Freitag, 18. November 2011

Ausweitung der Kampfzone - Creative Commons auch in Usbekistan

Als User und Musik-Konsumentin empfinde ich CC mittlerweile als eine wahre Bereicherung. Was wäre ich z. B. ohne Wikipedia? Frustriert bin ich z. B. dann, wenn ich innerhalb Deutschlands auf youtube den Satz lese „Unfortunately, this video is not available in Germany because it may contain music for which GEMA has not granted the respective music rights.“

Ich fühle mich wie ein User in China. Mal ehrlich: Die Musikindustrie und die GEMA sollten ihr Geschäftsfeld überdenken, denn diese Einschränkungen nutzen weder dem Konsumenten und erst recht nicht den Musikern. Wie soll ich über etwas schreiben oder etwas kaufen, wenn ich es gar nicht kennen lernen darf? Denn in dem Moment, wo sich die GEMA wie ein Cerebus vor den Musikhimmel schiebt, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich genau DER Musik zuzuwenden, die verfügbar ist. Und so habe ich mich mittlerweile zum Fan usbekischer Popmusik entwickelt: Jung, abwechslungsreich, witzig und inspirierend, teilweise mit pädogogischem Anspruch!


Give It Up!




Einer meiner usbekischen Favoriten ist der usbekische Rapper, Produzent und Entertainer Shoxrux, der also auch unter CC veröffentlicht. Mir gefallen vor allem die melodischen, teilweise melancholischen Rap-Stücke mit Anleihen aus der usbekischen Folklore und Popmusik sehr gut.

Nachdem ich mir auf seiner Homepage ein paar Lieder heruntergeladen habe, habe ich ihm unbekannterweise eine Mail geschrieben, um mich für diese Großzügigkeit zu bedanken. Auf meine Frage, ob er von seiner Musik leben könne, antwortet er: "I can live without selling music, because I can do other works." Auch interessierte es mich, ob man in Usbekistan auch so mit anglo-amerikanischer Musik zugedröhnt wird, so dass die einheimischen Musiker kaum noch wahrgenommen werden: "Of course Uzbekistan hears our national music more."


Die usbekischen Autoritäten dürfen sich sogar bei soviel Freiheit der Kunst mitfreuen. Die Musiker singen in ihrer Landessprache (verstehe leider kein Wort), in russisch oder auch englisch. In einem neueren Video von Shoxrux wird auch wacker gesamplet, denn das Video soll schließlich ihren (Shoxrux bezieht sich in all seinen Äußerungen zu seiner Musik stets auf seine Freunde) Stolz zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit Usbekistans zum Ausdruck bringen. Ich bin erstaunt, wie anders so ein Thema verarbeitet wird, wenn es aus einem Land kommt, in dem 65 % der Bevölkerung unter 30 Jahre alt ist.





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Kommentare:

May_K hat gesagt…

Ich bin ja normalerweise kein Fan von Rap-Musik, aber Shoxrux hat mich überzeugt. Ich verstehe leider auch kein usbekisch, aber so ehrlich wie dieser Junge Kerl singt, muss man ihm einfach glauben.:)
Also danke für den Tipp!)

Eurovision-Berlin hat gesagt…

Ok, ok, für einen wahren Fan des Rap ist meine Herangehensweise wahrscheinlich wenig akzeptabel. Aber ich darf zu meiner Entschuldigung anführen, dass das hier kein Rap-Blog, sondern ein Eurovisions-Blog ist.

Als Eurovisions-Fan habe ich ja schon an mehreren Stellen geschrieben, dass Sprachen für mich (für uns Fans) fast schon zum Parameter Sound gehören. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir im deutschen Rundfunk außer Englisch kaum anderssprachige Kost zu hören bekommen. Desto bedenklicher auch der Trend, dass immer mehr europäische Länder ihre Beiträge in Englisch singen mit der Begründung, dass sie verstanden werden wollen. Blödsinn. Texte kann man sich notfalls durchlesen (wenn sie nicht gerade in exotischen Turksprachen gehalten sind, sogar mit google übersetzen lassen) was allerdings bei den meisten ESC-Liedern bislang kaum lohnt.

Um noch eins drauf zu setzen: Arabisch, russisch und die Turksprachen klingen gerappt total klasse.

Eurovision-Berlin hat gesagt…

Ich bedanke mich für den Hinweis, dass die GEMA die oben im Blogtext zitierte Begründung von youtube von sich weise, sie verlange lediglich die Sperrung von 12 Titeln. In einem Pressetext der GEMA heisst es:

https://www.gema.de/presse/aktuelle-pressemitteilungen/presse-details/article/gesperrte-youtube-videos-auslaendischer-kuenstler.html

Ok, wer versperrt uns also dann den Zugang? Und warum?

Kassandras Erbe hat gesagt…

Die GEMA weist also im eigenen Pressetext von sich, dass der Hinweis von YT stimme, etwas könne wegen von der GEMA nicht eingeräumter Rechte nicht gezeigt werden. Stattdessen wird hingewiesen auf Labels, andere Rechteinhaber und YT selbst. Hm, warum können Internetnutzer in anderen Ländern sehr wohl sehen, was uns Deutschen verwehrt wird? Gibt es dazu eine Stellungnahme von YT? Und warum erwirkt die GEMA keine Unterlassungsverfügung gegen YT? Ich würde so handeln, sollte jemand die Falschbehauptung aufstellen, es läge an mir, dass etwas Bestimmtes nicht geht. Seltsam, seltsam...