Beim 1. Semifinale am Dienstag dem 10.05.2016 kam es zu einem Eklat: Beim Schnelldurchlauf winkte die für Armenien antretende Hamburgerin Iveta Mukuchyan mit der Flagge von Bergkarabach besinnungslos lachend in die Kamera.
Auch die schwedischen Ausrichter erzeugen durch eine niveaulose Vorstellung von guter Unterhaltung für Verärgerung. Sie thematisierten im Pausenact wie auch bei der Moderation die Flüchtlingskrise, um dem Publikum damit nach eigener Aussage „eine Freude zu bereiten“. Die NZZ stellt zurecht fest: „Ein etwas unbedarfter Umgang mit einem komplexen politischen Problem, gewissermassen auf der Ebene eines Schlagertexts. Es gäbe durchaus Wege, Kontroversen wie derjenigen des Fahnenstreits zuvorzukommen.“
Irgendwie sind die Organisatoren ja zuvorgekommen. Wenige Tage vorher hatte die EBU (angeblich ungewollt) eine Liste der verbotenen Flaggen veröffentlicht. Die armenische Delegation hat diese Liste offensichtlich als Inspiration und Aufforderung verstanden. Oder etwa nicht? Wie ich schon im Text Russland gegen den Rest der Welt vorschlug: Warum verbietet man nicht einfach alle Flaggen?
Den Bock zum Gärtner gemacht Da politische Statements und Lieder auf der ESC-Bühne verboten sind, hat die EBU für den Regelbruch der armenischen Delegation ordnungsgemäß eine Strafe angedroht, sollte es zu einer Wiederholung kommen. Wieso muss man sich eigentlich stets mit dem Blabla der EBU begnügen? Macht man damit nicht den Bock zum Gärtner?
Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat Die armenische Presse verweist stolz darauf, das Iveta Mukuchyan im Social Media verteidigt wird.
Von wem, bitteschön, verteidigt? Schon beim ESC sind 99% der Protagonisten politische Laien, die Gruppe dieser unwissenden Laien soll durch Zuwachs x-beliebiger Facebook-User erweitert werden, um aus der Summe fehlgeleiteter Annahmen die reine Wahrheit abzuleiten? Damit führt Armenien vor, was ich seit 20 Jahren beklage:
Der ESC ist eine Paradebühne für die Entprofessionalisierung der Politik Während Berufsgruppen, die professionell mit Politik zu tun haben (Politologen, Soziologen, Historiker, investigative Journalisten) Themen des Mainstreams und der Spaßgesellschaft arrogant meiden, ist das Publikum den krudesten Strategien schutzlos ausgeliefert. Gleiches gilt offensichtlich für die geltungssüchtigen und ungebildeten Promis, seien sie nun Sänger oder Moderatoren - oder Online-Journalisten.
Beispiel T-Online:
„Nun steht die Frage im Raum, ob und wie die EBU (Europäische Runkfunkunion) das armenische Verhalten sanktionieren soll, um eine Reaktion des verfeindeten Aserbaidschans in der Show am Samstag zu verhindern.“ Interessant, dass mit aller Selbstverständlichkeit eine „Reaktion“ der Aserbaidschaner thematisiert wird. Warum sie?
Fakt ist, dass die deutsche Sängerin die ESC-Bühne missbraucht hat, um als Berufs-Armenierin mit der Flagge von Karabach eindeutig Position zu beziehen. Als industriell produzierter Castingstar aus Hamburg dürfte sie allerdings kaum legitimiert sein, sich in die diplomatischen Beziehungen beider Länder einzumischen.
Frage: Wäre nicht der armenische Präsident in der Pflicht
die armenische ESC-Delegation noch vor dem Finale zurück zu pfeifen,
die Verträge der Teilnehmerin zu überprüfen
und alle an ihrer Eurovisions-Vermarktung beteiligten Personen und Unternehmen zu verklagen?
Begründung: Sie untergraben die politische Arbeit unserer Regierungen und sind eine Gefährdung für den Frieden.
Während sich der russische Teilnehmer Sergey Lazarev mit Siegeswillen während der Proben in Stockholm in seiner virtuellen Umgebung abmüht, arbeitet sich der Rest der Welt an Russland ab.
Fans werden im Vereinsheft der OGAE darüber informiert, dass der Ärmste ein staatlich verordnetes Ziel zu erreichen habe und malen ihm im dunklen Russland eine düstere Zukunft aus.Seine Vorgängerin Polina Gagarina leide seit dem ESC 2015 unter "massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Klinikaufenthalten und einer gebrochenen Persönlichkeit". So lt. OGAE die "verschiedensten Quellen und Gerüchte".
Wie kommt Russland beim ESC zu seinem Schmuddelimage? Um die Länder Ukraine, Armenien und Israel wurde in Vorbereitung auf den ESC eine
Musikpromotion gefahren, die offensichtlich auf eine Konfrontation mit
Russland angelegt ist. Damit werden die "verschiedensten Quellen und Gerüchte" vorbereitet. Dass der amerikanische Präsident Obama in seiner Rede in Hannover ausgerechnet mit Bezug auf den ESC an ein Wir-Gefühl zu appellieren versucht beweist zumindest, dass selbst Trivialitäten wie dieses Popspektakel zur Mobilmachung genutzt werden. Vielleicht erklärt dies auch die Einbindung des Nato-PartnersAustraliens. Und wie der Zufall so will, hat sich nun auch der schwul-lesbische Sender Logo in den USA die Fernsehrechte am ESC gesichert. Was für ein weltumspannendes schwules Bollwerk. Doch wozu? Eins steht fest:
Was
uns aller Wahrscheinlichkeit nach um den 14. Mai 2016 in Form eines
Eklats oder lauten Missfallensäußerungen gegen Russland als einhellige
Publikumsmeinung vorgeführt werden soll, wurde nachweislich akribisch
vorbereitet.
Ukraine: Im Song wird vordergründig einer tatarischen Minderheit auf der Krim gedacht, die 1942 mit den Nazis kollaborierten (kein Problem) und daraufhin 1944 auf Anordnung Stalins deportiert wurden (großes Problem). Obwohl das Verhältnis dieser Volksgruppe nicht nur zu Russland, sondern auch zu Europa und zur Ukraine noch stets gespannt ist, wird mit Desinformationskampagne der öffentliche Diskurs auf 1 Jubel-Perspektive pro West-Ukraine beschränkt.
Armenien: Bereits Anfang März tweetete ich, dass ich auch im Falle Armenien noch auf was „Spezielles“ warte. Und siehe da… Brandneu seit April: Kämpfe zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan wieder entfacht. Mag Zufall sein. Weniger neu war, dass die armenische Sängerin mit Statements zur totalen Betroffenheit den Karabach-Konflikt auf sich bezog und prompt 2 Promo-Auftritte absagte (Beispiel). Es ist, als hätten einige Länder ein Patent auf die Opfer-Rolle (s. Armeniens Beitrag 2015), so auch
Israel: Der israelische Sänger Hovi Star behauptet, dass ihm vor 6 Wochen bei der Passkontrolle am Moskauer Flughafen der Pass zerrissen wurde und begründet dies mit der Schwulenfeindlichkeit in Russland. Anstatt Anzeige zu erstatten, wird dieser Vorfall 1 Monat später durch eine Viral-Kampagne auf Facebook ins Gespräch gebracht, sonderbarerweise durch die spanische Teilnehmerin. Vielleicht weil beide beim gleichen Label sind? Nach einem publikumswirksamen Interview griff die internationale Presse das Thema auf und zählte nun all die unbelegten Fakten auf, die zuvor unkontrolliert viral die Runde gemacht hatten, so dass nicht mehr zwischen „Passzerstörung“ und „Viralkampagne“ unterschieden werden kann. Genau wie im Fall Armenien und Ukraine verlief die Berichterstattung vorläufig im Sande. Empfehlenswert:Ein interessantes Fan-Interview mit dem Organisator der Pre-Event-Party in Russland zum Stand der Dinge.
Ausrichter in Schweden setzen auf Buh-System Das von Österreich 2015 eingeführte Anti-Buh-System wurde von den Schweden wieder abgeschafft mit der Begründung, dies wäre wie Zensur in einer sonst authentischen Show.
Wie kann man sich eigentlich so sicher sein, dass nicht gegen die Organisatoren selber gebuht wird? Warum schwenkte bislang nie eine Kamera ins Publikum, um diese Buhrufer „authentisch“ in Szene zu setzen? Warum werden sie nie interviewt?
Schweden veröffentlichte ein Liste der verbotenen Flaggen beim ESC Unter dem Aspekt von erwünschten Buhrufen ist es interessant, dass die Schweden (ungewollt?) eine „official flag policy list“ veröffentlichten, aufgrund derer alle inoffiziellen Flaggen verboten wurden, so auch die Flaggen der Krim und Berg-Karabach. Will man damit Konflikten ausweichen, oder soll das die Buhrufer anonymisieren?
Ferner wurden auch die Flagge des IS-Staates, der Basken und die der Palästinenser verboten, obwohl diese gar nicht am ESC teilnehmen. Einige Gruppen beschweren sich nun, dass sie dadurch mit dem IS-Staat in eine Schublade gesteckt werden. Warum werden nicht einfach ALLE Flaggen verboten? Vor der Amerikanisierung in 1998 gab es auch keine Flaggen, siehe Beispiel ESC 1996. Dafür gab es bessere Sicht auf die Bühne, viele verschiedene Sprachen und die Musik war um Einiges abwechslungsreicher.
Ausrichter in Schweden haben mal wieder das Votingprocedere geändert In der neuen Präsentationsform kommen die Publikums-Votings einzelner Länder nicht mehr vor. Rhetorische Frage: Sind die etwa nicht „authentisch“ genug? Offensichtlich möchte man gleichzeitig dem Telefonvoter das Geld aus der Tasche ziehen und dennoch den intern bestimmten Sieger sicher auf den ersten Platz befördern. Das Publikum wird durch den Schein der Mitbestimmung zum Komplizen von Machenschaften, über die es 0 Kontrolle hat.
Stattdessen wird dem Juroren-Voting um so mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wodurch die Juroren unter Druck gesetzt werden können. Wenn ich die Liste der Juroren 2016 überfliege finde ich viele Musiker, die wahrscheinlich wie die Teilnehmer alle beim gleichen amerikanischen Label unter Vertrag sind. Wettbewerb?
Wer die von Deutschland durchgeführte Erfolgsmessung von Polit-Kampagnen beim ESC hinterfragt ist Verschwörungstheoretiker Mit ein paar wenigen Ausnahmen wie Armenien und Ukraine wurden die 43 Musikstücke so ziemlich auf ein gleichförmiges Level getuned. Und alle müssen auf englisch singen.
Wenn man dann die vorangegangenen Hetz-Beiträge, Polit-Kampagnen und politischen Spannungen zwischen einzelnen Ländern mit einbezieht, ist das Telefon-Voting nicht mehr als Geschmacksabfrage sondern als Verhaltensmessung zu werten.
Und niemand wird jemals erfahren, wie das tatsächliche Ergebnis ausfiel und welche Rückschlüsse Militärs und Geheimdienste bei einzelnen Votern daraus ziehen werden. Denn ob uns DAS vorgelesen wird, was wirklich gewählt wurde, ist für mich immer noch nicht bewiesen.
Vom 11.04.16 bis 13.04.16 zeigte sich Tel Aviv zum ersten Mal als Gastgeber eines Promo-Events für den Eurovision Song Contest. Unterstützt wurde die Veranstaltung von den Ministerien für Tourismus und Auswärtige Angelegenheiten sowie von der Stadt Tel Aviv. Angemeldet hatten sich prompt 20 Teilnehmer des diesjährigen ESC. Es wurde den Stars Einiges geboten, aber auch Einiges abverlangt.
Neben Live-Auftritten in Club-Atmosphäre, zahlreichen Interviews, Pressekonferenz und Roter Teppich musste jeder Teilnehmer bei regnerischem Wetter ein Bäumchen pflanzen für den neuen Eurovisions-Wald. Dafür gab es Restaurant- und Kneipenbesuche, Stadtrundfahrten durch das alte Jaffa und Tel Aviv so wie eben ein Besuch des Waldes vom JNF-KKL, des Jüdischen Nationalfonds.
Die Dokumentationen von und für Fans haben großen Unterhaltungswert! Teilgenommen haben
Sergey Lazarev (Russia)
Amir (France)
Sanja Vucic ZAA (Serbia)
Freddie (Hungary)
Agnete (Norway)
Poli Genova (Bulgaria)
Donny Montell (Lithuania)
Michal Szpak (Poland)
ZOË (Austria)
Samra (Azerbaijan)
Joe and Jake (United Kingdom)
Jüri Pootsmann (Estonia)
Ovidiu Anton (Romania)
ManuElla (Slovenia)
Sandhja (Finland)
Eneda Tarifa (Albania)
Rykka (Switzerland)
Lidia Isac (Moldova)
Ivan (Belarus)
Hovi Star (Israel).
Grundsätzlich wird bei diesen Events der Ball noch flach gespielt, denn sie sind vor allem für und von Newcomer und Fans, insofern sind die Rollen zwischen Fans und Stars mitunter kaum zu unterscheiden. Dadurch hat vor allem der israelische Vertreter Hovi Star, der zunächst durchfiel, ausgesprochen viele Sympathiepunkte bekommen.
Eine gute Zusammenstellung aller Promo-Events, Live-Auftritte, Interviews etc. findet man auf der Youtube-Seite von ESCKAZ.
Jamie-Lee aus Deutschland auch in Israel nicht dabei
Während sich andere Stars diesen Herausforderungen stellen und den Fans damit das eine oder andere unterhaltsame Video liefern, kommt von Jamie-Lee nicht mehr als „ich und mein Outfit, ich und mein Album, ich und mein Backgroundchor, ich und meine Berater, ich und meine tiefsinnigen Gedanken ich ich ich…“ Ihre über 30 Berater haben beschlossen, dass sie sich nicht überanstrengen soll. Das tut sie nun weder bei Auftritt noch bei Promo wahrhaftig nicht!
Vorgetäuschte Fürsorge und Popularität kaschieren militärische Zwecke Man muss nur den Bezugsrahmen eng fassen und von außen auf Deutschland schauen, dann wird es überdeutlich: Wir Deutschen und unsere Stars werden in einem Goldenen Käfig zur narzistischen Selbstbespiegelung angehalten. Beschränkte Star-Promotion führt Stars und Publikum auf die falsche Fährte und isoliert. Um so bereitwilliger lässt man sich einen hegemonialen Habitus antrainieren, mit dem Vorurteile gepflegt und auf alles eingehauen wird: Russland, Weissrussland, Aserbaidschan, neuerdings Türkei… (der Fall Böhmermann ist nichts anderes)
Spätestens seit dem ESC in Aserbaidschan ist klar, dass unsere Medien selbst bei den abwegigsten Themen von militärischen Interessengruppen zensiert und gelenkt werden. Mit einer bis dahin nicht vorstellbaren brutalen Hasskampagne gegen Teilnehmerland und Konkurrent Aserbaidschan wurde Deutschland innerhalb der Eurovisions-Gemeinde völlig isoliert. Der junge Casting-Star Roman Lob musste bei jeder sich bietenden Gelegenheit Negativ-Statements zu Aserbaidschan abliefern, die man ihm dann ohnehin nicht abkaufte. Denn was wussten wir denn schon darüber, wenn alles nur noch Propaganda und Hetze ist.
Während der NDR seine Eurovisionsseiten nur noch dem damaligen Menschenrechtsbeauftragten Markus Löning (FDP) für politische Statements zur "undemokratischen Lage" und zur "Pressezensur in Aserbaidschan" zur Verfügung stellte (leider werden die Seiten und Videos nach den Kampagnen gelöscht), alamierte uns das bekannteste Newsportal ESCKAZ am 24.04.2012: „Roman Lob is the only Eurovision artist who has totally rejected all proposals for Eurovision related interviews this year, handpicking only the couple of German media plus appearing at local TV and radio.“ Und dann wurde in Baku alles ganz anders. :::
Diese Schlagzeile mit entsprechendem Foto (das ich bei klatsch-tratsch.de geborgt habe) würde Fans und Leser freuen. Leider stimmt sie nicht. Jamie-Lee Kriewitz war nicht in Moskau. Wozu auch? Zieht man die internationalen Polls, Wettquoten-Ergebnisse, Klickzahlen und Chats heran, sieht es so aus, als wäre auch Jamie-Lee Kriewitz' Karriere direkt nach dem ESC wieder beendet. Wahrscheinlich müssen deswegen alle Vorhaben wie Album-Release schnell bis zum 14.05.16 in trockene Tücher gebracht werden. Der Nächste bitte...
Deutsche Stars sind stets die Stay-At-Home-Singer
Im Vorfeld des ESC gibt es jede Menge Pre-Partys, die größten finden statt in Riga, Amsterdam, Moskau und London. Hier stellen sich viele der ESC-Teilnehmer auf kleiner Bühne vor, suchen den Kontakt untereinander und zu den Fans. Die Veranstaltungen sind eine Herausforderung für Newcomer, weil alles sofort ungefiltert auf youtube hochgeladen wird.
Deutsche sind so gut wie nie bei diesen Events vertreten. Begründet wird dies – wie sollte es anders sein – mit Zahlen. Die Industrie verweist auf Ratings, Rankings, Klickzahlen, Einnahmen etc. und kommt zu dem Ergebnis, dass all diese Aktivitäten nichts einbringen. *
abschaffen. Bei alledem geht es nur bedingt um Wettbewerbskalkül, Image-Pflege oder Party. Es geht in erster Linie darum, Interesse zu bekunden, es geht um Austausch und Anerkennung.
Leider
fordern deutsche Stars den internationalen Austausch nicht ein,
nehmen ihre Isolation nicht mal als Handicap wahr,
sondern gehen der (Un-)Logik der Industrie bereitwillig auf den Leim
und
übernehmen deren arrogante und ignorante Haltung (mit Ausnahme Roman Lob).
Bereits 1 Tag nach der Vorentscheidung wusste Jamie-Lee Kriewitz, dass sie nicht gewinnen würde, angeblich aufgrund der Unbeliebtheit deutscher Politik. Fragt sich, für wen oder was sie dann überhaupt mitmacht.
Diskursverengung, Isolation, Ignoranz und Zensur Zur Propaganda gehört nicht nur die Manipulation von Informationen (s. Beispiel Ukraine), sondern eben auch bewusstes Vorenthalten von Informationen. Dass z. B. Deutschland gar nicht richtig am Wettbewerb teilnimmt, sondern seinen Vertretern jedes Jahr einen Startplatz im Finale KAUFT, wird nicht diskutiert. Man stelle sich vor, Russland würde das machen!
Genau wie das Publikum werden auch die deutschen Stars an kurzer Leine gehalten. Man hält sie von allen internationalen Promo-Events fern. So können deutsche Medien nämlich die Berichterstattung darüber erfolgreich vermeiden. Daraus folgt:
Teilnehmer anderer Länder brauchen so nicht als nette Musik-Kollegen dargestellt werden,
Russland, Lettland, Niederlande und UK brauchen nicht als freundliche Gastgeber einer europäischen Pre-Party erwähnt werden,
internationaler Austausch und Anerkennung finden in deutschen Medien einfach nicht statt.
Stattdessen werden TeilnehmerInnen anderer Länder auf ihre Funktion als "Landesvertreter" reduziert. Als solche werden sie dann nach Belieben diskreditiert (Russland), unangemessen gelobt (Ukraine) oder lächerlich gemacht.
Aktuellstes Beispiel liefert die FAZ mit einem Beitrag vom 11.04.16 zum weissrussischen Lied, in dem auf Vokabeln wie "frühere Sowjet-Republik" und "Staatsrundfunk im autoritär geführten Weissrussland" natürlich nicht verzichtet werden kann. Lieber hätte ich einen Bericht über gemeinsame Aktivitäten von Ivan und Jamie-Lee bei den Promo-Events in Moskau, Riga oder Amsterdam gelesen. Der weissrussische Sänger war überall dabei, womit Weissrussland mehr Weltoffenheitzeigt als Deutschland.
Deutsche Medien missbrauchen den ESC am liebsten für Propaganda Jedes Jahr wird den Deutschen suggeriert, dass Misserfolge meistens auf die böse Außenwelt zurück zu führen sind, die Deutschland nicht mögen, die beim Voten immer nur betrügen usw... an diesem ganzen Arsenal an Vorurteilen und Abrechnungen darf sich ganz Deutschland nach dem ESC dann wieder abarbeiten.
* Ein einziges Mal hat sich 2010 das deutsche Team um Raab und Meyer-Landrut schon Monate vor der VE und dem ESC marktschreierisch aus dem Fenster gelehnt. Ganz Deutschland wurde einmalig vor den ESC-Karren gespannt und alle mussten ins gleiche Horn blasen. Selbst die Titelverteidigung 2011 wurde schon gleich nach der VE 2010 festgelegt. Das alles macht man nicht, wenn der Ausgang offen ist. Damit wäre der wirkliche Grund für die deutsche Zurückhaltung bei internationaler Promo klar: Man muss sich nicht anstrengen, weil man das Ergebnis schon kennt. Das gilt für Sieger und Loser gleichermaßen.
„Das Fernsehen ist schließlich eine einzige Schwindelkiste, betrieben von einer halbkriminellen Vereinigung skrupelloser Gutelauneproduzenten, eine Illusionsmaschine, die nie ausgibt, was man reintut.“ Hans Hoff über das Klatschvieh im TV. Die Schwindelkiste hat einen Preis bekommen und alle empfinden es als selbstverständlich.
Das gleiche Zitat von Hans Hoff ins Englische übersetzt und auf den internationalen ESC angewandt würde Stürme der Entrüstung erzeugen, obwohl auch der ESC nicht mehr als eine reißerische Unterhaltungs-Show ist. Der Vorfall um Xavier Naidoo brachte eine erschreckende Zensur ans Tageslicht. Die Zensur beinhaltet zugleich ein Sprechverbot über die Funktion dieses Events, denn alle beschränkten ihre Kritik auf NDR, Naidoo und Reichsbürger.
Nicht weniger bedenklich: Ein ins Englisch übersetzte, auf den ESC bezogene Hoff-Zitat hätte überhaupt keine europäische Plattform. Und deswegen verhallt auch der einzige spottende Beitrag aus der Schweiz: Länder Europas, vereinigt euch im Kitsch. Wofür die Auszeichnung? Der ESC habe sich in besonderer Weise um den Prozess der europäischen Einigung und um die Herausbildung einer europäischen Identität verdient gemacht, so Die Welt am 07.03.2016.
Grundsätzlich:
Wie kann es eine europäische Identität ohne einen europäischen Journalismus geben?
Wieso soll ausgerechnet das Zelebrieren eines Konkurrenzkampfes unter verschiedenen Ländern zur Einigung beitragen?
Karslmedaille als politisches Heuchel-Paradox Immer mehr wird der „Länderwettstreit“ in den Vordergrund gerückt, Länderwettstreit entspricht allerdings einer militärorientierten Ideologie.
Siege und Niederlagen folgen oftmals geopolitischen Strategien. Sobald ein osteuropäisches Land gewinnt, ist Vorsicht geboten wegen Orangenen Revolutionen, Regime Changes etc.
Auffallend ist die im Zusammenhang mit einer Unterhaltungsshow absurde Hetze des Westens gegen Nicht-Nato-Länder Russland, Weissrussland, Serbien oder Aserbaidschan.
Um die inhaltliche Ausbildung einer europäischen Identität sieht es finster aus Auffallenderweise werden die 3-Minuten-Songs immer gleichförmiger, alles klingt nach anglo-amerikanischer Formatradio-Musik, alles in englischer Sprache. Zudem werden die dafür angestzten Vorentscheidungungen immer korrupter.
Psychischer Effekt von Hetze, Zensur, Einschüchterung, von Gleichförmigkeit der Musik und nicht nachvollziehbaren Bewertungen dürfte auf Dauer eine Irritation von Wahrnehmung und Beurteilungsvermögens sein und vielmehr eine Zerstörung von Identität zur Folge haben.
Das Beurteilungsvermögen wird zudem durch Sprachverdrehungen erschwert, die Verbalisierung von Kritik wird immer schwieriger: Substanzlosigkeit wird Identität, Kalkül wird Authentizität, Show wird Realität, Abschaffung des Publikumsvotings wird zur Revolution in der Mitbestimmung, Gleichförmigkeit wird Vielfalt, Fans werden Experten, Nichtskönner werden Helden, drittklassige Stars werden Politiker, Aggressoren werden Opfer, Provokationen werden als Friedensbemühungen deklariert usw. usw.
Fazit Europa hat ohne Journalismus keine Kontrolle über das, was mit ihm gemacht wird. An Musik und Compilation verdient nur ein Label aus der USA, dieses scheint sich mit dem Militär zusammengeschlossen zu haben und gibt den Europäern Takt und Sprache vor. Das europäische Publikum darf mit Rundfunkgebühren und Steuern die Zeche für Promo und Propaganda zahlen. Der Karlspreis also als eine Art Warmupper, um uns vor dem nächsten ESC langsam auf Betriebstemperatur zu bringen. Und last not least: Ob das von Spiegel-Online ins Leben gerufene Europäische Recherche-Netzwerk das ist, was ich bislang vermisse oder gar verstärkte Fernsteuerung bedeutet, wird sich erst noch zeigen müssen.
präsentiert sich diesmal mit dem Sänger Sergjey Lazarev und dem Song „You're The Only One“.
Während sich letztes Jahr viele über „Putins verlogenes Friedenslied"ausgekotzt haben, halten sich Medien und Fans dieses Jahr mit Äußerungen zu ihren emotionalen Befindlichkeiten zurück. Und das ausgerechnet bei Textzeilen wie „you are MY only one“ und „nothin' or no-one's gonna keep us apart“.
Ist das denn nicht die Großspurigkeit eines Diktators Putin, der nicht nur Europa, sondern die ganze Welt unterjochen will? Wieso fühlt sich dieses Jahr keiner angegriffen?
Ich kann mir die Zurückhaltung zum einen damit erklären, dass der Sänger Sergey Lazarev nicht wie Polina Gagarina letztes Jahr im Plural (wir) Weltschmerz und Friedens-Romantik besingt. Sergey singt aus Ich-Perspektive und entbindet „uns“ damit von einem sozialen Statement.
Darüberhinaus mögen Lied und Musikclip mit unterkühlter Symbolik aufgeheizte Emotionen drosseln. Der überwiegend in Grau- und Blautöne gehaltene Musikclip erinnert mit einer abstrakten Bildwelt eher an den Geometrie-Unterricht.
Möglicherweise ist die transportierte Unterkühlung auch zu offensiv, um ins politische Russland-Cliché zu passen, wonach das krisengeschüttelte Russland emotional schwermütig, defensiv und vor allem schmutzig auszusehen hat.
Gehen dem Westen langsam Atem, Sprache und Fantasie aus? Der Clip startet akustisch mit einem Glockenklang und visuell mit Perspektive von oben (Gott) auf einen Todgeweihten. Synthetische Sounds begleiten die Kamera, die sich einem klinisch sterilen Krankenbett nähert. Mit sich verdichtenden waagerechten schwarzen Linien invertiert der Kranke in ein schwarzes Loch (Hölle).
Jetzt wird mit konzentrischen Kreisen der Blick auf die Mitte des Bildes fixiert, für einen kurzen Moment sieht man eine Art Zielscheibe (Militär), die dann zu einem Kegel mutiert.
Wieder mit Blick von oben sieht man in dem Kegel den wiederbelebten Patienten, der jetzt wie in einem schwerelosen Vakuum (Krise) Schwindel erregend herum wirbelt und schließlich in einer künstlich-kristallenen Umgebung als Mann in die Senkrechte kommt.
Nun wird er zum Kämpfer und Beschwörer, bekommt Unterstützung von einem Kollektiv von Tänzern und schreckt auch Hitze und Flächenbrand nicht.
Das Element Feuer wird wie zu Beginn mit sich verdichtenden, waagerechten Linien dargestellt.
Das Objekt seiner Begierde wird von der russischen Miss Univers Vladislava Evtushenko gespielt.
Dass Jamie-Lee Kriewitz die deutsche Vorentscheidung gewinnen würde, hatte ich am 09.02.2016 schon vorhergesagt. Zu dem Zeitpunkt hätte ich nicht gedacht, dass mich ihr Sieg so angenehm berühren würde. Das lag zum einen daran, dass sie den Super-Gau verhinderte: Axel Diehl. In dieser Einschätzung gibt es eine bis dahin nie gekannte Übereinstimmung unter allen ESC-Fans, national wie international. Zum anderen liegt dies bislang auch an die:
Angenehm unaufdringliche Vermarktung Während Politikernichte Lena Meyer-Landrut als Karikatur des Fräuleinwunders zum "emotionalisierenden", "polarisierenden" und damit nervtötenden Medien-Hype wurde, scheint man für Jamie-Lee's Starprofil noch keine passende Schublade gefunden zu haben. Wahrscheinlich sucht man nicht mal danach. Barbara Schöneberger fasste es in einem Kurz-Interview zusammen (ab 05'15): Zu Jamie-Lee müssen wir nichts erklären, wir schicken sie und sie steht für sich selbst.
Puppen-Punk Bunte Knallbonbons hat man schon öfters beim ESC gesehen, Beispiel Moje 3 aus Serbien in 2013, aber hier wurde das Outfit im Nachhinein angepasst und war eher der Ratlosigkeit geschuldet, um überhaupt noch was rauszuholen.
Das ist bei Jamie-Lee anders, sie präsentiert sich in einem Mode-Stil, den uns der NDR mit Schlagworten wie Manga-Kultur, Decora Kei oder Lolita erst mal erklären muss. Jamie-Lee stilisiert sich zu einer fiktiven Figur, zu der sie zugleich Distanz wahrt. Das gefällt mir. Das passt auch zu ihren eigensinnigen Äußerungen: Sie hat sich ein trauriges Lied gewünscht, will ihrem Decora-Kei-Style treu bleiben, möchte für ihre Performance ein krasses Bühnenbild und will das Publikum vor allem mit ihrer Stimme erreichen. Nur
Das muss jetzt alles zu einem Bonbon zusammengeschmolzen werden Als ESC-Fan ist man oft und gerne mit Musik aus anderen Ländern beschäftigt, so auch mit japanischer Musik, und die punktet mit viel Technik, Tricks und Kitsch. Wahrscheinlich entwickelt man dabei unbewusst eine Erwartungshaltung. Ich verweise auf die Band Sekai No Owari, die mal am asiatischen Abu Song Festival teilgenommen haben: 1 Ton, 1 Baum, Feder- und Fledermauskostüm, der Rest ist Licht-, Schnitt- und Kameratechnik.
https://www.youtube.com/watch?v=4v0Y0FVIbZk
Ich stimme der Kritik des Prinzblogs zu, die den Auftritt von Jamie-Lee als unstimmig beschreibt. Wie kommt man vom japanischen Outfit der Sängerin auf den vergreisten Märchenwald der Gebrüder Grimm? Wozu ein Backgroundchor, der versteckt werden muss? Da er doppelt so alt klingt wie in der Studioversion, bekommt man das Gefühl, Mutti will auch mit auf die Bühne. Und Papis unbewegliche Kameraführung, die aus japanischem Manga ein niedersächsisches Provinztheater macht, geht gar nicht.
Am 16.02.2016 sagte ich bereits den VE-Sieg Jamalas am 21.02.2016 begründet voraus. Bis dahin lief die Kampagne wie geplant. Seit einer Woche stockt sie. Wenn Russland weiterhin die Füße still hält, wenn es partout keine russische „Aktivistengruppe“ gibt, die im Namen Putins auf Singverbot besteht, wird die ukrainische ESC-Delegation in ihrem provokanten Polit-Song noch mal nachlegen müssen.
Das Sensationelle an Jamalas Beitrag „1944“ ist derzeit, dass es - im Gegensatz zu vorangegangenen Hasskampagnen – keine gegnerische Gruppe gibt, die sich verteidigt. Die Promotion dümpelt auf kleiner Flamme durch Wiederholungen in den westlichen Mainstream-Medien sowie durch ein paar sensationslüsterne „ESC-Fans“ in den Social-Media-Gruppen vor sich hin. Dass die ukrainische
VE durchgehend simultan ins Englische übersetzt und – wie Ruslana hervorhob – von den Amerikanern überwacht wurde,
berichten die Medien nicht. Dass es sich um eine konzertierte Aktion handeln könnte, auch nicht. Nur das Neue Deutschland zitiert einen Tweet vom Vorentscheidungsabend: „Schicken Sie 4 auf die Nummer 7766, schrieb kein geringerer als Swjatoslaw Zegolko, Pressesprecher des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, am vergangenen Sonntagabend auf Twitter“ heisst es dort.
Sensationsmeldung aus Ukraine erst nach der Siegerverkündung Brav wird Jamalas VE-Sieg als faires Wahlergebnis einer dramatischen Show und als Wille der Ukrainer dargestellt. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele der Schreiber sich die VE überhaupt angesehen haben. Für nur 6 Songs dauerte die Show wegen zähen Streitereien 4 ½ Stunden. Dass neben Gesinnungsfragen die Regelwidrigkeit einiger Songs erst im Finale kritisiert wurde, wollte die Pseudo-Konkurrenz natürlich nicht einsehen. Erst nun schienen sie zu bemerken, dass sie nur als Wettbewerbs-Füllstoff dienten, damit die Beliebtheit einer Jamala vorgetäuscht werden kann.
Alle thematisieren den potenziellen Regelbruch, leiten daraus aber keine Konsequenzen ab Da Russland nicht reagiert, wird der erwartete russische Protest schon mal vorweggenommen. Stern befürchtet einen möglichen Ausschluss der Ukraine, auch der Tagesspiegel erinnert daran, dass Lieder mit politischem Inhalt beim ESC nicht erwünscht seien.
Der DLF verliert jede journalistische Distanz. Er identifiziert sich vollständig mit Sängerin und ihrer Polit-Botschaft, lobt einerseits das hochbrisante Lied einer Frau, die andrerseits „eigentlich“ gar keine Politik machen möchte, als würde sie mit 70 Jahren Verspätung nur Gottes Plan durchführen. Weiterhin wird der Patriotismus der Ukrainer hervorgehoben, man will von Krimtataren gelesen haben, die das Lied auf „besetzter“ Krim im Cafe den ganzen Tag rauf und runter hören.
Seitdem wird nur noch wiederholt, ich erspare mir weitere Aufzählungen. Aber wo ist die Verteidigung, die Beschwerde, die Forderung nach Verbot? Ich musste lange suchen, um auf 2 Statements zu stoßen:
Ein lesenswerter Text vom 23.02.16 zitiert Ruslan Baalbek, Deputy Prime Minister of the Republic of Crimea: „They want to exploit the tragedy of the Crimean Tatars to impose the European public a forced image of alleged persecution of members of this community in the Russian Crimea.
Am 24.02.16 berichtet die Moscow Times, dass „first deputy chairman of the Duma Committee on Information Policy Vadim Dengin has said he hopes Eurovision will not allow Jamal to compete with the song, which could add a political edge to the May competition.“
die Conchita-Wurst Kampagne war 2014 zunächst auf Weissrussland und 2015 auf Russland gerichtet.
Man kann den Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit gegen die Serben in 2008 und
gegen die Russen in 2009,
die deutsche Hasskampagne gegen Aserbaidschan in 2012 und
den armenischen „Gedenksong“ aus 2015 gegen Aserbaidschan und Türkei noch hinzuzählen.
Diese Kampagnen sind alle nach dem gleichen Muster gestrickt und zeigen die Handschrift Gene Sharps. Stets geht es um politische und geo-poltitische Interessen der Militärs, doch das wird dem Konsumenten verheimlicht.
Die Aggressoren als Designer dieser Kampagnen kommen stets im Gewand der Opfer daher und fordern mit einem Betroffenheitsszenario vom Konsumenten Unterwerfung. Mit dem ständigen Gefotzel soll sich der Konsument auch noch überlegen und gewitzt fühlen.
Was die Musik betrifft sind die Ukrainer dafür bekannt, dass sie aus Dreck musikalisches Gold machen können. Die überarbeitete Studioversion von Jamalas Beitrag klingt dementsprechend nicht übel, im Einheitsbrei des ESC dürfte es einer der wenigen interessanten Songs werden, der auch ohne provozierenden Inhalt punktet. Ich verstehe Musiker nicht, die sich inhaltlich so einseitig festlegen und instrumentalisieren lassen.
Vom Glaubwürdigkeitsproblem der „Lügenpresse“ bleiben Showbusiness und Regenbogenpresse bislang verschont. Jeder, der was auf sich hält, unterwirft sich ihrem Spaß, so auch bei der Punktereform beim ESC. Das große Versprechen, die Spannung zu steigern, wird als Serviceleistung verstanden, der Schmu, mit dem die Rechenkünstler in Schweden Spannung erzeugen wollen, wird sogar als ein Publikumserfolg gefeiert. Der eigentliche Trick ihres Scriptes besteht darin, aus naiven und uninformierten Konsumenten Komplizen zu machen.
Was ändert sich wirklich? Nach der neuesten „Punktereform“ werden die Ergebnisse von Publikum und Juroren nicht mehr verrechnet vorgelesen, sondern gesondert vorgeführt. Jetzt ist die Höchstwertung nicht mehr Douze Points, sondern 24 Punkte. Sonderbarerweise wird aber der Bewertung der Juroren viel Showzeit eingeräumt, während die Meinung der Telefonvoter fast unsichtbar gemacht wird. Unsichtbar, indem die Ergebnisse aller 43 Länder einfach zu einem Ergebnis addiert und am Ende der Voting-Zelebrierung von Moderatoren vorgeselen werden. Dazu die FAZ: „Aus welchem Land die jeweiligen Punkte kommen, bleibt dann noch geheim.“ Aha.
Genauere Information zur Punktereform auf Fanseiten aus Deutschland Russland
Solange niemand Transparenz und Kontrolle einfordert, müssen wir mutmaßen Das Unsichtbarmachen des Publikumsvotings erkläre ich mir zum einen damit, dass in vielen Ländern zu wenig Telefonbesitzer anrufen, sodass die Anruf-Einnahmen den Show-Aufwand nicht decken und dass dementsprechend auch nicht von einem repräsentativen Ergebnis gesprochen werden kann.
Dass die Überinzinszenierung des Juroren-Votings in den Pressemitteilungen völlig ausgeblendet wird, muss skeptisch machen.
Schon die Begründungen ihres Wiedereinsatzes in 2009 waren zum größten Teil haarsträubend.
Über die Auswahl der Juroren darf das europäische Publikum NICHT mit entscheiden.
Die Anforderung an die Juroren ist unseriös, denn sie sollen ca. 43 in ihrer anglo-amerikanischen Ausrichtung gleichförmige Lieder ohne Bewertungskriterien in ein Ranking bringen und im Zweifelsfall begründen.
Gleichzeitig gibt es jedes Jahr Beiträge, mit deren Promotion politisch provoziert wird, was eine unbefangene Bewertung fast unmöglich macht.
Der eigentliche Trick des Scriptes besteht darin, aus Juroren Komplizen zu machen Machen wir uns nichts vor: Bei diesen Abfragen werden nur bedingt Musikgeschmack und Musikkenntnisse ermittelt, sondern in erster Linie Verhalten gemessen. Vor dem Hintergrund feindseliger Aufwiegelungen ist diese „versteckte“ Verhaltensmessung und Auswertung fragwürdig. Denn man kann nicht nur Verhalten messen, sondern in jedem Verhalten x-beliebige Motivationen hinein interpretieren.
Es kommt nicht darauf an, wer was wählt, sondern wer am Schluss die Stimmen auszählt An diesem Stalin-Zitat hat auch die „Revolution des Punktesystems beim ESC 2016“ nichts geändert. Die europäischen Daten von Telefonvoter und Jury laufen weiterhin in einem einzigen Privatunternehmen auf, und zwar digame mobile GmbH in Köln. Unter Beobachtung der PWC (ich gehe mal davon aus, dass PWC weiterhin beteiligt ist) werden sie gesammelt und wieder distribuiert und dann im TV und Internet vorgetragen. Oder eben auch nicht. 2013 forderten Russland und Aserbaidschan die Veröffentlichung der tatsächlichen Ergebnisse, um zu überprüfen, ob sie mit den vorgelesenen Ergebnissen übereinstimmen. Es blieb bei der Forderung.
Würden in der EBU und ihrer Referenz-Gruppe regulär osteuropäische Repräsentanten vertreten sein, wäre digame GmbH ein russisches Unternehmen und würde Russland ständig an den Abstimmungsmodalitäten herumdoktern, würde aus dem Fantasie-Drehbuch schnell knallharte Realität werden, an dem sich Sinn und Verstand des saturierten und naiven West-Komplizen schärfen könnten. Aber daran wird Russland wahrscheinlich das geringste Interesse haben.
Obwohl Metal nicht das bevorzugte Genre von ESC-Fans ist, scheint Avantasia mit dem „Mysterium einer blutenden roten Rose“ unter Hardcore-Fans bislang der Favorit zu sein. Man erfreut sich an der Unsinnigkeit des Textes, an der Unbefangenheit des Sängers, an seiner Popularität und hofft auf eine unverfängliche und glamouröse Performance.
Obwohl der ESC nicht der bevorzugte Anlass eines Auftritts für Avantasia alias Tobias Sammet ist, scheint er sich langsam mit diesem Wettbewerb anzufreunden. Auf T-Online: „Ich habe gerade gehört, dass "Waterloo" von Abba tatsächlich mal dabei war und gewonnen hat. Kein Wunder, das Stück ist super - wie alles von Abba.“ Da konnte ja immerhin mal eine gewaltige Bildungslücke geschlossen werden.
Auf seiner Website schrieb Tobias Sammet am 12.01.2016: „Die Sklaventreiber meiner Plattenfirma fragten mich, ob wir am Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teilnehmen möchten. [...] Jedenfalls kam es mir erst mal nicht so naheliegend vor, so was zu machen und sich mit anderen in Sachen Kunst zu 'messen'. […] Egal, unter'm Strich müsste man als Musiker schon ziemlich bescheuert sein, wenn man sich so eine Möglichkeit entgehen lässt: Drei Minuten um Millionen musikinteressierten Menschen zu zeigen, dass es so was wie uns gibt? Das lass ich mich doch nicht zweimal fragen! WO GEHT'S ZUR BÜHNE?“
Das Argument mit dem „Auftritt vor Millionenpublikum“ ist für ESC-Fans etwas abgenutzt. Ähnliches konnte man in den Vorjahren schon bei Unheilig, La BrassBanda, Santiano oder Laing auf facebook mitlesen. Statt vor Millionenpublikum versickerten deren Ambitionen bereits nach zweifelhaften Votingprozeduren vor einem deutschen Nischenpublikum.
Es wäre schade, wenn es dieses Jahr auch wieder so läuft.
Die Ukraine wird am 21.02.2016 offiziell den Beitrag für den Eurovision Song Contest wählen, aber nach 2 durchsichtigen Vorentscheidungs-Shows ist unschwer zu erraten, wer die Vorentscheidung gewinnen soll: Jamala mit dem Song „1944“. Das Lied erinnert an die Deportation der Krimtataren durch Stalin 1944. Angesichts der Abspaltung der Krim von der Ukraine sowie der europaweiten Flüchtlings- und Vertriebenenkrise ein sehr spannungsgeladenes Thema.
Polit-Beiträge in kommerziellen Wettbewerben sind Angriff auf Publikum und Jury Dass das Betroffenheitslied einer „Tatarin“ in einem kommerziellen Wettbewerb zwischen Wegwerfmusik, abgefahrenen Frisuren, eigenwilligem Make-Up, Hebebühnen, Feuerwerk, Windmaschinen, Transvestiten-Trash, Klatsch und Tratsch zur Wahl gestellt wird, muss skeptisch machen. Genau wie beim Beitrag von Axel Diehl entscheidet auch hier die Funktion des Liedes als staatsnaher Wettbewerbsbeitrag über Verantwortlichkeiten und Absicht des Textes.
Das Publikum der Tralala-Veranstaltung ist mit solchen Angriffen genauso überfordert wie mit den "beliebten" Eurovisions-Themen Homosexualität, Diktaturen, Energieversorgung, Voting-Betrügereien der Nicht-Nato-Länder, 2. Weltkrieg oder Genozid. Lied und Promotion sollen bei politischen Laien Betroffenheit einfordern, desinformieren, emotionalisieren, einschüchtern, spalten und zur Positionierung zwingen. Axel Diehl bringt das Wunschdenken der Militärs auf den Punkt: "Aus Angst wird Hass, aus Hass wird Krieg, bis hier alles explodiert und jeder den Verstand verliert“.
Früher nannte man es Kulturimperialismus Bei solcher Fernsteuerung ist kein amerikanisches Genre abgegriffen genug, um nicht noch beim ESC als Ausdruck von Originalität gefeiert zu werden. So auch der von Jamala. Jamalas penetrantes Genäsel und ihre Exzentrik sollen als Ausdruck von R&B und Soul verkauft werden, was aber weder zur Tataren-Abstammung der Eltern, noch zur kirgisischen Herkunft der Sängerin oder zur ukrainischen Kultur passt. Es passt eben nur zu USA und NATO.
Beworben wird der Beitrag bislang nur auf amerikanischen Propagandaseiten und von NGOs.
Mit Schwulenpropaganda gewinnt man in der Ukraine keinen Blumentopf mehr Mit dem Markenzeichen Transvestit feierte der Ukrainer Andrej Danylko als Verka Serduchka seit 2007 seine Erfolge im Rahmen des ESC. Russland-Bashing war Teil seiner Inszenierung, womit er sich die Gunst der schwulen Eurovisions-Fans eroberte. Angeblich.
Verka Serduchka scheint tot, denn in der Vorentscheidung tritt Andrej als Juror in normaler Kleidung auf. In der Ukraine gibt es seit dem Maidan keine Homosexualität mehr, und keinen Schwulen interessiert's. Es ist das demonstrative Totschweigen was mich zur Annahme verleitet, dass das Wegschauen genau wie die Hypes nur Ausdruck von Angst und erpresste Zugeständnisse vor den Militärs sind. Denn:
Militärs haben den ESC und die schwulen Fans seit 20 Jahren fest in der Hand Die immer stärkere Betonung einer LÄNDER-Proflilierung und eines LÄNDER-Wettstreits und das Heraufbeschwören eines Ost-Westkonfliktes bauen auf eine militärorientierte Ideologie. Die Anhäufung von 8 südosteuropäischen Siegen innerhalb von 10 Jahren (von 2001 bis 2011 Estland, Lettland, Türkei, Ukraine, Griechenland, Serbien, Russland, Aserbaidschan) sowie die Androhung weiterer osteuropäischer Siege weisen auf geopolitische Strategien hin; zufälligerweise werden stets Konfliktzonen erzeugt. Offensichtlich haben Militärstrategen den Mix von Mainstream-Gaga, europäischem LÄNDER-Wettstreit und Erpressbarkeit europäischer Promis für sich entdeckt.
Tendenziell tritt beim ESC (neben Vorbild Schweden, das die Aufgabe hat, gelenkte Konsumentengruppen zu binden, s. Text Georgien 2013) nur noch das amerikanische Universal Music gegen Universal Music gegen Universal Music an... Very Exciting! Um so grotesker ihre inszenierten „Wettbewerbe“
Wettbewerbe, Votings und Rankings sind eine Farce, um Zustimmung und Beliebtheit vorzutäuschen Der von Anfang an gefeierten Siegerin Jamala stellte man in 2 Vorrunden eine schwache Konkurrenz zur Seite, die von den Juroren dementsprechend als ungeeignet disqualifiziert werden konnten. Aber warum solche Laien überhaupt in die Show holen? Im 2. Semi durften sogar 3 Beiträge als Füllstoff teilnehmen, die offensichtlich regelwidrig waren (veröffentlicht vor dem 01.09.2015)!
Bei ernst zu nehmender Konkurrenz wie z. B. Victoria Petryk ließen die Juroren ungewollt die Farce platzen. Ausgerechnet JESC-Siegerin Petryk wurde lächerlich gemacht, weil sie an Musik-Wettbewerben teilnimmt. Möglicherweise ist die Lächerlichkeit der ukrainischen Juroren auch ESC-Fans in Süd-Afrika aufgefallen, denn sie haben deren Äußerungen auf ihrer Facebookseite dokumentiert.
Wo immer ESC-Siegerin Ruslana auftritt sind Zweifel berechtigt Neben Verka Serduchka und dem Georgier Konstantin Meladze gehört auch Ruslana zu den Juroren. Bekannt wurde sie durch den Eurovisionssieg 2004, also einige Monate vor der Farbrevolution. 2012 hatte die Ukraine den Junior ESC gewonnen, während der Ausrichtung im November 2013 kochte es auf dem Maidan.
Um ihrem Maidan-Eifer in 2013 eine überproportionale Gewichtung zu verleihen, wollte Ruslana den damals zeitgleich stattfindenden Junior Eurovision Song Contest in Kiew demonstrativ platzen lassen.
Sie drohte mit Selbstverbrennung. Für ihren Maidan-Einsatz erhielt sie schließlich von der USA einen Preis, und der verpflichtet.
2014 schon konnte sie ihre Arbeit für die EU in Brüssel schön mit ihrem Einsatz als Jurorin bei der belgischen(!) Vorentscheidung kombinieren. Ich befürchte, je mehr sich die Ukraine als Loser-Staat herausstellt, desto marktschreierischer wird Ruslana auf allen europäischen Hochzeiten tanzen (müssen).