschen zu können. Das erklärt, warum der NDR dieses Jahr 99% für die Methode und 1% für den Beitrag aufgebracht hat. Nicht Michael Schulte, sondern die Voting-Methode beweist, dass Michael Schulte alles ist, was man sich nur wünschen kann und dass die Mehrheit zufrieden gestellt ist.
100 geprüfte Eurovisions-Klatscher, Abreifer und Möchtegerne-Stars als „internationale Experten-Jury“, eine auf „westliche Fassaden-Werte“ abgerichtete devote rechte LGBT und abhängige Medien stehen bei Fuß und freuen sich, dass sie es richten dürfen. Sie müssen uns nur die Zahlen eines noch nie kontrollierten Privatunternehmens namens DIGAME als wissenschaftliche Ergebnisse schön reden – und schon ist gerade das Unglamouröse, Unprätentiöse und Harmlose alles, was Deutsche sich seit je wünschen (dürfen).
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