Sonntag, 4. Mai 2014

Aram mp3 aus Armenien gewinnt den Eurovision Song Contest

So sagen es jedenfalls seit Wochen die Wettquoten vorher. Und es hat sich seit einigen Jahren eingebürgert, dass sich die Wettquoten-Ergebnisse wie eine sich selbst erfüllende Prophezeihung einstellen.  

Sonderbarerweise hat keine Fan-Gruppe im Social Media – mit Ausnahme des armenischen Teams - diesen Beitrag auf Platz 1. Zum einen wird das Lied als langweilig empfunden, zum andern hat sich der Sänger bei den schwulen Fans mit spitzen Bemerkungen zu Conchita Wurst bereits unbeliebt gemacht. Dennoch bleibt Armenien hartnäckig auf Platz 1.

Es ist irrer Fanatismus 
wie die EBU ständig die Wichtigkeit der Abstimmungsmodalitäten beim Tralala-Wettbewerb thematisiert. Sie BEWACHT und VERSCHÄRFT ständig das Regelwerk und füttert die Fanclubs (Text 2) und Boulevard-Medien mit Schlagworten wie Bestrafung, Gerechtigkeit, Wahrheit, Ehre, Angst, Votingbetrug, Polit-Voting, Diaspora-Voting, Stimmenkauf, Regelbrüche etc. Um „the brand of the Eurovision Song Contest“ zu schützen, werden sonderbarerweise immer nur Nicht-Nato-Länder wie Weissrusland, Russland oder Aserbaidschan eines Betrugs beschuldigt, der dann nicht mal belegt werden kann.

Während beim Sport noch Leistung gemessen wird, kommt das Ergebnis beim ESC ausschließlich durch subjektive und irrationale Geschmacksurteile zustande, für die es weder Kriterien noch Grundlagen gibt und die somit auch nicht begründet werden können. Genau deswegen lässt sich wohl auch nie ergründen, wie die Wettquoten-Ergebnisse zustande kommen. Ist es überhaupt überprüfbar, durch wen sie zustande kommen? Und: 

Ist das wirklich alles nur ein großer Spaß? 
Welche verborgenen „Fans“ könnten ein Interesse daran haben, dass ausgerechnet das ärmste und abhängigste Land im politisch instabilen Kaukasus den teuren Eurovision Song Contest gewinnt und ihn dann ausgerechnet 2015 austragen muss? Es jährt sich 2015 der 100. Jahrestag des Genozids an die Armenier. Das birgt schon jetzt jede Menge politischen Zündstoff. 

Kann sich ein Land wie Armenien derzeit so eine Show leisten? Schon der Contest in Baku 2012 hat uns vorgeführt, dass im Kaukasus ein 500%iges Sicherheitskonzept vonnöten ist, um die Gäste vor terroristischen Angriffen zu schützen. 

Die Unruhen in der Ukraine begannen zum Zeitpunkt des Junior Eurovision Song Contestes in Kiew, angefeuert von ESC-Stars wie Ruslana. Ist es in diesem Zusammenhang bedeutsam, dass Armenien (wie zuvor die Ukraine) den EU-Ratifizierungsvertrag auch nicht unterschrieben hat? 

Und: Warum stellt sich die Nato seit Monaten in Georgien auf? 

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Kommentare:

Samuel D. Herr hat gesagt…

Tach Frau Schmidt.

Von Ihren ulkigen Verschwörungstheorien ma abgesehen, zu denen sich äußern möge, wer sich intensiver mit Nahost-Politik beschäftigen mag als ich das zu tun gedenke, möchte ich Sie darauf hinweisen, daß keineswegs ausschießlich am Musikgeschmack der dummen Masse allein festgemacht wird, wer den ESC gewinnt. Auch Fach-Jury-Urteile spielen eine gewichtige Rolle, die bei Sportarten wie Turmspringen oder Boxen etwa die Bewertung der sportlichen Leistung in Gänze übernehmen, was nicht selten zu überaus zweifelhaften Ergebnissen führt.

Eurovision-Berlin hat gesagt…

Mir scheint ich bin die einzige, die sich überhaupt mal mit dem Regelwerk auseinandergesetzt hat. Wenn es Sie interessiert, hier der Link zur Fach-Jury
http://eurovision-berlin.blogspot.de/2013/11/eurovision-song-contest_21.html

Samuel D. Herr hat gesagt…

"Die Reference-Group scheint sich als eine Art westeuropäische Polizei zu verstehen. Ihre seit 2008 so vehement verteidigte Experten-Jury täuscht das Image von musikalischer Kompetenz nur vor. Denn in diesem von der EBU herausgegebenen Regelwerk zum Musikwettbewerb wird die Musik mit keiner Silbe erwähnt. Von dem Musikwettbewerb bleibt bestenfalls ein Länderwettbewerb übrig."

Gehen wir mal davon aus, Qualität von Musik sei, einer sportlichen Leistung ähnlich, nach exakt abzumessenden Parametern beurteilbar ... was nicht so ist, aber gehen wir mal davon aus.
Wen würden Sie gerne in einer Experten-Jury sehen? Wie wollen Sie eine in Gänze unabhängige Bewertung der Titel im Zweifelsfall gewährleisten? Wer hat mehr musikalische Kompetenz: der Hit-Fabrikant oder der Musik-Professor?


Und, am wichtigsten:
Der ESC war IMMER ein Länderwettbewerb; ein Wettstreit von musikalischer PERFORMANCE, nicht von Notenblättern.
Ginge es beim ESC tatsächlich primär um Musik, würde man nicht die Interpreten in den Mittelpunkt der Veranstaltung stellen, sondern die Komponisten und Texter.

Eurovision-Berlin hat gesagt…

Der ESC war und ist ein Wettbewerb der Komponisten und Autoren, zumindest sind das die Berufsgruppen, die am meisten daran verdienen. Insofern wäre es keine schlechte Idee es verpflichtend zu machen, dass zumindest diese Berufsgruppen aus den teilnehmenden Ländern kommen müssen, statt aus den USA (wie es in Deutschland 2010 und 2011 der Fall war).

Dass Interpreten, Schönheit, Performance etc. in den Vordergrund gerückt werden, ist den Anforderungen einer TV-Show geschuldet, geht aber schon am "Musikwettbewerb" vorbei.

Qualität der Musik ist nach abzumessenden Parametern beurteilbar, zumindest. Über den Erfolg eines potenziellen Gassenhauers kann dann besser das Publikum entscheiden. Aber dessen Resultat hat die Jury ja ausgehobelt, siehe hierzu meinen Teil II.

Von einer Fachjury erwarte ich neben Fachkenntnisse vor allem Unabhängigkeit, und die ist bei Vertragskünstlern bzw. Hitproduzenten nicht mehr gegeben. Wie und warum sollten sie ihre Konkurrenz neutral bewerten?

Wen ich gerne in einer Experten-Jury sehen möchte? MICH :-)

Samuel D. Herr hat gesagt…

"Der ESC war und ist ein Wettbewerb der Komponisten und Autoren, zumindest sind das die Berufsgruppen, die am meisten daran verdienen."

Mit ähnlicher Logik könnte man die These Vertreten, die anstehende Fußball-WM sei eigentlich ein Wettbewerb der Ausstatter, Sponsoren und Dienstleister untereinander. Die Sportler selbst verdienen nicht schlecht, aber ganz sicherlich auch nicht am meisten.

"Dass Interpreten, Schönheit, Performance etc. in den Vordergrund gerückt werden, ist den Anforderungen einer TV-Show geschuldet, geht aber schon am "Musikwettbewerb" vorbei."

Die TV-Show IST der einzige Anlass für den Wettbewerb. Der ESC würde ohne TV-Übertragung nicht stattfinden. Keine Show, keine Musik, keine Notwendigkeit für Komponisten und Autoren.

"Qualität der Musik ist nach abzumessenden Parametern beurteilbar, zumindest."

Komplexität, sicher. Handwerkliche Finesse, gewiss. Qualität? Zweifelhaft.

"Über den Erfolg eines potenziellen Gassenhauers kann dann besser das Publikum entscheiden."

Auch Erfolg ist kein Maßstab für Qualität.

"Wie und warum sollten sie ihre Konkurrenz neutral bewerten?"

Das "Wie" liegt auf der Hand, das "Warum" ist eine Frage von Charakter und Professionalität. Ich bin selbst kein Fan von (Fach-)Jurys; generell davon auszugehen, es ließe sich niemand finden, der trotz Konkurrenz-Situation und wie auch immer gearteten Abhängkeitsverhältnissen objektiv zu urteilen in der Lage sei, erscheint mir dennoch überaus ... ich nenns mal "pessimistisch".

"Wen ich gerne in einer Experten-Jury sehen möchte? MICH :-)"

:)
Sind Sie denn tatsächlich unabhängig?
Im Zweifelsfall in der Lage, einen Song zu beurteilen, unabhängig etwa vom politischen Entstehungshintergrund oder den Machenschaften der jeweiligen Interpreten?
Oder muß man solche Dinge in die Beurteilung mit einfließen lassen? Gehts letztenendes doch nur um Notenblätter? Hätte Mozart gegen Beethoven eine Chance? Würde jede tatsächlich unabhängige Fachjury gleich urteilen in derselben Situation?

Als professioneller Laie hab ich eigentlich nur eines gelernt im Laufe meines Lebens: frage 10 Fachleute nach ihrer Expertise zum Thema X, erhalte mindestens 5 sich widersprechende Analysen und such dir selber aus, welche dir davon am besten gefällt.

Das Auge des Betrachters.
Mehr gibbet nich. Auch nich im Wettbewerb.



Ich wünsche Ihnen eine großarte ESC-Woche.

Roman Frank hat gesagt…

Das Lied von Aram MP3 hatte wirklich das Potential den ESC zu gewinnen. Doch bereits beim 1. Semi-Finale stellte sich heraus, das die stimmlichen Qualitäten von Aram live doch eher bescheiden sind. Zudem ist er leider nicht sehr telegen, und einige Grimassen während seines Vortrags kamen am Bildschirm doch eher abschreckend rüber.
Nach dem 1.Semi rutschte er in den Wettquoten auf Platz 4 ab, den er letztendlich auch im Finale erreichte. Ich finde Aram kann auf das Ergebnis stolz sein.

Roman, Mannheim