Dass Jamie-Lee Kriewitz die deutsche Vorentscheidung gewinnen würde, hatte ich am 09.02.2016 schon vorhergesagt. Zu dem Zeitpunkt hätte ich nicht gedacht, dass mich ihr Sieg so angenehm berühren würde. Das lag zum einen daran, dass sie den Super-Gau verhinderte: Axel Diehl. In dieser Einschätzung gibt es eine bis dahin nie gekannte Übereinstimmung unter allen ESC-Fans, national wie international. Zum anderen liegt dies bislang auch an die:
Angenehm unaufdringliche Vermarktung
Während Politikernichte Lena Meyer-Landrut als Karikatur des Fräuleinwunders zum "emotionalisierenden", "polarisierenden" und damit nervtötenden Medien-Hype wurde, scheint man für Jamie-Lee's Starprofil noch keine passende Schublade gefunden zu haben. Wahrscheinlich sucht man nicht mal danach. Barbara Schöneberger fasste es in einem Kurz-Interview zusammen (ab 05'15): Zu Jamie-Lee müssen wir nichts erklären, wir schicken sie und sie steht für sich selbst.
Puppen-Punk
Bunte Knallbonbons hat man schon öfters beim ESC gesehen, Beispiel Moje 3 aus Serbien in 2013, aber hier wurde das Outfit im Nachhinein angepasst und war eher der Ratlosigkeit geschuldet, um überhaupt noch was rauszuholen.
Das ist bei Jamie-Lee anders, sie präsentiert sich in einem Mode-Stil, den uns der NDR mit Schlagworten wie Manga-Kultur, Decora Kei oder Lolita erst mal erklären muss. Jamie-Lee stilisiert sich zu einer fiktiven Figur, zu der sie zugleich Distanz wahrt. Das gefällt mir. Das passt auch zu ihren eigensinnigen Äußerungen: Sie hat sich ein trauriges Lied gewünscht, will ihrem Decora-Kei-Style treu bleiben, möchte für ihre Performance ein krasses Bühnenbild und will das Publikum vor allem mit ihrer Stimme erreichen. Nur
Das muss jetzt alles zu einem Bonbon zusammengeschmolzen werden
Als ESC-Fan ist man oft und gerne mit Musik aus anderen Ländern beschäftigt, so auch mit japanischer Musik, und die punktet mit viel Technik, Tricks und Kitsch. Wahrscheinlich entwickelt man dabei unbewusst eine Erwartungshaltung. Ich verweise auf die Band Sekai No Owari, die mal am asiatischen Abu Song Festival teilgenommen haben: 1 Ton, 1 Baum, Feder- und Fledermauskostüm, der Rest ist Licht-, Schnitt- und Kameratechnik.
https://www.youtube.com/watch?v=4v0Y0FVIbZk
Ich stimme der Kritik des Prinzblogs zu, die den Auftritt von Jamie-Lee als unstimmig beschreibt. Wie kommt man vom japanischen Outfit der Sängerin auf den vergreisten Märchenwald der Gebrüder Grimm? Wozu ein Backgroundchor, der versteckt werden muss? Da er doppelt so alt klingt wie in der Studioversion, bekommt man das Gefühl, Mutti will auch mit auf die Bühne. Und Papis unbewegliche Kameraführung, die aus japanischem Manga ein niedersächsisches Provinztheater macht, geht gar nicht.
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Mittwoch, 9. März 2016
Mittwoch, 13. Januar 2010
MaNga will represent Turkey in Oslo
Eine weitere Kulturrevolution. Meine türkischen Favoriten wurden gestern nominiert, jetzt kann ich nur hoffen, dass sie ihrem Stil treu bleiben. Aber diese Nominierung betrifft auch meine persönliche Fankultur.
So wurde letztes Jahr in Moskau im engen Fankreis schon vorgeschlagen, 2010 nicht zum Austragungsort, sondern zum Herkunftsland seiner jeweiligen Favoriten zu reisen. Und mal ehrlich: Das kleine, teure (und provinzielle) Oslo wird ja nicht mal als Städtereise in Reisebüros angeboten.
Deswegen zum Feiern und Daumendrücken nach Istanbul! Wer fährt mit?
So wurde letztes Jahr in Moskau im engen Fankreis schon vorgeschlagen, 2010 nicht zum Austragungsort, sondern zum Herkunftsland seiner jeweiligen Favoriten zu reisen. Und mal ehrlich: Das kleine, teure (und provinzielle) Oslo wird ja nicht mal als Städtereise in Reisebüros angeboten.
Deswegen zum Feiern und Daumendrücken nach Istanbul! Wer fährt mit?
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Samstag, 9. Januar 2010
Kulturrevolutionen beim Eurovision Song Contest
Das Internet als Hauptinformationsquelle und Kommunikationsplattform hat das TV mit seinen festen Sendezeiten bald verdrängt. Vor allem die rasante Entwicklung von Web-2.0 macht gerade für ESC-Fans das On-Demand-Modell des Internets attraktiv. Angebote und Abruf neuester Infos und Musikstücke erfolgen mittlerweile im Minutentakt. Ich würde sogar behaupten, dass die Zeit vor dem Finale, wo noch alles offen ist, mittlerweile die eigentlich spannende Periode im Contest-Jahr ist.
Wer sich rund ums Jahr mit dem Contest beschäftigt, staunt und stöhnt nicht selten, wenn in nicht wenigen Ländern aus einer Auswahl brauchbarer Musikstücke und interessanter Stars letzten Endes mit fast schlafwandlerischer Sicherheit ein schwaches Stück und/oder langweilige Interpreten ermittelt werden. Auch beliebte Stars meinen oft, sich für den gemutmaßten Contestgeschmack verbiegen zu müssen, was zu enttäuschenden Ergebnissen führt. Wer sich also nur das Finale anschaut, dem entgehen die wahren Schmuckstücke europäischer Musik.
Wie im letzten Blogtext bereits erwähnt, setzt Norwegen auch bei der diesjährigen Vorentscheidung auf echte, handgemachte Musik und wagt, die Black Metal Band Keep Of Kalessin auf die Schlagerfans loszulassen. Sie haben am 08.01.2010 die erste Qualifikationsrunde glänzend bestanden, ich darf also weiterhin hoffen, in Oslo die erste Black-Metal-Band beim Contest zu erleben:
Auch der Wettbewerb verlagert sich vor. Wahre Fans fiebern nicht nur bei jeder nationalen Vorentscheidung mit, die Türkei befragte die Fans dieses Jahr sogar nach ihren Wunschkandidaten, die TRT per Mail mitgeteilt werden konnten. Bis vor kurzem gab es drei Favoriten: Manga, Emre Aydin und Şebnem Ferah. Was für eine flotte Auswahl! Noch! Ich warte seit dem 29.09.2008 auf eine Nominierung von Manga.
Wer sich rund ums Jahr mit dem Contest beschäftigt, staunt und stöhnt nicht selten, wenn in nicht wenigen Ländern aus einer Auswahl brauchbarer Musikstücke und interessanter Stars letzten Endes mit fast schlafwandlerischer Sicherheit ein schwaches Stück und/oder langweilige Interpreten ermittelt werden. Auch beliebte Stars meinen oft, sich für den gemutmaßten Contestgeschmack verbiegen zu müssen, was zu enttäuschenden Ergebnissen führt. Wer sich also nur das Finale anschaut, dem entgehen die wahren Schmuckstücke europäischer Musik.
Wie im letzten Blogtext bereits erwähnt, setzt Norwegen auch bei der diesjährigen Vorentscheidung auf echte, handgemachte Musik und wagt, die Black Metal Band Keep Of Kalessin auf die Schlagerfans loszulassen. Sie haben am 08.01.2010 die erste Qualifikationsrunde glänzend bestanden, ich darf also weiterhin hoffen, in Oslo die erste Black-Metal-Band beim Contest zu erleben:
Auch der Wettbewerb verlagert sich vor. Wahre Fans fiebern nicht nur bei jeder nationalen Vorentscheidung mit, die Türkei befragte die Fans dieses Jahr sogar nach ihren Wunschkandidaten, die TRT per Mail mitgeteilt werden konnten. Bis vor kurzem gab es drei Favoriten: Manga, Emre Aydin und Şebnem Ferah. Was für eine flotte Auswahl! Noch! Ich warte seit dem 29.09.2008 auf eine Nominierung von Manga.
Samstag, 7. November 2009
Bei den diesjährigen MTV Europe Music Awards
... gewann die türkische Gruppe Manga den Preis der besten europäischen Band. Manga war mir bereits durch Gespräche in Fankreisen bekannt. Seit Wochen kursierten Gerüchte, sie könnten mögliche Vertreter der Türkei 2010 sein. Egal, wer letztenendes nominiert wird, ich bin von dieser Band begeistert und erfreue mich um so mehr der europäischen Fan-Gerüchteküche, die mir Musik aus vielen verschiedenen Ländern näher bringt. So stellt man sich den ESC-Diskurs vor!
Go - Manga - Go
In Deutschland wird hingegen bezüglich des Contestes überhaupt nicht über Musik gesprochen, bestenfalls über Abstimmungsmodalitäten. Alldieweil sich ein paar ältere Männer ihre Pfründe wieder gesichert haben und seitdem ihre Eitelkeiten mit schlechter PR pflegen, waren für Fans alle Arten der Spekulationen Anfang des Sommers beendet.
Die Homepage des NDR gibt da auch nur noch Historisches her. Ohnehin ist sie seit Jahren nicht mehr als eine aufgemotzte Kopie der Fan-Homepages, und die Casting-Videos wirken in ihrer Gezwungenheit auf mich eher bedrückend.
Und das alles wird – nachdem es als tolles Sendungspotenzial an PRO Sieben unter Wert verkauft und dort polternd glorifiziert - demnächst als Dauerschleife breit getreten… Für mich bislang enttäuschend.
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