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Freitag, 19. April 2019

Sind Hatari aus Island die Gretas der Eurovision?

Krassere optische Gegensätze wie die zwischen Greta Thunberg und der isländischen Band Hatari kann es kaum geben. Während Greta dargestellt wird wie ein prüdes, unschuldiges, vergreistes Schulkind, glämmert Hataris brutales Outfit mit Utensilien aus der Sado-Maso-Szene. Die Gemeinsamkeit besteht im von oben verordneten Hype. der um beide Acts kreiert wird. 

Hypes sind Mogelpackungen



Bei Hypes sind Themen und Protagonisten beliebig und austauschbar 
Hypes sind eigentlich nur die Stöckchen, über die wir alle zu springen eingeladen sind in der Annahme, dass unser braves Hüpfen Bestandteil der politischen Willensbildung, der Freiheit und Demokratie sind. 

Hypes sind - wie der Beurteilungswahnsinn beim ESC - Mittel zur Verhaltensmessung und Produktprofilierung 
Beim Echauffieren und Ereifern dichten wir uns genau DIE Märchen zurecht, mit denen wir uns später bescheißen lassen, indem wir uns beispielsweise unglaubwürdigen Zuspruch, Ablehnung oder schlicht Wahlergebnisse damit schön reden. 

Spielregeln der Hype-Kommunikation 
Die (meist erpressbaren)* Protagonisten werden dermaßen hofiert und umschmeichelt, bis sie von ihrer eigenen Vortrefflichkeit selbst am meisten benebelt sind. Ihre Anliegen sind stets polarisierend angelegt und werden mit infantilen Dauerappellen an Unzufriedenheit, Angst, Einfalt und/oder guten Glauben kommuniziert. 

Gleichzeitig werden sprachliche Minenfelder gelegt, so dass die Kommunikation gezielt mit Sprechverboten und Vorwürfen wie Spielverderber, Rassist, Nazi, Verschwörungstheoretiker und – wer hätte es gedacht – Antisemit gelenkt werden kann. 

Der Hype um die Band Hatari baut auf Sex-Tabus und fundamentale Kritik am Neoliberalismus und an Israels Politik 
Ich zitiere aus ESCKAZ: „Hatari (translated as Hater) is a 3-piece-award-winning industrial BDSM anti-capitalist-anti-establishment techno-dystopian homo-erotic bondage sado-maso demonic Icepop performance art group [...] that aims to take the lid off the relentless, unfolding scam that is everyday life. [They] can unveil the anomie of neoliberal society, the pointlessness of every minute spent in the futile race, and the low price for which man sells himself ever more blatantly. [They] scream at our own impotence, scream at our collectiv sleepwalk through routine, and implore the audience to unite."

Das spricht uns aus der Seele und nimmt uns zugleich den Wind aus den Segeln. Denn so doof die Zustände in der Offenen Gesellschaft auch sein mögen, solange nichts an ihren Spielregeln geändert wird, ist angeblich jede Freiheit erlaubt, alles kann ausgesprochen werden. Die Grenzen dieses vermeintlich offenen Systems werden bei Kritik an Israels Politik ausgelotet: „They will use their performance to criticize the state of Israel […], a country that violates human rights.“ 

Allerdings sind politische Botschaften auf der ESC-Bühne bei Strafe verboten. Hierzu Hatari: „However, we plan to use the agenda-setting power that comes with participation to uphold a critical discussion about the context in which the contest is being held.“ 

Ich frage mich allerdings, warum man Hataris doch eigentlich ernstes Anliegen mit Spaßprovokationen gegen Benjamin Netanjahu und Sado-Maso-Sex verpackt. Stellt das im Sinne eines Anything Goes kollektive Selbstbeweihräucherung dar? Oder will man gar auf ein Foltergefängnis anspielen, das keins sein soll? 

Ich wiederhole: Bei Hypes geht es nicht um Wahrheit, Recht oder Unrecht, Schuld oder Unschuld, Ursache und Wirkung – das ist alles schon wie in Stein gemeißelt - sondern es geht einzig um gelenkte Kommunikation, um den Buzz. Dies bestätigt ein Artikel der Jerusalem Post vom 14.04.2019.  Hier wird die ganze Hatari-Suppe ohne Anlass immer wieder aufgewärmt - und mittendrin ein werbendes Video für Netanjahu. 

Wenn Gruppenzugehörigkeit wichtiger wird als Ethik und Moral 
Das bisherige Desinteresse am Hatari-Hype erkläre ich mir zum einen mit Ermüdungserscheinungen unter ESC-Fans, Professor Mausfeld bezeichnet dies als den gewünschten Effekt der „Empörungserschöpfung“. Statt wie in früheren Jahren quirlige, offene Foren, Blogs oder Facebookgruppen zu Wort kommen zu lassen, setzt man seit einigen Jahren auf professionell eingebundene Vorzeige-Alpha-Fans in verschwiegenen, geschlossenen Panels. Vor allem muss wohl auch den Kommunikationsstrategen der Israel-Politik zugestanden werden, dass ihr sprachliches Minenfeld des „Antisemitismus“ erfolgreich ist. 

Fazit: Es wird wohl kein Zufall sein, dass der ESC-Sieg Israels in 2018 und Hataris wirkungslose ESC-Provokationen in 2019 ausgerechnet in eine Zeit fallen, in der Israel militärisch immer offensiver vorgeht. 

... und warum ausgerechnet Island? 


*Die Eltern von Greta sind prominente Künstler, die Eltern der Mitglieder von Hatari arbeiten in der isländischen Außenpolitik in Brüssel, haben also einen Ruf zu verlieren


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Sonntag, 1. Oktober 2017

Identitätsverwirrung und sprachloses Unbehagen am Beispiel Conchita Wurst

In einem Welt-Interview betont Conchita Wurst alias Tom Neuwirth: "Ich liebe Männer, wie gesagt - aber als Mann." Das ist ein klares Statement, und als solches normal. Was an Neuwirth als besonders hervorgehoben wurde war, dass er als eine Frau mit Bart, Perücke und falschen Wimpern im Abendkleid posierte. Mit einer Überflut an „sprachlosen“ Fotos und schwammiger Schwärmerei wird dieses Kunstprofil dem Medienpublikum geradezu um die Ohren gehauen. 

Leider zu auffällig und zu oft wurde Conchita Wurst von 2014 bis 2016 provokativ in einem Nevativbezug zu Russland ins Feld geführt. Aber irgendwie zündete das in Russland nicht. Stattdessen vermehrt sich trotz solch glamourösen Erfolgs in Deutschland wieder die anti-schwule Gewalt. Ich sehe in überzogenen Medienhypes und anti-schwuler Gewalt einen Zusammenhang.*

Hat es sich ausgewurstet? 
Seit Februar 2017 hört man von Conchita Wurst neue Töne: „Ich habe mich nie als Frau gefühlt. Ich liebte es bloß mich zu verkleiden.“ Tom Neuwirth hat keine Lust mehr auf sein Kunstprofil, zumal er damit nach eigener Aussage alles erreicht hat: „Seitdem habe ich vor dem EU-Parlament gesprochen, den früheren UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kennengelernt, konnte für Jean Paul Gaultier laufen, habe Céline Dion getroffen und wurde von Karl Lagerfeld fotografiert.“ 

Für Fans und Promoter in Politik und Medien droht das demaskierte Wurstpaket zur Peinlichkeit zu werden. Seit 2014 klammern sie sich an mediale Dauerschleifen:
  • Diverse Newsseiten: „Der Auftritt in Kopenhagen machte [Wurst] zur Galionsfigur der Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen- und Transgender-Community und zur Botschafterin für Toleranz“.
  • taz:„Conchita Wurst, das war eine Art Martin Luther King der LGBTI*-Szene mit hoher Akzeptanz in den libertären Heteromilieus.“
Und nun entpuppt sich das Bollwerk der Freiheit, Selbstbestimmung und der Menschenrechte plötzlich als ein lediglich verkleideter Karnevalsgeck?  Jan Feddersen versucht in der taz diese Peinlichkeit abzuwehren, kann dabei aber auch wieder nur auf‘s Optische verweisen, indem er die zuvor irritierende Glamourhülle nun als einen verzichtbaren Panzer bezeichnet. Besser wäre es gewesen, den übertriebenen Medienhype und die eigene Verführbarkeit durch Massenmedien zu hinterfragen. Was hat es noch mit Emanzipation und Toleranz zu tun, wenn um eine Kunstfigur wie Conchita Wurst ständig der Menschenhass gegenüber Nicht-Nato-Länder geschürt wird? 

Verführung auch im Europa-Parlament 
Grundlage des Auftritts der Wurst im Europa-Parlament waren neben einem lediglich verkleideten Mann vor allem ungeprüfte Abstimmungsergebnisse einer Unterhaltungsshow (ESC). Um es modischer auszudrücken: Ein Fake! 

Mit Fotos, Fake und Kitsch eines inhaltslosen Schlagersängers haben Europa-Politiker sich selbst und ihre Arbeit trivialisiert. 

Und dann entpuppen sich ausgerechnet die toleranzbeseelten Politiker gegenüber jeden Zweifel als "sprachlos" und intolerant. Nur AfD-Mitglied Beatrix von Storch hinterfragte Sinn und Kosten dieses Auftritts und sprach damit wahrscheinlich einer überrumpelten Mehrheit aus der Seele.

Neues Kunstprofil „treues Chamäleon“ 
Als politische Provokation vor allem Russlands ist das Projekt Conchita Wurst vorerst gescheitert. Es sieht so aus, als müsse der Rest an Selbstbestimmung, den Neuwirth an den Tag legt, abgebogen werden, um ein Vorbild der Dauer-Sexualisierung und Identitätszertrümmerung am Leben zu erhalten. 

Doppeldeutige Androhungen von Anonym im Boulevarblatt BUNTE belegen, dass „wir“ (wer soll das sein?) uns nun auf eine Chamäleon-Nummer einzustellen haben: „Wenn Tom Neuwirth heute erklärt, eine Geschlechtsumwandlung sei für ihn nie ein Thema gewesen, mag das wichtig für ihn sein. Für uns aber nicht. [Hallo?] Eine Frau mit üppigem schwarzen Bart oder ein Mann mit üppigem Dekolleté, beides ist ein Stück Bühnen-Neuland. Solange sich Neuwirth treu bleibt, bleiben wir es ihm auch, Conchita hin oder her.“  

Nicht Putin, sondern Medienhypes und sprachloses Unbehagen erzeugen Homophobie 
Die Beliebtheit der Kunstfigur Wurst ist künstlich gemacht. Die mir bekannten Homosexuellen befürchten eher, dass mit Fakes, Hetze und einseitigen Medienhypes die Bevölkerung genervt, eingeschüchtert und wieder gegen Schwule aufgebracht werden soll. Aber diese Schwulen haben in Politik und Medien keine Stimme. Vermehrte Übergriffe gegen Schwule mögen belegen, dass diese Strategie sogar aufgeht. 

*Conchita Wurst ist nur ein Beispiel von vielen, mein Fokus ergibt sich aus dem Thema meines Webblogs, dem Eurovision Song Contest


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