Zu meiner Jugend lief man amerikanischen Trends hinterher. Dank Obama muss man sich heute vor ihnen in Acht nehmen. Hinter politisch-korrekten, popkulturellen Verkleisterungen verkörpert Obama wie kein anderer vor ihm eine Art internationalen Totalitarismus, daher ist man selbst beim trivialen ESC davon betroffen.
Geschmacks-, Gesinnungs- und Meinungsdiktatur Mein Eurovisionsblog ist einer besonderen Kommunikationsstrategie seit 2008 zu verdanken. Lebte die Fankommunikation bis 2008 ausschließlich vom Wunsch nach Unterhaltung und Spaß, dominierten seit 2008 vor allem im social Media Kontrollen, Zensur, Schikanen, Rufmordkampagnen und Volksverhetzung. Ich war eine der ersten, die davon betroffen war und frage mich bis heute, wer die Strippenzieher sind.
Das von
der Realität entrückte Obama-System macht es sogar möglich,
Verhaltensauffälligkeiten bei ESC und US-Präsidentschaftswahl zu
entdecken. Die Niederlage Clintons hat auf das deutsche „Establishment“
tatsächlich den gleichen Effekt wie der ESC-Sieg Russlands 2008 oder der
ESC-Sieg Aserbaidschans 2011. Obwohl deutsche Promis und Politiker
offiziell weder auf die Wahlen in den USA noch in Russland oder
Aserbaidschan Einfluss haben, fühlen sie sich zur eindeutigen
Positionierung berufen und beschwören aus „ihren“ unerwünschten
Wahlergebnissen den Weltuntergang.
Hannoveraner Hunde an der Leine In seiner Rede in Hannover 2015 vor gewähltem Publikum sprach der amerikanische Präsident tatsächlich den trivialen ESC an und gab damit preis, dass und mit wem die USA selbst die Popkultur top-down zu kontrollieren und zu dirigieren versucht. Ihr erwähltes deutsches Publikum, das „Establishment“, lässt sich zu diesem Zweck von der USA nachweislich vor jeden idiotischen Karren spannen, wie z. B. 2010/2011 die Meyer-Landrut-Kampagne bewiesen hat:
Eine Interpretin aus Hannover mit Nähe zum „politischen Establishment“ in Person von Nikolaus Meyer-Landrut als Merkels damals engstem Berater in – man höre und staune - Europafragen,
aus den USA gekauftes Lied, die dann auch als einzige daran verdienen,
Wettbewerb-Fakes und wertlose Erfolge für Deutsche zur Selbstbeweihräucherung,
massenhaft verbreitet in gleich geschalteten Medien,
im Verbund mit Wirtschaft (Opel), Kirche (Lena-Fanclub), Wissenschaft (Privatuni) und
anonymisierten Supportgruppen (finanziert durch George Soros).
Postfaktisch eben. Mit einem von herkömmlichen Maßstäben befreiten, inzestuösen System können uns mittlerweile Hochstapler, Lügen und Müll wie Gold angedreht werden.
Gewährleistet wird dies durch:
Überwachung im Social Media
Fixierung auf manipulierbare Protagonisten und Zahlen
erschwindelte Wettbewerbssituationen, erschwindelte Umfrageergebnisse, Fake-Conteste, Castings, Votings, Awards etc.
keine lästige Orientierung an Fakten, an Publikumsgeschmack und Musikexperten mehr.
Genauso wenig wie die Komplizen und Strategien haben auch die Obama‘schen Anliegen nie etwas mit dem zu tun, was sie vorgeben, im Falle des ESC also mit Wettbewerb, Musik und Spaß. Wie in der Politik werden auch die ESC-Fans unentwegt mit
Pseudo-Anliegen einer „Offenen Gesellschaft“
hofiert (korrumpiert),
emotionalisiert“ (desinformiert) und
polarisiert“ (ausgebeutet und aufeinander gehetzt).
Als ginge es statt um Musik um ein Erziehungsprogramm bezüglich sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Religion, Herkunft und deutsche Natürlichkeit
Beim 1. Semifinale am Dienstag dem 10.05.2016 kam es zu einem Eklat: Beim Schnelldurchlauf winkte die für Armenien antretende Hamburgerin Iveta Mukuchyan mit der Flagge von Bergkarabach besinnungslos lachend in die Kamera.
Auch die schwedischen Ausrichter erzeugen durch eine niveaulose Vorstellung von guter Unterhaltung für Verärgerung. Sie thematisierten im Pausenact wie auch bei der Moderation die Flüchtlingskrise, um dem Publikum damit nach eigener Aussage „eine Freude zu bereiten“. Die NZZ stellt zurecht fest: „Ein etwas unbedarfter Umgang mit einem komplexen politischen Problem, gewissermassen auf der Ebene eines Schlagertexts. Es gäbe durchaus Wege, Kontroversen wie derjenigen des Fahnenstreits zuvorzukommen.“
Irgendwie sind die Organisatoren ja zuvorgekommen. Wenige Tage vorher hatte die EBU (angeblich ungewollt) eine Liste der verbotenen Flaggen veröffentlicht. Die armenische Delegation hat diese Liste offensichtlich als Inspiration und Aufforderung verstanden. Oder etwa nicht? Wie ich schon im Text Russland gegen den Rest der Welt vorschlug: Warum verbietet man nicht einfach alle Flaggen?
Den Bock zum Gärtner gemacht Da politische Statements und Lieder auf der ESC-Bühne verboten sind, hat die EBU für den Regelbruch der armenischen Delegation ordnungsgemäß eine Strafe angedroht, sollte es zu einer Wiederholung kommen. Wieso muss man sich eigentlich stets mit dem Blabla der EBU begnügen? Macht man damit nicht den Bock zum Gärtner?
Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat Die armenische Presse verweist stolz darauf, das Iveta Mukuchyan im Social Media verteidigt wird.
Von wem, bitteschön, verteidigt? Schon beim ESC sind 99% der Protagonisten politische Laien, die Gruppe dieser unwissenden Laien soll durch Zuwachs x-beliebiger Facebook-User erweitert werden, um aus der Summe fehlgeleiteter Annahmen die reine Wahrheit abzuleiten? Damit führt Armenien vor, was ich seit 20 Jahren beklage:
Der ESC ist eine Paradebühne für die Entprofessionalisierung der Politik Während Berufsgruppen, die professionell mit Politik zu tun haben (Politologen, Soziologen, Historiker, investigative Journalisten) Themen des Mainstreams und der Spaßgesellschaft arrogant meiden, ist das Publikum den krudesten Strategien schutzlos ausgeliefert. Gleiches gilt offensichtlich für die geltungssüchtigen und ungebildeten Promis, seien sie nun Sänger oder Moderatoren - oder Online-Journalisten.
Beispiel T-Online:
„Nun steht die Frage im Raum, ob und wie die EBU (Europäische Runkfunkunion) das armenische Verhalten sanktionieren soll, um eine Reaktion des verfeindeten Aserbaidschans in der Show am Samstag zu verhindern.“ Interessant, dass mit aller Selbstverständlichkeit eine „Reaktion“ der Aserbaidschaner thematisiert wird. Warum sie?
Fakt ist, dass die deutsche Sängerin die ESC-Bühne missbraucht hat, um als Berufs-Armenierin mit der Flagge von Karabach eindeutig Position zu beziehen. Als industriell produzierter Castingstar aus Hamburg dürfte sie allerdings kaum legitimiert sein, sich in die diplomatischen Beziehungen beider Länder einzumischen.
Frage: Wäre nicht der armenische Präsident in der Pflicht
die armenische ESC-Delegation noch vor dem Finale zurück zu pfeifen,
die Verträge der Teilnehmerin zu überprüfen
und alle an ihrer Eurovisions-Vermarktung beteiligten Personen und Unternehmen zu verklagen?
Begründung: Sie untergraben die politische Arbeit unserer Regierungen und sind eine Gefährdung für den Frieden.
Auch wenn wir langsam ahnen, dass bei dieser Scripted-Reality-Show nichts zufällig geschieht, müssen wir wie Kleinkinder zu Weihnachten jedes Jahr aufs Neue TOTAL von Show, Ergebnis und Stimmung überrumpelt sein. Alles andere käme einem Verrat gleich. Denn so lange der Westen das meiste Geld in unseren Spaß investiert und in den Gremien das Sagen hat, hat er auch die Deutungshoheit über den „gerechten und sauberen Wettbewerb“, repräsentiert durch US-Präsident Barack Obama.
Ausschnitt aus Obamas Rede April 2016
Niemand wird annehmen, dass Obama den ESC als Fan und passiver TV-Konsument in seinen Reden erwähnt. Der ESC gehört längst zu den inoffiziellen politischen Druckmitteln, mit dem Konflikte in Europa erzeugt und Konfliktzonen ins Rampenlicht gerückt werden. Selbst die demonstrativen Auszeichnungen zur „Einigung Europas“ wie Karlsmedaille und Charlemagne Medal wirken aggressiv wie der diesjährige Slogan:
Come Together Verpackt in Musik-Promotion werden politische Hetz-Kampagnen - vor allem zur Diskreditierung Russlands - über Social Media und in Boulevardmedien verbreitet. Der Bezugsrahmen eines Pop-Spektakels ermöglicht es, mit reißerischen Aufmachungen ständig zwischen Seriosität und Ironie (oder sollte ich Satire schreiben) zu lavieren.
Von Lena über Conchita bis Böhmermann wird der letzte Mist als zu verteidigendes Kulturgut der abendländischen Zivilisation aufgebauscht und mit Emotionalisierung, Betroffenheitsszenarien, Infantilismus und Entprofessionalisierung von allen Chefredaktionen gegen Putin und Erdogan verteidigt.
Obama, wie war das mit den "24 languages in united Europe"? Konnte ich in den Vorjahren zumindest noch 4 bis 5 Beiträgen etwas abgewinnen, hat der amerikanische Konzern Universal Music dieses Jahr alles auf ein Level getuned. Alle müssen in englischer Sprache singen, so dass man den Eindruck bekommt, die Castingsternchen treten nicht mehr für, sondern gegen ihre europäischen Herkunftsländer an. Das soll wohl die Popularität der USA vortäuschen…? Ist Obamas Erwähnung des ESC als Drohung zu verstehen? Sollte es der USA in den Sinn kommen, die ganze Show als einen Fake auffliegen zu lassen, stünden nur ihre bis dahin moralisch über alle Zweifel und Kritik erhabenen Partner dumm da. Würde in Deutschland die Meyer-Landrut-Blase platzen, wären alle Helden unserer Popszene und die politische Elite um Merkel einer Blamage ausgeliefert.
Oder kommen die einzeln dran?
Den Nicht-Nato-Ländern hingegen kann es egal sein, da ihnen ja rein programmatisch seit Jahren nur Böses vorgeworfen wird. So what?
Der Einfluss der Politik auf den Eurovision Song Contest wird von den meisten nur bei der Punktevergabe wahrgenommen. Ich meine, dass auch die nationale Auswahl deutscher Beiträge Aufschluss gibt über den jeweiligen politischen Trend.
Die Bemühungen der 50er und 60er Jahre sind kaum nennenswert. Erst Mitte der 60er, also zwischen dem Rücktritt Adenauers und Brandts Wahl änderte sich das politische Klima grundlegend, erst nun gelang es dem deutschen Schlager Anschluss an die internationale Entwicklung zu finden. Das gemeinsame Erfolgsrezept sozialliberaler Politik und deutschem Schlager war „die erfolgreiche Integration des bis dahin Ausgegrenzten“, in der Musik waren das z. B. Gitarren, Bass, Rock- und Soulrhythmen. Hießen unsere heimlichen Stars ohnehin Mick Jagger und Janis Joplin, kam jetzt eine Deutsche hinzu, nämlich Katja Ebstein. 1970 erreichte sie beim Song Contest mit Platz 3 das bis dahin beste deutsche Ergebnis. Als sie ein Jahr später mit einem Umwelt-Schlager noch mal dritte wurde, war der Höhepunkt der Politisierung des Schlagers jedoch schon erreicht. Dass 1982 Nicole mit einer Friedensschnulze gewann, ist
Eine andere Geschichte. Für mich war das „bisschen Frieden“ Ausdruck der von Kohl angedrohten geistig-moralischen Wende. Es beschwor eine hysterische Weltuntergangsstimmung, besang die Resignation, die Heimat- und Naturverbundenheit und das kleine persönliche Glück des volkstümlichen Schlagers. Ach, und es hätte so schön werden können, wenn z. B. bereits 1976 Ina Deter als deutsche Teilnehmerin zum Song Contest geschickt worden wäre. Als spätere Vertreterin der Neuen Deutschen Welle stand sie für einen innovativen, selbstbewussten und humorvollen Schlager. Die NDW durfte uns unter Kohl natürlich nicht beim ESC vertreten. Erst als sich der progressivere Teil der NDW vom Schlager verabschiedete, durfte der verbliebene konservative Teil zum Ende der 80er Jahre das besinnungslose, entideologisierte Spaßjahrzehnt einläuten, dass in Guildo Horn, Stefan Raab und einem Spaßkanzler Schröder seine schrägen Höhepunkte feierte. Aber jetzt habe ich vorgegriffen.
Piep, piep, piep 1995 entfiel die Vorentscheidung, der MDR schickte ein Retortenduo ins Rennen und irgendwie meine ich mich zu erinnern, dass dieser Beitrag von ‚Kohl als Jury’ favorisiert wurde. Ergebnis war der legendäre 1 Punkt aus Malta. 1996 ließ man uns gar nicht erst antreten. 1997 zeigten wir uns mit einem steifen, konservativ-barocken Beitrag unbelehrbar deutsch. Und dann kam 1998. Der Regierungswechsel lag in der Luft, die Telekom mischte das Ganze mit Telefonvoting auf zugunsten von Raab und Horn. Auch nun wurde wieder die „erfolgreiche Integration des bis dahin Ausgegrenzten“ praktiziert, man entdeckte nämlich die Homosexuellen als Zielgruppe. Diese feierten für die nächsten 2 Jahre mit den Siegen einer israelischen Transsexuellen und einem künstlich aufgemachten, schwedischen Wesen ihre Höhepunkte.
Also wissen Se, nee! Bis 2005 schlugen wir uns dann wacker durch, mit dem Regierungswechsel war der Spaß vorbei. Gegen die wachsende Dominanz osteuropäischer Länder setzte man Merkels Busenfreundschaft zu Bush entgegen. Erzkonservative amerikanische Genres wie Country, Swing und Musical (sorry, hier fehlten 0,5%), die sonst kein Deutscher irgendwo zu hören bekam, repräsentierten uns beim Contest. So viel Unglaubwürdigkeit und Anbiederei wurde dementsprechend vom europäischen Publikum abgestraft.
Da sich Geschichte gerne wiederholt, darf man sich jetzt fragen wie es weiter geht:
a) einen Regierungs- und damit einhergehend einen Konzeptwechsel beim NDR wie 1998 wird wohl niemand ernsthaft wittern.
b) 1 Punkt aus Malta wegen Aufgewärmtes, wegen Mut- und Ideenlosigkeit? (Fortenbacher)
c) Oder wird endlich mal wieder etwas „bislang Ausgegrenztes erfolgreich integriert“? (Bushido)
d) Jetzt kommt der Gau: Verdrängung eigener Unzulänglichkeit und Spielverderberei beim Wettbewerb (Big 4), metaphernreiche Ressentiments gegenüber Osteuropa, gedämpfte Schadenfreude über die erzwungene autoritäre Jury, Abschaffung der Zuschauerpartizipation und vollständige Kontrolle über die deutsche Vorentscheidung… passt bestens zu einem Kanzler Roland Koch. Da empfehle ich Ralph Siegel, der angesichts einer Weltwirtschaftskrise die hysterische Weltuntergangsstimmung schürt, mit Resignation und Heimatverbundenheit schmeichelt und uns in die Grenzen unseres kleinen persönlichen Glückes zurückverweist.
(Die Überschrift ist Titel eines Liedes von Bully Buhlan, komponiert von Günter Neumann 1949)