Donnerstag, 24. September 2015

Facebook hat mich als Eurovisions-Fan unsichtbar gemacht

Schon im Mai 2015 wurde ich einmal gesperrt mit der Begründung, mein Pseudonym wäre verboten. Wie tausende andere User auch hatte ich den Begriff „Eurovision“ zu einem Teil meines Pseudonyms gemacht, aber nur bei mir wurde es bemängelt? Das erschien mir unlogisch und so verdrehte ich lediglich ein paar Buchstaben und konnte mich wieder einloggen. 

Im September wurde ich wieder gesperrt, nun mit der Aufforderung, meinen Personalausweis hoch zu laden. "Es ist erforderlich, dass alle Personen ihren echten Vor- und Nachnamen und ihr echtes Geburtsdatum angeben, damit immer klar ist, mit wem du dich verbindest. Dein Konto ist vorübergehend gesperrt, weil dein Profil nicht deinen echten Namen enthält." Dann folgten genaue Vorgaben zum Vor- oder Spitznamen, zum Ausweis etc. 

Beim internationalen Eurovisions-Chat interessiert sich niemand für die echten Namen, im Gegenteil, die Pseudonyme und Profilbilder sind sogar Teil der witzigen Unterhaltung, eine Art Verkleidung wie beim Karneval. Die User wissen, dass sie sich wahrscheinlich nie begegnen werden. 

Eine Sperrung unterstellt eine vorangegangene verbotene Handlung. Aber gesetzteswidrig verhielt sich nur Facebook. Ich konnte Facebook tatsächlich aufklären, dass es in Deutschland verboten sei, den Ausweis zu kopieren und erst recht, den kopierten Ausweis im Internet zu veröffentlichen. Nun wurde der Kontakt persönlich. Fast. Ein anonymer Facebook-Mitarbeiter, der mir weder seinen vollständigen Namen noch seinen seinen Ausweis zeigte, bat mir an, den kopierten Ausweis per Mail an ihn zu schicken. Ich dürfe auch gewisse Stellen schwärzen. Das tat ich. Daraufhin wurde das falsche Dateiformat bemängelt, statt pdf verlange man jpg. Nachdem ich dieser Aufforderung auch gefolgt war, war die Auflösung nicht gehehm. Man forderte ein Minimum von 5 MB. Als ich der Forderung auch nach kam, wurde mir mitgeteilt: "Wir können erst dann auf deine Anfrage antworten oder dir weiterhelfen, wenn wir einen gültigen Ausweis erhalten haben, der mit den Kontodaten übereinstimmt. Diese Entscheidung ist endgültig." 

Natürlich heiße ich mit Nachnamen nicht Eurovision. Aber war es nicht überhaupt Zweck dieser Übung, das Pseudonym aufzulösen? Bin ich als Userin, der das Schachern von Likes, Freunden und Followern egal ist, und die sich ständig nur mit einem einzigen Thema beschäftigt, uninteressant für Facebook? Und dabei hatte ich Facebook in meinem Text 

„Instrumentalisierte Kommunikation beim Eurovision Song Contest als Vorbereitung auf einen europäischen Krieg“

noch so gelobt! Jetzt kann ich gar nicht mehr mit der Eurovisions-Community in Kontakt treten... Zu fragen wäre auch, ob diesen Schikanen nicht sogar eine inhaltliche Zensur vorausgeht. 


Was sagen die Verbraucherzentralen dazu? Meldung aus 2011: "Erst jetzt gab der vzbv bekannt, dass er bereits im März den Facebook-Großinvestor Goldman Sachs angeschrieben und aufgefordert hatte, Einfluss auf die Unternehmenspolitik von Facebook zu nehmen. Im November 2010 hatte der vzbv bereits Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Ein konsequentes Vorgehen erwartet der vzbv auch von der Bundesregierung. "Es ist unerklärlich, warum Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nicht längst das im Datenschutz national Mögliche auf den Weg gebracht hat", so Billen. Zudem müsse die Bundesregierung vor allem auf die USA einwirken, international verbindliche Daten- und Verbraucherschutzstandards einzuführen und deren Durchsetzung zu gewährleisten." 

Meldung aus 2015: "Facebook hatte zum 30. Januar 2015 seine Datenrichtlinie und Nutzungsbedingungen geändert. 19 Klauseln sind aus Sicht des vzbv rechtswidrig - etwa die Klarnamenpflicht - oder fehlende Einwilligungen in die Datenverwendung personenbezogener Daten in Verbindung mit Werbung. Vor allem die Bestimmungen in der Datenrichtlinie sind aus Sicht des vzbv intransparent. Für den Verbraucher erschließt sich nicht auf den ersten Blick, wann welche Daten für welche Zwecke verwendet werden."

„Goldman Sachs macht was es will“
Die gesamte Kunden-Kommunikation, die Anonymität zwischen Unternehmen und Kunde, das ungefragte Geduze, die Forderungen nach Realname und Ausweis wirken kriminell. Anstatt für Umstrukturierungen einen Stichtag festzulegen, der für alle gilt, verfährt Facebook mit jedem User unterschiedlich. Als wollte man den User verunsichern und einschüchtern. Oder will facebook hinter der Individualisierung und Undurchsichtigkeit nur die eigenen mafiosen Geschäftspraktiken verbergen? 


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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Datenschutz bei Facebook: USA widersprechen EuGH-Generalanwalt wegen Safe Harbour

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Datenschutz-bei-Facebook-USA-widersprechen-EuGH-Generalanwalt-wegen-Safe-Harbour-2831242.html

Anonym hat gesagt…

Focus: Das bedeutet das Facebook-Urteil für Nutzer (mit viel Facebook-Werbung vorab)

http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/safe-harbor-das-bedeutet-das-facebook-urteil-fuer-nutzer-und-unternehmen_id_4995289.html

FR: „Das muss Folgen für die Geheimdienste haben“

http://www.fr-online.de/datenschutz/eugh-urteil-gegen-facebook--das-muss-folgen-fuer-die-geheimdienste-haben-,1472644,32097240.html

Anonym hat gesagt…

Statt Facebook bietet sich VK an. Dort ist man bislang vor Werbung geschützt.

https://www.youtube.com/watch?v=mcdWJ2MqLkY

Anonym hat gesagt…

Die Löschtruppe bleibt geheim. Warum?

http://dradiowissen.de/beitrag/hasskommentare-die-geheimen-facebook-loescher