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Freitag, 20. Mai 2022

Eurovision 2022 – Der alte Westen ist der neue Osten


Wie bereits im Rahmen der Orangenen Revolution 2004 und 2016 in Folge des Euromaidan gewann die Ukraine 2022 – nun anläßlich des Russland-Ukraine-Krieges - am 14./15. Mai 2022 zum 3. Mal den Eurovision Song Contest. 

  

 

 

Wochenlang wurde ihr ESC-Sieg in Medien, Politik und Wettquoten vorhergesagt, gewonnen hätten sie selbst dann, wenn sie gar nicht angetreten wären. Die Sendung wurde zur Propagandashow mit rigider Verhaltenskontrolle bei der Abstimmung, der Musikgeschmack musste der Gesinnung weichen. Man nennt es Wettbewerb. 

 

Der Wettkampf gegen die Freiheit 

 

39 Länder wurden als Füllstoff vorgeführt, das Publikum hat sich mit Eintrittskarten und Telefonanrufen kostenpflichtig zu Komplizen machen lassen. Angeblich bekam die Ukraine vom TV-Publikum 439 Punkte, d. h., dass 36 von 39 Ländern – also 93% - die höchste Punktzahl gegeben haben.* Das toppt alles, was man zu Wahlergebnissen über Mao, Nordkorea, SED, ZK etc. jemals gelesen hat. Die übrigen 7% bekamen eins übergebraten. Beispiel Österreich: 

 

ORF-Skandal:Null Punkte für Ukraine "[…] Ganz Europa feiert die Ukraine beim Song Contest. Nur Österreichs „Fachjury“ zeigte kein Herz: 0 Punkte […]“. Daraufhin werden die Abtrünnigen namentlich genannt, 5 MusikerInnen, „fünf Juroren ohne Herz. Sie haben die Vision rund um die Ukraine nicht erkannt. Sie stellten den persönlichen Musikgeschmack vor den Friedensgedanken."

 

Die ukrainische Band gab nach ihrem Auftritt ein politisches Statement ab, das bis dahin zur Disqualifizierung geführt hätte. Es wurde nicht einmal angemahnt. Dass stattdessen die Abstimmungsergebnisse von Juroren aus 5 Ländern wegen angeblicher Unstimmigkeiten für ungültig erklärt und durch ein automatisch errechnetes Ergebnis ersetzt wurden, wirkt wie ein Ablenkungsmanöver.

 

In sozialen Medien verbreitete Fotos und Clips zeigten ein ukrainisches Bandmitglied, das sich im Bühnenabgang mit uns zugekehrtem Rücken mit Hitler-Gruß bedankt. Von deutschen Medien wird diese Geste verleugnet, die Beweisclips zensiert und gelöscht. Ob es stimmt oder nicht, warum wird im freien Westen kontrolliert, vorgeschrieben, zensiert und gelöscht?

 

Trivialisierung von Politik und Krieg

 

Der Zugriff von Politik und Militär auf den reichweitenstarken Remmidemmi-ESC trivialisiert zugleich ihre politischen Anliegen und Ziele. Wie flegelhafte Jugendliche vom Stamme Nimm durften die Ukrainer ihren Beitrag dazu leisten. Wie groß ist denn da noch der moralisch-ethische Abstand zwischen Hitler-Gruß und Verhaltenskontrolle, Zensur, Sprachverbote, entsolidarisierender Identitätspolitik, Dekonstruktion des Humanen, Abschaffung der Bürgerrechte, Krieg...?

 

Moralische und intellektuelle Verkommenheit der Funktionseliten erzeugen mentale Verwüstungen

  • Deutschland bewarb während der deutschen Vorentscheidung als eifrigster Propagandist und finanzieller Unterstützer die Ukraine mehr als das eigene Land.
  • Deutschland erhielt von der Ukraine 0 Punkte.
  • Deutschland musste gleich nach der Ukraine starten mit der Folge, dass bei den Auftritten der Ukrainer der Saal tobte und beim deutschen Teilnehmer dann erst mal niemand applaudierte.
  • Der letztplatzierte Deutsche zu seiner vorhersehbaren Niederlage: "Aber was mich am Ende sehr, sehr froh gemacht hat, war zu sehen, dass die Ukraine gewonnen hat."
  • T-Online zitierte den Präsidenten der Ukraine Selensky: "Wir tun alles dafür, damit eines Tages das ukrainische Mariupol die Teilnehmer und Gäste der Eurovision empfängt.“ Durchhalteparole, denn die Austragung des ESC in 2017 ging mit schweren Zerwürfnissen unter den Organisatoren einher, wie dieses Video der Krisensitzung von Februar 2017 erinnert.

Die Medien triumphieren wie folgt:

 

Die NZZ: Für die Hip-Hop-Friedenstruppe haben die Bretter der Konzertbühne drei Minuten lang tatsächlich die Welt bedeutet. Sie hat ihr Land würdig vertreten, und die Welt [ist Europa die Welt?] hat es dem Kalush Orchestra gedankt.

 

Stuttgarter Zeitung: Eigentlich ist der Eurovision Song Contest ja nur ein TV- Spaß. Aber in diesem Jahr bietet auch er den Kriegstreibern in Moskau Paroli. 

 

Matthias Koch im RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Der Eurovision Song Contest 2022 ist ein ebenso fröhlicher wie vernichtender sozio-kultureller Erstschlag gegen Wladimir Putin. Der Kremlherr wird sich davon nicht mehr erholen."

 

Promiwood: „ESC 2022: Wegen Ukraine Sieg – Wladimir Putin zerschlägt Fernseher! 

 

Der Postillon: "Damit wir auch mal eine Chance haben – Deutsche ESC-Fans fordern Angriffskrieg gegen Deutschland."

 

Kurze Zeit später schon wurde der Siegersong aus der Ukraine von einer deutschen Band gecovert. Die Band "Braunau" wurde durch den Song der Ukrainer inspiriert und hat eine Studioversion ihres Liedchens "#Adolphina" vorgestellt.

 

 

Der alte Osten ist der neue Westen

 

Als KonsumentIn kann man das Tragische bald nicht mehr vom Komischen unterscheiden. Der einzige Beitrag, der sich über die bedauernswerte Lage der europäischen Bevölkerung am Abend des ESC den Kopf zerbrach, kam aus einem osteuropäischen Nicht-NATO-Land. Umrahmt von Kulthandlungen eines Gesundheitswahns ließ Serbien zu seinem in Landessprache gesungenen Lied folgende Untertitel einblenden:

 

A sick mind in a healthy body

A sad soul in a healthy body

A desperate mind in a healthy body

A frightened mind in a healthy body

 

So what now?

 

 

* Was den Zuspruch des TV-Zuschauers betrifft, muss er allerdings etwas eingedämmt werden: Die 2. Abstimmungsrunde wurde ins Leben gerufen, weil viele Länder aufgrund zu niedriger Anruflast keine repräsentativen Ergebnisse mehr liefern konnten. Um diese Misere zu vertuschen, werden die Anrufe pro Beitrag europaweit einfach zusammengezählt.

 

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Freitag, 8. März 2019

NDR führt seinen Eurovisions-Schlachtplan ad absurdum zugunsten „Frauenemanzipation“

Wäre der ESC wie Krieg, könnte man dem NDR das Unterminieren der eigenen Strategie und Bekämpfung der Interessen der Bevölkerung attestieren. Taktik? Inkompetenz? Ohnmacht? 

Mit Einbindung einer Datenanalysefirma, Data-Mining, Voting-Panel aus 100 zuvor gecasteten Fans, Beteiligung ausländischer Experten sowie Telefonvoting will der NDR beim Thema ESC Rationalität, Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit demonstrieren. Zusätzlich zur Zusammenarbeit mit der Musikindustrie soll intern ein Singer-Song-Writer-Camp Qualität garantieren. Wer nach diesem Eurovisions-Schlachtplan immer noch Befähigung der Interpreten, Güte der Lieder und das Voting-Ergebnis anzweifelt, darf offiziell als Verschwörungstheoretiker diskreditiert werden. 

Was verbirgt sich hinter Vielfalt und Mitbestimmung? 
Bis auf eine winzige Ausnahme der Interpretin „Lilly Among Clouds“ waren bei der Vorentscheidung am 22.02.2019 Lieder und Interpreten wieder kaum voneinander zu unterscheiden. Daraus folgt: Je mehr der Veranstalter den Fokus auf ausgefeilte Konzepte und Abstimmungsmodalitäten lenkt, desto monotoner sein Angebot und enger der Korridor des erlaubten Geschmackes. Dadurch wird der überstrapazierte Begriff der Vielfalt zur Worthülse und die Abstimmung zur Farce. 

Bezüglich der Abstimmungsfarce schoss gleich zu Beginn der Show der langjährige Kommentator Peter Urban den Bock ab. Er berichtet von seinem Traum in der Nacht zuvor, aus dem er kurz vor der Verkündung „der Sieger“ erwachte. Also nicht des Siegers oder der Siegerin. Freud‘sche Fehlleistung oder Absicht? 

Anspruch der Unterhaltung wird untergraben 
In vielen Rundfunkanstalten wird für den ESC intern über Lied und Interpreten entschieden. Genauso läuft es beim NDR, nur dass er dies mit großem Täuschungsmanöver zu vertuschen versucht. Würde das Täuschungsmanöver in einer guten Show versteckt werden, wäre es ok. Wenn aber bei jeder Vorentscheidung aufgebaute Erwartungen, Alltagserfahrung und Gerechtigkeitsempfinden irritiert werden, darf man Absicht vermuten. Diesjährige Beispiele: 

Von insgesamt 8 Kandidaten wurden 6 durch ein Trainee-Programm geschleust, als ginge es darum, bei der nächsten PISA-Studie eine Top-Position zu erlangen. Nur ausgerechnet die zwei, die am Ende gewinnen sollten, blieb diese Prozedur erspart. Und dann krönte man diese Nach-Nominierung auch noch mit dem besten Startplatz. 

Monatelang fühlt man jungen Bewerbern auf den Zahn, um dann kurz vor Schluss ad hoc 2 sich unbekannte Frauen zu einem Duo mit Namen „S!sters“ zu engagieren. 

Wochenlang ringen die Bewerber um Ideen und kreative Arrangements für Songs, um dann von einem Duo "S!sters" mit dem Lied „Sisters“ geschlagen zu werden. 

Monatelang wirbt man für ein Singer-Songwriter-Camp, um dann zur Deadline ein Lied aus der Schweiz einzukaufen, obwohl es musikalisch nicht besser ist als das übrige Angebot.  Das Lied „Sisters“ wurde zuvor dem für den ESC zuständigen Schweizer Rundfunk angeboten, der das Lied ablehnte und sich stattdessen für ein viel eingängigeres Lied entschied.  

Mangelndes Ehrgefühl, Boshaftigkeit oder Druck? 
Es ist grotesk, wie der NDR urplötzlich Schlachtplan, Promo-Arbeit, Experten, Trainingsprogramm, die 6 mühselig ausgewählten und gecoachten Interpreten und Liedwahl über Bord wirft, als handele es sich beim nachnominierten Song „Sisters“ um einen Gassenhauer. Mit dem unüberprüfbaren Voting, das allen Ernstes als „Demokratie“ verkauft wird, wird den gutgläubigen Gebührenzahlern mal wieder vorgegaukelt, die Mehrheit wolle das alles so. 

Dass der groteske Sinneswandel einige Tage später vor dem Portal Rolling Stone doch noch vom NDR gerechtfertigt wird, lässt zumindest auf Unsicherheit oder Scham schließen.  

Erst einige Tage später stellt sich Restverstand ein 
Vielleicht um das öffentliche Desinteresse an diesem „Gassenhauer“ zu vertuschen, kündigte der NDR am 01.03.2019 an, dass die Damen sich aus dem Social Media zurückziehen, um sich nicht verunsichern zu lassen. Reaktion eines Users: „Wenn man in aktuellen Umfragen bzw. bei etlichen Buchmachern auf Platz 21 liegt würde ich das auch tun, um mich nicht verunsichern zu lassen.“ 

Ablenkungsmanöver „Emanzipation“ passt zum Militainment der „Guten“ 
Das wäre die einzige Erklärung für die diesjährige Groteske und würde dem NDR – wie schon im Fall Xavier Naidoo – Ohnmacht bescheinigen. 

Als die „Guten“ müssen wir mit trivialem Eurovisions-Geträller simulieren, den Belangen von Frauen großes Gewicht beizumessen, obwohl in der konkreten Umsetzung das genaue Gegenteil stattfindet: 

Wenn 2 ahnungslose und unbedeutende Sängerinnen von Männern und Musikindustrie mit Floskeln wie „großartige Ehre der Repräsentation des Landes“ für ein nationales und internationales Gegeneinander angelockt werden, wenn Mann ihnen Duo-Partnerin, Lied, Performance, Kleidung und Medienkontakt vorschreibt, hat das nichts mit Emanzipation zu tun, sondern mit Etikettenschwindel, Infantilisierung, Ausbeutung, Fremdbestimmung und Publikumsverarsche.



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Samstag, 11. November 2017

Wie muss ein guter Blogtext beschaffen sein?

Gestern abend - nach der NDR-roadshow in der rbb-Dachlounge, bei der das neue NDR-Konzept zum ESC 2018 vorgestellt wurde - eine inspirierende kostenlose Umfrage auf Twitter: 

Liebe Follower, was macht eurer Ansicht nach einen guten Blogbeitrag aus? Welche Komponenten sollte er enthalten? Wie sollte er formuliert sein? 

Hier die Antworten eines deutschen Twitter-Panels: 

Er sollte sich auf sein Thema konzentrieren, kurzweilig sein und auf zu viele weiterführende Links verzichten. 
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Dazu hat Aristoteles schon alles gesagt 
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Er muss einfach 1 stabilen grind fahren dann gehts schon 
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Epigramme, Glossen und Madrigale. Gern auch Formgedichte 
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Er sollte alle wesentlichen Komponenten enthalten und sehr gut formuliert sein. Einfahc halt so, das 1 Leser foll apgehd bein lesen. 
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Ehrlich sollte er sein und ein bisschen lustig... 
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Respektvoll, bescheiden und voller Anmut. 
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Witzig 
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Man sollte nicht erkennen können, dass sich der Blogger selbst für klug hält oder sich moralisch überlegen fühlt. 
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Nur nie geschriebene Blogartikel sind gute Blogartikel. 
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Wenn das beantwortbar wäre, gäb's nur gute Blogbeiträge. Dieselbe unbeantwortbare Frage, wie man einen Hit produziert. Das entscheidet allein die Zielgruppe - hinterher. 
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Samstag, 4. November 2017

NDR lässt sich für Vorentscheidung zum ESC maßgeschneidertes Publikum anfertigen

Das erinnert spontan an Joachim Gauck: „Die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem“. Deswegen müssen sie ausgetauscht werden, und beim ESC kann man das schon mal testen. 

Auf die wachsende Legitimationskrise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks reagiert der NDR mit Disqualifikation des deutschen Publikums, das für die ESC-Niederlagen verantwortlich sei und tauscht es mit dieser Begründung gegen ein international zusammen gebasteltes Publikum aus. Als Sanktionsmaßnahme müssen die Deutschen diese Demütigung mit GEZ-Gebühren finanzieren, was wiederum ein schöner Aufhänger für Identitäre und AfD sein dürfte. 

Kniefall vor denen, die den Deutschen nie Punkte geben 
Jüngste Pressemitteilungen könnten fast als Hilferuf einer verkannten nationalen Rundfunkanstalt an die internationale Gemeinschaft missverstanden werden, wenn sie nur nicht alle in deutscher Sprache geschrieben wären: „Internationaler Publikumsgeschmack und internationale musikalische Fachkompetenz sollen Deutschland wiedererkennbar, kantig und erfolgreich machen.“ Ob wirklich Fachkompetenz gefordert ist, sei dahin gestellt. Schaut man sich das Verfahren genauer an, kann es eigentlich nur um die Forderung nach „richtigen“ Vorlieben und „richtigem“ Verhalten gehen: "Wir möchten dich besser kennenlernen. Dazu musst du 15 Minuten aufwenden, in denen du uns durch 2 x 6 Video-Bewertungen deinen Musikgeschmack zeigst."  

Das nationale Publikum hat die falschen Vorlieben und verhält sich falsch
Es ist lt. NDR selbst bei trivialen Abstimmungen nicht fähig klug zu entscheiden. Dass man es jedoch immer nur zwischen Pest und Cholera entscheiden lässt, wird verschwiegen. Dass es am Schluss überhaupt noch am Telefonvoting teilnehmen darf, ist wohl nur den kommerziellen Interessen der Telekommunikationsindustrie zu verdanken, so wie der NDR ohnehin auch in seinem neuen Konzept ausschließlich der Industrie verpflichtet zu sein scheint. 

Data-Mining zur Vermeidung der Bildung einer kritischen Masse
Unterstützung holt man sich von der Datenanalysefirma Firma Simon-Kucher & Partners. Diese sammeln Nutzerdaten und haben für die Ermittlung eines Verbraucher-Panels einen speziellen Algorithmus entwickelt. Als Laie denkt man bei dieser Art Algorithmen an Facebook und Amazon, die die User unaufgefordert mit Werbung belästigen, welche angeblich zum Profil passe. Manchmal gibt es auch willkürliche Sperren

So ein Algorithmus setzt aber beim NDR-Konzept voraus, dass man im Voraus eine genaue Vorstellung vom Siegerbeitrag hat. Tatsächlich ermittelte der NDR auf Grundlage „vorher definierter musikalischer Genres“ 5 potenzielle Siegersongs. Ich befürchte, dass der Algorithmus rein rechnerisch zu den 5 Siegersongs die passenden Jubelscharen rekrutiert. 

Weitere Nutzerdaten zu Geschmack und Verhalten stammen von der Kölner Firma Digame, die seit Jahren für das Votingverfahren beim internationalen ESC verantwortlich ist – und deren Ergebnisse noch nie von unabhängigen Journalisten überprüft wurden. Die Daten der europäischen Anrufer werden also tatsächlich für Profiling und Wiederverwertung gespeichert. Achtung: Wer für die russischen Beiträge angerufen hat, ist als Kreml-Troll gebrandmarkt. 

Statistiken suchen Statisten 
10000 Europäer werden im Internet beobachtet, im mehrstufigen Auswahlverfahren überprüft, daraus 100 rekrutiert, diese stellen das sog. internationale Europa-Panel. Diesem Panel wird eine internationale Experten-Jury aus ca. 25 Personen beigesellt, die schon in anderen europäischen Ländern an Abstimmungen bei Vorentscheidungen mitgewirkt haben. Das Europa-Panel wählt aus Bewerbungen 20 Kandidaten aus, daraufhin prüft der NDR die Eignung dieser Kandidaten. Danach wählen das Europa-Panel und die Expertenjury 5 Teilnehmer für die Vorentscheidung im TV. Diesen 5 ESC-Hoffnungsträgern werden dann die vorher ausgewählten 5 Songs zugewiesen. 

Mit Musik und Mitbestimmung hat das Ganze nichts mehr zu tun 
Medien wünschen kein echtes Publikum mehr, das Publikum soll keinen Wert mehr auf „Credibility“ legen. „Glauben“ soll man stattdessen an intransparente Ergebnisse und Verfahren maschinenmäßiger Abstimmungsprozeduren, die zu gegebener Zeit mit den genauso künstlichen Rankings der Wettbüros korrespondieren und von künstlich erstellten Pressemitteilungen massenhaft beworben werden. 

Und was sagt der ARD-Programmdirektor Volker Herres? 
"Ganz ehrlich gesagt will ich in meiner Amtszeit gar nicht so unbedingt noch mal gewinnen, denn dann ist man im nächsten Jahr Gastgeber, und das ist teuer."


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Mittwoch, 4. Mai 2016

Russland gegen den Rest der Welt

hrend sich der russische Teilnehmer Sergey Lazarev mit Siegeswillen während der Proben in Stockholm in seiner virtuellen Umgebung abmüht, arbeitet sich der Rest der Welt an Russland ab.  

Fans werden im Vereinsheft der OGAE darüber informiert, dass der Ärmste ein staatlich verordnetes Ziel zu erreichen habe und malen ihm im dunklen Russland eine düstere Zukunft aus. Seine Vorgängerin Polina Gagarina leide seit dem ESC 2015 unter "massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Klinikaufenthalten und einer gebrochenen Persönlichkeit". So lt. OGAE die "verschiedensten Quellen und Gerüchte".

Wie kommt Russland beim ESC zu seinem Schmuddelimage?
Um die Länder Ukraine, Armenien und Israel wurde in Vorbereitung auf den ESC eine Musikpromotion gefahren, die offensichtlich auf eine Konfrontation mit Russland angelegt ist. Damit werden die "verschiedensten Quellen und Gerüchte" vorbereitet. Dass der amerikanische Präsident Obama in seiner Rede in Hannover ausgerechnet mit Bezug auf den ESC an ein Wir-Gefühl zu appellieren versucht beweist zumindest, dass selbst Trivialitäten wie dieses Popspektakel zur Mobilmachung genutzt werden. Vielleicht erklärt dies auch die Einbindung des Nato-Partners Australiens. Und wie der Zufall so will, hat sich nun auch der schwul-lesbische Sender Logo in den USA die Fernsehrechte am ESC gesichert. Was für ein weltumspannendes schwules Bollwerk. Doch wozu? Eins steht fest:

Was uns aller Wahrscheinlichkeit nach um den 14. Mai 2016 in Form eines Eklats oder lauten Missfallensäußerungen gegen Russland als einhellige Publikumsmeinung vorgeführt werden soll, wurde nachweislich akribisch vorbereitet.

Ukraine: Im Song wird vordergründig einer tatarischen Minderheit auf der Krim gedacht, die 1942 mit den Nazis kollaborierten (kein Problem) und daraufhin 1944 auf Anordnung Stalins deportiert wurden (großes Problem). Obwohl das Verhältnis dieser Volksgruppe nicht nur zu Russland, sondern auch zu Europa und zur Ukraine noch stets gespannt ist, wird mit Desinformationskampagne der öffentliche Diskurs auf 1 Jubel-Perspektive pro West-Ukraine beschränkt.

Armenien: Bereits Anfang März tweetete ich, dass ich auch im Falle Armenien noch auf was „Spezielles“ warte. Und siehe da… Brandneu seit April: Kämpfe zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan wieder entfacht. Mag Zufall sein. Weniger neu war, dass die armenische Sängerin mit Statements zur totalen Betroffenheit den Karabach-Konflikt auf sich bezog und prompt 2 Promo-Auftritte absagte (Beispiel). Es ist, als hätten einige Länder ein Patent auf die Opfer-Rolle (s. Armeniens Beitrag 2015), so auch 

Israel: Der israelische Sänger Hovi Star behauptet, dass ihm vor 6 Wochen bei der Passkontrolle am Moskauer Flughafen der Pass zerrissen wurde und begründet dies mit der Schwulenfeindlichkeit in Russland. Anstatt Anzeige zu erstatten, wird dieser Vorfall 1 Monat später durch eine Viral-Kampagne auf Facebook ins Gespräch gebracht, sonderbarerweise durch die spanische Teilnehmerin. Vielleicht weil beide beim gleichen Label sind? Nach einem publikumswirksamen Interview griff die internationale Presse das Thema auf und zählte nun all die unbelegten Fakten auf, die zuvor unkontrolliert viral die Runde gemacht hatten, so dass nicht mehr zwischen „Passzerstörung“ und „Viralkampagne“ unterschieden werden kann. Genau wie im Fall Armenien und Ukraine verlief die Berichterstattung vorläufig im Sande. Empfehlenswert: Ein interessantes Fan-Interview mit dem Organisator der Pre-Event-Party in Russland zum Stand der Dinge.

Ausrichter in Schweden setzen auf Buh-System 
Das von Österreich 2015 eingeführte Anti-Buh-System wurde von den Schweden wieder abgeschafft mit der Begründung, dies wäre wie Zensur in einer sonst authentischen Show.  Wie kann man sich eigentlich so sicher sein, dass nicht gegen die Organisatoren selber gebuht wird? Warum schwenkte bislang nie eine Kamera ins Publikum, um diese Buhrufer „authentisch“ in Szene zu setzen? Warum werden sie nie interviewt? 

Schweden veröffentlichte ein Liste der verbotenen Flaggen beim ESC 
Unter dem Aspekt von erwünschten Buhrufen ist es interessant, dass die Schweden (ungewollt?) eine „official flag policy list“ veröffentlichten, aufgrund derer alle inoffiziellen Flaggen verboten wurden, so auch die Flaggen der Krim und Berg-Karabach. Will man damit Konflikten ausweichen, oder soll das die Buhrufer anonymisieren? 

Ferner wurden auch die Flagge des IS-Staates, der Basken und die der Palästinenser verboten, obwohl diese gar nicht am ESC teilnehmen. Einige Gruppen beschweren sich nun, dass sie dadurch mit dem IS-Staat in eine Schublade gesteckt werden. Warum werden nicht einfach ALLE Flaggen verboten? Vor der Amerikanisierung in 1998 gab es auch keine Flaggen, siehe Beispiel ESC 1996. Dafür gab es bessere Sicht auf die Bühne, viele verschiedene Sprachen und die Musik war um Einiges abwechslungsreicher.

Ausrichter in Schweden haben mal wieder das Votingprocedere geändert 
In der neuen Präsentationsform kommen die Publikums-Votings einzelner Länder nicht mehr vor. Rhetorische Frage: Sind die etwa nicht „authentisch“ genug? Offensichtlich möchte man gleichzeitig dem Telefonvoter das Geld aus der Tasche ziehen und dennoch den intern bestimmten Sieger sicher auf den ersten Platz befördern. Das Publikum wird durch den Schein der Mitbestimmung zum Komplizen von Machenschaften, über die es 0 Kontrolle hat. 

Stattdessen wird dem Juroren-Voting um so mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wodurch die Juroren unter Druck gesetzt werden können. Wenn ich die Liste der Juroren 2016 überfliege finde ich viele Musiker, die wahrscheinlich wie die Teilnehmer alle beim gleichen amerikanischen Label unter Vertrag sind. Wettbewerb? 

Wer die von Deutschland durchgeführte Erfolgsmessung von Polit-Kampagnen beim ESC hinterfragt ist Verschwörungstheoretiker 
Mit ein paar wenigen Ausnahmen wie Armenien und Ukraine wurden die 43 Musikstücke so ziemlich auf ein gleichförmiges Level getuned. Und alle müssen auf englisch singen. Wenn man dann die vorangegangenen Hetz-Beiträge, Polit-Kampagnen und politischen Spannungen zwischen einzelnen Ländern mit einbezieht, ist das Telefon-Voting nicht mehr als Geschmacksabfrage sondern als Verhaltensmessung zu werten. 

Und niemand wird jemals erfahren, wie das tatsächliche Ergebnis ausfiel und welche Rückschlüsse Militärs und Geheimdienste bei einzelnen Votern daraus ziehen werden. Denn ob uns DAS vorgelesen wird, was wirklich gewählt wurde, ist für mich immer noch nicht bewiesen.


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Sonntag, 21. Februar 2016

In Scripted-Reality-Sendung #Eurovision wurde Drehbuch verändert und alle nennen es radikale Revolution

Vom Glaubwürdigkeitsproblem der „Lügenpresse“ bleiben Showbusiness und Regenbogenpresse bislang verschont. Jeder, der was auf sich hält, unterwirft sich ihrem Spaß, so auch bei der Punktereform beim ESC. Das große Versprechen, die Spannung zu steigern, wird als Serviceleistung verstanden, der Schmu, mit dem die Rechenkünstler in Schweden Spannung erzeugen wollen, wird sogar als ein Publikumserfolg gefeiert. Der eigentliche Trick ihres Scriptes besteht darin, aus naiven und uninformierten Konsumenten Komplizen zu machen. 

Was ändert sich wirklich? 
Nach der neuesten „Punktereform“ werden die Ergebnisse von Publikum und Juroren nicht mehr verrechnet vorgelesen, sondern gesondert vorgeführt. Jetzt ist die Höchstwertung nicht mehr Douze Points, sondern 24 Punkte. Sonderbarerweise wird aber der Bewertung der Juroren viel Showzeit eingeräumt, während die Meinung der Telefonvoter fast unsichtbar gemacht wird. Unsichtbar, indem die Ergebnisse aller 43 Länder einfach zu einem Ergebnis addiert und am Ende der Voting-Zelebrierung von Moderatoren vorgeselen werden. Dazu die FAZ: „Aus welchem Land die jeweiligen Punkte kommen, bleibt dann noch geheim.“ Aha. 

Genauere Information zur Punktereform auf Fanseiten aus 
Deutschland
Russland

Solange niemand Transparenz und Kontrolle einfordert, müssen wir mutmaßen 
Das Unsichtbarmachen des Publikumsvotings erkläre ich mir zum einen damit, dass in vielen Ländern zu wenig Telefonbesitzer anrufen, sodass die Anruf-Einnahmen den Show-Aufwand nicht decken und dass dementsprechend auch nicht von einem repräsentativen Ergebnis gesprochen werden kann. 

Dass die Überinzinszenierung des Juroren-Votings in den Pressemitteilungen völlig ausgeblendet wird, muss skeptisch machen. 
  • Schon die Begründungen ihres Wiedereinsatzes in 2009 waren zum größten Teil haarsträubend. 
  • Über die Auswahl der Juroren darf das europäische Publikum NICHT mit entscheiden. 
  • Die Anforderung an die Juroren ist unseriös, denn sie sollen ca. 43 in ihrer anglo-amerikanischen Ausrichtung gleichförmige Lieder ohne Bewertungskriterien in ein Ranking bringen und im Zweifelsfall begründen. 
  • Gleichzeitig gibt es jedes Jahr Beiträge, mit deren Promotion politisch provoziert wird, was eine unbefangene Bewertung fast unmöglich macht. 
Der eigentliche Trick des Scriptes besteht darin, aus Juroren Komplizen zu machen
Machen wir uns nichts vor: Bei diesen Abfragen werden nur bedingt Musikgeschmack und Musikkenntnisse ermittelt, sondern in erster Linie Verhalten gemessen. Vor dem Hintergrund feindseliger Aufwiegelungen ist diese „versteckte“ Verhaltensmessung und Auswertung fragwürdig. Denn man kann nicht nur Verhalten messen, sondern in jedem Verhalten x-beliebige Motivationen hinein interpretieren. 

Es kommt nicht darauf an, wer was wählt, sondern wer am Schluss die Stimmen auszählt 
An diesem Stalin-Zitat hat auch die „Revolution des Punktesystems beim ESC 2016“ nichts geändert. Die europäischen Daten von Telefonvoter und Jury laufen weiterhin in einem einzigen Privatunternehmen auf, und zwar digame mobile GmbH in Köln. Unter Beobachtung der PWC (ich gehe mal davon aus, dass PWC weiterhin beteiligt ist) werden sie gesammelt und wieder distribuiert und dann im TV und Internet vorgetragen. Oder eben auch nicht. 2013 forderten Russland und Aserbaidschan die Veröffentlichung der tatsächlichen Ergebnisse, um zu überprüfen, ob sie mit den vorgelesenen Ergebnissen übereinstimmen. Es blieb bei der Forderung. 

Würden in der EBU und ihrer Referenz-Gruppe regulär osteuropäische Repräsentanten vertreten sein, wäre digame GmbH ein russisches Unternehmen und würde Russland ständig an den Abstimmungsmodalitäten herumdoktern, würde aus dem Fantasie-Drehbuch schnell knallharte Realität werden, an dem sich Sinn und Verstand des saturierten und naiven West-Komplizen schärfen könnten. Aber daran wird Russland wahrscheinlich das geringste Interesse haben. 


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Dienstag, 8. Oktober 2013

Der Eurovision Song Contest schrumpft

Nahmen 2010 und 2009 noch 43 Länder am Eurovision Song Contest teil, kommt man bislang nicht mal auf 30 Anmeldungen. Immer mehr Länder steigen aus, zur Begründung wird auf Geldknappheit und allgemeine Finanzkrise verwiesen. Die Türkei ist verärgert, sie moniert einen Betrug am Publikum seit den in 2013 veränderten Abstimmungsmodalitäten.

Ich frage mich seit Jahren, welcher Zwang oder welche Verlockung dahinter stecken, dass sich gerade ärmere Länder einer Show ausliefern, die ihnen nur Kosten verursacht, in der sie nicht die geringste Chance auf Erfolg haben (oder aus Kostengründen vielleicht gar nicht haben wollen) und in der sie sich regelmäßig irgendwelchen Brüskierungen ausliefern. Wenn einige von ihnen jetzt aussteigen, erscheint mir das wesentlich nachvollziehbarer. 

Ums Geld wird beim Eurovision Song Contest immer noch ein großes Geheimnis gemacht, klar ist, dass es hier um Riesensummen geht. Jedes Land muss eine nicht unerhebliche Teilnahmegebühr entrichten, um überhaupt mitmachen zu „dürfen“. Hinzu kommen die Ausgaben für das Lied, Anfahrt und Unterbringung der Delegation usw. Einen noch höheren Betrag zahlen die sog. Big-5-Länder Frankreich, Spanien, Großbritannien, Italien und Deutschland, die damit allerdings den Wettbewerb umgehen und sich auf diese Weise die Finalplätze kaufen. Einen sicheren Startplatz im Finale hat auch das austragende Land (Vorjahressieger), denn deren Rundfunkanstalt muss durch die Ausrichtung der Show am tiefsten in die Tasche greifen. 

Auch wenn diese Finanzierung sehr geordnet klingt ist unschwer zu erkennen, dass das Geld die Fairness des Wettbewerbs untergräbt, praktiziert vor allem von Ländern, die aus ihrer finanziellen Überlegenheit auch noch das Recht ableiten, zugleich als Hüter der Moral und Gerechtigkeit aufzutreten. Ich kann nicht nachvollziehen, dass weder Presse noch Fanclubs diesen Widerspruch hinterfragen. Als wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft vor jedem Spiel mit 3 Toren Vorsprung antreten würde... Stattdessen versuchen Fans gerne, süd- und osteuropäischen Ländern Bestechungsaffairen anzuhängen.

Hinzu kommt eine Strenge der Regeln schon bei den nationalen Vorentscheidungen, deren Verletzung von der EBU auch wieder mit hohen Geldbußen belegt wird. Hier passen die Fans der reicheren Länder dann auf wie die Schießhunde, wodurch so manches Land - vor allem in Osteuropa – monatelang in die Negativschlagzeilen gerät. Trifft es zufällig mal Deutschland (vorzeitige Veröffentlichung der Beiträge in 2013 war regelwidrig), werden stillschweigend die Gesetze gelockert. Offensichtlich haben also alle Länder die gleichen Verpflichtungen aber nicht die gleichen Rechte, was mir als Deutsche vor Fans anderer Länder langsam peinlich wird. Diese Ungleichheit beeinträchtigt die Kommunikation negativ.

Dass Größe immer Ausdruck von Macht und Erfolg ist, ist unter Männern ausgemachte Sache. Schlimm also, wenn ihr Ding schrumpft. Hierfür müssen jetzt die Organisatoren eine Begründung finden, damit sie nicht ihr Gesicht verlieren. Ich gehe mal davon aus, dass die deutsche Presse über "vernünftige Sparmaßnahmen" schreiben, über „beleidigte Türken“ berichten, sich das Maul über Länder zerreißen wird, die sowieso nicht mit Geld umgehen können. Und bestimmt werden Fans und Presse wieder über Diktaturen Bescheid wissen (Russland, Aserbaidschan, Weissrussland), um die man schon immer einen Bogen hätte machen sollen... während man gleichzeitig mit den - man höre und staune - Chinesen (lupenreine Demokratie) um die Übertragungsrechte feilscht. 

Fakt ist, dass bei weiterem Schrumpfen der Teilnehmerzahl ein weltweit medienwirksames Symbol europäischer Zusammengehörigkeit zerbröckelt. Ignoranz kann nicht darüber hinweg täuschen, dass damit auch das hegemoniale Selbstverständnis der Westeuropäer ins Wanken gerät, indem ihnen nämlich die Prellböcke abhanden kommen...

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Sonntag, 29. September 2013

Bundesvision Song Contest 2013 – Bosse gewinnt und unser Star für Kopenhagen könnte MC Fitti sein

Der Auftritt von MC Fitti beim Bundesvision Song Contest war eine Eurovisions-reife Überraschung. Bis gestern habe ich ihn nur als einen Spaßvogel wahrgenommen, der Konzerte in Trams und Sightseeing-Busse gibt und in stundenlangen Radiointerviews immer wieder sein eigenes Lied hören möchte - „Bitte spiel es doch noch mal, oh, das ist so schön, nicht wahr?“ - und damit das Formatradio ad absurdum führt. 

Bei seinem gestrigen Auftritt waren Lied, Lightshow und Performance stimmig. In seinem Outfit erinnerte er mich an Sébastian Tellier, der 2008 für Frankreich angetreten war. 
 

Sympathisch auch, wenn er zu seiner Konkurrenz auf die Bühne sprang und für sie warb. 

„MC Fitti, was wirst du machen, wenn du gewinnst?“
„Ich werde mit Bosse tauschen.“ 

Der (zufällige?) Witz dieser Antwort erschloss sich mir erst, als Bosse tatsächlich gewann. Den ganzen Abend hatte MC Fitti den Wettbewerb auf angenehme Weise untergraben. Den Rest erledigte die Technik, denn man konnte beobachten, wie die Punkte visuell schneller zum jeweiligen Kandidaten huschten, als die Moderatoren der Radiostationen sprechen konnten. Warum auch nicht? Oder nimmt irgendjemand diese Wettbewerbe noch ernst?

Dumm ist das für den Zweitplatzierten Johannes Oerding für Hamburg, denn der war genauso gut wie der Erstplatzierte Bosse für Niedersachsen. Vielleicht war es ja die außergewöhnliche Tanzeinlage, der Bosse seinen Sieg zu verdanken hat, sein Outfit kann es jedenfalls nicht gewesen sein. 

Ich hatte bei diesem BuViSoCo den Eindruck, einer Big-Brother-Show in einer Riesen-WG zu folgen. Die Teilnehmer präsentierten statt Wettkampf brüderliche Geschlossenheit, und sie unterschieden sich lediglich im Ausmaß ihrer Schruddeligkeit. Das Gute daran war, dass man so nicht Äpfel mit Birnen vergleichen musste. Und es war vorher schon klar, dass die routinierten Stars auf der linken und die unerfahreneren Stars auf der rechten Seite der Tabelle landen würden. Was aber Professionalität und Unterhaltungswert der Show betrifft, ist Raab damit weit unter das Niveau der diesjährigen Vorentscheidung der ARD gefallen, die er ursprünglich toppen wollte. Die war abwechslungsreicher. Wenn er immer noch damit wirbt, dass junge deutsche Musiker nur bei ihm die Chance eines TV-Auftritts bekommen, möchte ich da ein großes Fragezeichen setzen.

Stattdessen frage ich mal provokativ, ob es in Deutschland immer noch keine Behinderte oder keine Menschen mit Migrationshintergrund beispielsweise aus der Türkei oder dem Iran gibt, die Musik machen. Die einzige dunkelhäutige Sängerin Luna Simao, die für Schleswig-Holstein einen guten 6. Platz holte, war durch ihr Alter (17 Jahre) leicht „gehandicapt“. Sie durfte nämlich nach 23:00 Uhr nicht mehr auf die Bühne. Diese Artigkeit wurde peinlich, als zum Schluss alle auf der Bühne standen, und nur sie im Zuschauerraum bleiben musste. Was sollen Menschen denken, die ohne deutsche Sprachkenntnisse diese Show verfolgen? 

Als Eurovisions-Fan verfolgt man nämlich gerne Vorentscheidungen anderer Länder, und da werden die eben genannten Gruppen durchaus integriert. Der einzige Deutsche, der bislang Behinderte und Migranten einen internationalen ESC-Auftritt ermöglicht hat, war übrigens Ralph Siegel – und das liegt viele Jahre zurück. Weder Raab noch Guildo Horn (Musiktherapeut für Behinderte) noch der NDR haben daran etwas geändert. Im Gegenteil.

Genau wie beim Bundesvision Song Contest werden auch bei der Deutschen Vorentscheidung wie beim ESC Musik und Musiker immer mehr zur Nebensache, stattdessen rücken sich zunehmend die Organisatoren in den Mittelpunkt, die nur noch auf den Wettbewerb und seinen Abstimmungsmodalitäten und -ergebnissen herumreiten.

Und genau deswegen wünsche ich mir zur allgemeinen Entkrampfung endlich mal wieder einen Spaß-Act aus Deutschland beim ESC, und der könnte MC Fitti heißen.


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