Habe mir am 10.11.2017 in Berlin die ESC-Road-Show angesehen, bei der Thomas Schreiber (ARD Koordinator Unter-haltung), Christoph Pellander (NDR/Head of Delegation) und Daniel Korany (Simon-Kucher & Partners) mithilfe einer Präsentation und eines Kurzfilms das neue Verfahren beim ESC Vorentscheid 2018 erklärten. Man setzt dabei vor allem auf die Leistungen von Mass-Calling-Unternehmen, Datenanalysefirmen und Telekommunikationsindustrie.
Bei Formulierung meiner provokativen Überschrift bemerke ich, dass ich hadere, etwas Kritisches zu schreiben, wenn ich statt Texte zu lesen die Menschen leibhaftig während der Präsentation ihrer Konzepte erlebt habe. Zum einen war die Atmosphäre in der schönen Dachlounge des rbb ausgesprochen angenehm. Auch Sympathie und Empathie schlichen sich ein. Wer wollte dem NDR nach Jahren der Niederlagen nicht mal wieder einen Erfolg gönnen? Aber dann kommt mir in den Sinn, ob die freiwillige Zurücknahme von Kritik nicht auch wieder Kalkül ist… Vor allem, wenn man mit einem Top-Down-Konzept überrumpelt wird, bei dem es um Einbindung von gecasteten Fans in fest reglementierte Prozeduren geht, welche mit Nähe zu Stars und Organisatoren und wahrscheinlich viel kumpelhaftem Geduze Abgrenzung erschwert und emotionale Ausbeutung begünstigt.
Betroffenes und engagiertes Grübeln Eins ist klar: Vor 25 Jahren wäre diese Veranstaltung in der rbb-Bar ein amüsantes Erlebnis geworden, in der Schwule gewitzelt und gelästert und Transvestiten sich besonders ausgefallen präsentiert hätten. Wahrscheinlich wäre sogar Musik erklungen.
2017 fanden sich ca. 15 ernsthaft interessierte und skeptische Fans zusammen, die als Eurovisionswächter, Musikpolizisten und Toleranz-Blockwarte angesprochen wurden.
Zusätzlich waren ca. 35 zufällig anwesende Bar-Gäste in der Dachlounge. Als ich die Irritation in deren Gesichtern sah, taten mir die Eurovisionsmänner fast leid. Sie sortierten, werteten und besprachen ihre jahrelang gesammelten trockenen Datenmengen zum Telefonvoting, Juryvoting, zu Ratings und Rankings, nur um zu erklären, wie eine Abstimmung organisiert werden muss, damit ein ESC-Sänger und ein 3-Minuten-Pillepalle-Musikstück ermittelt werden, mit denen man beim ESC 12 Punkte bekommt. Ein ahnungsloser Gast fragte mich schließlich kurz vor Schluss:
Ist das hier eine Betriebsversammlung? Eine Betriebsversammlung, bei der betriebsfremde Menschen in ihrer Eigenschaft als Homosexuelle und in ihrem Hobby Eurovision angesprochen werden, damit sie sich für Belange von privater EBU, Rundfunk, Datananalysefirmen, Musik- und Telekommunikationsindustrie engagieren. Von 15000 Bewerbern will die Datenanalysefirma durch intensives Auswahlverfahren 100 Fans ermitteln. Oder muss ich schreiben „zurück gewinnen“? Neben ahnungslosen Nachwuchs-Fans eben auch jene echten ESC-Fans, die man seit 1998 mit schadenfreudigen Polarisierungs-Strategien und Zensur verprellt hat?
Die 100 ausgewählten Fans werden nicht nur online abstimmen, sondern müssen zu gegebener Zeit auch Vor-Ort-Termine wahrnehmen. Die Reisekosten sollen - glaube ich - erstattet werden, aber von Verdienstausfällen oder Vergütungen wurde nicht gesprochen, womit ich wieder bei der emotionalen Ausbeutung wäre… Und ich gehe davon aus, dass diese 100 auch im Social Media die Werbetrommel rühren werden, und das nicht mit Accounts von NDR, Digame oder Telekom.
Im Gegensatz zu vorangegangenen Meldungen sollen diese 100 ausschließlich Deutsche sein, nun mit der Begründung, dass das deutsche Televotingergebnis fast deckungsgleich mit dem europäischen Endergebnis ist. Nanu! Im krassen Gegensatz zur Abstimmung bei der deutschen Vorentscheidung, wo sie ständig „falsch“ wählen und verlieren, wählen Deutsche also beim ESC repräsentativ? Einen besseren Beleg für die Unsinnigkeit des neuen Konzeptes hätte der NDR nicht bringen können.
Solange die Qualität der Auswahl gedrosselt wird, hat der Wähler keine Chance Ich befürchte, dass das den auserwählten Teilnehmern vor lauter Euphorie egal wird. Wer überhaupt an solche Abstimmungsmarathone interessiert ist, wird sich ohnehin kaum ein Lied länger als 15 Sekunden anhören. Bei manchen wird es sogar egal sein, ob über Automarken, Steichelzoo oder Musik abgestimmt wird.
Dass mir bei diesem Top-Down-Konzept schließlich die Bezeichnung “Putin‘s Trollfabrik“ einfiel, war auch der Tatsache geschuldet, dass man selbst bei diesem Zusammentreffen ohne Seitenhiebe auf Russland nicht auskam.
Widersprüche und Kritisches zum neuen Konzept
Viele Länder entziehen sich der Abstimmung Beklagt wurde, dass es europaweit zu wenige Anrufer gibt, so dass die Abstimmungen in vielen Ländern nicht als repräsentativ herangezogen werden können. Mit der Feststellung, dass sich die Teilnahme am Telefonvoting überwiegend auf die westeuropäischen Kernländer der Eurovision beschränkt, wurde immerhin (m)eine Verschwörungstheorie zur Realität erklärt: Dass nämlich seit einigen Jahren die Anrufe aller Länder addiert werden, hat nichts mit Spannungsaufbau, sondern ausschließlich mit mangelndem Interesse zu tun.
Gründe sieht man darin, dass in vielen Ländern das Telefonvoting nicht sehr verbreitet und darüber hinaus sehr teuer ist. Damit wird aber unterschlagen, dass viele westeuropäische Telefonvoter nur mit Gewinnen von Geld, Autos, iPhones, Reisen etc. ans Telefon gelockt werden. Zudem unterschied man zwischen Interesse am ESC und am Telefonvoting, was aber nicht weiter belegt wurde. Es könnte sich ja auch um ein generelles Desinteresse handeln.
Was sagen die Digame-Statistiken über europäische Telefonvoter aus? Der Kern bestehe aus „jungen, Party-affinen, homosexuellen, toleranten Menschen“. Bissig formuliert wäre das nun also die betrogene Gruppe, die lt. Medien von den erfolgreichen russischen, türkischen, slawischen oder armenischen Diasporas jahrelang überstimmt und „beschissen“ wurde.
Das Adjektiv tolerant wurde erstmals 2013 in Bezug zu sexuellen Vorlieben und Aussehen von Conchita Wurst strapaziert und weist darauf hin, dass eben nicht nur Musikgeschmack, sondern tatsächlich Einstellungen und Verhalten gemessen bzw. konditioniert werden. Konditionierung zum einen, indem die Kunstfigur Wurst schon seit Jahren in einem Negativbezug zu Russland gesetzt wird. Konditionierung findet auch im Unausgesprochenen statt: Die Eigenschaft der Toleranz wird positiv besetzt und impliziert, dass die Masse der europäischen Anrufverweigerer einer nicht akzeptablen Intoleranz zugeordnet wird.
Mit Worthülsen wird den deutschen Homosexuellen und rechten LGBT ein hegemonialer Habitus antrainiert 2016 wurde Europa belehrt, dass „Toleranz“ aus humanistischer Sicht schnell zum Etikettenschwindel werden kann. Es gewann nämlich nicht der „tolerant angeschwulte“ Beitrag aus Russland, sondern ein schwerfälliges Lied über Stalin eines ukrainischen Schreihalses. Hier demonstrierten die Juroren größtmögliche Toleranz gegenüber inhumane militärische Anliegen der NATO und Intoleranz gegenüber Russlands Interessen.
Auch Putinphobie wurde während der Präsentation gepflegt, z. B. als es um die Begründung zur Beliebtheit von Conchita Wurst im intoleranten, homophoben Russland ging. Von russischen Telefonvotern wurde sie 2014 auf den 1. Platz und von russischen Juroren auf immerhin den 2. Platz gesetzt. Erklärung: Es handele sich um Anrufer aus den Ballungsgebieten Moskau und St. Petersburg, und diese Städte repräsentieren nicht „Putins Russland“. Ist das so? Oder biegt man sich für Abstimmungsfakes nur passende Erklärungen zurecht?
Wie Ratten im Versuchslabor Für Verhaltensforscher sicherlich interessant zu untersuchen, unter welchen Bedingungen sich Menschen immer bereitwilliger beliebige und unglaubwürdige Abstimmungen und PR-Märchen nicht nur schön reden, sondern auch noch vehement gegen „Intolerante“, „Ungläubige“ und „Verschwörungstheoretiker“ verteidigen, ohne auch nur einen einzigen Beleg für die Korrektheit der Zahlen vorweisen zu können.
Das schlechte Abschneiden Deutschlands der letzten Jahre erklärte Thomas Schreiber damit, dass die Musikindustrie falsch vorbestimmt hätte, dass er in Gremien überstimmt worden war, dass Mitarbeiter nicht umgestimmt werden konnten, dass eine anonyme Öffentlichkeit verstimmt gewesen sei, dass Komponisten ihm nicht zugestimmt hätten, dass das Publikum falsch abgestimmt hätte… Eine überzeugende Ausgangsposition für nun noch mehr Abstimmungen bot er damit nicht.
Und solange es keine Transparenz darüber gibt, wer über wen und was in den Hinterstuben der Rundfunkhäuser und Datenanalysefirmen bestimmt, traue ich den Konzepten und Statistiken auch weiterhin nicht.
Das erinnert spontan an Joachim Gauck: „Die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem“. Deswegen müssen sie ausgetauscht werden, und beim ESC kann man das schon mal testen.
Auf die wachsende Legitimationskrise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks reagiert der NDR mit Disqualifikation des deutschen Publikums, das für die ESC-Niederlagen verantwortlich sei und tauscht es mit dieser Begründung gegen ein international zusammen gebasteltes Publikum aus. Als Sanktionsmaßnahme müssen die Deutschen diese Demütigung mit GEZ-Gebühren finanzieren, was wiederum ein schöner Aufhänger für Identitäre und AfD sein dürfte.
Kniefall vor denen, die den Deutschen nie Punkte geben Jüngste Pressemitteilungen könnten fast als Hilferuf einer verkannten nationalen Rundfunkanstalt an die internationale Gemeinschaft missverstanden werden, wenn sie nur nicht alle in deutscher Sprache geschrieben wären: „Internationaler Publikumsgeschmack und internationale musikalische Fachkompetenz sollen Deutschland wiedererkennbar, kantig und erfolgreich machen.“ Ob wirklich Fachkompetenz gefordert ist, sei dahin gestellt. Schaut man sich das Verfahren genauer an, kann es eigentlich nur um die Forderung nach „richtigen“ Vorlieben und „richtigem“ Verhalten gehen: "Wir möchten dich besser kennenlernen. Dazu musst du 15 Minuten aufwenden, in denen du uns durch 2 x 6 Video-Bewertungen deinen Musikgeschmack zeigst."
Das nationale Publikum hat die falschen Vorlieben und verhält sich falsch Es ist lt. NDR selbst bei trivialen Abstimmungen nicht fähig klug zu entscheiden. Dass man es jedoch immer nur zwischen Pest und Cholera entscheiden lässt, wird verschwiegen. Dass es am Schluss überhaupt noch am Telefonvoting teilnehmen darf, ist wohl nur den kommerziellen Interessen der Telekommunikationsindustrie zu verdanken, so wie der NDR ohnehin auch in seinem neuen Konzept ausschließlich der Industrie verpflichtet zu sein scheint.
Data-Mining zur Vermeidung der Bildung einer kritischen Masse Unterstützung holt man sich von der Datenanalysefirma Firma Simon-Kucher & Partners. Diese sammeln Nutzerdaten und haben für die Ermittlung eines Verbraucher-Panels einen speziellen Algorithmus entwickelt. Als Laie denkt man bei dieser Art Algorithmen an Facebook und Amazon, die die User unaufgefordert mit Werbung belästigen, welche angeblich zum Profil passe. Manchmal gibt es auch willkürliche Sperren.
So ein Algorithmus setzt aber beim NDR-Konzept voraus, dass man im Voraus eine genaue Vorstellung vom Siegerbeitrag hat. Tatsächlich ermittelte der NDR auf Grundlage „vorher definierter musikalischer Genres“ 5 potenzielle Siegersongs. Ich befürchte, dass der Algorithmus rein rechnerisch zu den 5 Siegersongs die passenden Jubelscharen rekrutiert.
Weitere Nutzerdaten zu Geschmack und Verhalten stammen von der Kölner Firma Digame, die seit Jahren für das Votingverfahren beim internationalen ESC verantwortlich ist – und deren Ergebnisse noch nie von unabhängigen Journalisten überprüft wurden. Die Daten der europäischen Anrufer werden also tatsächlich für Profiling und Wiederverwertung gespeichert. Achtung: Wer für die russischen Beiträge angerufen hat, ist als Kreml-Troll gebrandmarkt.
Statistiken suchen Statisten 10000 Europäer werden im Internet beobachtet, im mehrstufigen Auswahlverfahren überprüft, daraus 100 rekrutiert, diese stellen das sog. internationale Europa-Panel. Diesem Panel wird eine internationale Experten-Jury aus ca. 25 Personen beigesellt, die schon in anderen europäischen Ländern an Abstimmungen bei Vorentscheidungen mitgewirkt haben.
Das Europa-Panel wählt aus Bewerbungen 20 Kandidaten aus, daraufhin prüft der NDR die Eignung dieser Kandidaten. Danach wählen das Europa-Panel und die Expertenjury 5 Teilnehmer für die Vorentscheidung im TV. Diesen 5 ESC-Hoffnungsträgern werden dann die vorher ausgewählten 5 Songs zugewiesen.
Mit Musik und Mitbestimmung hat das Ganze nichts mehr zu tun Medien wünschen kein echtes Publikum mehr, das Publikum soll keinen Wert mehr auf „Credibility“ legen. „Glauben“ soll man stattdessen an intransparente Ergebnisse und Verfahren maschinenmäßiger Abstimmungsprozeduren, die zu gegebener Zeit mit den genauso künstlichen Rankings der Wettbüros korrespondieren und von künstlich erstellten Pressemitteilungen massenhaft beworben werden.
Und was sagt der ARD-Programmdirektor Volker Herres? "Ganz ehrlich gesagt will ich in meiner Amtszeit gar nicht so unbedingt noch mal gewinnen, denn dann ist man im nächsten Jahr Gastgeber, und das ist teuer." :::
Glanzloser Sieger, spannungsloses Voting und zähe Show, das war der Eurovision Śong Contest 2017. Sieger und Song dürften niemanden wirklich vom Hocker reißen, aber sie tun auch niemandem weh. Entscheidender dürfte sein, dass nach den leidigen Querelen Russland/Ukraine alle aufatmen, weil dies für’s erste überstanden ist. Ich glaube behaupten zu dürfen, dass Portugal als Austragungsort 2018 der langersehnte Traum aller ESC-Fans ist.
Aufgrund einer Herzkrankheit konnte der neue ESC-Sieger Salvador Sobral aus Portugal nicht an den Promo-Aktivitäten und Proben teilnehmen und schien nur wie zufällig beim ESC in Kiew vorbei zu schauen. Wozu proben? Ohne Proben lieferte er einen tiefenentspannten und dementsprechend körperlich unkontrollierten Auftritt ab ohne technische Spielereien und mit einem Lied, das sich wie ein unverkäuflicher Restposten einer Schellackplatte anhörte.
Twitter: Omma ist eingenickt und fragt im Halbschlaf wann die DDR auftritt. Mein Gott, was denkt sie wie lange sie geschlafen hat? #esc2017 Europa dämmerte am Abend des 13.05.2017 wie Omma diesem Sieg entgegen und schien gar nicht zu bemerken, dass der Herzkranke sonderbarerweise die Spannung beim Voting verdammt gut verkraftete. Das Publikum hatte sich sein verstaubtes Lied als “sensationellen Jazz” unterjubeln lassen. Kommentatoren interpretierten seinen nachlässigen Gesang und seine Zuckungen als “Authentizität”. Und prompt verstummte der Saal vor lauter Ehrfurcht und man sah Gesichter, denen “wie im Rausch” die Tränchen über die Wangen rollten…
Die Diskrepanz zwischen Realität und Worthülsen war selten grotesker Möglicherweise passen diese Worthülsen genauso wenig zum Interpreten wie der Interpret zum ESC. Sobral nach seinem Sieg: „Wir leben in einer Welt völlig austauschbarer Musik – Fast-Food-Musik ohne jeden Inhalt. Musik ist kein Feuerwerk. Musik ist Gefühl. Lasst uns versuchen, etwas zu ändern und die Musik zurückzubringen”. Das macht ihn sympathisch. Aber voilà! Was hat jemand mit dieser Einstellung beim ESC verloren?
Salvador Vilar Braamcamp Sobral
1989 in Lissabon geboren, abgebrochenes Psychologie-Studium, danach Jobs auf Mallorca und in den USA, um sich seinem Hobby Musik widmen zu können. Erst die Teilnahme an einer Casting-Show in 2009 macht ihn als komischen Kauz mit einer Vorliebe für lateinamerikanische Musik bekannter.
Der Express berichtet: „Sein Urgroßvater war ein Graf. Und dessen Tante hatte den Sprössling einer deutsch-portugiesischen Nebenlinie des Hauses Oldenburg geheiratet – aus der Linie (Achtung!) Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck. Einer seiner Vorfahren wiederum kam aus dem Hause Hohenzollern. Das Geschlecht also, das deutsche Kaiser und Könige hervorbrachte.“
Die
Niederländer weisen stolz auf seine niederländische Abstammung hin:
„Salvador Vilar Braamcamp Sobral, zoals hij voluit heet, stamt af van de
Rijssense familie Braamcamp. Gerrit Braamcamp, de beroemde 17e-eeuwse
Nederlandse kunstverzamelaar, is bijvoorbeeld familie van hem“.
Sobrals Deplatziertheit beim ESC wurde ihm vor allem von den Experten und Juroren der Rundfunkanstalten hoch angerechnet So hoch, dass man ins Grübeln kam.
Jahr für Jahr aus dem Boden gestampfte Play-Back-Kunstprofile mit schwedischen oder anglo-amerikanischen Popsongs und ausgefeilte Bühnentechnik für die TV-Zuschauer – und dann schwärmen sie geschlossen von einem schlichten Auftritt à la Sobral.
Sie inszenieren ein intransparentes, nicht mehr nachvollziehbares Voting, bei dem sie dann alle alle alle das Gleiche wählen. Das war langweilig und wirkte abgesprochen, als wäre Portugal plötzlich der letzte Strohhalm der EBU.
Oder banaler: Wurden die Juroren einfach nur von Wettbüros bestochen, welche zuvor mit geschickter PR die ganze Aufmerksamkeit auf Italien gelenkt hatten?
Kritik an Flüchtlingspolitik und Musikindustrie Mir ist der portugiesische Adelsspross erst aufgefallen, als er sich in der PK und bei der Eröffnungssequenz im Finale für ein unkontrolliertes Refugee-Welcome aussprach, und sich damit klar positionierte. Auch kritisierte er die Musikindustrie, die aus Kunst ein Wegwerfprodukt mache. Alles natürlich ohne Argumente, sondern nur so aus einer Gefühlslage heraus.
Erinnert sich jemand an die Band Homens da Luta? 2011 schickten die Portugiesen die Band Homens da Luta mit dem Song “Der Kampf ist die Freude” zum ESC nach Düsseldorf. Ihnen ging es auch um europäische Belange. Aber leider nicht um die der neoliberalen Machteliten, sondern um die der Bevölkerung. Damit erreicht man nicht mal das Finale. Begründungen waren: Landessprache, Lied zu schlicht und zu altmodisch, Klamotten unmöglich, zu wenig ausgefeilte Bühnentechnik.
Deutsche Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2017: Schwache Show, schwache Kandidaten, 2 Durchschnittslieder und kaum jemanden hat es interessiert. Hand auf‘s Herz: In Anbetracht des politisch-militärischen ESC-Schwindels ist diese Bescheidenheit nicht unangebracht. Wer soll das alles noch glauben? Da bastele man lieber an der eigenen Unscheinbarkeit, bevor jemand genauer nachfragt.
Der letztjährige Siegertitel war dermaßen konsequent am Musikmarkt vorbei produziert, dass sich bereits 1 Tag später niemand mehr an ihn erinnerte. Und dafür soll das europäische Party-Publikum massenhaft angerufen haben? Weil sie angeblich Russland in die Fresse treten wollten? Weil sie angeblich von Schlagzeilen über Ukraine, Krimkrieg, Donbass und Maidan nicht genug bekommen können? LACHHAFT, aber genau diese Kriegshetze ist der Rahmen für die Promotion der Popmusik.
Gute Miene zum bösen Spiel Mit einer Abstimmungsorgie kuschte man vor der Telekommunikationsindustrie. Was dabei herauskommt, ist Klappsmühle:
Erst sangen 5 Kandidaten 5 Coversongs, dann wurde abgestimmt.
Daraufhin sangen nur noch 3 Kandidaten die 1. ESC-Auftragskomposition, dann wurde abgestimmt.
Nun sangen die verbliebenen 2 Kandidaten die 2. ESC-Auftragskomposition, dann wurde abgestimmt.
Als Ergebnis blieb 1 Interpretin für 2 Auftragskompositionen, dafür wurde abgestimmt.
Zwischendurch wurden Abfrageergebnisse und Statistiken aus dem europäischen Ausland vorgeführt und so getan, als sei dies die Meinung unabhängiger Fans. Da es sich allerdings um gebundene und gelenkte Konsumentengruppen handelt, haben diese Statistiken 0 Aussagewert.
Brav kuschelte man mit transatlantischen Interessengruppen, indem man aus 2000 meist aus Deutschland eingereichte Stücke ausgerechnet 2 US-Kompositionen (Tantiemen!) auswählte. Das Siegerlied klingt dennoch nach volkstümlichem Schlager à la Helene Fischer, aber nur weil es in englischer Sprache gesungen wird, soll es repräsentativ für die aktuelle internationale Popmusikszene sein… Dass kurz darauf auch noch Plagiatsvorwürfe laut wurden, krönt das geduckte Theater.
Celebrate Diversity! Mit 45 unbeschriebenen Rampen-Säuen und ihren US-Durchschnittsliedern in englischer Sprache Alle europäischen Teilnahmeländer „finden“ vorschriftsmäßig zufällig ein US-Radio-Mainstream-Lied. Angesichts Open-Society-Privilegien und europäischer Wahnsinnstoleranz die totale Selbstverleugnung, nichts Europäisches, bislang nicht mal ein „Refugee-Welcome-Star“ am Start.
Die Notwendigkeit eines solchen Klappsmühlentheaters weist darauf hin, dass die amerikanische Vormachtstellung in der Popmusik nicht mehr selbstverständlich ist. Ob mit militärischer Unterstützung was zu retten ist, bleibt unklar; der ukrainische Siegertitel „1944“ von Jamala hatte zumindest keine Ohrwurmqualitäten.
Im Folgenden die wie eine unausgesprochene Drohung im „Spiegel“ aufgezählten willigen Vollstrecker, die die deutsche Eurovsionsdampflok Levina mit ihrem Perfekten Leben zur Traumkarriere in die USA – pardon – in die Ukraine schicken:
NDR: Thomas Schreiber, Leiter des NDR Programmbereichs Fiktion & Unterhaltung
und ARD Unterhaltungskoordinator
NDR: Carola Conze, ESC Head of Delegation Germany
rbb: Aditya Sharma, Leiter der Musikredaktion beim Radio-Jugendprogramm „Fritz“
Raab TV: Claudia Gliedt, Leiterin der Musikredaktion
Musikalische Experten:
Wolfgang Dalheimer, musikalischer Leiter der Show und Chef der Show-Liveband
Willi Ehmann (Senior Vice President Domestic Sony Music GSA)
Henrik Gümoes (Director A&R AOR-Labelgroup)
Manfred Rolef (Vice President AOR-Labelgroup)
An der Auswahl der Songs waren zudem die Produzenten der beiden Songs beteiligt:
für “Wildfire”: Swen Meyer (u.a. Tim Bendzko, Lena, Tomte, Kettcar, Dick Brave)
für “Perfect Life”: Roland Spremberg (u.a. a-ha, Helene Fischer (!), Unheilig, Roger Cicero, The Baseballs)
Das Team hinter Siegerlied "Perfect Life", drei Songwriter aus den USA, und zwar Lindy Robbins (wirkte an großen Hits von den Backstreet Boys ("Incomplete"), David Guetta ("Dangerous") und Jason Derulo ("Want to Want Me") mit; ihr Kollege Dave Bassett war einer der Autoren von Elle Kings Hit "Ex's & Oh's"; die Dritte im Bunde, Lindsey Ray, schrieb Songs, die von Demi Lovato und Mariah Carey interpretiert wurden.
Abschaffung der Sprachenregelung zugunsten der englischen Sprache
Länderwettbewerb statt Musikwettbewerb
Einbindung der Homosexuellen als Alpha-Fans
Vom Schreibtisch die dazu passenden Narrative
Einführung des Telefonvotings Mit Einführung des Telefonvotings 1997/98 bestimmt das Publikum das Ergebnis mit, ob seine zahlpflichtigen Telefonanrufe allerdings wirklich zählen, bleibt ein Geheimnis. Es steht zu befürchten, dass der Publikumsgaudi weniger der Mitbestimmung oder Geschmacksabfrage dient, sondern der Verhaltensmessung und Erfolgskontrolle im Informationskrieg. Je fieser die Promotion und Propaganda, desto interessanter die geheim gehaltenen Ergebnisse für die Kontrolleure des Telefonvotings. Und die sind in Deutschland ansässig.
Verdrängung der europäischen Musikwirtschaft Das US-Label Universal Music übernahm die Veröffentlichung der Kompilation, 20 Jahre später sind fast alle ESC-Teilnehmer bei diesem Label unter Vertrag. Vertragspartner von Universal stellen wiederum die Jury und beeinflussen das Ergebnis. Das wird der Welt allen Ernstes als europäischer Wettbewerb verkauft.
Verschuldung durch Zwang zum Größenwahn Seit der Jahrtausendwende misst sich Erfolg des ESC ausschließlich an Quantität. Immer mehr Teilnehmerländer erzwingen eine immer aufwändigere Show, dessen Ausrichtung sich kaum noch ein Land leisten kann und will. Das Regelwerk sieht vor, dass der Sieger den Contest im Folgejahr organisieren und übersteigern sollte. Die finanzielle Ausbeutung wird zur „Ehre des Gastgeberlandes“ umgedeutet.
Entprofessionalisierung der Musik Mit Abschaffung des Live-Orchesters und Einführung des Play-Back als Begleitmusik wurden Musiker und Geld eingespart. Im Neusprech hieß es, dass europäische Musikprofis in Orchestern die moderne Popmusik nicht mehr vermitteln können. Dies war der Startschuss für die Entprofessionalisierung der europäischen Musik und Abhängigkeit aller Musiker von einer kleinen Gruppe Techniker. Es lohnt sich, beim ESC auf den unterschiedlich technischen Sound einzelner Teilnehmer zu achten.
Wie bereits erwähnt, fließen alle Einnahmen aus der ESC-Musik nur in die Kasse eines amerikanischen Labels. Damit ist der ESC für europäische Profis unrentabel, was wiederum die verstärkte Teilnahme unerfahrener Castingsternchen erklärt. Die offizielle Sprachregelung bezeichnet dies als „Feigheit vor dem Wettbewerb“.
Diskreditierung europäischer Musiktraditionen Der NDR sprach abfällig von „rückständiger Folklore“ (die es beim ESC nie gab), die dem anglo-amerikanischen Pop weichen musste. Dass die USA in ihrer von Europäern finanzierten Promo-Show bislang nicht teilnehmen, wird durch Verkauf amerikanischer Musikstücke an unerfahrene Neulinge (Tantiemen) und Auftritte professioneller US-Musiker außerhalb des Wettbewerbs ausgeglichen.
Abschaffung der Sprachenregelung zugunsten der englischen Sprache Das passt zwar nicht zur „soldatischen Ehre der Landesrepräsentation“, dennoch geben alle Universalstars vor, ihre 3-Minuten-Botschaft auf englisch vermitteln zu wollen. Es wäre entlarvend, wenn die Briten nach der EU auch aus der Eurovision ausstiegen, denn dann gäbe es kein europäisches Teilnehmerland mehr mit Englisch als Landessprache (außer Australien!)– und alle müssten trotzdem auf englisch trällern.
Länderwettbewerb statt Musikwettbewerb Die Musikstücke unterscheiden sich heute nur noch durch die Einblendung der Länderflaggen. Statt zur Musik gibt es mittlerweile zum Einsatz von Flaggen ein eigenes Regelwerk. Und wo es Regelwerke gibt, gibt es selbstverständlich Regelbrüche. Obwohl die „Folklore“ und alles spezifisch Europäische verbannt wurden, beschwört man diese Flaggen-Regelbrüche als „Kampf der Kulturen“.
Einbindung der Homosexuellen als Alpha-Fans Industrie und Militär binden laienhafte Multiplikatoren an sich, welche die klebrigen Eurovisionsmärchen bereitwillig glauben und verbreiten. War der Einsatz schwuler Multiplikatoren zwischen 1997 und 2007 noch von ironischer Distanz geprägt, wird seit 2008 unreflektierte Sexualisierung gepredigt und die Schwulen zelebrieren sich jedes Jahr als infantile Opfer böser Nicht-Nato-Länder.
Vom Schreibtisch die dazu passenden Narrative Im Zeitraum von 2001 bis 2011 lässt man 8 süd-osteuropäische Länder gewinnen, gleichzeitig beginnen Verleumdungs- und Verteufelungskampagnen, in denen behauptet wird, diese Länder würden nur durch Missbrauch des Telefonvoting (Diaspora-Voting, Blockvoting, Stimmenkäufe) erfolgreich sein. Die Empörung der Westeuropäer war vorprogrammiert – und hält bis heute an. Statt diese Missstände zu beseitigen, beharren EBU, Reference-Group und Fans auf ein Regelwerk mit lächerlichen Verhaltensvorschriften und verteidigen den Telefon-Bluff als „Demokratie“. Das Schweigen der Beschuldigten bleibt vieldeutig.
Gönnerhaft lässt man „böse Diktaturen“ wie Serbien, Russland und Aserbaidschan gewinnen, gleichzeitig beginnen wieder Verleumdungskampagnen, in denen diesen Ländern während der „ehrenvollen Ausrichtung im Folgejahr“ zugleich Missbrauch des ESC für Protz und Selbstbeweihräucherung, Missbrauch westlicher Werte und Schwulenfeindlichkeit vorgeworfen wird.
2016 lässt man die Ukraine mit einem Song gewinnen, der zu Russland auf Konfrontation geht und den Westen in Geiselhaft nimmt. Wozu?
Dass die EBU die eigenen Regeln bricht um eine ukrainische Neonazi-Ikone zum Sieg zu verhelfen und daraufhin einen ESC 2017 in der zerrütteten Ukraine überhaupt in Erwägung zieht, macht sie schon jetzt für alles verantwortlich, was in diesem Zusammenhang von nun an an Kosten, Stress und Unheil auf uns zukommen.
Die Situation in der Ukraine zusammengefasst:
"The difference between Ukraine in 2013 and 2016, however, is two years of war, nearly 10,000 casualties, and over 2 million refugees and internally displaced persons. Ukraine is flooded with weapons,
has a hostile population in the southeastern regions, a disillusioned
military, an economy fresh from teetering on the brink of collapse, and,
most importantly, heavily armed battalions of far-right fighters.
Another uprising is likely to push the country toward disintegration.“ Solange Vorfälle um MH17 sowie Maidan-Morde nicht geklärt sind, kann man nicht von Normalität sprechen. Zu welchem Zweck möchte man nun also das Wagnis weiterer „ungeklärter“ Vorfälle eingehen? Machen wir uns nichts vor:
Wenn Militärs einen ESC-Sieg der Ukraine geplant haben, führen sie etwas im Schilde Und sie haben ihn nachweislich geplant. Mit 3 Blogtexten über
hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass der ukrainische Beitrag auf Konfrontation setzt, künstlich aufgebauscht und sein Sieg eingefädelt wird. Auch das ist belegt:
Die NATO will im Rückgriff auf den Eurovision Song Contest in West-Europa Stimmung und Akzeptanz für Krieg herstellen Auch das ist nicht neu. Die unnötig aufgeblasene Las-Vegas-Show, ihr dubioses Regelwerk und die straffe Organisation mit den seit 20 Jahren immer gleichen Protagonisten (vor allem in Deutschland und Schweden) sind seit 1998 danach ausgerichtet. Davon berichte ich seit Jahren.
Auch wenn wir langsam ahnen, dass bei dieser Scripted-Reality-Show nichts zufällig geschieht, müssen wir wie Kleinkinder zu Weihnachten jedes Jahr aufs Neue TOTAL von Show, Ergebnis und Stimmung überrumpelt sein. Alles andere käme einem Verrat gleich. Denn so lange der Westen das meiste Geld in unseren Spaß investiert und in den Gremien das Sagen hat, hat er auch die Deutungshoheit über den „gerechten und sauberen Wettbewerb“, repräsentiert durch US-Präsident Barack Obama.
Ausschnitt aus Obamas Rede April 2016
Niemand wird annehmen, dass Obama den ESC als Fan und passiver TV-Konsument in seinen Reden erwähnt. Der ESC gehört längst zu den inoffiziellen politischen Druckmitteln, mit dem Konflikte in Europa erzeugt und Konfliktzonen ins Rampenlicht gerückt werden. Selbst die demonstrativen Auszeichnungen zur „Einigung Europas“ wie Karlsmedaille und Charlemagne Medal wirken aggressiv wie der diesjährige Slogan:
Come Together Verpackt in Musik-Promotion werden politische Hetz-Kampagnen - vor allem zur Diskreditierung Russlands - über Social Media und in Boulevardmedien verbreitet. Der Bezugsrahmen eines Pop-Spektakels ermöglicht es, mit reißerischen Aufmachungen ständig zwischen Seriosität und Ironie (oder sollte ich Satire schreiben) zu lavieren.
Von Lena über Conchita bis Böhmermann wird der letzte Mist als zu verteidigendes Kulturgut der abendländischen Zivilisation aufgebauscht und mit Emotionalisierung, Betroffenheitsszenarien, Infantilismus und Entprofessionalisierung von allen Chefredaktionen gegen Putin und Erdogan verteidigt.
Obama, wie war das mit den "24 languages in united Europe"? Konnte ich in den Vorjahren zumindest noch 4 bis 5 Beiträgen etwas abgewinnen, hat der amerikanische Konzern Universal Music dieses Jahr alles auf ein Level getuned. Alle müssen in englischer Sprache singen, so dass man den Eindruck bekommt, die Castingsternchen treten nicht mehr für, sondern gegen ihre europäischen Herkunftsländer an. Das soll wohl die Popularität der USA vortäuschen…? Ist Obamas Erwähnung des ESC als Drohung zu verstehen? Sollte es der USA in den Sinn kommen, die ganze Show als einen Fake auffliegen zu lassen, stünden nur ihre bis dahin moralisch über alle Zweifel und Kritik erhabenen Partner dumm da. Würde in Deutschland die Meyer-Landrut-Blase platzen, wären alle Helden unserer Popszene und die politische Elite um Merkel einer Blamage ausgeliefert.
Oder kommen die einzeln dran?
Den Nicht-Nato-Ländern hingegen kann es egal sein, da ihnen ja rein programmatisch seit Jahren nur Böses vorgeworfen wird. So what?
Was das Nachvollziehen der Kommunikationsstrategien betrifft, bin ich als Zielgruppe zahlreicher Kampagnen mittlerweile recht aufmerksam. Die wirtschaftlichen und organisatorischen Strukturen beim ESC hingegen sind ein Buch mit sieben Siegeln. Es wäre interessant, wenn der investigative Journalismus hier etwas Licht ins Dunkel bringen könnte.
Dieses Jahr liefert Rumänien die Vorlage. Mit rund 10.000.000 Euro bei der EBU verschuldet machen sie dennoch mit. Ähnliche Meldungen kamen in den letzten Jahren schon aus Griechenland (hier erwies sich das US-Label Universal als "Retter in der Not") Bosnien und Portugal. Und wie steht es um Moldawien, Armenien oder Albanien?
Sobald sich Länder aus finanziellen Gründen oder mangels Publikumsinteresse abmelden, reagiert die EBU reflexartig mit finanziellen Geschenken oder einer Umfrage mit dem Ziel „to make Eurovision 'even greater“.
Teures Event für kulturelleVerarmung Warum Australien in einem europäischen Wettbewerb? Warum wird der Wettbewerb immer uneuropäischer? Warum "greater", wenn doch zuvor die Vielfalt an europäischen Traditionen, Stilen und Sprachen zugunsten altmodischer anglo-amerikanischer Stile eliminiert wurden? Satirische,echt europäische Stücke wie "Euro Neuro" von Rambo Amadeus aus Montenegro werden regelmäßig abgestraft.
Das Ergebnis: Wer will sich am Finalabend noch 30 gleichförmige 3-Minuten-Songs nacheinander anhören? Und dass die Compilation mit den ca. 45 Songs kaum noch Käufer findet, ist auch kein Geheimnis mehr.
Dieses Jahr hat man zudem die Durchsage der Telefonvoting-Ergebnisse einzelner Länder aus dem Programm genommen. Weil zu wenig anrufen? Oder will man nur die Mogelei vertuschen?
Eurovision goes Las Vegas Seit 1998 wurde der ESC mit Playback-Musik, One-Hit-Wondern, Hochstaplern, bunten Performances, zahlreichen Vorrundenshows, Einbindung von Publikum (Telefonvoting) und laienhaften Multiplikatoren (Fans) etc. an die amerikanische Unterhaltungsindustrie angepasst. Seitdem wird auf Biegen und Brechen
versucht, die Show "greater" zu machen. Und nur greater...
Folge dem Geld - einige naive Fragen Wie viel kostet der ESCder EBU jedes Jahr? Wie viel kostet das den europäischen Rundfunkhäusern bzw. dem Gebührenzahler? Wie ist das ganze wirtschaftlich strukturiert und organisiert? Gibt es Gewinne? Wenn ja, wer steckt sie ein? Fließt etwas davon an die Rundfunkanstalten zurück, die immerhin mit Vorentscheidungen, Star-Promotion etc. die Veranstaltung monatelang beworben haben? Warum darf beispielsweise der NDR/Deutschland nur dann erfolgreich sein, wenn es dem Privatrundfunk PRO7 nutzt, so wie es 2010 der Fall war? Gibt es zwischen Musik- und Telekommunikationsindustrie Querverbindungen zur Rüstungsindustrie? Gibt es bei diesem Wettbewerbs-Hype mit Regelwerken, Bestrafungssystemen und Eurovisionswächtern überhaupt einen wirtschaftlichen Wettbewerb?