In Deutschland gerät der Eurovision Song Contest zunehmend in die Negativschlagzeilen. Die Medien berichten mehr über angebliche Missstände im Austragungsland Aserbaidschan als über Musikstücke und Interpreten. Wer sich intensiver mit Politik und Wirtschaft beschäftigt mag wissen, welchen Zweck diese Politisierung verfolgt. Mir als organisierter ESC-Fan soll das aber egal sein. Nicht die Politik, sondern ausschließlich die Musik ist mein Hobby und es schmerzt, wenn mir mein Hobby durch die Einmischung der Politik zerstört wird.
Beispielhaft für Agitation ist der Spiegel-Artikel Unser Eklat für Baku von Stefan Niggemeier vom 16.02.2012. Schon der Auftakt provoziert: „Zu Gast bei Schurken? Party beim Diktator?“ Diese Polemik zieht sich durch den gesamten Artikel. Die von Niggemeier zitierten Menschen werden wie in einer Inquisition vorgeführt, die Politisierung des ESC und die Aserbaidschan-Frage werden zu reinen Gewissensfragen. „Es ist schwierig, sich da zu positionieren (…), ohne dass man jemanden Unrecht tut“, so die kluge, weil ausweichende Antwort der Musikerin Alina Süggeler (Frida Gold). Das aber nimmt Niggemeier sofort zum Anlass, der ARD auch gleich eins zu verpassen: Diese habe nämlich „bislang darauf verzichtet, das Land (Aserbaidschan) zum Thema zu machen."
Fazit des Artikels: Die Dämonisierung des Orients scheint abgemachte Sache, jetzt müssen nur noch alle in Linie gebracht werden. Seitdem werden die Vorwürfe von Menschenrechtsorganisationen auf Onlinemedien im Stundentakt repetiert. Was den Initiatoren dieser Kampagne dabei aus dem Blickwinkel gerät ist, dass die Wahl ihrer Zielgruppe (Berufsgruppen und private Interessengruppen rund um einen Schlagerwettbewerb) sowie die Art ihrer Berichterstattung mit politischer Rationalität, Information und Aufklärung nichts zu tun haben: Laien werden mit außenpolitischen Themen überrumpelt, ihnen wird eine Positionierung abverlangt, eine Meinung nahegelegt und ein Betroffenheitskult aufgezwungen. Ist das jetzt die hohe Schule der Diplomatie, der Politik? Betroffen macht mich bestenfalls, dass weder die Fanclubs noch die Organisatoren vom NDR oder der EBU diesem offensichtlichen Missbrauch des Eurovision Song Contestes die rote Karte zeigen.
Der unauffällige Weg rechter Ideologien in den Pop-Mainstream
Diese Medienberichterstattung schafft die harmlose, verspielte Unterhaltungsshow ab. Die ehemals eher belächelte Show wurde schon 2009 zur ernsten Angelegenheit deutsch-nationalen Ausmaßes umformuliert. Die Musik tritt in den Hintergrund, hervor gestrichen werden nun Schlagworte wie Emotionalisierung und Länderwettstreit. Nur welche Zielgruppe will man damit erreichen? Nach meiner Beobachtung der letzten zwei Jahre entwickeln sich die ehemals smarten schwulen Fan-Communities mit den früheren Meinungsführern wie Georg Ücker und Thomas Hermanns und ihrem Faible für operettenhafte Ästhetik mehr und mehr zu locker organisierten, aber gut vernetzten Gruppen, die gerade in einem Länderwettstreit ihr Freund-Feind-Schema pflegen können.
Prominentestes und hoffentlich abschreckendes Beispiel ist ein Zitat aus dem Manifest des norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik: "Saturday May 14 - Day 13: It's the Eurovision finale today. I just love Eurovision...!:-) It's a lot of crap music but I think it's a great show all in all. I've seen all the semi finals and will take the time of to watch it later today, online. My country has a crap, politically correct contribution as always....I hope Germany wins". Breivik legt in diesem Manifest nicht nur Pfade zur Eurovision, sondern auch zu Politically Incorrekt. Verwirrend? Für mich seitdem ein Grund, die gesamte Berichterstattung einschließlich ihrer Internetkampagnen rund um den ESC mit großer Vorsicht zu genießen.
Rebellen und ESC-Hooligans
Und nun wird ausgerechnet Thomas D, diesjähriger Jury-Chef und Produzent von Roman Lob das deutsche Gesicht einer aktuellen Internetkampagne für mehr Meinungsfreiheit im Gastgeberland des Eurovision Song Contestes in Aserbaidschan. Es ist gut, wenn Musiker ihre Verantwortung Ernst nehmen und sich gegen Missstände aussprechen. Die besten Beispiele für Erfolg lieferten schon zahlreiche Soli-Konzerte. Nur: Im Rahmen eines kommerziellen Länderwettstreites wirkt dieses Engagement bestenfalls wie PR für den deutschen Markt und bewirkt international genau das Gegenteil: Die Entsolidarisierung der Musiker und Fans (OGAE).
Zudem stellt eine solche Kampagne die Organisatoren vor unlösbare Probleme. Was tun, wenn die Gemüter sich aufheizen, die Situation sich destabilisiert, eskaliert? Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. So berichtete Ria Novosti am 06.04.2012, dass "Sicherheitskräfte in Aserbaidschan bei den jüngsten Sonderoperationen 17 Mitglieder einer illegalen bewaffneten Gruppierung festgenommen haben, die Diversionen und Terroranschläge auf dem Territorium der Republik geplant hatten [...] mit dem Ziel, die gesellschaftspolitische Stabilität im Land zu untergraben und Panik in der Bevölkerung zu säen." In Folge wurden Fans im Internet mit weiteren geplanten Terroranschlägen auf den ESC verunsichert, die aber von dem aserbaidschanischen Terrorismus-Experten Kamil Salimov noch als unrealistisch eingestuft werden.
Fazit
Mein Eindruck ist, dass Musiker und Fans von dieser Treibjagd überrumpelt werden. Aufallenderweise trug der b. e. Artikel der Frankfurter Rundschau bei der Erstveröffentlichung am 02.04.2012 den Namen Thomas D im Titel, einen Tag später springt uns nur noch sein Foto entgegen. Auch scheinen sich Thomas D und Roman Lob nie zuvor mit dem ESC beschäftigt zu haben. Dann wäre ihnen zumindest die verblüffende Ähnlichkeit ihres gekauften Songs „Standing Still“ mit dem aserbaidschanischem Siegersong des Vorjahres „Running Scared“ aufgefallen: Die gleichen Akkorde, die gleichen Kadenzen, das gleiche Thema, der fast gleiche Titel. Am deutschen Wesen die Welt genesen lassen, und zugleich mit einer Kopie des Feindes an den Start gehen?
Der ESC in Aserbaidschan – Made in Germany
Bei all dem heraufbeschworenen Groll wird völlig außer Acht gelassen, dass sich gerade die Deutschen beim ESC in Aserbaidschan an Mangel über lukrative Aufträge nicht beklagen können. Die deutsche Alpine Bau Deutschland AG und das Berliner Büro Gerkan, Marg und Partner bauen die Baku Crystal Hall, Lichtvision aus Berlin ist für die Lichtgestaltung und Brainpool für die Produktion der Show verantwortlich.
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Posts mit dem Label ARD; Eurovision Song Contest 2012 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
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Freitag, 13. April 2012
Sonntag, 19. Februar 2012
Merci Baku – „Standing Still“ abekupfert vom aserbaidschanischen Siegersong „Running Scared“
Man nehme Melodie und Rhythmus von Running Scared und singe es mal bei Standing Still von Roman Lob mit. Passt perfekt! Selbst zwischen den zwei Liedtiteln bestehen ja schon Korrelationen.
Dass sich Poplieder leicht ähneln, ist klar. Dass auch mal Anleihen bei anderen Liedern gemacht werden auch. Aber dass einer professionellen Jury bei der Casting-Show „Unser Star für Baku“ die Ähnlichkeit ausgerechnet mit dem Siegersong des vorangegangenen Jahres aus Baku nicht auffällt, ist schon merkwürdig.
Lieber bejubelt man unermüdlich einen Medienstar wie Raab mit seinem vielbeschworenen Sinn für Trends, Musik und Stars, hebt die geballte "Qualität" der Kooperation ARD mit der Privatwirtschaft hervor, um dann in wochen- und abendfüllenden einschläfernden Casting-Shows einem Buben ein Lied zu ermitteln, dass ausgerechnet dem Siegersong des Vorjahres verblüffend ähnelt... Für die Aserbaidschaner fürwahr eine Lachnummer!
Dass das niemanden auffallen will, beweist erstens, dass sich in Deutschland kaum noch jemand für Raab & Co. interessiert (Quotenflop) und dass zweitens die deutsche Journaille werbende Pressemeldungen vor Veröffentlichung nicht mal mehr überprüft. Auch eine Art der Pressefreiheit...
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Dass sich Poplieder leicht ähneln, ist klar. Dass auch mal Anleihen bei anderen Liedern gemacht werden auch. Aber dass einer professionellen Jury bei der Casting-Show „Unser Star für Baku“ die Ähnlichkeit ausgerechnet mit dem Siegersong des vorangegangenen Jahres aus Baku nicht auffällt, ist schon merkwürdig.
Lieber bejubelt man unermüdlich einen Medienstar wie Raab mit seinem vielbeschworenen Sinn für Trends, Musik und Stars, hebt die geballte "Qualität" der Kooperation ARD mit der Privatwirtschaft hervor, um dann in wochen- und abendfüllenden einschläfernden Casting-Shows einem Buben ein Lied zu ermitteln, dass ausgerechnet dem Siegersong des Vorjahres verblüffend ähnelt... Für die Aserbaidschaner fürwahr eine Lachnummer!
Dass das niemanden auffallen will, beweist erstens, dass sich in Deutschland kaum noch jemand für Raab & Co. interessiert (Quotenflop) und dass zweitens die deutsche Journaille werbende Pressemeldungen vor Veröffentlichung nicht mal mehr überprüft. Auch eine Art der Pressefreiheit...
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Montag, 30. Januar 2012
Mittwoch, 15. Juni 2011
Bitte keine weitere emotionalisierende, deutsch-nationale Aufgabe mehr!
Schon bereits jetzt steht fest, dass es eine Neuauflage von "Unser Star für..." geben wird.
Nur: Bitte keine weitere Web.2.0-Emotionalisierungskampagne mehr.
Im folgenden möchte ich beschreiben, was ich als organisierter Fan an USFO und USFD als zerstörerisch empfunden habe.
Pünktlich zur Lena-Kampagne und USFO tauchten z. B. in der Berliner Regionalgruppe neue Fans auf, die uns seitdem bei Vereinsveranstaltungen vor sich hertrieben. Freundlich fertigten sie Anwesenheitslisten an, luden uns höflich ein auf ihre Facebook-Seite, zeigten an den üblichen Vereinsaktivitäten wenig Interesse, überschütteten uns stattdessen mit einem Lena-Animationsprogramm. Sie kannten sich offensichtlich gut mit Öffentlichkeitsarbeit aus und demonstrierten einen guten Draht zum NDR. Nur wehe, jemand äußerte sich kritisch zu USFO oder Lena, da wurde forsch gemaßregelt!
Mich interessierte, welche Fremden mich einschüchtern wollten und ich fand heraus, dass diese Fans außer zum NDR auch einen guten Draht zur Kirche zu haben schienen. Sonderbarerweise gab es 2010 auch zum ersten Mal auf der Vereinshomepage einen Link zur evangelischen Kirche. Auch in Düsseldorf mischte sich die Kirche gut ein. Und Lenas Konzertpublikum mit Familien und kleinen Kindern war auch nicht unbedingt das übliche Publikum, was man bei Popkonzerten erwartet. Nur: Passte denn das überhaupt zu Lena?. Und seit wann und warum interessiert sich ausgerechnet die Kirche für den Eurovision Song Contest?
Macht uns wichtig, dann seid auch ihr wichtig
Noch penetranter war die Indoktrinierung auf den Online-Kommunikationsportalen. Plötzlich tauchten auch hier neue User auf, die auf alle erdenklichen Weisen versuchten, jedes Fan-Geplauder über andere Länder oder Musiker zu verhindern. Die Forenstruktur wurde mit ca. 25 zusätzlichen Lena-Threads dermaßen unübersichtlich, dass Gespräche unmöglich wurden.
Da ich als Freiberuflerin selber schon für Agenturen an zahlreichen Social-Media-Kampagnen (Foren- und Blogmarketing) teilgenommen habe, weiß ich, dass solche User als Teil des modernen Marketings nichts Besonderes sind. Dass aber ein Auftraggeber mit einer solchen Konsumenten entmündigenden Kampagne zu so einer Destruktivität angehalten hätte, habe ich dort nicht erlebt. (Ob es sich hier überhaupt um Auftragsarbeit gehandelt hat, weiß ich nicht. In dem Fall wäre den Organisatoren im eigenen Interesse ein Monitoring anzuraten, um einem Imageschaden zuvorzukommen.)
Das Ergebnis war, dass langjährige (schwule) Vereinsmitglieder, denen Lena einfach nicht gefallen konnte, zum Schweigen verdonnert oder aus dem Forum gemobbt wurden. Die neuen User führten sich auf wie die Forenpolizei, sodass zwischenzeitlich schon aus purer Ratlosigkeit unter Fans so etwas wie ein „Neusprech“ entstand. Das Auffallende an deren Postings waren auch wieder die autoritären Denkmuster, Beispiel: Ich glaube an Raab; ihr solltet es auch tun, denn er weiß, was für die Menschheit gut ist… Da sich solch extremes Verhalten auch schnell multipliziert, sind eindeutige Schuldzuweisungen für Missverhalten irgendwann sicherlich schwierig.
Gerne würde ich als Beleg zu diesen Postings verlinken, aber irgendwann nach Vollendung des Lena-Sieges war dieses Forum plötzlich weg, kaputt. Und so fingen wir pünktlich zur 2. Runde der Titelverteidigung von vorne an. Diesmal allerdings besser gerüstet – und milder kontrolliert.
Was einen Fan grob betrachtet von einem Fake-Fan unterscheidet
Fans schwärmen von der Unterhaltungsform des ESC, von den vielen verschiedenen Teilnehmerländern, den verschiedenen Sprachen. Fake-Fans schwärmten ausschließlich vom deutschen Endsieg und redeten - wenn überhaupt - andere Länder (vor allem osteuropäische) und gute Musiker meist schlecht.
Fans beschäftigen sich latent mit dem ESC, Fake-Fans waren nur während der Kampagnen aktiv, einen Tag nach dem Finale in Düsseldorf waren sie z. B. auf den Kommunikationsportalen genauso schlagartig verschwunden wie das Thema Lena.
Die meisten Fans können ihr Hobby ESC als eine Art Spielerei klar eingrenzen, im Gegensatz zu den Glaubens-Multiplikatoren, die andere mit ihrer fanatischen Sichtweise tyrannisierten.
Der erzwungene Hype
Bei Castingshows geht es nicht um Musik, sondern ausschließlich um Worte. Vom Jurorengelaber über inhaltsleere Schlagzeilen bis hin zur Social-Media-Kampagne: Alles nur Werbung für eine parasitäre Show.
Als langjähriger Fan erwarte ich bei solchen Shows bestenfalls Unterhaltung, ansonsten aber genauso wenig Wahrheit, Gerechtigkeit oder gar - das in diesem Zusammenhang am häufigsten strapazierte Wörtchen - Glaubwürdigkeit wie in der Werbung. Daher finde ich es grundsätzlich bedenklich, wenn man dem Publikum eine kritische Distanz vergessen zu machen versucht, als würde ein ESC-Sieg plötzlich über dem Nobelpreis stehen.
Die Aussagekraft der Ergebnisse von Popmusikwettbewerben dieses Stils ist immer noch gleichzusetzen mit der spannenden Wirkung von Jupitereinflüssen oder Einhornpulver.
Kann man glauben, muss man aber nicht.
Amen.
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Nur: Bitte keine weitere Web.2.0-Emotionalisierungskampagne mehr.
Im folgenden möchte ich beschreiben, was ich als organisierter Fan an USFO und USFD als zerstörerisch empfunden habe.
Pünktlich zur Lena-Kampagne und USFO tauchten z. B. in der Berliner Regionalgruppe neue Fans auf, die uns seitdem bei Vereinsveranstaltungen vor sich hertrieben. Freundlich fertigten sie Anwesenheitslisten an, luden uns höflich ein auf ihre Facebook-Seite, zeigten an den üblichen Vereinsaktivitäten wenig Interesse, überschütteten uns stattdessen mit einem Lena-Animationsprogramm. Sie kannten sich offensichtlich gut mit Öffentlichkeitsarbeit aus und demonstrierten einen guten Draht zum NDR. Nur wehe, jemand äußerte sich kritisch zu USFO oder Lena, da wurde forsch gemaßregelt!
Mich interessierte, welche Fremden mich einschüchtern wollten und ich fand heraus, dass diese Fans außer zum NDR auch einen guten Draht zur Kirche zu haben schienen. Sonderbarerweise gab es 2010 auch zum ersten Mal auf der Vereinshomepage einen Link zur evangelischen Kirche. Auch in Düsseldorf mischte sich die Kirche gut ein. Und Lenas Konzertpublikum mit Familien und kleinen Kindern war auch nicht unbedingt das übliche Publikum, was man bei Popkonzerten erwartet. Nur: Passte denn das überhaupt zu Lena?. Und seit wann und warum interessiert sich ausgerechnet die Kirche für den Eurovision Song Contest?
Macht uns wichtig, dann seid auch ihr wichtig
Noch penetranter war die Indoktrinierung auf den Online-Kommunikationsportalen. Plötzlich tauchten auch hier neue User auf, die auf alle erdenklichen Weisen versuchten, jedes Fan-Geplauder über andere Länder oder Musiker zu verhindern. Die Forenstruktur wurde mit ca. 25 zusätzlichen Lena-Threads dermaßen unübersichtlich, dass Gespräche unmöglich wurden.
Da ich als Freiberuflerin selber schon für Agenturen an zahlreichen Social-Media-Kampagnen (Foren- und Blogmarketing) teilgenommen habe, weiß ich, dass solche User als Teil des modernen Marketings nichts Besonderes sind. Dass aber ein Auftraggeber mit einer solchen Konsumenten entmündigenden Kampagne zu so einer Destruktivität angehalten hätte, habe ich dort nicht erlebt. (Ob es sich hier überhaupt um Auftragsarbeit gehandelt hat, weiß ich nicht. In dem Fall wäre den Organisatoren im eigenen Interesse ein Monitoring anzuraten, um einem Imageschaden zuvorzukommen.)
Das Ergebnis war, dass langjährige (schwule) Vereinsmitglieder, denen Lena einfach nicht gefallen konnte, zum Schweigen verdonnert oder aus dem Forum gemobbt wurden. Die neuen User führten sich auf wie die Forenpolizei, sodass zwischenzeitlich schon aus purer Ratlosigkeit unter Fans so etwas wie ein „Neusprech“ entstand. Das Auffallende an deren Postings waren auch wieder die autoritären Denkmuster, Beispiel: Ich glaube an Raab; ihr solltet es auch tun, denn er weiß, was für die Menschheit gut ist… Da sich solch extremes Verhalten auch schnell multipliziert, sind eindeutige Schuldzuweisungen für Missverhalten irgendwann sicherlich schwierig.
Gerne würde ich als Beleg zu diesen Postings verlinken, aber irgendwann nach Vollendung des Lena-Sieges war dieses Forum plötzlich weg, kaputt. Und so fingen wir pünktlich zur 2. Runde der Titelverteidigung von vorne an. Diesmal allerdings besser gerüstet – und milder kontrolliert.
Was einen Fan grob betrachtet von einem Fake-Fan unterscheidet
Fans schwärmen von der Unterhaltungsform des ESC, von den vielen verschiedenen Teilnehmerländern, den verschiedenen Sprachen. Fake-Fans schwärmten ausschließlich vom deutschen Endsieg und redeten - wenn überhaupt - andere Länder (vor allem osteuropäische) und gute Musiker meist schlecht.
Fans beschäftigen sich latent mit dem ESC, Fake-Fans waren nur während der Kampagnen aktiv, einen Tag nach dem Finale in Düsseldorf waren sie z. B. auf den Kommunikationsportalen genauso schlagartig verschwunden wie das Thema Lena.
Die meisten Fans können ihr Hobby ESC als eine Art Spielerei klar eingrenzen, im Gegensatz zu den Glaubens-Multiplikatoren, die andere mit ihrer fanatischen Sichtweise tyrannisierten.
Der erzwungene Hype
Bei Castingshows geht es nicht um Musik, sondern ausschließlich um Worte. Vom Jurorengelaber über inhaltsleere Schlagzeilen bis hin zur Social-Media-Kampagne: Alles nur Werbung für eine parasitäre Show.
Als langjähriger Fan erwarte ich bei solchen Shows bestenfalls Unterhaltung, ansonsten aber genauso wenig Wahrheit, Gerechtigkeit oder gar - das in diesem Zusammenhang am häufigsten strapazierte Wörtchen - Glaubwürdigkeit wie in der Werbung. Daher finde ich es grundsätzlich bedenklich, wenn man dem Publikum eine kritische Distanz vergessen zu machen versucht, als würde ein ESC-Sieg plötzlich über dem Nobelpreis stehen.
Die Aussagekraft der Ergebnisse von Popmusikwettbewerben dieses Stils ist immer noch gleichzusetzen mit der spannenden Wirkung von Jupitereinflüssen oder Einhornpulver.
Kann man glauben, muss man aber nicht.
Amen.
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