Posts mit dem Label Armenien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Armenien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 23. April 2017

Eurovision Song Contest 2017 in Kiew: Celebrate Conformity Teil 2

Von den diesjährigen 42 Beiträgen werden nur 3 Lieder in Landessprache gesungen. Die meisten Songs folgen einem anglo-amerikanischen Ideal, wie man es seit den 80ern rauf und runter in Millionen Formatradios hören kann. Bedauerlicherweise werden auch die InterpretInnen nach Einheitsschema vermarktet. Es gibt nicht mal mehr Wettkämpfer, die sich mit Sprüchen, Werbeaktionen o. ä. hervortun. 

Ob es mit Einfallslosigkeit, Einschüchterung oder einem überholten Verständnis von Modernität zu tun hat oder ob die USA selbst im Musikbusiness anderen Ländern mit Krampf und Gewalt ihre veralteten Vorstellungen aufzudrücken versucht, sei dahin gestellt. Fakt ist, dass es langweilig ist. 

Um eine einigermaßen unterhaltsame Show auf die Beine zu stellen, käme man dieses Jahr mit 13 Liedern aus. 

Armenien: Die gute Nachricht ist, dass Armenien mal nicht den Genozid besingt, sondern mit Sängerin Artsvik und dem Song“Fly With Me“ nettes Folktronica präsentiert. Die schlechte Nachricht: Dem Land wurde beim Timing eine Extrawurst gebraten, damit sie den perfekten Song abliefern. Vielleicht wirkt der Clip deswegen etwas nach verkrampften Marionettentheater. Aber könnte trotzdem passen, denn es steht zu befürchten, dass die Militärs nach der Ukraine das nächste finanzschwache Anrainerland Russlands mit Eurovisionstralala in die Knie zwingen und als Aggressionskorridor gegen Russland aufstacheln. Und gegen Aserbaidschan gleich mit… (von mir 6 Punkte)

Aserbaidschan: Sängerin Dihaj dürfte dieses Jahr die Extravaganteste sein. Sie präsentiert mit ihrem Song „Skeletons“ Electronica, aber mit „secret message“ und neuer Erzählhaltung. Vonwegen ich bin ein Gutmensch und will ja nur den Frieden… (10 Punkte)

Weissrussland: Es ist das erste Mal, dass wir beim ESC die weissrussische Sprache zu hören bekommen, verpackt in Folk-Pop. Ein unbeschwerter fröhlicher Beitrag von Naviband, der zum Schluss mit vielen Hey-Hey-Rufen leider etwas ereignisarm wird, was aber hoffentlich durch die Sängerin, die eine Rampensau zu sein scheint, aufgefangen wird. (1 Punkt)

Belgien: Auch Belgien kommt mit Elektronic-Pop von der blutjungen Sängerin Blanche, die ihr „City Lights“ streckenweise mit für Teenies ungewöhnlich tiefer Altstimme singt. Für mich eigentlich ein angenehmer Kontrast zum plärrenden Pädophilen-Pop, leider ging ihr Gesang bei Live-Auftritten bisher kläglich unter. Ich bin allerdings überzeugt, dass die Techniker in Kiew diesen Beitrag trotzdem als erwachsen und cool vor uns erstehen lassen. (5 Punkte)

Kroatien: Ungewollt komisch. Konzentriert man sich nur aufs Akustische, glaubt man ein Lied von Otto Waalkes oder Loriot zu hören. Der unbestritten gute Sänger Jacque wechselt in jeder Zeile zwischen Tenorstimme in italienischer Sprache und natürlicher Stimme in englischer Sprache und wirkt damit wie ein Bauchredner. Fehlt beim Auftritt nur die noch Handpuppe. 

Finnland: Unaufdringliche Entspannungsmusik des New Age mit Titel „Blackbird“ von Norma John, die man in Dauerschleife hören kann, vor allem zu Weihnachten. (2 Punkte)

Ungarn: Auch Ungarn singt endlich mal in ungarischer Sprache und stellt ungarische Musik vor. Das Lied ist ein Crossover zwischen ungarischer Zigeunermusik und Hiphop. So stelle ich mir einen Eurovisionsbeitrag vor. (3 Punkte)

Moldawien: Sympathischer Elektro-Balkan-Freak-Folk, wie man es seit ihrem Debüt mit der Band Zdob si Zdub von den Moldawiern erwartet. (8 Punkte)

Niederlande: Eine altbackene Ballade, die den Hörer aber mit perfekter Dreistimmigkeit in den Bann ziehen wird. Sollten die Geschwister ihre Ballade live auch so perfekt performen wie im Studio, ist das was Besonderes. (4 Punkte)

Portugal: Der Performer Salvadore Sobral weicht mit seiner kindlichen Selbstvergessenheit, einem verträumten Jazz-Walzer „Amar Pelos Dois“ und ergreifendem Text angenehm von der hohlen Formatradiomusik ab. Die gelangweilte Melodie, die portugiesische Sprache und die leisen Töne des Sängers erinnern mich sogar etwas an Bossa Nova. (7 Punkte)

Rumänien: Hiphop mit Jodeldiplom. Ein Schenkelklopfer, der nicht nur mutig aus dem Rahmen fällt, sondern auch lustig klingt. Dem ESC würden ein paar mehr solcher schräger Beiträge gut tun. 

Ukraine: Rockmusik, für sich gesehen nichts Besonderes, aber beim ESC mit 30 gleichförmigen Formatradioliedern erfrischend ehrlich. Die abgerissenen Musiker präsentieren sich auf einem Trümmerfeld und erbitten sich etwas Zeit zur Erholung und Selbstfindung. Den Wunsch kann ich verstehen. Ich hoffe nur, dass sie die Performance einigermaßen gastfreundlich gestalten, ohne Schüsse und ohne Blutopfer, wie bei der Vorentscheidung. 

Italien: Das einzige Big-5-Land in meiner Auswahl! Beim italienischen Beitrag wurde zwar das Rad nicht neu erfunden, aber es wirkt nach all dem politischen Missbrauch, dem Betroffenheitsgesülze und der englischen Kaugummi-Sprache wie ein erholsamer Italien-Urlaub. Mit einer leckeren Tasse Café oder einem Glas Wein, einer Portion Humor und Selbstironie endlich Abstand vom europäischen Alltag gewinnen und sich den schönen Dingen des Lebens widmen: 

Der leichten Muse und Philosophie und einem hinreißend charmanten Gigolo mit Namen Francesco Gabbani. 12 Punkte!
 
 

Donnerstag, 12. Mai 2016

Gedanken und Fragen zum Eklat um Flagge Bergkarabach beim Eurovision Song Contest 2016

Beim 1. Semifinale am Dienstag dem 10.05.2016 kam es zu einem Eklat: Beim Schnelldurchlauf winkte die für Armenien antretende Hamburgerin Iveta Mukuchyan mit der Flagge von Bergkarabach besinnungslos lachend in die Kamera. 

Auch die schwedischen Ausrichter erzeugen durch eine niveaulose Vorstellung von guter Unterhaltung für Verärgerung. Sie thematisierten im Pausenact wie auch bei der Moderation die Flüchtlingskrise, um dem Publikum damit nach eigener Aussage „eine Freude zu bereiten“. Die NZZ stellt zurecht fest: „Ein etwas unbedarfter Umgang mit einem komplexen politischen Problem, gewissermassen auf der Ebene eines Schlagertexts. Es gäbe durchaus Wege, Kontroversen wie derjenigen des Fahnenstreits zuvorzukommen.“ 

Irgendwie sind die Organisatoren ja zuvorgekommen. Wenige Tage vorher hatte die EBU (angeblich ungewollt) eine Liste der verbotenen Flaggen veröffentlicht. Die armenische Delegation hat diese Liste offensichtlich als Inspiration und Aufforderung verstanden. Oder etwa nicht? Wie ich schon im Text Russland gegen den Rest der Welt vorschlug: Warum verbietet man nicht einfach alle Flaggen? 

Den Bock zum Gärtner gemacht 
Da politische Statements und Lieder auf der ESC-Bühne verboten sind, hat die EBU für den Regelbruch der armenischen Delegation ordnungsgemäß eine Strafe angedroht, sollte es zu einer Wiederholung kommen. Wieso muss man sich eigentlich stets mit dem Blabla der EBU begnügen? Macht man damit nicht den Bock zum Gärtner? 

Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat 
Die armenische Presse verweist stolz darauf, das Iveta Mukuchyan im Social Media verteidigt wird. Von wem, bitteschön, verteidigt? Schon beim ESC sind 99% der Protagonisten politische Laien, die Gruppe dieser unwissenden Laien soll durch Zuwachs x-beliebiger Facebook-User erweitert werden, um aus der Summe fehlgeleiteter Annahmen die reine Wahrheit abzuleiten? Damit führt Armenien vor, was ich seit 20 Jahren beklage: 

Der ESC ist eine Paradebühne für die Entprofessionalisierung der Politik 
Während Berufsgruppen, die professionell mit Politik zu tun haben (Politologen, Soziologen, Historiker, investigative Journalisten) Themen des Mainstreams und der Spaßgesellschaft arrogant meiden, ist das Publikum den krudesten Strategien schutzlos ausgeliefert. Gleiches gilt offensichtlich für die geltungssüchtigen und ungebildeten Promis, seien sie nun Sänger oder Moderatoren - oder Online-Journalisten.

Beispiel T-Online: „Nun steht die Frage im Raum, ob und wie die EBU (Europäische Runkfunkunion) das armenische Verhalten sanktionieren soll, um eine Reaktion des verfeindeten Aserbaidschans in der Show am Samstag zu verhindern.“ Interessant, dass mit aller Selbstverständlichkeit eine „Reaktion“ der Aserbaidschaner thematisiert wird. Warum sie? 

Fakt ist, dass es um das Gebiet Karabach einen jahrzehntelangen Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien gibt. Nächste Woche werden sich wieder beide Präsidenten zu Gesprächen in Wien treffen. Hoffentlich. 

Fakt ist, dass die deutsche Sängerin die ESC-Bühne missbraucht hat, um als Berufs-Armenierin mit der Flagge von Karabach eindeutig Position zu beziehen. Als industriell produzierter Castingstar aus Hamburg dürfte sie allerdings kaum legitimiert sein, sich in die diplomatischen Beziehungen beider Länder einzumischen. 

Frage: Wäre nicht der armenische Präsident in der Pflicht
  • die armenische ESC-Delegation noch vor dem Finale zurück zu pfeifen, 
  • die Verträge der Teilnehmerin zu überprüfen 
  • und alle an ihrer Eurovisions-Vermarktung beteiligten Personen und Unternehmen zu verklagen?
Begründung: Sie untergraben die politische Arbeit unserer Regierungen und sind eine Gefährdung für den Frieden.


:::

Mittwoch, 20. Juli 2011

Reach for the top! Der Junior Eurovision Song Contest 2011 in Armenien



Am 03. Dezember 2011 findet in der Hauptstadt Armeniens die 9. Ausgabe des Junior Eurovision Song Contestes statt, auch dieses Jahr leider wieder mit einer sehr geringen Teilnehmerzahl von 12 Ländern.

Diese sind: Russland, Ukraine, Weissrussland, Georgien, Armenien, Moldawien, Litauen, Niederlande, Belgien, Schweden, Mazedonien und San Marino.

Pro und Contra JSC

Der JSC ist ein Contest für SängerInnen im Alter von 10 bis 16 Jahren. Viele der verantwortlichen europäischen TV-Stationen zeigen allerdings nur geringes Interesse bzw. lehnen diesen Kindercontest völlig ab. Neben der Begründung des mangelnden Publikumsinteresses wird der JSC seit seiner Entstehung kontrovers diskutiert: Der Wettbewerbsdruck sei für Kinder zu groß, die spielerische Herangehensweise an die Musik könne zerstört werden und schlechtplatzierte TeilnehmerInnen könnten u. U. die Niederlage nicht gut verkraften. Für diese Sichtweise dürfte der armenische Slogan für 2011 „Reach for the top“ gar der Bestätigung und Abschreckung dienen.


Einerseits teile ich die Bedenken, andererseits haben sie auch was Verlogenes, vor allem wenn sie von reichen Ländern wie Deutschland geäußert werden, die derzeit bei den Themen Kinderfreundlichkeit, Bildung und Chancengerechtigkeit nicht gerade glänzen und im TV kaum noch über reproduziertes Casting-Gestümper von Erwachsenen hinauskommen. Ohnehin leben wir mehrheitlich in einer Welt, in der Konkurrenzkampf gefördert und Personen- und Machtkult zelebriert werden. In dieser Hinsicht müsste doch schon aus zynisch-konservativer Sicht ein Kindercontest eine gute Schule sein…


Statt passiven Konsum fördern lieber die Medienkompetenz ausbilden
Ich bin bei allen berechtigten Bedenken dennoch davon überzeugt, dass die Teilnahme am Junior Contest nicht notwendigerweise negative Folgen für alle ab Platz 2 abwärts haben muss. Mit guten handlungsorientierten pädagogischen Konzepten kann eine Teilnahme für die Herausbildung von Medienkompetenz sogar zur idealen Schule werden. Statt mit vorgetäuschter Sorge den ausschließlich passiven Konsum von Musik und Medieninhalten zu befestigen, können die Jugendlichen während einer Teilnahme aktiv in die Lage versetzt werden, ihre Lieder, ihren Auftritt und ihre Vermarktung verantwortungsvoll mitzugestalten. Auch wenn das Ergebnis dann immer noch wie eine Kopie des ESC aussehen mag, ist dem im günstigen Fall ein guter Einblick in die Funktionsweisen des (manipulativen) Medien- und Musikgeschäftes vorausgegangen.


Niederlande Yeah! Yeah!
Dies scheinen zumindest die Niederländer begriffen zu haben. Im Gegensatz zu den schlechten Ergebnissen beim Erwachsenencontest hat der für den Kindercontest verantwortliche Sender AVRO schon sehr gute Ergebnisse erzielt. Dieses Jahr präsentieren sich die kleinen Konkurrenten der niederländischen Vorentscheidung, welche in mehreren Runden im September stattfinden wird, schon mal vorweg sehr professionell als geschlossene Gruppe.

Da steigt aber meine Erwartungshaltung enorm





Wenig diplomatisch finde ich allerdings die Zurückhaltung des Nachbarlandes Aserbaidschans. Es wäre vor dem Eurovision Song Contest in Baku 2012 eine schöne Geste gewesen, vorab im Dezember 2011 in Armenien am Junior Eurovision Song Contest teilzunehmen, zumal es hierfür lt. ESCKAZ mit der Komponistin Velieve Ulviyya und ihren Butterflies durchaus eine motivierte Gruppe gegeben hätte.

Ausführliche Informationen zu allen Aspekten des JSC siehe

http://esckaz.com/jesc/2011/

Der letztjährige Sieger Vladimir Arzumanyan mit "Mama"




.

Montag, 1. März 2010

Vorsicht vor Aprikosensteinen

Prunum oder malum Armeniacum ist die botanische Bezeichnung für die Aprikose, in Armenien gilt sie als Nationalfrucht. Feinschmecker denken spontan an Desserts, Marmelade, Sachertorte, Obstwasser, Obstessig, Amaretto und Bittermandeln. Die Bittermandel wird aus dem Samen der Aprikosensteine gewonnen, ist aber wegen des hohen Giftstoffgehaltes mit Vorsicht zu genießen. Um diesen brisanten Aprikosenstein geht es im armenischen Beitrag für 2010 von der Sängerin Eva Rivas. Kurz nach dem Sieg der armenischen Vorentscheidung wurde „Apricot Stone“ prompt schon einige Male zum


Stein des Anstosses
Zunächst erkannte der türkische Komponist Yagoub Mutlu in dem Liedtext eine politische Anspielung auf den Genozid 1915 und forderte eine Disqualifizierung. Dieser Vorwurf wurde vom Manager Hayk Markosyan bereits zurückgewiesen: “The song has nothing to do with the Armenian genocide, and it does not have a political context. The song simply presents the Armenian culture, the Armenian traditions, the apricot, which is just an Armenian fruit and it is the symbol of Armenia, and the thoughts of a young (Armenian) woman who lived far from the homeland for years”.


Auch die in den USA ansässigen Konkurrenten der Vorentscheidung, Emmy and Mihran, ärgern sich über diesen Beitrag. Sie betrachteten es schon im Herbst letzten Jahres als beschlossene Sache, Armenien 2010 in Oslo zu vertreten. Sie erlaubten sich sogar, ihre Teilnahme von einem Ultimatum abhängig zu machen. Im Zusammenhang mit den Streitereien zwischen Armenien und Aserbaidschan schlossen sie sich nämlich Forderungen an die EBU an, für Aserbaidschan eine Geldstrafe oder Sperre zu verhängen. Natürlich weigern sie sich nun, ihre Niederlage zu akzeptieren und gehen von einem manipulierten Ergebnis aus.


Der armenische Journalist Paul Chaderjian, nachdem er den armenischen Rundfunk H1 danach befragte, teilte am 26.02.2010 in Times.am mit: "... they had never heard of this nobody Finnish-Californian who had the audacity to claim she was representing my culture." Er fasst diese Angelegenheit belustig als eine Verschwörung auf und fügt ironisch hinzu: "Let's not try to change our national anthem again, please."


Lt. ESCKAZ betonen Emmy und Mihran ihre Beliebtheit, Glaubwürdigkeit und Professionalität jetzt damit, dass sie z. B. sogar schon vom NDR Anfragen für eine interne Nominierung bekamen.


It is also a song that symbolizes the Armenian Diaspora, to which Eva belongs.

So Eva Rivas und ihr Produzent laut 'Armenienweekly'. So wie Eva Rivas (bürgerlicher Name: Valeriya Reshetnikova-Tsaturyan) ihre armenischen Wurzeln hervorhebt – ½ armenisch, ½ russisch, ihren Künstlernamen übernahm sie von ihrer griechisch-abstämmigen Großmutter – wird im Lied „Apricot Stone“ die armenische Tradition groß geschrieben.

Aber das Lied gar ein Gruß an die armenische Diaspora? Schon höre ich den Unmut westeuropäischer Fans, hatte man doch eigens zur Eindämmung des Diaspora-Votings die Jury wieder eingeführt. Jetzt bringt Armenien den Schachzug, den Appell an die armenische Solidarität IM Liedtext zu kultivieren.


Wer also glaubte, die Migration lasse sich selbst beim ESC den Stempel der Entbehrung und Niederlage aufdrücken, sieht sich eines Besseren belehrt. Man scheint stolz auf sein globales Netzwerk und betrachtet sich als deren Botschafter: „Apricot stone, I will drop it down, In the frozen ground, Let it, let it make its round“.




Für Migranten und Job-Nomaden
Möglicherweise erzeugen die kosmopolitanen Netzwerke der Diaspora mehr Spürsinn für gängige Trends als das alte Europa wahrhaben möchte. Schon den Titel empfinde ich als etwas Besonderes beim ESC. Endlich mal


- keinen Euro-Esperanto „Shalalie Shalala“, "Allez! Ola! Olé!",


- keine Imperative „Shake It“, „Disappear“,


- keine Gutmensch-Botschaft "Peace will come",


- keine narzistischen Selbstbespiegelungen „This is my Life", "This is my night", "This is my voice“.


Der Text lässt Spielraum für Interpretation und Identifikation. Von ihm könnten sich auch neoliberale Job-Nomaden angesprochen fühlen. Die Musik ist für Ethno-Pop auffällig unauffällig, nur der Schluss leitet zu einem ein folkig-souligem Crescendo. Zu Beginn erklingen eine Gitarre und ein Duduk, ein traditionelles armenisches Holzblasinstrument, das aus dem Holz des – wie sollte es anders sein – Aprikosenbaums hergestellt wird.


Was sagt die armenische Diaspora zu "Apricot Stone"?

Hierzu nochmal Paul Chaderjian: "The song has an interesting Armenian – or should we say universal – intellectual theme about returning to one’s roots. I guess that’s not specifically Armenian, though it fits our mindset. [...] But with lyrics like “when I was going to lose my fun and I began to cry a lot,” who in the world can take our art and culture seriously?" Und weiter: "I thought she was singing ‘apricots don’t’ and was confused [...] Par for the course, our Eurovision entrants really need to address their pronunciation and diction."


Und zur Musik: "It is a catchy song, but you can’t call it an Armenian song. It’s Flamenco, it’s Gypsy, it’s Arabic and Turkish and maybe even can be claimed as Greek."


Sein Fazit: "It’s a popuarity contest after all, and we have seven million Armenians in the Diaspora who can call-in and vote.


Just remember what they say about eating too many apricots…"



Paul Chaderjian: Armenia's Road to the European Union is Paved with... Apricot Stones?