Dienstag, 22. Dezember 2015

Ein anderer Eurovision Song Contest ist möglich

Großartiges will der nächste Ausrichter des ESC, die Rundfunkanstalt SVT in Schweden, mal wieder verändern. Angekündigt ist eine Optimierung der Spannung bei Durchgabe der Votings und noch mehr Polarisierung durch Hofierung der umstrittenen Big-5-NATO-Länder Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Umstritten deswegen, weil sie sich einen Startplatz im Finale kaufen, und somit gar nicht richtig am Wettbewerb teilnehmen aber dafür um so mehr auf Einhaltung der Regeln achten. Auch NATO-Land Australien soll 'entgegen alle Regeln' wieder dabei sein. Begründet werden Veränderungen – wie sollte es anders sein – mit dem Budget. Alles soll größer und billiger. Quantität vor Qualität.


Haben die Europäer überhaupt noch etwas zu entscheiden? 
Ihre Entscheidungen im Rahmen der Eurovision machen für Europa keinen Sinn mehr. Sobald sich Länder aus finanziellen Gründen und mangels Publikumsinteresse abmelden, reagiert die EBU reflexartig mit finanziellen Geschenken oder einer Umfrage mit dem Ziel „to make Eurovision 'even greater'“. Warum? Wer will sich noch 30 gleichförmige 3-Minuten-Songs nacheinander anhören? Und dass die Compilation mit den ca 45 Songs kaum noch Käufer findet, ist auch kein Geheimnis mehr. 

In mittlerweile 61 Jahren unterlag der ESC immer wieder Veränderungen, meiner Meinung nach wäre mal wieder ein echter Relaunch fällig. Meine Vorschläge vorweg: 

  • Weniger Teilnehmer pro Jahr und dafür wieder mehr Feierlichkeit und Wertsteigerung der musikalischen Darbietung mit - zumindest als Option - einem Live-Orchester.
  • Warum nicht jedes Jahr nach Art der Darbietung oder Abstimmung gleich mehrere Preise verleihen wie z. B. bei der Berlinale? 
  • Hinweg mit der Verpflichtung des Siegers, im Folgejahr den Contest auszurichten. Das hindert nämlich die meisten Länder daran, ihr Bestes zu geben. Warum nicht einen Ort für die Ausrichtung festlegen? Man könnte doch mal den Glamour-Fürstenstaat Monaco fragen.
  • Da der ESC von Europäern finanziert wird, sollte im ursprünglichen Sinne eines europäischen Gedankens der europäische Musikmarkt mit kleineren Musiklabel oder vertragslosen Musikern gefördert werden. Es ist nicht einzusehen, dass bei dem einzigen europäischen Musikwettbewerb nur amerikanische Konzerne die Gangart vorschreiben und profitieren. 

Die Vorteile der großen Shows 
sollen nicht unerwähnt bleiben: Sie sind sensationell und haben sehr zur Beliebtheit beigetragen. Viele Shows können mir noch heute Gänsehaut verursachen wenn ich mich nur daran erinnere, sogar live dabei gewesen zu sein. Nur kann ich mir nach Moskau 2009, Baku 2012 und Wien 2015 keine wünschenswerte Steigerung vorstellen. 

Begründung für einen Relaunch des ESC

Die letzten großen Veränderungen wurden 1998 vorgenommen. Bei möglichst hoher Teilnehmerzahl gibt es nun mehrere Massenshows mit Publikumsbeteiligung (Telefonvoting) und jedes Jahr eine Compilation von Universal. Ich habe es als Verlust empfunden, dass dafür die Sprachenregelung zugunsten des Englischen und das Begleitorchester abgeschafft wurden und die Interpreten seitdem Halb-Playback singen.

Irgendwann wird auch die sensationellste Ausrichtung langweilig. Ich habe mir 4 ESC live angesehen, es wiederholt sich. Nichts spräche dagegen, den Contest wieder etwas kleiner und feiner aufzuziehen. Dadurch würden sogar die Proben interessanter werden, denn Orchesterproben sind schöner als technische Soundchecks. 

Je mehr Teilnehmer, desto mehr Verlierer 
Dass bei steigender Anzahl Teilnehmer noch stets nur ein Preis verliehen wird, ist lieblos und dient einer irren Glücksideologie und einem politischen Kalkül. Bei den Siegern gibt es meist keinen nachvollziehbaren kausalen Zusammenhang zwischen Leistung und Erfolg. Selbstbestimmten Profis hingegen wird damit das Geschäft vermasselt, auf dass das Publikum doch auf Rankings, Ratings und Awards hereinfalle und die „eindeutigen“ Sieger-Produkte der Musikindustrie kaufen möge...

Besser noch als die Siege sind die Niederlagen mittlerweile vorhersehbar. So ahnte ich 2013, dass es die Profimusiker aus Bulgarien, Mazedonien und Kroatien, die sich alle einer europäischen Musiktradition verpflichtet fühlen, nicht ins Finale schaffen würden und widmete mich ihnen besonders. 

Noch liebloser das Verfahren, WIE der Sieger ermittelt wird. Schon die Verrechnung der Stimmen ist unredlich. Dass eine „Experten“-Jury nicht mal zwischen Komposition, musikalischer Darbietung und Performance zu unterscheiden hat, ist laienhaft. Die Jury dient ohnehin nur rechnerischen Zwecken: Die Nähe ihrer Mitglieder zu den Label, die Offenlegung ihrer Namen Wochen vorher sowie die irrsinnige Verpflichtung alle (ca. 40) Songs zu bewerten sieht nicht nach musikalischer Kompetenz, sondern eher nach nach Manipulation, Druck und Kontrolle aus. EINEN Siegersong kann man auch einfacher ermitteln. Mit diesem System kann man aber flächendeckend, wohlkalkuliert und in PR-Texten und Unternehmens-gebundenen Fanblogs breit ausformuliert ca. 40 künstliche Niederlagen erzeugen. 

„Es kommt nur auf den Song an!“ 
Zur Erinnerung: Bis 1998 wurden in der Anmoderation den Komponisten und Autoren besondere Andacht geschenkt. Der Dirigent verbeugte sich und dann traten die Interpreten mit Orchesterbegleitung zu technisch relativ gleichen Bedingungen an. Ein Highlight der TV-Geschichte, wenn die einmaligen Live-Auftritte die Studioversion musikalisch weit überragten, wie beispielsweise im Falle Frida Boccara 1969 mit "Un jour, un enfant"

Seit der Abschaffung des Orchesters moderiert in der Regel der Kommentator aus dem Off die Musiker an, weitere Infos werden eingeblendet. Dann folgt der Halb-Play-Back-Act, der vor allem mit Showelementen wie Bühnenrequisiten, Tanzeinlagen, Lichteffekten, Kostümen und Koketterien zu überzeugen versucht. Rhetorische Frage: 

Kommt es wirklich auf den Song an? 
20 Jahre Castingshows mit Coverversionen und Hit-Recycling, mittlerweile auch als Vorentscheidung zum ESC... Eine Ideenschmiede für „den Song, auf den es ankommt“, stelle ich mir anders vor. Mit Wettbewerbshype, Ratings, Rankings und Awards als Vermarktungsstrategie werden vielmehr ranzige Geschäftsmodelle und sinnlose Starprofile wie in einer Art Biomasseanlage immer wieder aufs Neue veredelt. Das schwedische Vorentscheidungskonzept toppt alles: Ihre Melodifestivalen laufen mit unfassbar vielen Vorrunden fast das ganze Jahr flächendeckend in allen schwedischen Städten – am Ende klingt alles nach Abba. 

Was die übrigen ESC-Produkte betrifft, kann kein amerikanisches Genre ausgelutscht genug sein, um nicht beim ESC noch als Ausdruck von Fortschrittlichkeit verkauft zu werden. Dies alles zum Nachteil europäischer Musiktraditionen, zum Nachteil eines europäischen Musikmarktes und seiner Profis (Komponisten, Autoren, Interpreten). 

Das Regelwerk zum ESC gibt keine Vorgabe, das Wort Musik kommt nicht mal vor. Es werden ein paar formale Kriterien genannt, sonst widmet es sich ausschließlich dem Votingprocedere. Interessenschwerpunkt der EBU-Reference-Group gilt ausschließlich dem Wettbewerbshype um den einen Song. 

Es ist seit 2004 kein Geheimnis mehr, dass der ESC auch verdeckt militärischen Zwecken dient 
Beim ESC wird der Wettbewerbshype um Sieger und Verlierer, um Gralshüter und Regelbrecher auf internationalem Niveau geradezu zur Kriegsstrategie instrumentalisiert. Support erhalten sie von Anti-Musik-Fans, bei denen es um alles geht, nur nicht um Musik. Oder will jemand ernsthaft behaupten, bei Propagandamaschinen à la Conchita Wurst und den nörgelnden Forderungen nach Schwulenemanzipation oder Liberalisierung des aserbaidschanischen und russischen Gasmarktes "komme es nur auf den Song an"? 

Bezüglich dieses Missbrauchs würde mich interessieren, wie die Mayor Label aufgestellt sind und ob sie gar mit Militär und Rüstungsindustrie kooperieren, so wie z. B. Hollywood. 

Was haben die USA und Australien beim ESC verloren? 
TV-Shows mit dubiosen Abstimmungsorgien und One-Hit-Wonder zerstören Qualität und Maßstab für Leistung und Erfolg und ebnen Hochstaplern den Weg, mit denen man langfristig nicht konkurrenzfähig sein wird. Superstars à la Lena und Conchita dienten in den USA bislang bestenfalls als Foto-Fratzen für europäische Skurrilitäten, die amerikanische Songs singen müssen, weil sie selber nichts auf die Reihe kriegen. 

Wenn es denn nur auf den 3-Minuten-Song ankommen soll, sollten die Lieder aus den europäischen Teilnehmerländern kommen. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sollten verpflichtet werden, zumindest EINMAL im Jahr den kleineren europäischen Label und/oder Musikern ohne Vertrag eine Chance zu geben. Das setzt allerdings voraus, dass diese einen Anspruch geltend machen. 

Auch die Möglichkeiten des Internets im Musikbusiness könnten ausgebaut werden (Stichwort Crowdfunding), zugunsten einer engeren Bindung zwischen Musiker und ihren Fans. Spätestens dann dürfte klar werden, dass es wahren Musifans eben nicht nur „auf den einen Song ankommt.“ Es geht auch um Glaubwürdigkeit, Fairness, Haltung und Verantwortung. Eigenschaften, die in einem Wettbewerb eigentlich Voraussetzung wären.


:::

Samstag, 28. November 2015

Deutsche Gesinnungspolizei beim ESC mit Breivik in "bester" Gesellschaft

40 Mitarbeiter der ARD haben sich als Eurovisionswächter aufgeschwungen, um die schöne heile unanfechtbare Welt der Eurovision vor einer Rufschädigung durch Xavier Naidoo zu schützen. Wie heile ist die Welt der Eurovision? Verlangen uns deutsche Gesinnungspolizisten nicht vielmehr eine Doppelmoral ab?

Vorweg: Für mich sind Inhalte, Personen, Hypes und Skandale beim ESC über die Jahre hinweg austauschbar geworden. Vielmehr interessieren mich Strukturen und Strategien. Inhaltlich distanziere ich mich von allen an dieser Diskussion beteiligten Gruppen.

Der prominenteste und konsequenteste Eurovisionswächter ist Anders Behring Breivik 
Er griff gleich zur Waffe. In seiner auf der pro-amerikanisch pro-israelisch ausgewiesenen Seite PI veröffentlichten Abschlussrede aus 2012 begründet Breivik seine 77 Morde nicht zuletzt mit Missständen beim ESC. Anhand der Kommentare ist ersichtlich, dass er mit seiner Wahrnehmung nicht mal alleine steht. In einem Zitat kurz vor seinem Attentat aus 2011 outet Breivik sich sogar als Deutschland-Fan: „I hope Germany wins.“. 

Warum drängten Gesinnungspolizei und Eurovisionswächter der ARD nicht auf Abgrenzung von Breivik und PI? 
Von deutschen Medien wurde Breiviks Bezug auf den ESC zwar als Beweis seiner Durchgeknalltheit registriert: 

Spiegel  
Hamburger Abendblatt  

Aber niemand hat daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass Breiviks durchgeknallte Rechtfertigung ein nicht weniger durchgeknalltes Bezugssystem voraussetzt. 

Und dieses Bezugssystem wird als unanfechtbar schöne heile Welt gehandelt?! 
Solange Profiteure, Organisation, Vermarktung, Drahtzieher und vor allem aggressive Kommunikationsstrategien im Eurovisions-Diskurs nicht hinterfragt werden, können selbsternannte Eurovisionswächter ganze Bevölkerungsgruppen täuschen und terrorisieren. 

:::

Sonntag, 22. November 2015

NDR gräbt anderen eine Grube und fällt selber hinein

Seit 1998 ist es Aufgabe des NDR, vom ESC-Wettbewerb abzulenken und die Leute auf einem Nebenkriegsschauplatz aufeinander zu hetzen. Sie nennen es fachmännisch Polarisierung. Schon am Titel der Vorentscheidung „Ein Song für Xavier“ statt „Ein Song für Stockholm“ erkannte ich die gewollte Provokation. 

Prachtexemplar ihrer gelungenen Polarisierung war stets Stefan Raab, der damit die Schadenfreude und Niedertracht im Mainstream salonfähig machte. Das sollte witzig sein. In den Jahren 1998, 2000 und 2004 hatte Raab wie ein verdeckt arbeitender Werbeträger mit seinen gewaltwitzigen Polarisierungen in erster Linie für Rundfunk und Telekom das Telefonvoting anzufeuern. Seit 2010 haben sich mit ihm als Held verbale Schlägertrupps beim ESC etabliert. Das Ergebnis dieser Strategie ist, dass „deutscher Erfolg“ nur noch in Form eines Gesamtpaketes aus törichten Dilettanten und eines verkommenen Supportes geduldet wird. Und genau diesen selbst herangezüchteten Support hat der NDR jetzt kennenlernen dürfen. 

Was der NDR jedes Jahr den Nicht-Nato-Ländern anutut, hat er selber nicht mal 48 Stunden ausgehalten 
Seit Jahren hält der NDR Fans und Zuschauer dazu an, aus dem Spielring zu treten und ahnungslose Teilnehmer der Nicht-Nato-Länder mit Steinen zu bewerfen. Jeder erinnert sich an die Ressentiments des Kommentators Peter Urban gegenüber Russland und Weissrussland. Der jüngste NDR-Angriff galt wieder Aserbaidschan. Der Erfolg dieser Angriffe misst sich an den Hasstiraden deutscher Fans und der Lautstärke ihrer Buhrufe im Saal. Jetzt hatten wir endlich unseren deutschen Soul-Sänger, der uns veranlasste, dass wir uns mal selber und den NDR mit Steinen bewerfen. Was der NDR jedes Jahr den Nicht-Nato-Ländern monatelang zumutet, hat er selber nicht mal 48 Stunden ausgehalten. 

Warum so ein Boohai um einen politischen Dilettanten Naidoo, der nur dummes Zeug redet?  
Selbst wenn Naidoo glanzvoll abgeschnitten hätte, wären ihm, wie beim Sieg des Bundesvision Song Contest, die Buhrufe sicher gewesen. Denn die kamen bereits 2012 und hatten weniger mit Politik, sondern eher mit einem Glaubwürdigkeitsverlust zu tun. Spätestens als seine „Fans“ angesichts seiner umstrittenen Polit-Reden auf facebook zu Soli-Käufen seiner Platten aufforderten, kommt mir die Kunstfigur Naidoo nur noch als die Personifizierung perfider Musik-Promotion vor. Damit also wie geschaffen für den ESC. 

Von Geschmacks- zur Gesinnungsdiktatur  
Bei seinen umstrittenen Reden 2014 setzte er als Polit-Laie ausschließlich auf seine Popularität. Sein Anliegen war es, seine emotionale Betroffenheit kundzutun: "Ich bin eigentlich nur hier, um die Liebe zu repräsentieren". Was für ein Quatsch! 

So viel Naivität ist durchtriebenen Vertretern psychologischer Kriegsführung (Querfront? PI?) natürlich ein gefundenes Fressen. Dumm nur, dass ihre Angriffe dann nicht mehr nur Naidoo gelten, sondern gleichzeitig auch den ahnungslosen Bürgern, zu denen Naidoo einen politisch nicht-legitimierten, kumpelhaften Kuschelkurs aufbaut: Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Nationalisten, Homophobe, Pädophile... Vor geltungssüchtigen Promis, die ständig ihren Kompetenzbereich überschreiten, sind wir nicht mehr sicher. Ich erinnere an die Auftritte der ESC-Siegerin Ruslana während des Maidan, an Klitschko & Co. 

Durch das idiotische Betroffenheitsgeschwafel dubioser Promis werden wir alle zu Opfer einer aggressiven Kommunikationsstrategie
Diese setzt auf Dilettanten und Möchtegerne, mit denen Show und Realität vermischt werden. Das zerstört langfristig Fairness und Maßstäbe. Ständig wird unsere Wahrnehmung und unser Beurteilungsvermögen irritiert und infrage gestellt. Es wird ein künstliches Freund-Feind-Schema erzeugt und alle werden zur Positionierung gezwungen. 

Der Beweis: 2 Stunden nach der Bekanntgabe der Nominierung Naidoos durch den NDR gab es bereits ein verstörendes 7-Minuten-Interview auf RadioEins mit dem NDR-Verantwortlichen Thomas Schreiber. In Berufung auf den ARD-Hauptstadtkorrespondenten Arnd Henze musste sich Schreiber bereits nach der 4. Minute von seinem RBB-Kollegen die Frage gefallen lassen: Wie stehen Sie zum 11.09.? 


:::

Mittwoch, 11. November 2015

Der ESC als Versuchslabor militärischer Konflikte

Vor kurzem überreichte mir jemand fassungslos einen Text aus dem Vereinsheft des ESC-Fanclubs ECG zum russischen Beitrag, geschrieben von Christian Welisch. Der Text, erschienen im August 2015, ist ein Appell, den ESC als eine Polit-Veranstaltung einzuordnen, um Länder wie Russland oder Aserbaidschan endlich offen angreifen zu dürfen. 

So heisst es dort u. a. „Russland habe die Krim besetzt“ und „ein Passagierflugzeug über der Ukraine abgeschossen“. Den Lesern wird erzählt, dass „Homosexuelle in Russland nicht mal Bürger zweiter Klasse sind“, dass Russland versucht „vor der UN in Zusammenarbeit mit islamistischen Diktaturen homosexuellen Mitarbeitern und ihren Partnern die Versorgungsleistungen zu kürzen“ und den „LGBT-Aktivisten Konstantin Golawa ohne Gerichtsverhandlung […] auf eine Terroristenliste gesetzt hat“. „Die russische Unterdrückung Georgiens bis 1989“ und „der Einmarsch im Jahr 2008“ machen die Aufzählung komplett. 

Meine Antwort 

Warum will Christian Welisch seine Politthemen ausgerechnet für unpolitische Schlagerfans in einem als Musikfanclub eingetragenen Verein thematisieren? Oder anders herum: Warum betreiben die Mitglieder ausgerechnet unter dem Schutzmäntelchen eines Schlagervereins verdeckt Politik? 

Ich empfehle Welisch zudem die Tabellen und Links aus Udo Ulfkottes Buch „Gekaufte Journalisten“. Sie weisen darauf hin, dass deutsche Medien nicht weniger propagandistisch sind als die russischen, indem sie einseitig von Interessengruppen der USA, Israel und Nato gelenkt werden. Beim Eurovision Song Contest kann ich dementsprechend nachweisen, wie sich z. B. der NDR für Propaganda den zustimmenden Jubel in Kommentarspalten, Blogs und Fanzines aufbaut, z. B. im Text Mainstream-Musik und Menschenhass

Der hier zugrunde gelegte Text ist ein weiterer Beleg. Er zeigt, wie Schlagerfans nicht nur die einseitige Berichterstattung der „Qualitätsmedien“ übernehmen, sondern auch die politische Geste der moralischen Eckensteher imitieren. Sie maßen sich sogar an, die EBU gegen Russland politisch unter Druck zu setzen: „Ärgerlich ist nicht, dass die EBU für den problematischen Aspekt des Politischen beim Song Contest keine Lösung parat hat, sondern die Tatsache, dass sie dieses Phänomen beharrlich leugnet.“ 

Worin besteht die Überlegenheit der moralischen Eckensteher? 
Sie besteht im blinden Vertrauen auf Medien, die möglicherweise alles andere als unabhängig sind. Sie besteht im Glauben an den Mainstream, an die Wahrheit des Show-Business, an ein blödsinniges Eurovisions-Regelwerk, an verzerrte Votings und erschwindelte Rankings. Das ist eigentlich nur peinlich. Aber Vorsicht: 

Was sich für Außenstehende als ein schlechter Witz darstellt, ist für die schwulen ESC-Fans existenziell wichtig 

20 Jahre lang haben Rundfunkhäuser und Musikindustrie eine trügerisch intime Nähe zu den Fanclubs aufgebaut. Homosexuelle wurden als Parade-Fans in die erste Reihe gesetzt und es wurde ihnen suggeriert, sie seien allein aufgrund ihrer sexuellen Vorlieben die Krönung der abendländischen Zivilisation. Um dies zu begründen bräuchte es keine Erklärung, sondern nur DIE perfekte visuelle Inszenierung à la Dana International (Israel 1998) oder Conchita Wurst (Österreich 2014). 

Mit fortwährender Emotionalisierung, mit Verwässerung der Grenzen zwischen Nähe und Distanz, Bühne und Publikum, Profiteure und Konsumenten, Politik und Unterhaltung, medialer Show und Intimsphäre dürften die Schwulen beim ESC mittlerweile das Gefühl haben, ihre ganzen Persönlichkeitsaspekte stünden auf dem Spiel. Um so leichter kann man ihre Ängste ausbeuten und sie gegen Bösewichter jedweder Art scharf machen. Und die kommen – wen wundert es – ausgerechnet aus den Nicht-Nato-Ländern Russland, Weissrussland, Serbien und Aserbaidschan. 

Durch Hervorhebung des Länderwettstreits, Produzieren von Feindbildern im Osten und im Islam und permanenter Umschmeichelung der Homosexualität wurde den überwiegend männlichen Fans ein hegemonialer Habitus antrainiert. Auffallenderweise verlassen sich weibliche ESC-Fans bislang lieber auf ihre eigene Wahrnehmung und sind weniger bereit Vorurteile bedingungslos hinzunehmen. Dies beweist nicht nur mein Blog, sondern auch ein Artikel im gleichen Vereinsheft zu Polina Gagarina von Margit Herrler. 


:::

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Lena Meyer-Landrut, das Mädchen der Nation

Erinnert sich jemand noch die Lenamania? 

Irving Wolther in Spiegel Online vom 25.5.2010: "Ein seit Sonntag 19-jähriges Mädchen aus Hannover hält die Zukunft unserer Nation in Händen. Zumindest wenn es darum geht, das finanzkrisengebeutelte deutsche Selbstbewusstsein wieder aufzurichten." 

Alfons Kaiser in der FAZ: 31.05.2010: »Uns ist bei anhaltend regnerischem Wetter ein Sommermärchen ins Haus geflattert. […] An diesem Abend in Oslo ging es nicht um Rettungsschirme, Milliardenbürgschaften, Euroskepsis und Inflationsängste. Deutschland hat Europa einfach mal etwas geschenkt. […] Wir stehen in unserem Land eben nicht immer nur mit beiden Beinen auf dem harten Boden der Realität. Manchmal tänzeln wir wie Lenas 'Satellite' durch die Schwerelosigkeit des erdnahen Orbits." 

Holger Kreitling in Die Welt vom 31.5.2010: "Sie ist spontan, doch sich ihrer Wirkung sehr bewusst, auch wenn sie selbst darüber überrascht scheint, wenn 120 Millionen Europäer sie schlicht toll finden. Ihre gespielten Zusammenbrüche, ihr Teenager-Reichtum sind unschlagbar europäisch. Sie zeigt Generationen und Nationen wie es ist, heute jung und froh zu sein." 

Ralf Steckert fasst Schlagzeilen der SZ, der FAZ und der Welt vom 23.05.2010 bis 31.05.2010 zusammen: „Ihre Besonderheit, ihre "Lenahaftigkeit" wurde an ihrer nicht "durchformatiert" wirkenden Performance festgemacht. Ihrer Ausstrahlung wurde "Frische" (unter anderem vom kurz darauf zum Präsidenten gewählten damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff) und "Natürlichkeit" zugeschrieben, begründet durch ihr "unbefangenes, ungezwungenes" Auftreten. 
[…]"

Eigentlich hätte ich die Wucht dieser Schlagzeilen auch nach dem 03.10.2015 erwartet, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Aber die Lenastheniker der deutschen Qualitätsmedien schweigen. Ich habe nicht eine einzige Rezension gefunden, stattdessen einen Clip auf youtube von 

Lena Meyer-Landrut am Tag der deutschen Einheit in Berlin 03.10.2015 am Brandenburger Tor, gesponsert von Coca Cola.

Live is Live?
Am 10.04.2011 haben die Musikpiraten mit einem Video-Vergleich von Probe und Auftritt in Oslo 2010 auf einen möglichen Fake ihres „natürlichen, nicht-durchformatierten“ Live-Auftritts in Oslo hingewiesen. In den 2 Videos klingt der Gesang nämlich identisch. Was nicht mal Profis schaffen, sollte einem Laien, der in 5 Jahren keinen geraden Ton gesungen hat, gelungen sein? Noch interessanter: So schnell, wie auf diesen Text reagiert wurde, wurde noch nie auf einen Text der Musikpiraten reagiert. Minimale Unterschiede in den Videos sollten als Beweis der Redlichkeit dieser Sängerin herhalten und die Kritik noch am gleichen Abend diskreditieren und zum Schweigen bringen. 

Seit 5 Jahren frage ich mich, warum uns Gestümper als das Non-Plus-Ultra aufgezwungen werden soll? 
Das beziehe ich nicht nur auf Lena Meyer-Landrut, sondern auch auf die überschwenglich unrealistischen deutschen Medien. Es geht nicht darum, irgendjemanden zu dissen, sondern ich ringe um normale Maßstäbe. Wären Lenas schiefen Töne die Protestnote einer selbstbestimmten Sängerin ohne Label aber dafür mit mehr Inhalt, könnte ich es als Kunst verbuchen. Aber von US-Konfektionsware made in Germany erwarte ich technisch mehr Stimmigkeit, und sei es dann nur Play-Back. Was anderes als kokett in die Kamera glotzen kann Lena nun mal nicht.

Von den Qualitätsmedien erwarte ich inhaltlich und sprachlich mehr Überzeugungskraft. Bei den Rezensionen aus 2010 wurde ja nicht mal deutlich, ob es um Musik, Tanz, Flaschendrehen oder Voltigieren ging. Die Medien-Gleichschaltung wirkte wie ein kollektives zwanghaftes Daueronanieren.

Für mich ist es offensichtlich, dass Lena Meyer-Landrut die Leistung, die ihr mit einer unmäßigen Medienkampagne, mit Rankings, Awards, Punktetabellen und Siegertiteln auf den Leib gedichtet wurde, nicht einlösen kann. Das schafft Abhängigkeiten. Auch für ihren Onkel. Auch für diejenigen, die sich mit ihrer Schwärmerei reihenweise aus dem Fenster gehängt haben. Wer will sich schon eingestehen, dass er sich von Stümpern über den Tisch ziehen lässt...?

Seit 5 Jahren beklage ich die Art und Weise, wie uns die amerikanische Musikindustrie Gestümper aufzwingt und Abhängigkeiten aufbaut 
Wer sich ernsthaft für Musik und den ESC interessiert, kann Lenas musikalische Darbietungen im Vergleich zur internationalen Konkurrenz nicht wirklich als gelungen bezeichnen. Schon bei der PK in Oslo präsentierte sich ausgerechnet der Lena-Support als hämische und schadenfrohe Gruppe, allerdings wurden sie auch mit einem verhöhnenden Auftritt angefeuert. Sucht die US-Musikindustrie ihren Support nun bei den Anti-Fans? Was soll dieses verkommene Business? Und warum betont und ausschließlich im Namen Deutschlands?


:::

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Mainstream-Musik und Menschenhass

Wenn es um Gewalt in der Musik geht, denken alle spontan an Genre wie Rock, Metal oder Rap. Als ESC-Fan bin ich kaum mit diesen Genres konfrontiert. Stattdessen beobachte ich seit 2008, dass ausgerechnet in den konfektionierten Mainstream-Produkten der amerikanischen Musikindustrie der Menschenhass salonfähig gemacht wird. Dies mit Täuschungsmanöver und Etikettenschwindel eines verdeckt arbeitenden Supportes, der sich nach außen als bunt, schwul und tolerant präsentiert bzw. der diese Attribute ausbeutet. 

Mein Blog begann 2008 mit dem Vorschlag, den umstrittenen Gangsta-Rapper Bushido als deutschen Vertreter für den ESC zu nominieren. Zum einen halte ich Bushido noch stets für einen der wenigen unabhängigen selbstbestimmten Musiker in Deutschland. Zum anderen war die Provokation als Test gemeint, denn nach einem bösen Erlebnis innerhalb des schwulen Fan-Vereins hatte ich zuvor eine Ahnung bekommen, wie und von wem die Kommunikation in der Eurovisionswelt zukünftig gestaltet werden sollte. 3 Jahre später wurden mit dem Attentat von A. B. Breivik meine schlimmsten Befürchtungen noch weit von der Realität überholt. Die Querverbindung zwischen Breivik und Eurovision bildet dabei das Netzwerk PI. 

War ich bis zur Ukraine-Krise mit meiner Wahrnehmung allein, finde ich seit 2013 immer häufiger Beschreibungen von Strategien, die meiner Wahrnehmung nahe kommen, allerdings nicht aus der Musikwissenschaft, sondern aus Soziologie oder Politikwissenschaft. Z. B. Sascha Pommrenke am 25.07.2015 mit seinem Text: "Hybride Kriegsführung, verdeckte Operationen und geheime Kriege" mit der darin zitierten US-Doktrin der "Plausible Deniability" (plausible Abstreitbarkeit): 

"Im Kern zielt diese darauf ab, Führungsstrukturen und Befehlsketten auf einer informellen Basis so zu strukturieren, dass diese für Außenstehende weder nachvollziehbar noch zu rekonstruieren sind und im Fall politischer Verwerfungen glaubhaft bestritten werden kann, eine gegebene verdeckte Operation sei im Auftrag von bestimmten politisch verantwortlichen Führungspersonen durchgeführt worden." 

Hybridkrieg beim Länderweittstreit ESC

Während des ESC 2012 in Baku wurden Anschläge auf die Baku Chrystal Hall verhindert. Offenbar gab es den Plan, das Publikum vor der Weltöffentlichkeit in die Luft zu sprengen und es Staatsführer Aliev in die Schuhe zu schieben. Es ist der widersprüchliche Umgang deutscher Medien mit den ESC-Fans einerseits und diesen Meldungen andrerseits, die mich skeptisch machten. Der verhinderte Anschlag und die geretteten Fans waren ihnen nur eine Fußnote wert, stattdessen hatten sie zuvor 1 Jahr lang auf den Eurovisionsseiten des NDR mittels Menschenrechtsbeauftragten Markus Löning die Akzeptanz für Destabilisierung und Bürgerkrieg in Aserbaidschan herzustellen versucht. Schützenhilfe bekam Löning von Stefan Niggemeier auf Spiegel-Online

Schnee von gestern? Mitnichten
Völlig außerhalb der Eurovisonszeit werden Fans im Eurovisions-Newsletter des NDR vom 02.09.2015 aufs Neue über eine „bedauernswerte“ Oppositionelle in Aserbaidschan informiert. Auffallenderweise war auch eine der ersten Amtshandlungen des Nachfolger von Jarmo Siim, Paul Jordan, diese Info als eine Negativ Meldung zu Aserbaidschan über Twitter weltweit zu verbreiten. 

Was haben politische Laien und Schlagerfans mit Oppositionellen in Aserbaidschan zu tun?

Sie werden nicht einmal über diesen Fall informiert. Ihnen werden unverschämterweise einfach Gemeinsamkeiten mit aserbaidschanischen Oppositionellen unterstellt. Bei der Recherche auf aserbaidschanischen Newsportalen wird man kurz über die Straftaten der Oppositionellen informiert, zudem verbittet sich das Land die Einmischung in innere Angelegenheiten. Und dann werden ausgerechnet politisch nicht-legitimierte Eurovisionsnasen in diese Angelegenheit gesteckt? Dahinter steckt mehr, als nur die Manipulation der öffentlichen Meinung. 

Der Rückgriff auf die – vor allem in Deutschland - als betont trivial vermarktete Eurovision entpuppt sich erstens als Täuschungsmanöver, um die Politik bzw. politisch Gebildeten gezielt zu umgehen. Zweitens will man bestimmte Personengruppen mobilisieren. Nach jahrelanger Beobachtung tippe ich auf PI und die „Breivik-Brüder-im-Geiste“. Eine Negativmeldung zu einem Nicht-Nato-Land mit islamischer Tradition und Kultur umschmeichelt deren Ressentiments. 

Auch der Umgang mit diesem Netzwerk PI erinnert an die Strategie der "plausiblen Abstreitbarkeit". Knut Mellenthin am 29.08.2015 in der Jungen Welt: „PI ist für Privatpersonen, die sich durch den Blog individuell oder als Angehörige einer Bevölkerungsgruppe beleidigt und diffamiert sehen, nicht zu packen. Die Webseite operiert, unter Verletzung deutscher Bestimmungen, ohne Impressum, also ohne juristisch Verantwortlichen. Der Server steht nicht in Deutschland. Auch viele der Autoren verstecken sich hinter Pseudonymen und ausländischen Servern. Eine gerichtliche Entscheidung, dass der Blog aufgrund dieser Umstände illegal arbeitet, und dass sich folglich jeder, der dort publiziert, strafbar macht, würde vermutlich helfen, zumindest abschreckend wirken. Aber ernstlich hoffen, dass das geschehen könnte, darf man wohl nicht.“ 

Eine Skizze weist darauf hin, dass das pro-amerikanisch-pro-israelische Netzwerk PI nicht von irgendwelchen verwirrten Nerds betrieben wird, sondern das dahinter namhafte Organisationen stehen. 






:::

Donnerstag, 24. September 2015

Facebook hat mich als Eurovisions-Fan unsichtbar gemacht

Schon im Mai 2015 wurde ich einmal gesperrt mit der Begründung, mein Pseudonym wäre verboten. Wie tausende andere User auch hatte ich den Begriff „Eurovision“ zu einem Teil meines Pseudonyms gemacht, aber nur bei mir wurde es bemängelt? Das erschien mir unlogisch und so verdrehte ich lediglich ein paar Buchstaben und konnte mich wieder einloggen. 

Im September wurde ich wieder gesperrt, nun mit der Aufforderung, meinen Personalausweis hoch zu laden. "Es ist erforderlich, dass alle Personen ihren echten Vor- und Nachnamen und ihr echtes Geburtsdatum angeben, damit immer klar ist, mit wem du dich verbindest. Dein Konto ist vorübergehend gesperrt, weil dein Profil nicht deinen echten Namen enthält." Dann folgten genaue Vorgaben zum Vor- oder Spitznamen, zum Ausweis etc. 

Beim internationalen Eurovisions-Chat interessiert sich niemand für die echten Namen, im Gegenteil, die Pseudonyme und Profilbilder sind sogar Teil der witzigen Unterhaltung, eine Art Verkleidung wie beim Karneval. Die User wissen, dass sie sich wahrscheinlich nie begegnen werden. 

Eine Sperrung unterstellt eine vorangegangene verbotene Handlung. Aber gesetzteswidrig verhielt sich nur Facebook. Ich konnte Facebook tatsächlich aufklären, dass es in Deutschland verboten sei, den Ausweis zu kopieren und erst recht, den kopierten Ausweis im Internet zu veröffentlichen. Nun wurde der Kontakt persönlich. Fast. Ein anonymer Facebook-Mitarbeiter, der mir weder seinen vollständigen Namen noch seinen seinen Ausweis zeigte, bat mir an, den kopierten Ausweis per Mail an ihn zu schicken. Ich dürfe auch gewisse Stellen schwärzen. Das tat ich. Daraufhin wurde das falsche Dateiformat bemängelt, statt pdf verlange man jpg. Nachdem ich dieser Aufforderung auch gefolgt war, war die Auflösung nicht gehehm. Man forderte ein Minimum von 5 MB. Als ich der Forderung auch nach kam, wurde mir mitgeteilt: "Wir können erst dann auf deine Anfrage antworten oder dir weiterhelfen, wenn wir einen gültigen Ausweis erhalten haben, der mit den Kontodaten übereinstimmt. Diese Entscheidung ist endgültig." 

Natürlich heiße ich mit Nachnamen nicht Eurovision. Aber war es nicht überhaupt Zweck dieser Übung, das Pseudonym aufzulösen? Bin ich als Userin, der das Schachern von Likes, Freunden und Followern egal ist, und die sich ständig nur mit einem einzigen Thema beschäftigt, uninteressant für Facebook? Und dabei hatte ich Facebook in meinem Text 

„Instrumentalisierte Kommunikation beim Eurovision Song Contest als Vorbereitung auf einen europäischen Krieg“

noch so gelobt! Jetzt kann ich gar nicht mehr mit der Eurovisions-Community in Kontakt treten... Zu fragen wäre auch, ob diesen Schikanen nicht sogar eine inhaltliche Zensur vorausgeht. 


Was sagen die Verbraucherzentralen dazu? Meldung aus 2011: "Erst jetzt gab der vzbv bekannt, dass er bereits im März den Facebook-Großinvestor Goldman Sachs angeschrieben und aufgefordert hatte, Einfluss auf die Unternehmenspolitik von Facebook zu nehmen. Im November 2010 hatte der vzbv bereits Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Ein konsequentes Vorgehen erwartet der vzbv auch von der Bundesregierung. "Es ist unerklärlich, warum Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nicht längst das im Datenschutz national Mögliche auf den Weg gebracht hat", so Billen. Zudem müsse die Bundesregierung vor allem auf die USA einwirken, international verbindliche Daten- und Verbraucherschutzstandards einzuführen und deren Durchsetzung zu gewährleisten." 

Meldung aus 2015: "Facebook hatte zum 30. Januar 2015 seine Datenrichtlinie und Nutzungsbedingungen geändert. 19 Klauseln sind aus Sicht des vzbv rechtswidrig - etwa die Klarnamenpflicht - oder fehlende Einwilligungen in die Datenverwendung personenbezogener Daten in Verbindung mit Werbung. Vor allem die Bestimmungen in der Datenrichtlinie sind aus Sicht des vzbv intransparent. Für den Verbraucher erschließt sich nicht auf den ersten Blick, wann welche Daten für welche Zwecke verwendet werden."

„Goldman Sachs macht was es will“
Die gesamte Kunden-Kommunikation, die Anonymität zwischen Unternehmen und Kunde, das ungefragte Geduze, die Forderungen nach Realname und Ausweis wirken kriminell. Anstatt für Umstrukturierungen einen Stichtag festzulegen, der für alle gilt, verfährt Facebook mit jedem User unterschiedlich. Als wollte man den User verunsichern und einschüchtern. Oder will facebook hinter der Individualisierung und Undurchsichtigkeit nur die eigenen mafiosen Geschäftspraktiken verbergen? 


:::


:::

Donnerstag, 20. August 2015

Die Überbewertung von Rankings

Zentraler Bestandteil des ESC sind Abstimmung und Platzierung der Lieder. Mit Punktetabellen zum ESC könnte man Regale einer Bibliothek füllen. Gespräche über Punktevergabe und Platzierungen bestimmen die Fan-Kommunikation.  

Bis in die 90er wurde man als Fan dafür mitleidig belächelt und musste sich den Vorwurf verkürzten Denkens und Wahrnehmens gefallen lassen. Mittlerweile haben sich Themen zu Ratings, Rankings und Votings längst in allen Bereichen bürgerlicher Kultur etabliert, und das sogar, ohne dass die Validität der Rankings angezweifelt wird. Ob Wirtschaft, Politik oder Unterhaltung, überall legen Rankings Bewertungen über Popularität oder Relevanz fest. 

Wie kommen Rankings zustande? 
Die Wählerschaft beim ESC setzt sich aus Juroren und Publikum zusammen. Letztere werden mittels Telefon- oder Online-Voting befragt. Seit 2004 gehen die Abstimmungsergebnisse aller Länder beim deutschen Unternehmen Digame ein, diese errechnet die kombinierten Resultate, kontrolliert wird sie von 2 unabhängigen Kontrolleuren des Unternehmens PWC. Von der PWC unbeachtete Schwachstellen des Votings sind z. B. „Mehrfachteilnahme“ oder „unbekannte Motivation“ im Publikum. Erst recht nicht hinterfragt wird, dass der Wettbewerb durch ungleiche Finanzierung oder durch die Monopolstellung der Major Label und Produktionsfirmen schon im Kern untergraben wird. Monopole simulieren bestenfalls einen Wettbewerb und das Fehlen von Konkurrenz wiederum bewirkt einen Mangel an natürlicher Kontrolle. 

Rankings als Glaubenssystem des Mainstreams 
Im Pop-Mainstream wird finanzielle Intransparenz und unvollständige Konkurrenz nicht hinterfragt. Wenn Rankings überhaupt hinterfragt werden, geht es meist um die Aufdeckung des Fehlverhaltens in der Wählerschaft. Nur in selteneren Fällen wird den Organisatoren Schummelei nachgewiesen, wie beispielsweise dem ZDF bei der Show „Deutschlands Beste“ in 2014. Das ZDF hatte eine Top Liste der beliebtesten Deutschen erstellt, diese Liste erwies sich im Nachhinein als gefälscht. Anstatt sich schützend vor die Belegschaft des ZDF zu stellen und einzugestehen, dass Rankings bestenfalls als Unterhaltung einzustufen sind, ging es dem Vorsitzenden des ZDF-Fernsehrates Polenz nur um die Rettung der Glaubwürdigkeit von Rankings. Er nutzte den „Betriebsunfall“ als Druckmittel gegen ZDF-Mitarbeiter und „kündigte strukturelle Konsequenzen an.“  

Rankings stehen für eine schleichende Sprachlosigkeit 
Musikfans kennt man für gewöhnlich als Fans eines bestimmten Genres oder Musikers. Durch die Masse an TV-Musikwettbewerbe werden Konsumenten zunehmend als Liebhaber eines bestimmten TV-Formates angesprochen. Dies von einem zusammengewachsenen Industriekomplex aus Musikbusiness, Telekommunikation und Rundfunk  (wahrscheinlich auch Militär), der vor allem in Castingshows von der Wiederholung seiner abgedroschenen Produkte (Cover-Versionen, Tantiemen) und Phrasen lebt. Mit der immer gleichen Theatralik inszeniert befördert dieses TV-Format den Wunsch nach kruder hierarchischer Hackordnung mit autoritären Jurys. Diese Jurys machen den Musikjournalismus überflüssig. Statt dass dem Konsumenten Musik oder musikalisches Handwerk erklärt werden, beurteilen die Juroren in emotionalisierenden, leicht nachvollziehbaren Worten Wohlverhalten. 

Rankings stehen für Entprofessionalisierung 
Auf Seiten der Kandidaten wie der Wählerschaft werden Profis und Laien in einen Topf geworfen. Beim ESC (auch in anderen Castingshows) landen selbstbestimmte Musikprofis auffallenderweise oft hinten. Ein paar Beispiele: Georgien, Bulgarien, Mazedonien, Albanien, Deutschland (San Marino). Der größte Teil der Kandidaten besteht aus „Straßenpassanten“, sog. Eintagsfliegen, das gilt sogar für die „erfolgreichen“ Erstplatzierten. 

Auch bei der Bewertung werden die Stimmen des laienhaften Publikums mit denen der Fachjury verrechnet, obwohl beide Gruppen nach völlig verschiedenen Modalitäten werten. Die Fachjury muss ca. 40 gleichförmige 3-Minuten-Stücke in ein Ranking bringen. Diese Forderung hat mit Bewertung von Musik nichts zu tun. Es sind dann auch ausgerechnet regelmäßig musikalisch unprofessionelle, politisch parteiische Journalisten wie Stefan Niggemeier, die den Juroren aus ihrem Ergebnis einen Strick drehen wollen. Die logische Konsequenz dieser umfassenden Entprofessionalisierung wäre, dass Juroren ihre Ergebnisse mit einem Zufallsgenerator ermitteln. 

Welcher Zynismus sich hinter dieser Entprofessionalisierung und Zerstörung von Maßstäben verbirgt, wurde auch bei der Berichterstattung zur ZDF-Panne deutlich. Allzu gerne wurde darauf hingewiesen, dass Germany's Top-Politician Angela Merkel dem talentbefreiten Castingsternchen Lena oder der trinkfesten Moderatorin Ina Müller nicht das Wasser reichen konnte. Dass allerdings das ZDF ausgerechnet die Bundeskanzlerin auf Platz 1 schwindelt, sieht schon sehr nach Bananenrepublik aus.

Rankings stehen für zerstörte Maßstäbe 
Wie bei allen anderen Castingshows gibt es auch beim ESC keine ausformulierten Anforderungs- und Bewertungskriterien, es wird erwartet, dass nach TV-Tauglichkeit, globalen Geschmackskriterien oder vage nach Beliebtheit geurteilt wird. Das Dogma der Rankings setzt voraus, dass es erstens keine überprüfbaren Maßstäbe gibt, und dass zweitens weder Konsumenten noch Kandidaten diese Maßstäbe vermissen. 

Dieser ins Ideal erhobene Missstand der fehlenden Maßstäbe wurde von Stefan Raab 2010 exemplarisch vorgeführt in der Sendung USFO. Ständig hob er hervor, wie perfekt Lena Meyer-Landrut ihr musikalisches Unvermögen hinter „Anmut und Natürlichkeit“ zu verbergen wusste. Obwohl die Show als anspruchsvoller Musikwettbewerb beworben wurde, hatten weder die Leistung des geschickten Verbergens noch die Beurteilung dessen etwas hat mit musikalischem Handwerk zu tun. Mit Argumenten wäre diese „Leistung“ dem Publikum nicht in 2 Monaten zu vermitteln gewesen. „Sprachlose“ und nicht-überprüfbare Rankings hingegen können Willkür, Hochstapelei und Dilettantismus blitzschnell in eine Erfolgsstory verwandeln. 

Rankings fördern Angebermentalität und Unmoral 
Das Fehlen objektiver Kriterien kann in Verhöhnung von Profis und Publikum ausarten. Dass Irritation und Verhöhnung zum Ranking-Kalkül gehören, belegte dann auch der angeberische und spottende Auftritt von Raab und Meyer-Landrut bei der PK in Oslo sowie das schadenfreudige Gelächter im Publikum. In den Konzepten der Musikindustrie sollen Konsumenten offensichtlich keinen Wert mehr auf die „Credibility“ der Musiker legen. Von ESC-Fans hört man dementsprechend immer öfter die Phrase „Es kommt nur auf das Lied an“. Diese Einstellung ist gegenläufig zum Modell des Crowdfunding, wo Musiker auf Vertrauen und Bindung ihrer Fans setzen. 

Rankings befördern Konformismus 
Die Masse an Wettbewerbe erzeugt offensichtlich keine Vielfalt. Durch die Monopolstellung der Musikindustrie beim ESC dominiert amerikanisches Biedermeier. Nach Aufhebung der Sprachenregelung werden die meisten Stücke in in englischer Sprache vorgetragen. (Lt. Wikileaks plant Sony sogar, zukünftig nur noch englischsprachige Musik zu veröffentlichen: „The record company will want to sell off the local repertoire or spin out the local labels and focus on English language repertoire globally […].") 

Dass es unter vielen ESC-Fans den Wunsch nach Wiedereinführung der Sprachenregelung und Unterstützung des Europäischen Musikmarktes gibt, weiss man nur, wenn man tagtäglich in den Social-Media-Gruppen unterwegs ist. In der medialen Öffentlichkeit werden solche Forderungen ignoriert, dies sogar von den Alpha-Fans in den ESC-Vereinen. Gerade an den Äußerungen in Zitaten oder eigenen Blogtexten der meist schwulen Alpha-Fans ist abzulesen, dass sie sich den Forderungen der amerikanischen Musikindustrie vollständig unterworfen haben. 

Rankings erzgeugen Geschmacks- und Gesinnungsdiktatur 
Wer die Glaubwürdigkeit von Rankings hinterfragt, wird der Verschwörungstheorie bezichtigt. Eine bessere Platzierung bekommen jene, die die Rankings ernst nehmen und mit Tabellen, Kurvendiagrammen und Schaubildern analysieren und auswerten. Erhört werden sie allerdings nur, wenn ihr Fleiß das „richtige“ Ergebnis bestätigt. So hatten Fans von Wiwibloggs nach dem ESC 2015 die von der EBU für ungültig erklärte Wertung Montenegros mit statistischer Methode zwar widerlegt: „In fact, I’d call Montenegro’s vote a more accurate measure of the acts than either of Austria, Armenia, Azerbaijan, Germany, Moldova and Romania.“ Ihre Untersuchung bleibt ohne Folgen.  

Platz 1 nehmen die Fans ein, die die Rankings bestätigen und verteidigen. Sie fordern häufig Regelverschärfungen und den Ausschluss bestimmter Länder. Das soll Strenge, Glaubwürdigkeit und Objektivität vortäuschen, ihre aufgespürten asymmetrischen Beziehungen zeigen aber stets das gleiche Ost-Westgefälle und entpuppen sich als leere, emotionale Verbalattacken.


:::

Donnerstag, 9. Juli 2015

Stefan Raab will von der Bildfläche verschwinden?

Das mutigste und geltungssüchtigste Energiebündel des deutschen TV will sich zurückziehen? Kann ich nicht glauben. Obwohl ich gut auf ihn verzichten kann. 

Mit einem Publikum wie mich trieb Stefan Raab stets ein böses Spiel. Bei allem was er tat, bestand seine Aufgabe darin, das Publikum zu polarisieren und Schadenfreude und Niedertracht salonfähig zu machen. Das sollte witzig sein. Mit seinen abgedroschenen US-Musik-Nummern, seinen Eurovisionsfakes und überflüssigen Auftritten in Polit-Talkshows wirkte er auf mich wie ein abgerichteter Schäferhund transatlantischer Interessengruppen, dessen Aufgabe es war, das Niveau herab zu senken, alles und jeden um sich herum weg zu beißen und nach unten zu treten. 

Während er gerne mit Schadenfreude triumphierte, verhielt er sich herrschaftlichen Interessengruppen in Politik und Wirtschaft gegenüber loyal. Dafür werden seine „Leistung“, sein „Erfolg“, seine „Einnahmen“ stets und ausschließlich in US-geteuerten Medien beworben, aber nie wirklich eingelöst, geschweige denn hinterfragt. 

Beim Eurovision Song Contest trieb das „Erfolgsprofil Raab“ sonderbare Blüten 
In den Jahren 1998, 2000 und 2004 hatte er wie ein verdeckt arbeitender Werbeträger mit seinen gewaltwitzigen Polarisierungen in erster Linie für Rundfunk und Telekom das Telefonvoting anzufeuern. 2010 benötigte man nach 30 Jahren jemanden, der sich als Marktschreier einer aufgeblasenen Kampagne á la USFO monatelang aus dem Fenster hängt. Raab tat es. Aber allein seine in allen Medien verbreitete Großmäuligkeit war schon ein Hinweis, dass der Ausgang dieses Musikwettbewerbs nicht wirklich offen ist. 

Raab musste die deutsche Delegation des NDR vor ihrer Düsseldorfer Titelverteidigung 2011 zunächst an ihre Rolle der Eurovisions-Sieger heran führen. Unterstützung bekam er vom Kanzleramt. Mit seinen kumpelhaften Kontakten zur naiven deutschen Musikszene hatte er uns in USFO innerhalb von 2 Monaten die Nichte von Merkels engstem Berater Nikolaus Meyer-Landrut (FDP) aufzuschwatzen. 

Wer lacht denn da so schadenfroh? 
2010 während der Pressekonferenz vor Deutschlands Eurovisions-Sieg in Oslo ließ Raab uns unbeabsichtigt in Abgründe blicken. Allein schon die Verknüpfung solch primitiver Auftritte mit der deutschen politischen Elite über den Namen Meyer-Landrut sollte hellhörig gemacht haben. Wollte man der NSA auf diese Weise die Abhöraktionen mit schräger Unterhaltung garnieren?

Am Ende der Kampagne war Raab nur der unendlich emsige Steigbügelhalter für Universal, einen dänischen Autor, einer amerikanischen Komponistin und zwei deutschen Produzenten. Und seine Lena Meyer-Landrut hat bis heute nicht einen geraden Ton gesungen, was für Newcomer aus seinem Umfeld auch nicht gerade normal ist. 

Nicht das Witzigste, aber doch das Wichtigste an Stefan Raabs Wirken ist für mich die Erkenntnis, dass „deutscher Erfolg“ nur in Form eines Gesamtpaketes aus törichten Dilettanten und eines verkommenen Supportes geduldet wird. 


:::

Sonntag, 21. Juni 2015

Kommunikations-Koordinator Jarmo Siim Opfer der Doppelmoral beim Eurovision Song Contest

Ein sonderbarer Vorfall beschäftigte kürzlich die Hardcore-Fans. Gehackte Mails gaben der schwedischen Delegation einen Anlass, sich als Opfer einer Internet-Attacke fühlen zu dürfen. Der ausgemachte Bösewicht ist der 30-jährige Jarmo Siim, Kommunikations-Koordinator bei der EBU und zuständig für den ESC. Er wurde als Täter entlarvt und ist daraufhin am 15.06.2015 von seinem Posten zurück getreten.

Der Lauscher an der Wand... 
Mich irritiert dieser Vorfall ähnlich wie der mit Ken Jebsen beim rbb. Jebsens private Mails wurden auch über Ecken der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, so dass diejenigen, die damit die Privatsphäre verletzten, sich aufgrund des „inoffiziellen“ Inhaltes lautstark als Opfer inszenieren konnten. Es steht mir nicht zu, die Inhalte weder bei Jebsen noch bei Siim zu verteidigen, an diesen Vorfällen macht mich vielmehr die damit einhergehende schleichende Verschiebung von Grenzen zwischen privat und öffentlich hellhörig. 

Der Prinz-Blog fasst den Vorfall aus schwedischer Perspektive zusammen:  
„Jarmo Siim […] soll Anfang April über seinen Facebook-Account folgende Mitteilung an einen nicht näher genannten griechischen Journalisten gesendet haben: “Unter uns, mach´ weiter mit den Angriffen gegen das schwedische Lied und setze uns [gemeint ist wohl die EBU] unter Druck!” 

Weiter heisst es im Prinz-Blog: „Offenbar war [...] jemandem sehr daran gelegen, die schwedische Teilnahme in diesem Jahr in Misskredit zu bringen. Und möglicherweise in der Hoffnung, dass auch größere Medien diese Story [der schwedische Beitrag wird seit Monaten als Plagiat verspottet, s. Foto] aufnehmen und verbreiten, wurde die griechische Website zu weiteren “Schweinereien” aufgefordert. […]“. 

Die EBU wies die Anschuldigungen zurück, denn Jarmo Siim konnte sich an eine solche Mail nicht erinnern. Man könnte meinen, dass die Angelegenheit mit dem Triumpf der Schweden als Sieger des ESC 2015 erledigt gewesen wäre. Aber es wurde weiter auf diesen Vorfall herumgeritten. So heisst es im Prinz-Blog: 

„Ein nicht näher genannter – dem Akzent nach offenbar britischer – Journalist und Computerkenner weist zumindest nach, dass es sich bei dem Absender der Mail um den echten Account des EBU-Mitarbeiters [Jarmo Siim] handele. Und das wird so nachvollziehbar dargestellt, dass Christer Björkman, schwedischer Delegationsleiter in Wien und Mitglied der Reference Group [der EBU] angekündigt hat, das Thema bei der nächsten Sitzung am 18. Juni noch einmal zur Sprache bringen zu wollen. Den ganzen Vorgang findet er [Björkman] “bemerkenswert”. 

Bemerkenswert finde ich, dass der ganze Vorfall nur im Konjunktiv beschrieben werden kann, auf dass die die Gerüchteküche zum Überkochen gebracht wird. Zitat Prinz-Blog: 

„In der Tat war die Akkreditierungspolitik der EBU in diesem Jahr tatsächlich etwas undurchsichtig – insbesondere wurden viele Fans aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgewiesen. Auch hier in vorderster Front mitverantwortlich: Jarmo Siim.“ 

Jarmo Siim steht also nicht nur in Verdacht, den schwedischen Beitrag gedisst, sondern zuvor auch noch Fans zensiert zu haben... Und es kommt noch schlimmer: Er hat ihr Russland-Bashing unschädlich gemacht! Kurz vor dem Contest erklärte er als EBU-Vertreter in den Medien, dass die Veranstalter in Österreich eine Anti-Buh-Technik anwenden würden, damit die russischen Teilnehmer sowie die Zuschauer vom lästigen Russland-Bashing verschont bleiben.

Interessant zu verfolgen, wie das Russland-Bashing in den westlichen Mainstream-Medien mit der Ukraine-Krise gerechtfertigt wird, obwohl die Ukraine gar nicht am ESC teilgenommen hat. Es dürften dementsprechend keine Ukrainer im Saal gewesen sein. Um dennoch eine Betroffenheit unter den schwulen ESC-Fans herzuleiten, wird zusätzlich noch die angebliche Schwulenfeindlichkeit Russlands strapaziert. 

Meiner Meinung nach sollte juristisch untersucht werden, was es mit der „Gemeinnützigkeit des Fan-Vereins OGAE“ auf sich hat, der seine Mitglieder als Musikfans für teure Tickets 4 Stunden in die Halle stellt, um sie dann in politische Schmieren-Kampagnen einzubinden. Wenn ich zudem diese geballte Ladung an Hass mit dem Pillepalle-Vorfall um Jarmo Siim vergleiche, bekomme ich den Eindruck, dass mit dem Angriff auf Jarmo Siim der EBU ein Exempel statuiert werden soll.

Doppelmoral beim Eurovision Song Contest
Das Bashing gegen Nicht-Nato-Länder wird nachweislich von den verantwortlichen Rundfunkanstalten Großbritanniens (BBC), Schwedens (SVT) und Deutschlands (NDR) forciert. Diese Länder verletzen ständig die Spielregeln, indem sie - bildlich gesprochen - das Spielfeld verlassen und Fans und Zuschauer dazu auffordern, mit Steinen zu werfen. Auf aserbaidschanischen Seiten kann man übrigens anlässlich der Ersten Europäischen Spiele erfahren, wer die Initiatoren dieses Bashings sind und wie es organisiert wird:

Why Islamophobia - Source of anti-Azerbaijani campaign of BBC?
National Endowment for Democracy - generator of coups and chaos

Während also die angegriffenen Länder wie Aserbaidschan diese Masche durchschaut haben, inszenieren sich die Täter vor ihrem Publikum als ahnungslose Opfer mit Vorfällen, die einen sehr konstruierten Eindruck hinterlassen. Wer sich nicht prinzipiell oder aus moralischen Gründen gegen verbale Angriffe bei einem Musikwettbewerb ausspricht, sollte nicht gleichzeitig überreagieren, wenn es auch ihn trifft. Erst recht nicht, wenn er dafür erst noch Userkonten knacken muss. 

Dass es die Schweden trifft, die nicht nur den ESC gewonnen, sondern sich bei der Eurovision seit Jahren als Maßstab formulieren, macht die Angelegenheit pikant. Noch pikanter wird es, wenn eine Person wie Christer Björkman für Wahrheit und Gerechtigkeit sorgen möchte: 

Zitat aus Wiki (Version 25.05.15): „Björkman war Friseur und hatte einen eigenen Salon in seiner Heimatstadt Borås. Ab Mitte der 1980er Jahre begann er mit dem Gesang. […] 1992 durfte er beim Eurovision Song Contest in Malmö für sein Heimatland antreten. Er erreichte [...] aber nur den zweitletzten Platz. Im Jahr 1999 nahm er erneut an der Vorentscheidung teil, konnte aber keinen Sieg davontragen. Seit 2002 ist er Produzent des Melodifestivalen [schwedische Vorentscheidung zum ESC mit gefühlten 1.000.000 Vorrunden durchs ganze Jahr hindurch]. Außerdem ist er Schwedens Delegationsleiter beim Eurovision Song Contest. In dieser Funktion konnte er den Wettbewerb bisher zweimal gewinnen. Er war Produzent des Eurovision Song Contest 2013.“ 

In der englischen Wiki-Ausgabe fand man bis zum 13.06.2015 noch folgenden Hinweis: „He was recently accused of manipulation of the jury which chooses the participating songs." 

Als Produzent der Melodifestivalen feiert er sich wie ein Guru und macht Wettbewerbe, Votings und Rankings zu einer Mainstream-Religion. Mit Anbiedereien an schwule Unterhaltungskultur hält ihm eine Sekten ähnliche, gelenkte Konsumentengruppe treu die Stange, hierzu zähle ich auch den Prinz-Blog. Zudem „verschärfte“ er beim ESC als Mitglied der Reference Group die (idiotischen) Wettbewerbs-Regeln. Achtung: Erst seitdem verbucht er regelmäßig Erfolge

Kurz vor dem ESC 2015 wurde sein Ausscheiden aus der Reference Group gemeldet, durch den Sieg der Schweden ist er als Delegationsleiter jedoch wieder drin. Und hat auch gleich viel zu tun. Zufälle gibt es... 



:::

Donnerstag, 28. Mai 2015

Polina Gagarina aus Russland wird mit „A Million Voices“ Siegerin der Herzen

Da Polina nur zweite wurde, bleiben dem russischen TV-Kanal Channel One die Kosten und Mühen einer Ausrichtung des ESC in 2016 erspart. Diese Aufgabe haben nach 3 Jahren schon wieder die Schweden, und es dürfte nicht einfach werden, den schwedischen Steuerzahler von Sinn und Zweck der Kosten einer schon ins Unbotmäßige aufgemotzten Show zu überzeugen, zumal sich die Euphorie über ihren Siegersong "Heroes" von Mans Zelmerlöw bislang in Grenzen hält. 

Schon gleich nach der schwedischen Vorentscheidung wurden Ähnlichkeiten zu David Guetta's Song "Lovers On The Sun" festgestellt. 

Euphorische Äußerungen kamen in den sozialen Netzwerken auf jeden Fall für die von Florian Wieder entworfenen Bühnenbilder, und es waren nicht zuletzt spektakuläre Animationseffekte, die dem Sänger Mans Zelmerlöw zum Sieg verhalfen

Building Bridges
Eröffnung und Pause waren stilvoll wie nie und sorgten mit den Wiener Philharmonikern, dem Radio-Symphonieorchester des ORF, den Wiener Sängerknaben, dem Arnold-Schönberg-Chor, dem Percussion-Künstler Martin Grubinger, dem Rapper Leftboy und Vorjahressiegerin Conchita Wurst mit Anklängen an Gustav Mahler und Arnold Schönberg für Gänsehaut. Sogar die drei Moderatorinnen hatten ihren Gesangspart. Damit setzte sich dieser Contest angenehm von den gewaltwitzigen und zu sehr auf Eurovisionsgeschichten fixierten Austragungen der Skandinavier ab.

Schön bis skurril fand ich auch die Zusammenstellung kleiner Clips von Fans aus den sozialen Netzwerken, die musikalisch mit dem russischen Beitrag aus 2013 "What If" von Dina Garipova unterlegt wurden, siehe "Das Finale in voller Länge" ab 15'45. Ein russisches Friedenslied, das den 5. Platz belegt hatte, an so prominenter Stelle und als Motto des Abends... machte mich als Insider hellhörig.

Was das Ergebnis betrifft, bleibe ich dabei: Loic Nottet aus Belgien oder Aminata aus Lettland wären würdigere Sieger gewesen. Sie stachen aus der Menge besoffener Balladen und Partysongs heraus. Konzentriert, ruhig und punktgenau setzten sie mit guter Stimmperformance auf Risiko. 

Wem gehören die Million Voices?
Wie schon letztes Jahr wurde man als Zuschauer wegen reflexartiger Buh-Rufe gegen Russland während des Votings wieder Zeuge eines kindischen Polit-Spektakels. Diese Buhrufe entzünden sich an dem Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit des russischen TVs, die sich u. a. im Ausblenden der Auftritte von Conchita Wurst äußere, was allerding nicht stimmt. Was die Buhrufer nicht wussten war, dass Conchita Wurst während ihres Promo-Auftritts in der Finalpause in Österreich ausgeblendet wurde. Stattdessen sahen die Österreicher Werbung.

Nicht das österreichische Publikum oder gar die Schwulen beschwerten sich über diesen Schnitt, sondern nur Wursts Manager Rene Berto, der den ORF daraufhin als "Mischung zwischen russischem Staatsfernsehen und deutschen Privatsendern" beschimpfte.

Ob sich die scharf gemachte Konsumtentengruppe in der Halle mit ihrem aggressiven Auftreten einen Gefallen getan hat, wage ich zu bezweifeln.

Twitter-Zitat: „Wer Intoleranten mit Hass entgegenkommt, hat den Sinn von Toleranz nicht verstanden.“ 

Facebook-Zitat: „Als die Russin zwischenzeitlich führte, konnte man in der Stadthalle - politisch motivierte - Buhrufe hören. Erst nach einer Aufforderung der Moderatorinnen verstummten die Pfiffe. Erst recht, als Schweden die Führung übernahm. I schähm mich das i a Ösi bin !!! Und des in a Stadt wo schwule Ampeln san.“

Die Anti-Russlandfraktion versuchte offensichtlich zu polarisieren 
Und prompt kam es zu sonderbaren Vorfällen. Ich zitiere den Eindruck eines Zuschauers aus Facebook: „Komischerweise brachen bei sicheren Ländern, die Pro Russland waren, die Verbindungen ab. Und dann ging es plötzlich schlagartig bergab [mit Russlands Punkten]. Und als dann die Schweden unaufholbar vorne lagen, wurden die vorher abgebrochenen Verbindungen hinten angehängt und liefen danach problemlos.“ 3 Verbindungsabbrüche und 2 disqualifizierte Jury-Wertungen aus Mazedonien und Montenegro... 

Ob Zufall oder nicht, dies trägt mal wieder nicht zur Glaubwürdigkeit der Veranstaltung bei. Und am nächsten Tag geht die Polarisierung auf Twitter weiter: „Eigentlich wäre es doch witzig gewesen, wenn Russland gewinnt. Die ganze Welt schaut denen dann nächstes Jahr auf die Finger und alle senden nur Gays dahin.“ 

Vielleicht hat Russland nicht ganz zufällig zuvor noch ein Gesetz auf den Weg gebracht, mit dem die vom Ausland finanzierten russophoben NGOs als unerwünscht eingestuft werden können, und am CDU-Mitglied Wellmann prompt ein Exempel statuiert.

0 Punkte für Deutschland aus Europa und 12 Punkte aus Deutschland für „Putins Propagandalied“
Vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen Russland eine Lachnummer und eine Schlappe für die deutschen Mainstream-Medien, die spätestens seit der Ukraine-Krise kein gutes Haar an Russland lassen. Und beim ESC schon gar nicht.

Da bleibt die Musik auf der Strecke. Ann Sophie hat die Vorentscheidung unverdient gewonnen und dann den ESC unverdient verloren. Unverdient nicht deswegen, weil sie besser als 0 Punkte war, sondern weil sie als Deutsche gar nicht am Wettbewerb teilgenommen hat. Deutschland als Mitglied der sog. Big-5 kauft sich beim ESC regelmäßig einen Finalstartplatz und untergräbt damit den Wettbewerb. 

Man stelle sich mal vor, Russland würde seinen ESC-Teilnehmern einen Startplatz im Finale KAUFEN...


...

Samstag, 23. Mai 2015

Ich wage Prognose für ESC 2015 - Loic Nottet aus Belgien mit „Rhythm Inside“ gewinnt

Wenn in anderen Jahren Buchmacher und Fans den Sieger schon vorab zu kennen glaubten, ist dieses Jahr bislang alles offen. Beiträge, die derzeit als Favoriten gehandelt werden, kommen entweder aus Länder mit starker Fan-Lobby oder erfüllen die immer gleichen Erwartungen homosexueller Fans. 

Optimistisch davon ausgehend, dass am Finalabend Musik-kundige Juroren und das europäische Publikum entscheiden, glaube ich auf Grundlage der Videos zu den Proben und des 1. Semifinales, dass Belgien gewinnt. 


 „We're gonna rappappa rappappa tonight“ 
Der Sänger ist 19 Jahre alt, wirkt aber wegen Schüchternheit und auffallend hohe Stimme jünger. Da er nicht nur gerne singt, sondern auch gerne tanzt, wirkt seine Performance etwas schmissiger als die der anderen. Das Beste am Stück ist der Background-Chor, der gar kein richtiger Background-Chor ist, denn er gestaltet Song und Performance maßgeblich mit. Auch dadurch wird die Performance besonders. Zudem singt im Chor ein hervorragender Sänger, der schon 2011 beim ESC in der A-capella-Gruppe Witloof Bay mitsang, und zwar Nicolas Dorian. 

Weniger ist mehr
Der Songtitel „Rhythm Inside“ würde sogar als Eurovisions-Slogan durchgehen. (Der diesjährige Slogan heisst „Building Bridges“). In dem Song geht es um Musik, wodurch sich das Lied schon mal inhaltlich angenehm von den vielen Betroffenheits-, Trauer- und Powerballen unterscheidet. Auch die Komposition von "Rhythm Inside" sticht durch einen tristen minimalistischen Stil hervor und bleibt mit einer spärlichen Instrumentierung als Loic Nottet's punktgenauer Klangkosmos im Gedächtnis hängen. Es ist überhaupt ein Musikstil, den man beim ESC so noch nicht gehört hat. Belgien ist der Teilnehmer der Tops und Flops und wagt als einziges europäisches Land immer mal wieder Experimente. Auf Risiko setzt auch dieser Song und ich könnte mir vorstellen, dass zumindest das jüngere Publikum das dieses Jahr zu würdigen weiss. 

Konkurrenten
Gefährlich werden könnte Loic Nottet der Beitrag aus Australien von Guy Sebastian, ich verbuche das Lied eher als Dudelfunk-Musik. Und überhaupt Australien: Sie brauchten weder eine Wartefrist einhalten, keine Teilnahmegebühren zahlen, kein Semifinale durchlaufen und werden unentwegt promoted... Wenn sie bei so viel Vorteilnahme auch noch „zufällig“ gewinnen, machen sich die Veranstalter lächerlich. 

Auch eingängige Oldies aus Estland mit absolut perfekter Inszenierung und Slowenien scheinen nicht chancenlos, nur ähneln sie sich als Duette zu sehr und könnten sich gegenseitig die Punkte nehmen. Überhaupt sind dieses Jahr 9 Duette in Abendgarderobe am Start, wodurch der ESC einer Hochzeitsmesse ähnelt. Finnlands Punkband hob sich erfrischend ab, setzte aber sehr auf Gaudi, lag bei Abstimmung unter Akkreditierten vor Ort auf dem letzten Platz und schied im 1. Semifinale aus. 

Dafür kommt Schweden besonders gut an, aber was bei diesem Beitrag nicht optisch und akustisch getrickst oder gestohlen ist, glänzt durch Abgedroschenheit. Im Gegensatz dazu Lettland mit Aminata, deren Dubstep-R&B-Ballade wohl das Originellste ist, was dieses Jahr zu hören ist.

Wäre der Eurovision Song Contest so etwas wie Voice of Europe müsste meiner Meinung nach Albanien mit Elhaida Dani und „I'm Alive“ gewinnen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie nicht wie im 1. Semifinale kurz vor ihrem Auftritt stolpert und fällt, die Nerven verliert und nur noch durchs Lied hechelt und dass die Technik vor Ort mitspielt. Wie jedes Jahr klangen auch in Wien einige Beiträge schlecht abgemischt und waren viel zu leise ausgesteuert. Die ausgeschiedene Niederländerin Trijntje führt ihre Niederlage nicht zuletzt auf die Technik zurück.

Aber das wirklich Schräge am ESC ist alljährlich die unterschwellige Botschaft der kommerziellen Musikindustrie, dass sich – zumindest in Europa - musikalische Leistung und Risikobereitschaft nicht rentieren.


...

Donnerstag, 14. Mai 2015

Punk-Band PKN mit Downsyndrom geben als einzige normales Interview

Seit Montag sind die Proben, Pressekonferenzen und Interviews zum Eurovision Song Contest in Wien im vollen Gange. Jetzt kommen die akkreditierten Journalisten und Fans zu ihrem Einsatz, indem sie fotografieren, filmen und interviewen und alle sind gespannt auf Outfit, Performance und Bühnenbild der Musiker. 

Nur wenn man ein Interview gehört hat, bekommt man schnell das Gefühl, alle gehört zu haben, denn alle Stars sagen das Gleiche: Wien ist toll, die Stimmung ist toll, die große Bühne ist amazing, alle sind zufrieden mit den Proben, alle wollen ein wenig feiern, alle lieben Wettbewerbe und wollen aber in erster Linie die Gemeinschaftlichkeit erleben. Und mit Ausnahme einiger weniger Profis können dann noch fast alle Anfänger zu einem Debüt-Album befragt werden. Ich glaube nicht, dass man diese Eintönigkeit den akkreditierten Fans anlasten kann, sie reichen vielmehr durchstrukturiertes Eurovisions-Profiling von oben nach außen durch. Zu kritisieren wären Veranstalter, Musikindustrie, Musiker und Journalisten. 

Eine Ausnahme bildet die finnische Band PKN in dem Interview von Andy Mikheev aus Kasachstan/ Russland von ESCKAZ.com




PKN scheinen bislang die einzigen zu sein, die ein ganz eigenes Ding durchziehen. Dies mit allen Vor- und Nachteilen, einschließlich Kaugummi kauen, maulen, gähnen und popeln vor der Kamera. Der Sänger hat keine Lust auf Interview weil er müde ist. Kein Wunder, ist er doch der einzige, der auf der Bühne arbeiten muss, während die anderen sich erst mal ans Play-Back-Spiel und vor allem an die riesengroße Bühne gewöhnen müssen. Zur Frage ihres Aufenthaltes in Wien heisst es, dass jeder Tag anders ist, und dass sie jeden Tag in anderen Stimmungen seien und ihre eigensinnigen Charaktäre keinen allzu verbindlichen Stundenplan zulassen. 

Bei der Frage nach musikalischen Vorlieben werden alle wach und zählen Musikrichtungen und Bands auf, die sie mögen. Und damit dürften sie genau den Geschmack das Interviewers treffen, der – obwohl eine Koryphäe der Eurovision – ein Metal-Fan ist. 

Ich lehne mich entspannt zurück. Sie appellieren weder an Mitleid noch an Moral, sondern unterhalten mich prima. Sicherlich gesteht man ihnen Narrenfreiheit zu, aber galt das nicht mal für alle Künstler? Wenn aber in einer Unterhaltungsshow von 40 Teilnehmern nur einer Punk-Band mit Handicap der Anspruch auf etwas Narrenfreiheit zugestanden wird, während die übrigen 39 im Einerlei untergehen, dann sind es nicht sie, die ein Problem haben.


:::