Sonntag, 20. April 2014

Eurovision Song Contest 2014 – Österreich und Polen repräsentativ vulgär

Die ESC-Beiträge werden überall von staatsnahen Rundfunkhäusern ausgewählt, entweder intern oder mittels Vorentscheidung. Bereits am 10.09.2013 hat der ORF Conchita Wurst alias Tom Neuwirth für den ESC nominiert. Seitdem warb er mehr visuell als akustisch für sich, und zwar als Bartträger in Frauenkleidern - und irritiert mich mit aufdringlichem Zurschaustellen seiner sexuellen Vorzüge.  

Ok, aber ist das nach zahlreichen Christopher Street Days, nach Westerwelle und Wowereit und gefühlten 10.000 Tunten beim ESC noch nötig? Genauso rückständig klingt für mich auch sein selbstverliebter Beitrag „Rise Like A Phoenix“, aber mit abgedroschener Musik ist er dieses Jahr leider keine Ausnahme.

Vielleicht musste man sich für Conchita Wurst deswegen noch zusätzlich etwas Besonderes einfallen lassen. Er/Sie hat sich sich vor den Karren einer Polit-Kampagne spannen lassen und sorgt seit September 2013 mit Pöbeleien gegen Weissrussland und Russland im Allgemeinen und dem Interpreten von Armenien speziell für Mißstimmung. Wer sich dafür interessiert, wie dieser Polit-Shitstorm beim ESC funktioniert, kann das in meinem Blogtext vom 05.11.2013 nachlesen, in dem es um die Kampagne gegen Weissrussland geht.

Polen mit Donatan & Cleo und ihrem Song "My Slowianie" (Slavic Girls)
Als Polen 1994 beim ESC einstieg, waren ihre Beiträge während der 90er Jahre hochkarätig. Aber ab 2000 wurde die Auswahl immer angepasster an den ESC und damit auch banal - und erfolglos, bis sie schließlich 2012 ganz ausstiegen. Hier ein ReCap ihrer Beiträge.

Da das Interesse einer Teilnahme dieses Jahr gering ist, hat die EBU den Polen angeblich mit finanziellen Vergünstigungen die Teilnahme wieder schmackhaft gemacht. Und dann ist den Polen nichts Besseres eingefallen, als ein Lied zu nominieren, in dem die Pornographie und die osteuropäische Prostitution verherrlicht wird. Von den Musikern war das zusammengesamplete Stück We Are Slavic ursprünglich als Joke, als eine Art Warm-up konzipiert worden, als solches mag es auf youtube und in Clubs seinen Unterhaltungswert haben. Aber im Context eines konservativen Familien-Events sind mir Song und Clip zu primitiv. 

Immerhin haben sich die dänischen Organisatoren und die BBC über diesen sexistischen Beitrag beschwert, eine Diskussion wurde aber schnell abgebogen. Nur der Titel ist nun nicht mehr Slavic Girls. Hoffentlich singt Cleo polnisch und erspart uns Frauen solche Anspielungen bei ihrer Performance.


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1 Kommentar:

Samuel D. Herr hat gesagt…

Tach Frau Schmidt.

"Konservatives Familien-Event"

Eine Phrase, die schon alleine durch die Verwendung des in konservativen Kreisen wohl eher verpönten Anglizismus "Event" wie ein Widerspruch in sich klingt.
Sagten Sie nicht selbst in einem themenverwandten Eintrag, es habe unter europäischen ESC-Fanclubs eine Homosexuellenrate von etwa 80%?
Sitzen diese 80% an ESC-Samstagen alle mit Opa, Mama, Kind und Hund in pollunderesker Eintracht vorm Röhrenbildschirm und nippen selig am sekthaltigen Orangensaftkonzentrat?
Ich kann das Gegenteil nicht beweisen, doch empfinde ich dieses Szenario als unwahrscheinlich.

Herrn Wurstfrau ist sicherlich nicht der Hodensack des Kolumbus aus dem Bartansatz gesprossen, aber ist es nicht ebenso wenig ein Anzeichen von Vernunft und Reife, sich über uralte Provokationsmechanismen immer wieder aufs Neue zu effo ... echoff ... zu ärgern?