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Freitag, 20. Mai 2022

Eurovision 2022 – Der alte Westen ist der neue Osten


Wie bereits im Rahmen der Orangenen Revolution 2004 und 2016 in Folge des Euromaidan gewann die Ukraine 2022 – nun anläßlich des Russland-Ukraine-Krieges - am 14./15. Mai 2022 zum 3. Mal den Eurovision Song Contest. 

  

 

 

Wochenlang wurde ihr ESC-Sieg in Medien, Politik und Wettquoten vorhergesagt, gewonnen hätten sie selbst dann, wenn sie gar nicht angetreten wären. Die Sendung wurde zur Propagandashow mit rigider Verhaltenskontrolle bei der Abstimmung, der Musikgeschmack musste der Gesinnung weichen. Man nennt es Wettbewerb. 

 

Der Wettkampf gegen die Freiheit 

 

39 Länder wurden als Füllstoff vorgeführt, das Publikum hat sich mit Eintrittskarten und Telefonanrufen kostenpflichtig zu Komplizen machen lassen. Angeblich bekam die Ukraine vom TV-Publikum 439 Punkte, d. h., dass 36 von 39 Ländern – also 93% - die höchste Punktzahl gegeben haben.* Das toppt alles, was man zu Wahlergebnissen über Mao, Nordkorea, SED, ZK etc. jemals gelesen hat. Die übrigen 7% bekamen eins übergebraten. Beispiel Österreich: 

 

ORF-Skandal:Null Punkte für Ukraine "[…] Ganz Europa feiert die Ukraine beim Song Contest. Nur Österreichs „Fachjury“ zeigte kein Herz: 0 Punkte […]“. Daraufhin werden die Abtrünnigen namentlich genannt, 5 MusikerInnen, „fünf Juroren ohne Herz. Sie haben die Vision rund um die Ukraine nicht erkannt. Sie stellten den persönlichen Musikgeschmack vor den Friedensgedanken."

 

Die ukrainische Band gab nach ihrem Auftritt ein politisches Statement ab, das bis dahin zur Disqualifizierung geführt hätte. Es wurde nicht einmal angemahnt. Dass stattdessen die Abstimmungsergebnisse von Juroren aus 5 Ländern wegen angeblicher Unstimmigkeiten für ungültig erklärt und durch ein automatisch errechnetes Ergebnis ersetzt wurden, wirkt wie ein Ablenkungsmanöver.

 

In sozialen Medien verbreitete Fotos und Clips zeigten ein ukrainisches Bandmitglied, das sich im Bühnenabgang mit uns zugekehrtem Rücken mit Hitler-Gruß bedankt. Von deutschen Medien wird diese Geste verleugnet, die Beweisclips zensiert und gelöscht. Ob es stimmt oder nicht, warum wird im freien Westen kontrolliert, vorgeschrieben, zensiert und gelöscht?

 

Trivialisierung von Politik und Krieg

 

Der Zugriff von Politik und Militär auf den reichweitenstarken Remmidemmi-ESC trivialisiert zugleich ihre politischen Anliegen und Ziele. Wie flegelhafte Jugendliche vom Stamme Nimm durften die Ukrainer ihren Beitrag dazu leisten. Wie groß ist denn da noch der moralisch-ethische Abstand zwischen Hitler-Gruß und Verhaltenskontrolle, Zensur, Sprachverbote, entsolidarisierender Identitätspolitik, Dekonstruktion des Humanen, Abschaffung der Bürgerrechte, Krieg...?

 

Moralische und intellektuelle Verkommenheit der Funktionseliten erzeugen mentale Verwüstungen

  • Deutschland bewarb während der deutschen Vorentscheidung als eifrigster Propagandist und finanzieller Unterstützer die Ukraine mehr als das eigene Land.
  • Deutschland erhielt von der Ukraine 0 Punkte.
  • Deutschland musste gleich nach der Ukraine starten mit der Folge, dass bei den Auftritten der Ukrainer der Saal tobte und beim deutschen Teilnehmer dann erst mal niemand applaudierte.
  • Der letztplatzierte Deutsche zu seiner vorhersehbaren Niederlage: "Aber was mich am Ende sehr, sehr froh gemacht hat, war zu sehen, dass die Ukraine gewonnen hat."
  • T-Online zitierte den Präsidenten der Ukraine Selensky: "Wir tun alles dafür, damit eines Tages das ukrainische Mariupol die Teilnehmer und Gäste der Eurovision empfängt.“ Durchhalteparole, denn die Austragung des ESC in 2017 ging mit schweren Zerwürfnissen unter den Organisatoren einher, wie dieses Video der Krisensitzung von Februar 2017 erinnert.

Die Medien triumphieren wie folgt:

 

Die NZZ: Für die Hip-Hop-Friedenstruppe haben die Bretter der Konzertbühne drei Minuten lang tatsächlich die Welt bedeutet. Sie hat ihr Land würdig vertreten, und die Welt [ist Europa die Welt?] hat es dem Kalush Orchestra gedankt.

 

Stuttgarter Zeitung: Eigentlich ist der Eurovision Song Contest ja nur ein TV- Spaß. Aber in diesem Jahr bietet auch er den Kriegstreibern in Moskau Paroli. 

 

Matthias Koch im RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Der Eurovision Song Contest 2022 ist ein ebenso fröhlicher wie vernichtender sozio-kultureller Erstschlag gegen Wladimir Putin. Der Kremlherr wird sich davon nicht mehr erholen."

 

Promiwood: „ESC 2022: Wegen Ukraine Sieg – Wladimir Putin zerschlägt Fernseher! 

 

Der Postillon: "Damit wir auch mal eine Chance haben – Deutsche ESC-Fans fordern Angriffskrieg gegen Deutschland."

 

Kurze Zeit später schon wurde der Siegersong aus der Ukraine von einer deutschen Band gecovert. Die Band "Braunau" wurde durch den Song der Ukrainer inspiriert und hat eine Studioversion ihres Liedchens "#Adolphina" vorgestellt.

 

 

Der alte Osten ist der neue Westen

 

Als KonsumentIn kann man das Tragische bald nicht mehr vom Komischen unterscheiden. Der einzige Beitrag, der sich über die bedauernswerte Lage der europäischen Bevölkerung am Abend des ESC den Kopf zerbrach, kam aus einem osteuropäischen Nicht-NATO-Land. Umrahmt von Kulthandlungen eines Gesundheitswahns ließ Serbien zu seinem in Landessprache gesungenen Lied folgende Untertitel einblenden:

 

A sick mind in a healthy body

A sad soul in a healthy body

A desperate mind in a healthy body

A frightened mind in a healthy body

 

So what now?

 

 

* Was den Zuspruch des TV-Zuschauers betrifft, muss er allerdings etwas eingedämmt werden: Die 2. Abstimmungsrunde wurde ins Leben gerufen, weil viele Länder aufgrund zu niedriger Anruflast keine repräsentativen Ergebnisse mehr liefern konnten. Um diese Misere zu vertuschen, werden die Anrufe pro Beitrag europaweit einfach zusammengezählt.

 

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Donnerstag, 21. Mai 2020

Die Eurovision sang den Corona-Blues

„Das Unbegangene wird langsam rar. Der Wiederholungsekel, wenn man merkt, das habe ich doch jetzt schon 1000 mal so durchexerziert, das wird schal im Mund […], die Bewegung wird einfach öde und banal, wenn man sie zu oft ausführt.“ 

Diese Worte von Neo Rauch aus 2019 sprachen mir aus der Seele. Dass nach meinem monatelangen Überdruss vom ESC dann ur-plötzlich alle Massenveranstaltungen und damit auch der Eurovision Song Contest abgeblasen wurden, erschien mir folgerichtig und angenehm. 

Ergeht es den Strippenziehern der Globalisierung auch so wie mir und Neo-Rauch? 
Wir sollen glauben, dass der Lockdown von einer fürsorglichen Elite für ihre verseuchte Massengesellschaft angeordnet wird. Hat man also bislang mit Dauerbespaßung aus Konsumenten Kleinkinder gemacht, saßen wir am 16.05.2020 als Patienten vorm TV. Originell war das nicht. 

Die von oben angeordnete weltweite Atempause sieht zwar nach Machtdemonstration aus, könnte es aber nicht auch ein Hinweis darauf sein, dass man sich in der eigenen Klappsmühlen-Bespaßung verrannt hat? Beim Thema ESC sieht es schon seit längerem danach aus. 

COVID-19 als Angriff auf die Spaßgesellschaft
Während man im Kalten Krieg den Ostblock noch mit dem Lifestyle einer rebellischen und kreativen Jugend untergrub, die für Freiheit, Demokratie, Kapitalismus (und ein bisschen Frieden) kämpfte, benötigt man seit seinem Verschwinden nur noch Naive, die sich mittels Zauberwort „Globalisierung“ für das genaue Gegenteil von Freiheit stark machen, ohne dieses Gegenteil benennen zu dürfen. Kaum ein Event führt deutlicher vor, wie ausgerechnet dieses Tabu kommerzialisiert und sogar noch ausgebeutet werden kann, wie der Eurovision Song Contest. 

Hierzu gehört vor allem die Tatsache, dass der ESC niemals Teil einer aufmüpfigen Kultur war und es aufgrund seiner hierarchischen, geschlossenen Organisation niemals sein wird. Daran ändern auch Geschichtsverklärungen um Abba, Stefan Raab, Conchita Wurst u. a. nichts. Dem bis in die 90er Jahre konservativen Grand Prix verpasste man ab 1998 einfach nur ein anglo-amerikanisches Spaß- und Angeber-Format, in Deutschland personifiziert mit dem Namen Stefan Raab. 

Der war gemeinsam mit Kollege Wurst am 16.05.2020 mit eigener Show auch wieder mit von der Partie. Die Steigbügelhalter der Eurovision (Globalisierung) scheinen vor dem Rauch‘schen Überdruss und vor Selbstkritik gefeit, sie machen einfach weiter und weiter und weiter… 

Conchita Wurst steht beispielhaft für die schablonenhaften Promi-Identitäten, die eigens für den ESC kreiert werden, wobei man sich an die Emanzipationsbewegungen der 60er bis 80er Jahre orientiert. Dass allerdings die LGBT beim ESC immer noch als eine bedrohte Minderheit um Anerkennung bettelt, ist angesichts ihrer finanzstarken Unterstützung verlogen. Vielmehr werfen die konstruierten Minderheiten-Profile mittlerweile ein zweifelhaftes Licht auf ihre Erfinder. 

Wer könnten die Erfinder der bedrohten sexuellen Minderheiten sein? 
Folgt man Untersuchungen amerikanischer Feministinnen, scheint auch hier genau wie beim Thema Corona die Pharmaindustrie keine unwesentlich Rolle zu spielen. Anhand einer brutalen Instrumentalisierung von Identität und Sexualität scheint der ESC ab 1998 zur Werbeplattform für ein Establishment geworden zu sein, in welchem das Militär, billionaire philanthropists, the technology and pharmaceutical industries, major corporations, and banks dominieren.  Und so ging der Spaß vonstatten: 

1998 übernahm die amerikanische Musikindustrie den ESC, setzte die Homosexuellen als „Experten“ in die ersten Reihen, und ließ die von Designern aufgebrezelte Transsexuelle Dana International aus Israel mit dem Lied „Diva“ den ESC gewinnen, die sich zuvor zwecks Geschlechtsumwandlung auf den Operationstisch gelegt hatte. Zufall? Eher steht zu vermuten, dass diese Person ohne Operation wohl nicht mal unter ferner liefen beim ESC aufgetreten wäre und dass die sog. „ESC-Experten“ ziemlich aufgemischt wurden mittels Agenten. 

Die Konzentration auf das breitenwirksame Boulevard ist ein kluger Schachzug, denn ausnahmslos alle Journalisten fühlen sich dem Spektakel so sehr überlegen, dass sie diese Praktiken des „diversen“ Spaßes nicht hinterfragen. Bei der letzten Austragung 2019 in Israel mussten z. B. alle Stars eine Blutprobe abgeben, wahren „ESC-Experten“ wurde eine Blutprobenabgabe nahegelegt. Bei der nächsten Eurovision könnte schon nach biologischen Kriterien mit Impfpass selektiert werden. Aber wenn das bislang doch so spaßig funktionierte: 

Warum und für wen soll der Spaß plötzlich vorbei sein? 
Dass sich schlagartig alle Länder am Lock-Down beteiligen, erinnert an Zeiten des Feudalismus. Es gibt zwar Konkurrenz und Schuldzuweisungen wie seinerzeit unter den Monarchien, doch scheint man sich damals wie heute zumindest im Verhältnis gegenüber Staat und Untertanen einig: Man spricht ihnen schlicht die Mitsprache oder gar die Menschenwürde ab. 

Während sog. Diktaturen daraus kaum einen Hehl machen, muss uns unsere Unterhaltungsindustrie ständig ein x für ein u vormachen. Das ist nicht nur teuer, sondern lässt auch das westliche Establishment langsam viehisch aussehen. Minderheitenanbetung oder Phrasendrescherei um bunte Diversität stellen in Diktaturen keinen Wert dar. Chinas Mittelstand z. B. ist in der Diktatur gestärkt worden und bietet dafür Anpassung, Leistung und Disziplin – und ich glaube sogar Konsens mit der Regierung. Auch bis ins Transhumane. 

Eurovision? China hat 2018 die Übertragung des ESC verboten. Hiesiger Narrative zufolge wegen zu viel westlicher Toleranz, der Tatoos, der Schwulen, der sexuellen Selbstentblößung und Blablabla... Fakt war ein autoritäres Nein ohne nachvollziehbare Begründung. 

Für Kommentator Peter Urban war in der deutschen ARD-Finalshow die US-Musikindustrie wie seit jeher Vorbild für europäische Musik. Noch immer will keiner wahrhaben, dass Asiaten den popkulturellen Kinderkram mittlerweile nicht nur locker nachahmen, sondern schon seit längerem überbieten. 

Ich mag mir jedenfalls die auf Linie gebrachten Schmalspur-Promis nicht mehr anhören oder anschauen, zumal die asiatische Konkurrenz längst Schöneres und Professionelleres bietet. Deren Establishments staffieren ihre Jugend schon vorsorglich mit schneidigen Kämpferposen und Herrschermerkmalen aus.

Sonntag, 5. Mai 2019

Große Überraschung: Die Niederlande triumphiert über Russland und gewinnt den ESC 2019

Am 16.04.2019 ärgerte sich der niederländische Fernsehmoderator und ESC-Experte Cornald Maas auf Twitter über eine Veröffentlichung zur Bewerbung der Stadt Maastricht, den nächsten ESC 2020 auszutragen.  Bereits vorher hatten Amsterdam und Den Haag ihr Interesse einer Austragung angemeldet. Seit Wochen reden sich BuchmacherEurovisions-Experten und Fans  den Sieg der Niederlande herbei. Obwohl die Niederländer erst noch die Vorrunde überstehen müssen steht fest, dass sie das Finale landesweit in 21 Kinos übertragen werden. Man bekommt Beklemmungen bei dem Gedanken, die Niederländer könnten vielleicht doch nicht gewinnen... 

Was spricht für einen ESC-Sieg der Niederländer in 2019? 
  • 59 mal haben die Niederländer bereits an der Eurovision teilgenommen, 4 mal haben sie gewonnen, der letzte Sieg liegt allerdings 44 Jahre zurück, so dass es mal wieder Zeit für einen Erfolg wird.
  • Seit 2013 verfolgen die Niederländer ein professionelles Konzept, indem sie statt Vorentscheidungsmarathone einfach einen Musiker nominieren und ihn selber über alles Weitere selbstständig entscheiden lassen. Dieses Konzept führte zu guten Beiträgen, was wiederum zur Bereicherung der Shows beitrug.
  • Die Niederländer haben eine quirlige Fangemeinde, denen man die Freude über einen ESC-Sieg durchaus gönnt.
  • Last not least verstehen die Niederländer etwas vom Showbusiness und werden sich mit Sicherheit als gute Gastgeber erweisen. Doch:

Warum ausgerechnet der Beitrag von Duncan Laurence? 
In einem Songcheck des NDR hört man nach vielen Lobpreisungen von Fans zum Ende hin den Musikredakteur Peter Urban mit der kritischen Anmerkung, dass der Song irgendwie ins Leere läuft.

Bei der Aufzählung von den Vorzügen dieses Songs muss ich sarkastisch werden:
  • Wie bei fast allen Siegen der letzten 20 Jahre ist der Sänger ein Noname. Wahrscheinlich weil statt der Sieger nur Abgreifer am Erfolg verdienen.
  • Wie bei vielen Siegen der letzten Jahre verletzt dieses Lied die Eurovisionsregeln, es wurde nämlich lange vor der Deadline veröffentlicht. (Auch das ukrainische Siegerlied wurde lange vorher schon aufgeführt, das israelische Siegerlied war wie einige andere vor ihm ein Plagiat usw. usw.).
  • Das Musikvideo passt nicht zum Song, es versucht mit pornographischen Mitteln an niedrige Instinkte zu appellieren.

Welche Funktion hat ein Wettbewerb, wenn Vorlieben bereits geklärt sind? 
Um im sarkastischen Modus zu bleiben: Um Fans und Zuschauer zur Unfairness, Doppelmoral und Infantilismus zu erziehen. 

Interessant wäre ja mal ein Konzept, bei dem ca. 40 Lieder ins Rennen geschickt werden, von denen man die Herkunftsländer nicht kennt. Daraufhin wird in Auseinandersetzungen zwischen Fans, Musikern und Experten argumentativ herausgearbeitet, welcher dieser Songs am besten ist.

Stattdessen geben Polls, Umfragen und Wettquoten den Ton an und können auf intransparente und manipulative Weise beliebige Hypes erzeugen. Meine Einschätzung von Hypes: Man dichtet sich DIE Kindermärchen zurecht, mit denen man sich später bescheissen lässt, indem man sich beispielsweise Regelbrüche, Unfairness, Volksverhetzung etc. schön redet. 

Mit gepflegter Verdummung gegen Russland 
Wem also nicht klar ist, warum ausgerechnet die Niederlande gewinnen sollte, braucht sich nur auf den Seiten der Wettbüros umschauen um dann zu wissen, GEGEN wen der niederländische Beitrag als siegreich zu gelten hat: [Russia] is rated as the 9/2 second-favourite with most bookmakers, behind the Netherlands entry, Arcade.“ Weiter: „In an open Eurovision, Lazarev [Russia] has to be taken seriously as a potential winner.  

Leider ist der Eurovision Song Contest alles andere als OPEN, denn weiter heisst es: „Any Russian entry is at risk of being hit by political sentiments, given the unpopularity of ‚the Putin regime‘ (Hervorhebung E. S.] and the ongoing situation in Ukraine.

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Freitag, 19. April 2019

Sind Hatari aus Island die Gretas der Eurovision?

Krassere optische Gegensätze wie die zwischen Greta Thunberg und der isländischen Band Hatari kann es kaum geben. Während Greta dargestellt wird wie ein prüdes, unschuldiges, vergreistes Schulkind, glämmert Hataris brutales Outfit mit Utensilien aus der Sado-Maso-Szene. Die Gemeinsamkeit besteht im von oben verordneten Hype. der um beide Acts kreiert wird. 

Hypes sind Mogelpackungen



Bei Hypes sind Themen und Protagonisten beliebig und austauschbar 
Hypes sind eigentlich nur die Stöckchen, über die wir alle zu springen eingeladen sind in der Annahme, dass unser braves Hüpfen Bestandteil der politischen Willensbildung, der Freiheit und Demokratie sind. 

Hypes sind - wie der Beurteilungswahnsinn beim ESC - Mittel zur Verhaltensmessung und Produktprofilierung 
Beim Echauffieren und Ereifern dichten wir uns genau DIE Märchen zurecht, mit denen wir uns später bescheißen lassen, indem wir uns beispielsweise unglaubwürdigen Zuspruch, Ablehnung oder schlicht Wahlergebnisse damit schön reden. 

Spielregeln der Hype-Kommunikation 
Die (meist erpressbaren)* Protagonisten werden dermaßen hofiert und umschmeichelt, bis sie von ihrer eigenen Vortrefflichkeit selbst am meisten benebelt sind. Ihre Anliegen sind stets polarisierend angelegt und werden mit infantilen Dauerappellen an Unzufriedenheit, Angst, Einfalt und/oder guten Glauben kommuniziert. 

Gleichzeitig werden sprachliche Minenfelder gelegt, so dass die Kommunikation gezielt mit Sprechverboten und Vorwürfen wie Spielverderber, Rassist, Nazi, Verschwörungstheoretiker und – wer hätte es gedacht – Antisemit gelenkt werden kann. 

Der Hype um die Band Hatari baut auf Sex-Tabus und fundamentale Kritik am Neoliberalismus und an Israels Politik 
Ich zitiere aus ESCKAZ: „Hatari (translated as Hater) is a 3-piece-award-winning industrial BDSM anti-capitalist-anti-establishment techno-dystopian homo-erotic bondage sado-maso demonic Icepop performance art group [...] that aims to take the lid off the relentless, unfolding scam that is everyday life. [They] can unveil the anomie of neoliberal society, the pointlessness of every minute spent in the futile race, and the low price for which man sells himself ever more blatantly. [They] scream at our own impotence, scream at our collectiv sleepwalk through routine, and implore the audience to unite."

Das spricht uns aus der Seele und nimmt uns zugleich den Wind aus den Segeln. Denn so doof die Zustände in der Offenen Gesellschaft auch sein mögen, solange nichts an ihren Spielregeln geändert wird, ist angeblich jede Freiheit erlaubt, alles kann ausgesprochen werden. Die Grenzen dieses vermeintlich offenen Systems werden bei Kritik an Israels Politik ausgelotet: „They will use their performance to criticize the state of Israel […], a country that violates human rights.“ 

Allerdings sind politische Botschaften auf der ESC-Bühne bei Strafe verboten. Hierzu Hatari: „However, we plan to use the agenda-setting power that comes with participation to uphold a critical discussion about the context in which the contest is being held.“ 

Ich frage mich allerdings, warum man Hataris doch eigentlich ernstes Anliegen mit Spaßprovokationen gegen Benjamin Netanjahu und Sado-Maso-Sex verpackt. Stellt das im Sinne eines Anything Goes kollektive Selbstbeweihräucherung dar? Oder will man gar auf ein Foltergefängnis anspielen, das keins sein soll? 

Ich wiederhole: Bei Hypes geht es nicht um Wahrheit, Recht oder Unrecht, Schuld oder Unschuld, Ursache und Wirkung – das ist alles schon wie in Stein gemeißelt - sondern es geht einzig um gelenkte Kommunikation, um den Buzz. Dies bestätigt ein Artikel der Jerusalem Post vom 14.04.2019.  Hier wird die ganze Hatari-Suppe ohne Anlass immer wieder aufgewärmt - und mittendrin ein werbendes Video für Netanjahu. 

Wenn Gruppenzugehörigkeit wichtiger wird als Ethik und Moral 
Das bisherige Desinteresse am Hatari-Hype erkläre ich mir zum einen mit Ermüdungserscheinungen unter ESC-Fans, Professor Mausfeld bezeichnet dies als den gewünschten Effekt der „Empörungserschöpfung“. Statt wie in früheren Jahren quirlige, offene Foren, Blogs oder Facebookgruppen zu Wort kommen zu lassen, setzt man seit einigen Jahren auf professionell eingebundene Vorzeige-Alpha-Fans in verschwiegenen, geschlossenen Panels. Vor allem muss wohl auch den Kommunikationsstrategen der Israel-Politik zugestanden werden, dass ihr sprachliches Minenfeld des „Antisemitismus“ erfolgreich ist. 

Fazit: Es wird wohl kein Zufall sein, dass der ESC-Sieg Israels in 2018 und Hataris wirkungslose ESC-Provokationen in 2019 ausgerechnet in eine Zeit fallen, in der Israel militärisch immer offensiver vorgeht. 

... und warum ausgerechnet Island? 


*Die Eltern von Greta sind prominente Künstler, die Eltern der Mitglieder von Hatari arbeiten in der isländischen Außenpolitik in Brüssel, haben also einen Ruf zu verlieren


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Sonntag, 17. März 2019

Ukraine und der Sex-Scheiß im Militainment

Dass bei der ukrainischen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2019 einiges im Argen lag, drang nur bis zu deutschen Intellektuellen durch, die bunten Fachblätter der „Guten“ indes hüllten sich in beredtes Schweigen . Ausgerechnet die Nachdenk-seitenberichteten ausführlich und beklagten die Politisierung des Musikwettbewerbs. Der Begriff ist allerdings falsch gewählt, denn es geht um Militarisierung. 

Regelbrüche beim ESC sind eine Passion „der Guten“ 
Sie dürfen nur nicht thematisiert werden. Bei der Vorentscheidung in der Ukraine wurde natürlich nicht politisiert, denn es wurden ja keine Meinungen ausgetauscht. Stattdessen gab es eine noch nie dagewesene Gewissensprüfung, wie sie seinerzeit auch bei Wehrdienstverweigerungen geläufig waren. Die Fragen lauteten: „Wie stehst du zur Krim, zu Russland und zur Ukraine?“ Die Antworten waren vorgegeben, wer sie zuungusten der Ukraine beantwortete, wurde als Verlierer vorgeführt. Dass diese Vernehmung nicht ‚vor‘ der Veranstaltung stattfand, sondern als Show inszeniert wurde, ist ein Regelbruch, der allerdings folgenlos blieb. 

Durchgeführt wurde die Inquisition von ehemaligen ESC-Teilnehmern, vor allem von der Siegerin Jamala aus 2016. Zur Erinnerung: Jamala wurde nachweislich vom Militär promotet.  

Nutten-Pop für‘s Offizierskasino 
Jamalas Siegerlied aus 2016 war eine abgedroschene Ami-Schnulze mit ein paar Ethno-Elementen, es handelte von Josef Stalin. Während das künstliche Bejubeln abgedroschener US-Schnulzen den Interessen der US-Musikindustrie dient (sie dulden in Europa keine ernsthafte Konkurrenz, gerade die ost-europäischen Musiker sind immer noch viel zu gut), ist die Reduzierung auf Hass (Josef Stalin) und niedere Bedürfnisse wie Sexualität und Scharfmacherei Sache des Militärs. 

Abgedroschene US-Schnulzen waren auch dieses Jahr wieder dabei, z. B. das Lied „My Road“ vom Zwillingspaar Anna und Maria Opanasiuk. Auch Maruvs Lied „Siren Song“ folgte dem Muster der Abgedroschenheit mit Ethnoelementen, wichtiger aber war ihr ordinäres Auftreten (ab 01'20) mit der Funktion, als Sex-Lockvogel die ukrainische Vorentscheidung ins internationale Boulevard zu puschen.

Der Widerspenstigen Zähmung misslingt 
Im Bemühen, es den Herren und Gebietern aus US-Musikindustrie und Militär recht zu machen, sind die Ukrainer dann in deren Grube gefallen, die eigentlich für Russland und Verbündete gedacht war. Nachdem „Verräter“ wie das Duo Anna Maria mit schlechter Platzierung abgestraft wurden – sie sind auf der Krim geboren und hatten sich kurz zuvor im krimtatarischen TV-Kanal ATR geweigert, von einer Annexion der Krim zu sprechen und zudem betont, dass es dort zwischen Russen und Ukrainern keinen Krieg gäbe – ließ man den Sex-Lockvogel Maruv gewinnen. 

Das passte zwar zum Militär, aber nicht zum Eurovisions-Pathos der „Repräsentation des Landes als Kulturbotschafterin“. Ich wette, dass noch am gleichen Abend die EBU darauf hingewiesen hat. Selbst der NDR gab zu, dass Maruvs Auftritt „noch entschärft werden müsse“, Titelzeile und Text sind leider nicht mehr auffindbar. Genau diese Einschränkung könnte die widerspenstige Siegerin Maruv dann als Knebelung verstanden haben. Natürlich, denn ohne obszöne Performance ist das Lied belanglos.

Ukraine als neue Machtzentrale Europas?
Das Bemühen der Ukrainer, nach 2 gescheiterten Versuchen sodann weitere knebelwürdige Kandidaten zu suchen, wirkte nur noch halbherzig und war schnell vom Tisch. Es dürften wohl die Militärs gewesen sein, die nach diesem Reinfall die ukrainischen Pappnasen mit abstrusen Forderungen – sprich Regelbrüchen - nachlegen ließen: 

In einer Abschluss-PR verkündete die Ukraine ihren Rücktritt vom ESC 2019 und drohte der EBU und den Europäern gleichzeitig weitere Rückzüge für die Folgejahre an, wenn sie es wagten, Russland gewinnen zu lassen. 

Es sieht so aus, als würden „die Guten“ gehorchen, denn der bombastische Beitrag aus Russland wird schlicht totgeschwiegen. Und dabei passt diese europäische Sieger-Hymne „Scream“ zu den Rechtsbrüchen „der Guten“ wie Faust aufs Auge:

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Freitag, 8. März 2019

NDR führt seinen Eurovisions-Schlachtplan ad absurdum zugunsten „Frauenemanzipation“

Wäre der ESC wie Krieg, könnte man dem NDR das Unterminieren der eigenen Strategie und Bekämpfung der Interessen der Bevölkerung attestieren. Taktik? Inkompetenz? Ohnmacht? 

Mit Einbindung einer Datenanalysefirma, Data-Mining, Voting-Panel aus 100 zuvor gecasteten Fans, Beteiligung ausländischer Experten sowie Telefonvoting will der NDR beim Thema ESC Rationalität, Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit demonstrieren. Zusätzlich zur Zusammenarbeit mit der Musikindustrie soll intern ein Singer-Song-Writer-Camp Qualität garantieren. Wer nach diesem Eurovisions-Schlachtplan immer noch Befähigung der Interpreten, Güte der Lieder und das Voting-Ergebnis anzweifelt, darf offiziell als Verschwörungstheoretiker diskreditiert werden. 

Was verbirgt sich hinter Vielfalt und Mitbestimmung? 
Bis auf eine winzige Ausnahme der Interpretin „Lilly Among Clouds“ waren bei der Vorentscheidung am 22.02.2019 Lieder und Interpreten wieder kaum voneinander zu unterscheiden. Daraus folgt: Je mehr der Veranstalter den Fokus auf ausgefeilte Konzepte und Abstimmungsmodalitäten lenkt, desto monotoner sein Angebot und enger der Korridor des erlaubten Geschmackes. Dadurch wird der überstrapazierte Begriff der Vielfalt zur Worthülse und die Abstimmung zur Farce. 

Bezüglich der Abstimmungsfarce schoss gleich zu Beginn der Show der langjährige Kommentator Peter Urban den Bock ab. Er berichtet von seinem Traum in der Nacht zuvor, aus dem er kurz vor der Verkündung „der Sieger“ erwachte. Also nicht des Siegers oder der Siegerin. Freud‘sche Fehlleistung oder Absicht? 

Anspruch der Unterhaltung wird untergraben 
In vielen Rundfunkanstalten wird für den ESC intern über Lied und Interpreten entschieden. Genauso läuft es beim NDR, nur dass er dies mit großem Täuschungsmanöver zu vertuschen versucht. Würde das Täuschungsmanöver in einer guten Show versteckt werden, wäre es ok. Wenn aber bei jeder Vorentscheidung aufgebaute Erwartungen, Alltagserfahrung und Gerechtigkeitsempfinden irritiert werden, darf man Absicht vermuten. Diesjährige Beispiele: 

Von insgesamt 8 Kandidaten wurden 6 durch ein Trainee-Programm geschleust, als ginge es darum, bei der nächsten PISA-Studie eine Top-Position zu erlangen. Nur ausgerechnet die zwei, die am Ende gewinnen sollten, blieb diese Prozedur erspart. Und dann krönte man diese Nach-Nominierung auch noch mit dem besten Startplatz. 

Monatelang fühlt man jungen Bewerbern auf den Zahn, um dann kurz vor Schluss ad hoc 2 sich unbekannte Frauen zu einem Duo mit Namen „S!sters“ zu engagieren. 

Wochenlang ringen die Bewerber um Ideen und kreative Arrangements für Songs, um dann von einem Duo "S!sters" mit dem Lied „Sisters“ geschlagen zu werden. 

Monatelang wirbt man für ein Singer-Songwriter-Camp, um dann zur Deadline ein Lied aus der Schweiz einzukaufen, obwohl es musikalisch nicht besser ist als das übrige Angebot.  Das Lied „Sisters“ wurde zuvor dem für den ESC zuständigen Schweizer Rundfunk angeboten, der das Lied ablehnte und sich stattdessen für ein viel eingängigeres Lied entschied.  

Mangelndes Ehrgefühl, Boshaftigkeit oder Druck? 
Es ist grotesk, wie der NDR urplötzlich Schlachtplan, Promo-Arbeit, Experten, Trainingsprogramm, die 6 mühselig ausgewählten und gecoachten Interpreten und Liedwahl über Bord wirft, als handele es sich beim nachnominierten Song „Sisters“ um einen Gassenhauer. Mit dem unüberprüfbaren Voting, das allen Ernstes als „Demokratie“ verkauft wird, wird den gutgläubigen Gebührenzahlern mal wieder vorgegaukelt, die Mehrheit wolle das alles so. 

Dass der groteske Sinneswandel einige Tage später vor dem Portal Rolling Stone doch noch vom NDR gerechtfertigt wird, lässt zumindest auf Unsicherheit oder Scham schließen.  

Erst einige Tage später stellt sich Restverstand ein 
Vielleicht um das öffentliche Desinteresse an diesem „Gassenhauer“ zu vertuschen, kündigte der NDR am 01.03.2019 an, dass die Damen sich aus dem Social Media zurückziehen, um sich nicht verunsichern zu lassen. Reaktion eines Users: „Wenn man in aktuellen Umfragen bzw. bei etlichen Buchmachern auf Platz 21 liegt würde ich das auch tun, um mich nicht verunsichern zu lassen.“ 

Ablenkungsmanöver „Emanzipation“ passt zum Militainment der „Guten“ 
Das wäre die einzige Erklärung für die diesjährige Groteske und würde dem NDR – wie schon im Fall Xavier Naidoo – Ohnmacht bescheinigen. 

Als die „Guten“ müssen wir mit trivialem Eurovisions-Geträller simulieren, den Belangen von Frauen großes Gewicht beizumessen, obwohl in der konkreten Umsetzung das genaue Gegenteil stattfindet: 

Wenn 2 ahnungslose und unbedeutende Sängerinnen von Männern und Musikindustrie mit Floskeln wie „großartige Ehre der Repräsentation des Landes“ für ein nationales und internationales Gegeneinander angelockt werden, wenn Mann ihnen Duo-Partnerin, Lied, Performance, Kleidung und Medienkontakt vorschreibt, hat das nichts mit Emanzipation zu tun, sondern mit Etikettenschwindel, Infantilisierung, Ausbeutung, Fremdbestimmung und Publikumsverarsche.



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Sonntag, 17. Juni 2018

Meinungsmanagement als Kontrolltechnik - Erlebnisbericht aus deutschem Eurovisions-Forum

Am 15.06.2018 wurde das Kommunikationsforum des Eurovision Club Germany e. V. nach 18 Jahren vom Netz genommen. Als Grund nannte man die seit 25.05.2018 geltende Datenschutzrichtlinie, nicht weniger ausschlaggebend dürfte allerdings sein, dass in diesem Forum seit Jahren nichts mehr los ist. Das war nicht immer so.

Ich bedauere die Schließung des Forums, denn was ich in 12 Jahren in diesem Forum erlebt habe, kann man sich nicht ausdenken, im Guten wie im Bösen. Man war stets über die Neuigkeiten beim ESC informiert, schloss weltweite Bekanntschaften, erfreute sich an Musiktipps, Fotos, selbst angefertigten Malereien, intellektueller Sprachspiele usw. usw. Es war wirklich ein liebenswürdiger Tummelplatz. 

Ab 2008 war Schluss mit lustig
Auch außerhalb des Forums. Hatten Alpha-Fans wie Georg Uecker oder Thomas Hermanns noch mit ironischer Distanz zum Thema ESC und mit Lästereien unterhalten, wurde nun totale Identifikation gefordert. Für die Schwulen ging es plötzlich um Leben und Tod, Thema Nr. 1 war nicht mehr Musik, sondern Homophobie osteuropäischer Länder, allen voran Russlands.

Das übertrug sich auch auf die Forenkommunikation. Und so war ab 30.04.2008 auch im Forum der Spaß schlagartig vorbei. Was von nun an dort abging, deckt sich mit den von Markus Fiedler und Frank-Michael Speer herausgearbeiteten Vorgängen zum Meinungsmanagement auf Wikipedia (ab 20'00). Moderatoren wurden zu Blockwarte; Sprachmanipulation, Schikane, Zensur, Löschungen und Rausschmisse waren an der Tagesordnung. Dies alles aus nicht nachvollziehbaren Gründen und Kriterien. Auszug aus einer an mich gerichteten Mail eines Betroffenen aus 2010:

„Natürlich ignorieren sie ihre eigenen Regeln bzw. haben sich selbst Freiräume geschaffen, die ihnen erlauben, praktisch nach Belieben Mitglieder zu "bestrafen" - sie sind ja scheinbar Richter, Ankläger und ausführende Gewalt in einem, es gibt kein Veto (nicht einmal vom Präsidenten, der sie "machen" lässt), keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Das meinte ich ja mit undemokratischen Strukturen und genau das führte ja hauptsächlich zu meinem Rückzug, Wenn alle drei Gewalten in einer Gruppe gebündelt werden, spricht man von Diktatur. Das würde auch erklären, warum der Thread mit dem Link zu Deinem Blog so einfach gelöscht wurde und warum es die Mods so sehr nervt, wenn sie zu ihren Taten Stellung nehmen sollen. Sie wollen sich nicht rechtfertigen müssen, daher machen sie Kritiker mundtod.“

Wenn man Glück hatte, wurden Sperrungen vorher angekündigt, z. B. so: „Da Du Dich seit Monaten absolut uneinsichtlich zeigst, und freie Meinungsäußerung so verstehst, daß Du Unwahrheiten als Tatsachen in den Raum stellst, haben wir beschlossen dir ein bißchen Zeit zu schenken darüber nachzudenken, ob das der richtige Weg ist. Wir werden Dich bis Weihnachten mit einer Schreibsperre versehen.“ Belegt wurden solche Vorwürfe nie.

Ich erinnere an dieser Stelle daran, dass es beim ESC nicht um strenggläubige Religionsausübung, nicht um Nato-Geheimarmeen, den 11.09. oder Mondlandung geht, sondern es geht um kommerzielle Popmusik und Schlager. Gerade weil es eigentlich um "nichts" ging, habe ich mich bei diesem sinnlosen Aufwand und dem selbstherrlichen Tonfall wie in einem Versuchslabor gefühlt. 

Folge waren Verunsicherung, Frustration, Wut, viel Streit unter den Usern und Rückzug. Ich gehörte zu denen, denen man ohne Begründung eine Rüge mit dem Hinweis „Verwarnt!“ an den Avatar geheftet und das Image der Persona non grata verpasst hatte, das übrigens bis heute wirkt. Zwecks Abgrenzung habe ich mir 2008 dieses Webblog zugelegt. Und ja, da der Ruf runiert war, lebt es sich mit diesem Blog bis heute ganz ungeniert.

Seit der Ukraine-Krise sind alle betroffen
Im Laufe der 18 Jahre wurde das Forum natürlich immer wieder technisch überarbeitet. Die letzten größeren Korrekturen erfolgten nach der Meyer-Landrut-Kampagne, mit der zuvor die Forenstruktur komplett zerstört worden war.

Endgültig eingeschlafen ist das Forum schließlich während der Ukraine-Krise um 2013/2014. Auf mich wirkte es, als ob die pro-amerikanische-pro-israelische-anti-islamische-anti-russische Hetze nicht mehr verdeckt in entlegenen Foren, sondern auf einmal offensiv in Qualitätsmedien ausgetragen werden musste. Wir im Forum wurden vergessen, während es auf anderer Ebene international weiter geht. Konfrontiert man Eurovisions-Experten mit abweichenden Meinungen oder Zweifel, blocken sie auf Twitter und machen Meldung auf Facebook. Dass ausgerechnet diesen LGBT-Gruppen das Schlagwort der Toleranz auf die Regenbogenfahne geschrieben wird, ist ein Widerspruch, der wahrscheinlich außerhalb der Eurovisions-Echokammer gar nicht wahrgenommen wird. Ich frage mich vielmehr, ob die Entwicklung der ESC-Fankultur nicht ein gutes Beispiel abgibt für die von Professor Mausfeld beschriebene Zersetzungsstrategie mit Verwendung von Falschwörtern und Herausbildung von Fehlidentitäten. 

Spaßgesellschaften im Repressionswahn
Ich war als einzige der damaligen Mobbingopfer dem Forum treu geblieben, nur Vereinsbeiträge zahle ich nicht mehr. Treu geblieben zum einen, weil ich als Frau mit kritischer Distanz zu Medien und Pop ohnehin nie viel Zuspruch und Anerkennung in dieser Gruppe erwartet habe. Zum anderen, weil ich von Anfang an den Eindruck hatte, dass diese Respektlosigkeit gegenüber ahnungslosen Foren-Usern von außen stimuliert wird. Zudem interessiere ich mich für „Musik in Massenmedien“ und fand hier einen überschaubaren Bezugsrahmen. 

Meine Beobachtung und Wahrnehmung nach 12 Jahren Internetkommunikation ist: Wer vorgibt Hass, Lügen und Radikalisierung bekämpfen zu wollen, muss dies zuvor einstreuen und dauerhaft anfeuern. Insofern muss ich den abgesprungenen Usern ein großes Lob aussprechen: Sie haben diese Provokation wahrscheinlich richtig eingeschätzt und sich nicht mehr darauf eingelassen. 

Die Entsolidarisierung unter ESC-Fans baut auf Vereinnahmung und emotionale Ausbeutung der Homosexuellen für militärische Interessen des Westens auf. Und nun mündet die Nato-treue Zuchtmeisterei in bedingungslose Kapitulation vor der Datenschutzrichtlinie... Die düstere Friedhofsruhe passt vielleicht ganz gut zur Einstimmung auf einen Eurovision Song Contest im ach so schwulenfreundlichen durchmilitarisierten Israel.


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Samstag, 12. Mai 2018

Aus der Echokammer der Eurovision

Wie kann ein banaler Eurovisions-Beitrag promotet werden, so dass Musikbusiness und Militär davon profitieren? Mit welchen Methoden lässt sich die rechte LGBT beim Eurovision Song Contest regelmäßig instrumentalisieren? 

Psychologisches Nervengift der besonderen Art 
Erinnert sich noch jemand an die Skripal-Affäre? Skripal und seine Tochter Julia wurden am 04.03.2018 im englischen Salisbury wegen Angriff mit Nervengift bewusstlos auf einer Parkbank gefunden. Britische Medien beschuldigten Russland, diesen Anschlag verübt zu haben, legten jeden Tag mit Vorwürfen nach und forderten westliche Verbündete auf, es ihnen gleich zu tun.

Ausgerechnet zu dieser Zeit, am 12.03.2018, tweetete der Sänger Ryan O-Shaugnessy, der Irland dieses Jahr am 12.05.2018 beim Eurovision Song Contest in Lissabon vertritt:

Ryan O'Shaughnessy‏Verifizierter Account @Ryan_Acoustic: The Russians are now threatening a broadcasting ban because of my video for ‘Together’. Anti-gay propaganda regime at its finest! Hilarious if you ask me.. #IDareYou. Seine Aussage bezieht sich auf dieses Video. Im Video wird gesagt, „dass Russland das ESC-Musikvideo aus Irland boykottieren KÖNNTE.“ Ohne Belege, ohne Zitate, einfach mal so. Russland könnte das ja machen…

Diese flappsige Bemerkung wurde sofort aufgegriffen und massenhaft im Internet verbreitet, wie man am Tweet des Iren und später auf den Facebookseiten der ESC-Fans mitverfolgen konnte. Aber wer oder was ist eigentlich Pinksixty? Unter dem youtube-Video finde ich folgende Info: „Pinksixty.com is a ground-breaking service bringing you a daily round-up of LGBT stories from around the globe in just 60 seconds. Produced by experienced broadcasters, we deliver the stories that matter to the gay, lesbian, bisexual and transgender communities around the world. We also offer a weekly entertainment package to keep you smiling over the weekends.“ Als Standort wird Großbritannien angegeben. Ist es da Zufall, dass sich diese Fake-Meldung nahtlos in die von UK losgetretene Empörung über Russland im Fall Skripal einfügt?

Und so wirken Fake-News 
Am 28.04.2018 begannen in Lissabon die Proben für den ESC und damit auch die zahlreichen Meet & Greets und Pressekonferenzen mit Stars und akkreditierten Fans. Hier erlebte man zum ersten Mal, dass Singer-Songwriter Ryan O-Shaugnessy sein angeblich umstrittenes Musikvideo mit dem schwulen Paar 1 zu 1 auf die ESC-Bühne übertragen hatte. Bissig gefragt: Bot sich das nach den bisherigen Behauptungen etwa an?

Bei der 1. PK des Iren wird er nach dem russischen Boykott befragt. Er schildert kurz, wie er diesen Vorfall subjektiv erfahren hat und gibt immerhin zu, dass er nicht weiss, ob es Fake oder Fakt ist. Egal, es wird als Anlass genommen, in Facebook gegen Russland mobil zu machen, beobachtet u. a. in der Facebook-Gruppe „Eurovision Song Contest – Fans Club“. Und wie es so läuft bei der „stillen Post“, wird für die User aus Fake am Ende Fakt, aber nur wegen der ständigen Wiederholung und massenhaften Verbreitung.

Bis zur 2. PK von Irland jedoch scheint sich diese Hetze bzw. Befürchtung totgelaufen zu haben, hier beklagt der irische Sänger nur noch die Zustände im eigenen, konservativ-erzkatholischen Heimatland Irland. Zu einem Boykott des irischen Beitrags im russischen TV während des 1. Semifinales habe ich (und wohl auch die Schwulen) keine Informationen gefunden.

Wenn nicht Russland, dann doch jedenfalls China
Als nicht-europäisches Land nimmt Australien bereits seit 2015 am ESC teil. Genau wie die nicht-europäischen Länder Kanada und Südafrika hat auch China 2013 sein Interesse bekundet, im Contest involviert zu sein und durfte den ESC übertragen. 2016 wurden sogar die chinesischen Kommentatoren vor Ort in einem Video vorgestellt. Nun aber hat China dieses Jahr während der Übertragung des 1. Semifinales den irischen Beitrag, die Regenbogenflagge und die Tatoos des albanischen Sängers geschnitten. Daraufhin hat die EBU blitzschnell mit Aufkündigung des Vertrages reagiert.

Nun, da China aus dem Spiel ist, wird von Fans vor Ort wieder die Frage aufgeworfen, ob nicht vielleicht auch das bereits ausgeschiedene Russland den Auftritt des Iren doch noch zensiert.

Zum Auftritt des Iren: Hier passiert nichts. Dass das überhaupt etwas mit Schwule zu tun hat, habe ich nicht gesehen, sondern musste ich nachlesen. Zudem haben schon alle vorangegangenen Provokationen von Dana International (1998) bis Conchita Wurst (2014) nicht gezogen, warum also sollte Russland sich ausgerechnet über dieses Video mokieren? Allein das wirkt auf mich wie an den Haaren herbei gezogen. Aber lassen wir uns überraschen...

Fragen über Fragen...
Warum Chinesen allerdings die Übertragungsrechte des ESCs kaufen, bleibt mir ein Rätsel. Geht es wirklich nur ums lukrative Show-Business? Wollen sie die Show irgendwann aufkaufen? Warum eine Show übertragen, um dann bestimmte Szenen, die nicht ihrer Tradition entsprechen, zu zensieren? Wird damit die Konfrontation geradezu gesucht?

Bei Befürwortern der sog. Offenen Gesellschaft rennt man mit diesen Meldungen offene Türen ein. Schwule können sich damit ihrer Exklusivität versichern, sie können Geschlossenheit demonstrieren, sich ihre Feinde bestätigen und sich weltweit als arme Opfer inszenieren. Die betreffenden Länder hingegen scheinen sich von westlich gefeierten Beliebtheiten und Popularitäten nicht beeindrucken zu lassen. Gehen sie gar davon aus, dass die "Reflexbeißer" der Offenen Gesellschaft mit ihrem geschlossenen Auftreten gar nicht den Zuspruch in der Gesellschaft haben, den sie mit Massenshows und Awards vortäuschen?


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Samstag, 14. April 2018

Haben Politik und Militär dieses Jahr den Eurovision Song Contest vergessen?

10 Jahre ein weltweites Alleinstellungsmerkmal als Frau in einem unfairen Spiel, das seit 20 Jahren auch als „schwule Sportart“ bezeichnet wird: der Eurovision Song Contest. 10 Jahre lang regelmäßig Blogtexte vor der Austragung über politischen und militärischen Missbrauch, für die ich genauso regelmäßig wie reflexartig von der rechten LGBT als Verschwörungstheoretikerin angegriffen wurde. Als diese möchte ich mir und meinen Gegnern auch in einem ereignislosen Jahrgang treu bleiben. 

In 2018 verläuft die Vorbereitungsphase politisch derart ereignislos, dass ich im doppelten Sinne sprachlos bin 
Kein Diktator weit und breit, der den ESC für böse Selbstdarstellung missbraucht. Kein Jammern wegen Homophobie. Kein Schreihals, der mit einem Stalin-Song Russland dämonisiert und die Nato-Anhänger entzückt. Keine ermüdende Promo über schwedische Super-Heroes. Kein Fräuleinwunder mit Onkel im deutschen Kanzleramt, die mit schiefen Tönen total emotionalisiert. Kein männlicher Teilnehmer, der sich vorbildlich auf den Operationstisch zur Frau hat umoperieren lassen. Kein Mann mit Bart im Abendkleid als die Krönung westlicher Werte. Plagiatsvorwürfe? Regelbrüche? Alles kein Thema dieses Jahr. 

Ist Schweigen die neue Verschwörung? 
Liegt es an der Zurückhaltung und Bescheidenheit der Portugiesen? 
Oder hat die EBU die Reißleine gezogen? 
Sind durch die inszenierten Polit-Querelen die Einschaltquoten gesungen? 
Hat sich die Telekommunikationsindustrie deswegen gar über sinkende Einnahmen beschwert? 
Hat es gar mit dem Regierungswechsel in den USA zu tun? 
Haben etwa die von George Soros finanzierten NGOs Bedenken, vollends aufzufliegen? 
Haben die bislang angegriffenen Nicht-NATO-Länder endlich ein wirksames Druckmittel gefunden? 

Oder ist es nur die Ruhe vor dem Sturm? 

Glaskugel-Verschwörung 
Lediglich bei 2 Beiträgen wittere ich die üblichen volksverhöhnenden Framings, und zwar bei Frankreich und Israel. Der israelische Beitrag wird wegen etwas Gender-Gaga sogar als Sieger gehandelt, womit die (Kriegs-) Stimmung beim Länderwettbewerb ESC gerettet wäre. Italiens Beitrag hingegen würde sich bestens als Hymne für Ostermärsche eignen. Leider werden Ermal Meta und Fabrizio Moro nicht als Sieger gehandelt.

Die üblichen verdächtigen Nicht-NATO-Länder  
Russland und Aserbaidschan schicken dermaßen „unscheinbare“ Beiträge ins Rennen, dass ich befürchte, sie im Finale nicht mehr wieder zu sehen. Dass stattdessen Weissrussland etwas mehr Promotion macht als üblich, ist weniger dem Lied, sondern eher der Eitelkeit des Sängers geschuldet. Der Beitrag aus Serbien erfüllt auf nette Weise die Erwartungen. 

Der Song aus Georgien hingegen ist im ESC-Bezug musikalisch allererste Sahne. Ein Sieg wäre die Ansage, dass man auf einmal wieder Wert auf guten Gesang und Tradition legt. Soll das? 

Und wenn, wäre Estland mit einer russischstämmigen Sopranistin da nicht als ESC-Sieger geeigneter? 

Oder startet Russland dieses Jahr mit einem Song von Kirkorov gar verdeckt unter moldawischer Flagge? 

Auf jeden Fall könnte mit den ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien, Moldawien oder Estland als Austragungsland in 2019 Russland wieder angegriffen werden
Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die letzte Regeländerung in Juli 2017, die zwar kaum thematisiert aber sicherlich nicht ohne Grund vorgenommen wurde. Von der Ukraine noch dreist durchgezogen, wurde damit im Nachhinein legitimiert, dass Gastgeber Einreiseverbote erteilen dürfen, und das aufgrund irgendwelcher fadenscheiniger Gründe.


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Donnerstag, 22. März 2018

Band Iriao aus Georgien lässt mit ihrem ESC-Beitrag „For You“ die Seele baumeln

Georgien nimmt seit 2007 am Eurovision Song Contest teil, und mehr als 10 Jahre habe ich auf diesen Beitrag aus Georgien gewartet. Der Song „For You“ wirkt auf mich wie eine akustische Klangmassage. Ob Burn-Out-Prophylaxe oder gottesdienstliche Meditation, dieses Lied sorgt für Harmonie und Wohlbefinden. Dass es im Text um zwischenmenschliche Wärme geht, versteht sich von selbst. 

Die einzige Spannung um dieses Lied ist die Frage, ob in einem aufgemotzten ESC das plötzliche Innehalten aufatmend angenommen oder schlicht überhört wird. 

Iriao ist eine 8-köpfige Ethno-Jazz-Band, die sich 2013 in Tiflis gründete, eigentlich mit dem gleichen Ziel, wie die Gruppe The Shin, die bereits 2014 für Georgien starteten. Beide Bands möchten die georgische Folklore modernisieren, indem sie sie mit Anleihen aus dem Jazz verbinden. Konzentriert sich The Shin auf Instrumentalmusik, dominiert bei Iriao die Vokalmusik.

Iriao singt georgische Version von Beethoven's 9. Symphonie "Ode an die Freude"

Als also am 31.12.2017 die Nominierung der Band bekannt wurde war klar, dass Georgien uns Europäer auch dieses Jahr wieder mit georgischem Eigensinn konfrontiert. Das taten sie bereits 2014, als The Shin das ESC-Publikum und die Jury mit Ethnojazz gnadenlos überforderten. 2018 erleben wir georgischen Gesang, und dieser wird konsequenterweise zum ersten Mal in der Geschichte des ESC vollständig in Landessprache gesungen. Ich hoffe inständig, dass Georgien dieses Mal für seinen Mut zur eigenen Tradition besser belohnt wird als 2014. 

Georgischen Gesang 
erkenne ich an der einzigartigen Klangfarbe der Männerstimmen, die wahrscheinlich alle auch einen ähnlichen Oktavumfang haben. Diese singen in polyphoner Mehrstimmigkeit, in einer Technik also, die im Westen aus der alten Kirchenmusik (Giovanni Pierluigi da Palestrina) bekannt ist. Polyphon heisst, dass die Stimmen gleichberechtigt sind und gleich klingen, während in der westlichen Tradition unterschiedliche Stimmlagen z. B. mit Sopran, Alt, Tenor und Bass herausgearbeitet werden. 

Nach meiner Wahrnehmung wechselt die Polyphonie zwischendurch in die Homophonie, wenn nämlich die Begleitstimmen nur noch akkordisch funktionieren und dem Stück dadurch einen feierlich-hymnischen Charakter geben. Die einfache Melodie im Dur-Moll-System schwächt die Strenge der georgischen Tradition ab und passt sich unseren westlichen Hörgewohnheiten gut an. Eine Anpassung an die Popmusik wird mit durchgehender Untermalung durch Synthesizer, Percussions und Bass erreicht. 

In Lissabon werden von den 8 Bandmitgliedern nur 5 auf der Bühne zu sehen sein. Diese sind 

Mikheil Javakhishvili 
George Abashidze 
Bidzina Murghulia 
Shalva Ghelekva 
Levan Abshilava

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Samstag, 17. März 2018

Netta Barzilai aus Israel - Quoten-Frau im Militainment des Eurovison Song Contest?

Die Siegerin des diesjährigen ESC scheint seit dem 11.03.2018 bereits festzustehen: Es ist die 25 Jahre alte Netta Barzilai aus Israel mit dem Lied „Toy“. Sie überrascht mit ungewöhnlicher Stimmperformance, die an Hühnergegacker erinnert und mit der sie sich gleich zu Beginn des Liedes selbstironisch als Ulknudel präsentiert. 

Virtuos beherrscht sie ihr Loop Station und avanciert im 3-Minuten-Song mit einem Mix aus elektronischen Elementen, Popmelodien, HipHop-Sounds, Rap-Passagen und Zweisprachigkeit zur ESC-Rampensau.



Dass Netta nicht den Normen eines Super-Models entspricht, ist vielen sympathisch. Ob es – wie in zahlreichen Medien hervorgehoben wird - allerdings ihre Absicht ist, diese Normen zu hinterfragen, lasse ich dahingestellt. Sie tut es durch ihr Aussehen auch ohne Absicht, und das ist gut so. Und was den ESC betrifft: Die durch Körperfülle Präsenz zeigende Damen sind zwar in einer Heidi-Klum-Sendung unerwünscht, beim ESC erfreuen sie sich großer Beliebtheit wie Stars wie Joy Fleming, Hera Björk oder Vania Fernandes bewiesen.

Feministen-Hymne oder Etikettenschwindel? 
Nettas Lied wird in Medien als Feministen-Hymne bezeichnet. Schaue ich (mit meinem Background der 80er Jahre mit autonomen, selbstbestimmten Frauen- und Lesbenreferaten) genauer hin, komme ich zum gegenteiligen Ergebnis: Netta ist genau das, was sie vorgibt nicht sein zu wollen: Ein abhängiges Spielzeug des Mannes. Es gibt nämlich kaum einen Medienbericht, wo nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es Männer sind, die sich dieses Eurovisionskonzept ausgedacht haben. Der Artikel „Meet the gay composer of Netta's Toy, the song tipped to win Eurovision“ belegt dies bestens.

Feministische Kritik oder Spaßverderberei? 
Man mag meine Kritik als Haarspalterei zurückweisen und einwenden, dass es ja NUR Kommerz und NUR Eurovision Song Contest sei. Gegenfrage: 

Was wäre aus Conchita Wurst geworden, wenn 3 Frauen laut damit geworben hätten, dass sie sich eine provokative Kunstfigur für schwule Toleranz ausgedacht, dieser Figur den Namen Wurst verpasst, sie mit Bärtchen und Kleidchen ins ESC-Rennen und gegen Russland ins Feld gejagt hätten? Man kann mit Fug und Recht sagen: Nichts. Und die 3 Frauen wären wohl zu Per·so·nae non gra·tae erklärt worden. Daran, wie UNDENKBAR so etwas ist, sieht man, wie weit wir von der Emanzipation entfernt sind. Ist auch die Frage, ob Feministinnen solche Methoden und Kunstfiguren benötigen. 

Um meine kritische Haltung verständlicher zu machen, ein Blick zurück auf das Werk „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir, das früher unsere Bibel war. Dazu heißt es zusammengefasst auf Wikipedia, „dass Frauen von den Männern zum „Anderen Geschlecht“ gemacht worden seien. Dies bedeutet [...], dass sich der Mann als das Absolute, das Essentielle, das Subjekt setzt, während der Frau die Rolle der Anderen, des Objekts zugewiesen wird. Sie wird immer in Abhängigkeit vom Mann definiert. [...] Wenn sie ihrer „Weiblichkeit“ gerecht werden will, muss sie sich mit einer passiven Rolle begnügen.“ 

Der propagierte Feminismus im ESC-Konzept von Netta Barzilai ist also reiner Etikettenschwindel. Unter dem Gesichtspunkt der männlichen Vormachtstellung und seines Wunschdenkens bekommt Nettas Hühnergegacker und „ungenormtes“ Aussehen ein … Geschmäckle.

Aufgesprungen auf den #MeToo-Zug 
Das hat zusätzlich eine polarisierende Wirkung. Meiner Beobachtung nach ist es mit Emanzipation, Freiheit, Demokratie usw. vorbei, wenn sie von Medien und Mächtigen mit der Geste der "Fürsorge" der „kindlichen“ Bevölkerung aufgezwungen werden. 

Gab es bei den Emanzipationsbewegungen der 70er und 80er Jahre noch eine gemeinsame „linke“ Identität, werden heutzutage Homosexuelle, Feministinnen, Behinderte, Anti-Rassisten etc. auf nicht-diskursive körperbezogene Bedürfnisse reduziert, stets isoliert hervorgehoben und gerne als Opfer irgendwelcher Bösewichte (meistens Putin) hofiert. Als „betroffene“ Emotionsbündel aufgestachelt dienen sie Medien und Politikern als Spielball und Sprachrohr gleichermaßen. Eine sichere Methode, um in der Bevölkerung Verunsicherung und Zwietracht zu streuen und jede Form der Solidarität zu zerstören. 

Fazit: Netta und ihr Lied sind gut, aber das Konzept ist genauso mies wie beim französischen Beitrag.


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Samstag, 10. März 2018

Griechenlands Traum beim Eurovision Song Contest geht uns alle an

Nach 8 Jahren sendet Griechenland endlich wieder einen Beitrag zum ESC, der ihrer würdig ist und den Traum vieler Eurovisionsfans erfüllt, denn er ist in griechischer Sprache und bedient sich mit vielen Quart-, Quint- und Oktavparallelen Elemente alter sakraler Musiktradition. Gesungen wird das Lied von einer Sängerin aus Thessaloniki, Yianna Terzi. Ihr Lied heisst passenderweise "Oneiro Mou", auf deutsch „Mein Traum“. 

Die deutsche Übersetzung ist zwar holprig, aber ich ahnte, worum es in diesem Traum geht. Der am Internationalen Frauentag veröffentlichte Musikclip bestätigte mir schließlich meine Wahrnehmung. Für mich ist es ein Zwiegespräch zwischen der Göttin Gaia und dem Menschen, das den matriarchalen griechischen Schöpfungsmythos in Erinnerung ruft. 

Gaia: „Wenn du meinen Meeresgrund erkundest lebst du meinen Traum noch einmal, und wenn du in mein Herz siehst werde ich dich in meine Arme schliessen.“ 

Mensch: „Wie soll ich es dir sagen, dass ich für dich sterben würde, ich würde mein Leben für dich geben, Anfang und Ende, alles bist du!“ 

Mein Traum 
Der Musikclip beginnt mit der vom Menschen vergessenen Göttin Gaia, die im dunklen Verborgenen (Tartaros) schläft. Auf der Erde verfolgt man einen Mann, der in zerschlissenen Kleidern entgrenzt, unzivilisiert, sprachlos, verwirrt und schutzlos durch eine triste Gegend irrt, die aussieht, wie vor der Schöpfung (Chaos). Nur zwischendurch scheint kurz die Schönheit von Gaias Kinder auf, es sind dies der Himmel (Uranos), das Meer (Pontos) und die Berge (Ourea). 

Der Mensch scheint nicht mal zu wissen, vor wem er flüchtet und was er eigentlich sucht, bis er schließlich erschöpft zu Boden fällt, Gaia in der Erde wahrnimmt und nach ihr zu graben beginnt. Gaia reicht dem Menschen die Hand und gibt ihm eine zweite Chance. 

Griechenlands Traum geht uns alle an 
"Warum willst du mich verändern, warum willst du mir mein Blau nehmen? Wenn du zu meinen Bergen sprichst, wird meine Einsamkeit dich erhören“. Diese Zeilen kann man natürlich auch politisch deuten. Die immer wieder wie ein Mantra beschworene Freiheit der „Offenen Gesellschaft“ hat sich durch sog. Umwelt-, Finanz- und Flüchtlingskrisen für Griechenland bereits ins Gegenteil gewendet. Mittlerweile wird von Kritikern zu Recht hinterfragt, ob es sich dabei wirklich um „Krisen“ handelt, oder ob dies nicht planmäßig geschieht. 

Den Griechen jedenfalls ist ihr „Blau“ genommen worden, gemeint sind die Freiheit, die Erde, die Schönheit der Natur sowie auch der Stolz ihrer Nation (blau als Symbolfarbe der Nationalflagge). Sie sind ein von einer gierigen Finanzelite unterdrücktes Land mit vielen entwurzelten Menschen, die allesamt ihre ökonomische, ökologische und kulturelle Rückbindung zu verlieren drohen.

Genauso wie die Italiener haben sich auch die Griechen dieses Jahr bei ihrem ESC-Beitrag etwas gedacht. Yianna Terzi profitierte von der Disqualifikation aller ihrer Konkurrenten, weil diese „nicht griechisch genug klangen“. Griechenland bedeutet für mich die Wiege unserer Kultur. Was soll ich nach 8 Jahren tumber anglo-amerikanischer Popmusik zu diesem 3-Minuten-Meisterwerk sagen? 



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