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Montag, 24. Mai 2021

I don‘t feel hate, I just feel Häme

 … nicht wegen Jendrik, sondern wegen der ESC-Experten der ARD, die dieses Lied als deutschen Eurovisionsbeitrag ausgewählt haben. Wie zu erwarten landete der ESC-Song „I Don‘t Feel Hate“ auf Platz 25. In einem Interview von ESC-Kompakt gleich nach der Niederlage distanziert Jendrik sich dann auch von diesem Lied mit den Worten „Ich glaube, „I Don’t Feel Hate“ war dieses Jahr ein Song, wo ich wusste, der wird von den deutschen Jurys ausgewählt. Ein bisschen hinterhältig, ne?“

Er gesteht also, dass er es als Auftragsarbeit angesehen hat, mit der er den Geschmack der Experten-Jury zu bedienen wusste. Genauso hatte ich mir das gedacht. Aber warum gesteht er sich nicht ein, dass er den sog. Experten doch auch irgendwie vertraut hat? Und dass er sich von diesen Autoritäten mit einem Gesinnungslied bewusst in die Sackgasse hat locken lassen? 

In dem chaotischen Interview wirkt er wie traumatisiert und genauso naiv, wie er sich kurz zuvor in seinem albernen Beitrag der Welt präsentiert hatte. Wie sollte es auch anders sein, da er in diesem bösen Spiel über keinerlei Druckmittel verfügt und Einfalt, Wehrlosigkeit und blindes Vertrauen in dubiose Experten zur Normalität geworden sind. 

Über die Durchsichtigkeit seines gewaltwitzigen Liedes schrieb ich bereits, die Kommentare auf der Facebookseite der "Welt" des von diesem Beitrag überrumpelten deutschen Publikums fielen entsprechend köstlich aus: 

„Aber immerhin haben wir so die Briten 3:0 geschlagen & das mit Hilfe der Österreicher. Sowas muss man auch erst mal hinbekommen…“ 

„Ganz Europa den Mittelfinger zeigen und sich dann wundern, dass man keine Punkte bekommt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Deutschland der Realität immer weiter entrückt. Dieser Auftritt ist symbolisch hierfür.“ 

„Als Zuhörer bekam man den Eindruck man wäre ein KITA Kind das zu gutem Verhalten ermahnt wird.“ 

Die grauen Eminenzen der ARD, die diesen verlogenen Beitrag bevorzugen, dürften von gleicher hasserfüllter Gesinnung sein wie solche, die Oma als Umwelt- und Nazisau belächeln oder die einem Xavier Naidoo die Teilnahme am ESC verbieten, indem sie ihn als verschwörungstheoretisch, homophob, rassistisch und als antisemitisch diskreditieren.  Für diese anonymen, einflussreichen Experten der ARD – und nur für sie – folgender Spott-Tweet auf Twitter am Abend des ESC-Finale: 

Hitler is now the 2nd worse thing to come out of Germany. #Eurovision 

 

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Freitag, 7. April 2017

NATO Song Contest in Ukraine - Celebrate Conformity!

Man muss sich das vorstellen: Es sind die Abstimmungsergebnisse eines Tralala-Wettbewerbs, mit denen Länder-Images poliert oder beschädigt werden und die lt. dessen Regelwerk festlegen, wo und zu welchen Bedingungen im nächsten Jahr die Show austragen wird. 

Und niemandem fällt auf, dass diese Ergebnisse für die Öffentlichkeit nicht mal überprüfbar sind? So kann dieser Bluff natürlich jedes Jahr als Anlass für politisch-militärische Konflikte in Europa herangezogen werden, der dann von NATO und politisch nicht-legitimiertem Personal der westlichen Unterhaltungsbranche vor einem überforderten, unpolitischen Schlagerpublikum „verhandelt“ wird. Geht's eigentlich noch? 

Vom Journalismus im Stich gelassen 
Soll Showbusiness bleiben was es ist, nämlich eine Märchenwelt mit Scripted-Reality. Wenn aber der politisch-militärische Missbrauch dermaßen offensichtlich wird, wäre die Forderung nach Transparenz, Umstrukturierung und Neubesetzung der Stellen naheliegend.

Bislang haben 2013 nur der russische und aserbaidschanische Außenminister mal eine Überprüfung der Ergebnisse gefordert. Warum tun das nicht alle Journalisten? Stattdessen vermischen sie wie Kettenhunde der Militärs Promotion und Propaganda zu einem brandgefährlichen Mainstream-Matsch und stellen sich gegen die Bevölkerung auf.

Dass Wettbewerb, Siege und Niederlagen nur simuliert werden, darf nicht mal mehr laut angedacht werden, sofort wird man angegriffen. Der „Glaube“ an Spaß-Shows wird verteidigt, als wären ausgerechnet dort Wissenschaft und Theologie zu einer Art unanfechtbaren Eschatologie verschmolzen: 

„ [...] komm mir bitte nicht wieder mit diesen Verschwörungstheorien.....“ (Form ECGermany) 

„Na, gibt's Kohle vom Kreml oder verbreitest du deine hirnlose Hetze freiwillig? Und wer von "Westpolitik" (also Demokratie, Menschenrechten und Meinungsfreiheit) nichts hält, der kann doch sein Fakeprofil nehmen und zum Führer nach Moskau ziehen. Ganz einfach. Doswidanya!“ (Facebook-Seite vom NDR) 

Das sagt eigentlich alles aus über die spießbürgerlich verblödete "Anständigkeit" der Westlichen Wertegesellschaft mit ihren Celebrate-Diversity-Forderungen nach Menschenrechte, Schwulenbefreiung, Demokratie, Entblößung und Freibier.



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Freitag, 2. September 2011

Rosenstolz - die wahren ESC-Vertreter für Deutschland

Wenn es eine Band gibt, die ich beim Eurovision Song Contest für würdige Vertreter Deutschlands halte bzw. gehalten habe, dann ist das Rosenstolz. Dabei trifft längst nicht jedes ihrer Lieder meinen Geschmack, sondern die Mischung aus Kleinkunstbühne, Glamour, Fannähe, schwuler Ästhetik und Pop passen einfach zum Song Contest.

Wenn es einen Medienmenschen gibt, der Rosenstolz nachhaltig beim ESC verhindert hat, ist das Stefan Raab. 1998 hat er sich mit einer ausschließlich an Schadenfreude appellierenden Polarisierungskampagne gegen die Fanfavoriten Rosenstolz durchgesetzt. Und als 2004 bei der Sendung "Germany 12 Points" Raabs Schnarchnäschen Max Mutzke einen ach so zufälligen Überraschungssieg feierte, durften Rosenstolz gerade noch als Pausenfüller herhalten. Nur: Ich kenne niemanden, der nicht nach dieser faden Sendung mit dem bescheidenen Ergebnis enttäuscht und irritiert ausgerufen hat:

"Das beste Stück des Abends war "Lass es Liebe sein" von Rosenstolz. Warum vertreten die uns nicht beim ESC?!"


Leider haben sich wohl auch die Fangemeinden nie wirklich für einen ihrer Kandidaten eingesetzt. Pech für Rosenstolz & Co., Glück für Raab. Stefan Raab und seine Leute werden dem Publikum stets recht großkotzig aufgezwungen. Die letzten beiden Jahren grenzte seine Strategie schon an aggressive Anbettelei. Will man so etwas wirklich?

Zurück zu Rosenstolz: Nach einer Aus-Zeit sind sie wieder da, veröffentlichten bereits ihr neues Video und werden am 23.09.2011 ihr Album "Wir sind am Leben" präsentieren.

Am 31.08.2011 wurde ihnen von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland übergeben. Geehrt wurden sie wegen ihr ehrenamtliches Engagement im Kampf gegen HIV und AIDS.

Ihr Pausenfüller aus 2004 ist mittlerweile Kulthit Nummer 1 in Berlin. Ex-Spice-Girl Mel C wird eine Coverversion mit dem Titel "Let It Be Love" veröffentlichen.
Und in Berlin wird dieses Lied mittlerweile gerne bei standesamtlichen Trauungen gespielt. Weil es passt und weil es immer noch schön ist.

Zum Musikvideo "Liebe ist alles"

Freitag, 6. Mai 2011

Frauenpower aus Slowenien beim ESC – Maja Keuc

Neben Weissrussland und Albanien (ferner auch Zypern und Griechenland) lässt auch der slowenische Beitrag gerade noch die Herkunft erahnen. Im Gegensatz zum albanischen Stück, das den Hörer auf Abstand hält, fühle ich mich von der slowenischen Power-Ballade in den Bann gezogen. Das liegt vor allem an der wunderschönen Background-Musik vom Komponisten Matjaz Vlasic mit der nuancierten Instrumentierung und entfernten Anklängen an Zigeunermusik.

Mir gefällt die
Karaoke-Version fast noch besser. Vielleicht gibt es ja die/den eine/n oder andere/n mit starker Folk-Stimme, die/der eine eigene Version zu diesem Lied ins Netz stellt? Ich würde mich darüber freuen.

Im Grunde kann die Karaoke-Version sogar als das Original betrachtet werden. Hierzu die ESC-Interpretin Maja Keuc (Homepage mit Video zur 1. Probe und Pressekonferenz):

“First was only an instrumental background. I was adding a vocal melody, Mr. Vlasic and his wife were writing the lyrics and Mr. Grabner arranged the whole song. After that we try to do some improvements, but it was not so easy because the music was already expressed something that cannot be put into words and cannot remain silent.”


Mit ihrer Interpretation dieses slowenischen Liedes “Vanilija“ gewann sie eindeutig die slowenische Vorentscheidung, im Vergleich zur etwas geglätteten, englischen ESC-Version „No One“ klingt die slowenische Version insgesamt wilder:






Maja begründet ihre Entscheidung, ihr Lied in Englisch vorzutragen, ausschließlich musikalisch. Es falle ihr leichter, Melodien und Töne in englischer Sprache zu artikulieren. Das glaube ich ihr. Maja fühlt sich nämlich am meisten zur Soul- und Funkmusic hingezogen, was man hört, aber was für meinen Geschmack nicht 100%-ig zu dieser Ballade passt. Obwohl sie fantastisch singt, geht mir R & B- und Neo-Soul-Gesang, der vor allem in Casting-Shows bevorzugt kopiert wird, mit seinen lauten Passagen und immergleichen Verzierungen langsam auf die Nerven. Und dabei böte gerade der Song Contest mit seiner langjährigen Geschichte und seinen starken Sängerinnen - von Frida Boccara (1969) bis zu Marija Serifovic (2007) - viele Vorbilder für europäische populäre Gesangskunst. Mit europäischen Vorbildern würde es dann auch mit der slovenischen Sprache wieder besser klappen.


Maja Keuc ist dieses Jahr mit ihren 19 Jahren die jüngste Sängerin. In Interviews und in Pressekonferenzen macht sie allerdings mit ihren oft unkonventionellen, pragmatischen Antworten einen sehr selbstbewussten, sicheren und humorvollen Eindruck. Auf die Frage eines Bewunderers, woher ihre gute Stimme käme, antwortete sie: „Von meiner Lunge.“ Auf die Frage nach der politischen Dimension des Contestes, auf die fast alle Teilnehmer ausweichende Antworten geben, antwortete Maja: „It can bet rue, that the contest is a political event. […] I think that competition in artistic sphere is like an illusion. Everyone sees different things and appreciate different features. But I am not against competitions, because there is a lot of fun and sometimes we need a little bit more adrenalin in our life.”


Maja Keuc verabschiedet sich in ihrem Lied "No One" von falschen Freunden, die einen zunächst völlig vereinnahmen, dennoch nie zufrieden sind und im Grunde nicht bieten, was sie versprachen. Ich frage mich heimlich, ob sich darin nicht auch eine kleine politische Spitze des Balkans verbirgt…


I’m not made of stone

I’m gonna stand on my own

Not gonna break me down

No one will stop me now.


No one will stop me now... Ja, das wird man ihr nach der Power-Vorstellung wohl abkaufen. Unterstützt wird sie in Düsseldorf von den Background-Sängerinnen Katja Koren, Sandra Feketija, Martina Majerle und Ana Bezjak. Für diese Sängerinnen ist die ESC-Bühne nicht neu, alle haben schon als Backgroundsängerinnen teilgenommen.


Hintergrundinformationen: esckaz.com
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Sonntag, 1. Mai 2011

Aurela Gace für Albanien - You Pay A Price To Be Yourself

Tendenziell werden die meisten der gesamten ESC-Beiträge musikalisch mehr und mehr zum anglo-amerikanischen Einheitsbrei. Aus dem Grunde möchte ich nach Weissrussland noch die Beiträge würdigen, die zumindest musikalisch ihre Herkunft gerade noch erahnen lassen, es steht nämlich zu befürchten, dass sie gerade deswegen kaum noch eine Chance auf eine gute Platzierung haben werden. Diesmal handelt es sich um den albanischen Beitrag

„Feel The Passion“ von Aurela Gace.


Wem die Tendenz zum Formatradio nicht gefällt, dem kann ich die albanische Vorentscheidung, das "Festivali i Kenges", empfehlen, die jährlich zu Weihnachten von 23.12. bis 25.12. stattfindet und die leicht übers Internet verfolgt werden kann. Eine Vorgabe für die Teilnahme ist z. B. die Landessprache, um so ärgerlicher, dass manche Gewinner kurz darauf ihr Lied für den ESC dennoch ins Englische übersetzen. Interessant an der albanischen Vorentscheidung ist die Vielfalt der musikalischen Stile und die Leidenschaft, mit denen die Stücke vorgetragen werden, von albanischer Folklore,

z. b.
Enkeleda Arifi mit dem Stück Nje dashuri,

bis hin zu völlig neuen experimentellen Formen der Popmusik,

z. B.
Albi Xhepa ft. Semi Jaupaj mit dem Stück Drite,

ist alles vertreten. Man könnte das Ganze auch unter dem Oberbegriff „antikommerziell“ zusammenfassen. Mich überrascht vor allem auch das in der Musik und den Videos transportierte moderne Frauenbild, von dem sich die deutsche (Pop)musikkultur noch eine Scheibe abschneiden kann.


Auch Aurela Gaces Siegersong „Kenga Ime“ reiht sich da ein, ich höre es als eine Mischung zwischen Folk, Pop und Psychedelic. Hier werden keine regressiven Hörgewohnheiten bestätigt, hier wird weder gezuckert noch geschmeichelt, Aurela hält uns mit ihrem eher sperrigen und schroffen Lied auf Abstand, und versucht lediglich uns mit ihrem powervollen Vortrag in den Bann zu ziehen.






Die 37-jährige Aurela gehört dieses Jahr zu den älteren Teilnehmerinnen, die dafür aber jede Menge Erfahrung mitbringt. Sie war schon in zahlreichen Wettbewerben erfolgreich und hat bereits 6 Alben veröffentlicht. Seit 2002 pendelt sie zwischen Albanien und den USA hin und her, aber ihr Herz und ihr Blut sind laut eigener Aussage albanisch geblieben. In Los Angeles wurde in den Village Studios dann aus Kenga Ime der Song Feel The Passion, ein Lied, dass sie vor allem auch in englischer Sprache als maßgeschneidert für sich empfindet:


„I have many things to show, a lot to say to Europe. Europeans know very little about my country, and unfortunately are more familiar with the not very good side. […] But the majority is good, with a good heart and an open mind. We have good music, beautiful old places, a beautiful language that differs from others. […] My main purpose is to touch people. I work for music, new songs but not for money. People who listen to me will say: Well, at least she told the truth.”


Ihren Slogan auf der Homepage hat sie klug gewählt: You pay a price to be yourself. Er passt zu ihrem Gesangsstil, zu ihren Statements, zu ihrem Lied und
zu ihrem schrillen Outfit. Da sie als Brünette mit Liza Minelli und als Blondine mit Pink verglichen wird, entschied sie sich für Düsseldorf spontan zu roten Haaren, aber man wird sehen… Auf der Bühne in Düsseldorf werden sie drei Background-Sänger, ein Drummer und ein Gitarrist begleiten.

Am meisten faszinieren mich Aurelas Live-Sessions, von denen es auf youtube viele zu bestaunen gibt. ... to touch people, work for music, but not for money... Ich glaube es ihr.






Hintergrundwissen: http://esckaz.com


Mittwoch, 20. April 2011

Gedenkminuten für die ausgeschiedenen Favoriten

... denn dieses Jahr wird es wieder vielfach piefig. Auf Fanportalen liest man genauso wie schon im Vorjahr einstimmig Äußerungen über enttäuschte Erwartungen: Zu viele Musikstücke seien mittelmäßig, 1000x gehört. Erst recht stellen sich Zweifel ein, wenn man die Vorentscheidungen anderer Länder mitverfolgte. Erfolgreiche Musiker und ansprechende Stücke wurden weggekickt, stattdessen "gewannen" unbekannte Superstars oder Ladenhüter, Retrostücke und Spartenmusik - dieses Jahr zum Trost immerhin mit sehr guten Musikern, aber welcher TV-Zuschauer wird das während der 3-Minuten-Auftritte überhaupt registrieren? Fazit: Zu viele der Lieder würde wohl kaum jemand freiwillig hören oder gar kaufen.

Selbst wenn das Zufall sein sollte, möchte ich der TV-Piefigkeit zwei Vorschläge machen.

1. Die Koppelung von ESC-Sieg mit der Ausrichtung des Contestes im Folgejahr für probeweise 3 Jahre aufheben.
2. Die Jury wieder abschaffen

Zu 1) Der ESC-Sieg ist mit der Verpflichtung verknüpft, den Contest im Folgejahr auszurichten. Diese Verpflichtung scheint viele Länder abzuschrecken, da ihnen wohl das Geld, die Infrastruktur oder Zeit und Lust für ein solches riesiges Event fehlen, deswegen schicken sie möglicherweise chancenlose Beiträge ins Rennen. Ich finde, man sollte das jeweilige Gastgeberland (mit entprechenden finanziellen Anreizen) vorher festlegen und erhoffe mir davon, dass dann alle Länder unbefangen ihr Bestes geben.

zu 2) 2008 wurden die "Experten-Jurys" wiedereingeführt- Die Bezeichnung deutet an, dass musikalische Innovationen auf den Weg gebracht werden sollen, was aber in den letzten 3 Jahren nicht unbedingt der Fall war.
Die westeuropäischen Länder gewinnen nun zwar, aber dafür werden die übrigen 42 Beiträge nachweislich immer mehr zum Einheitsbrei in englischer Sprache. (Meines Wissens ist das differenzierte Ergebnis vom letzten Jahr immer noch nicht veröffentlicht worden.)

Der Song-Contest-Sieg als PR-Geck
Dass beim alltäglichen Spiel von Angebot und Nachfrage die 5 Juroren pro Land 50% der Wertung mitbestimmten, finde ich schon deswegen unlogisch, weil die Jury doch gar nichts kauft. Ich habe eher den Verdacht, dass sie verkaufen will, nämlich genau die Musik und die unbekannten Sternchen, die sich auf dem freien Markt nur nach langer Aufbauphase und mit aufwändigem Marketing verkaufen würden, wenn überhaupt.

Schwedens Strategen tricksen sogar jedes Voting aus
Schweden bastelt sich regelrechte Schein-Kartelle zurecht, lässt seine immer gleichen Leute in alle Länder strömen und beliefert alle Länder mit immergleichen ESC-Produktionen nach dem Motto: Lieber wegtrampeln und verdrängen statt fairer Wettbewerb. Darauf haben sich dieses Jahr immerhin Russland und Aserbaidschan eingelassen. Und diese Strategie fährt Raab dieses Jahr auch im Inland.

Grund zum Ärgern?
Ja und Nein.
Für den Hardcore-ESC-Fan ist der Sieg nur ein Teil des ESC-Kultes. Manchmal können sogar Kandidaten mit 0 Punkten größeren Kultstatus bekommen als ein fader Sieger. Insofern kann man sich die Marktschreierei und (Un)Social-Media-Kampagnen auch stecken.
Manche in den Vorentscheidungen gescheiterte Kandidaten tauchen jahrelang in Quizfragen und anderen Musik-Spielen als Geheimfavoriten wieder auf. In diesem Sinne möchte ich 4 Beiträge würdigen, die ich gerne in Düsseldorf erlebt hätte. Und hier darf ich mir vollkommen sicher sein: Nicht nur ich!

Lettland hätte uns süchtig machen können nach Banjos

Der Interpret Lauris Reiniks ist seit vielen Jahren als erfolgreicher Sänger, Songwriter und Schauspieler im Geschäft. Er hat bereits 6 Alben veröffentlicht, als Sänger und Komponist zahlreiche Awards gewonnen. Sein eingängiges "Banjo Laura" wäre ein guter ESC-Sommerhit geworden. Platz 2 in der Vorentscheidung.






Estland hätte uns mit Hoppe Hoppe Reiter
den Kopf verdrehen können
Auch die aus Estland stammende Gyrcelea-Ithaka-Maria Rahula – kurz Ithaka Maria – ist seit Jahren als Solistin sowie auch als Leadsängerin in diversen Bands unterwegs. Schon des öfteren an der estnischen Vorentscheitung teilgenommen, hatte sie auch dieses Jahr wieder Pech. Als eine Mischung zwischen Lady Gaga und Shakira hätte sie mit dem Titel Hopa'Pa Rei – in spannender Erwartung vorweg als Hoppe Reiter zum Favoriten avanciert - dem Publikum gehörig eingeheizt. Platz 2 in der Vorentscheidung.






Österreich quetschte die Luftquetsch'n

Ein Partyknüller für Jung und Alt - europaweit. Die schon im Vorfeld in Österreich absolut erfolgreichen Trackshittaz wären mit "Oida Taunz" der Knaller des Abends geworden... Platz 2 in der Vorentscheidung.






Jamala's Smile hätte Europa geweckt

"You can go to Moscow, You can go to Oslo, It's no matter where you are, Shorten distance, baby

And you'll feel much better, For you know that Love can start - With a SMILE... Just SMILE..."

Im ukrainischen Beitrag der Fanfavoritin Jamala hörte ich die Jury-Verarsche heraus, denn die seit 2004 originellen und erfolgreichen Ukrainer haben bei der "Experten-Jury" kein Gehör mehr gefunden. Und so sind sie seit 2008 zu den letzten Austragungsorten Moskau und Oslo nur noch gefahren um zu lächeln. Nach Deutschland wäre Jamala mit einem völlig veralteten amerikanischen Musical-Stil mit Jodeleinlage gekommen, sodass es am Schluss mit der charismatischen Interpretin doch wieder echt ukrainisch gewirkt hätte - nämlich genial. Die Ukrainer sind bereits im September 2010 enthusiastisch mit ihrer Vorentscheidung angefangen, die dann aber irgendwann im Sande verlief. Nach einem kleinen Skandälchen wird die Ukraine nun mit einer piefigen Ballade vertreten, lt. Aussage der Interpretin mit Unterstützung aus den USA. Da wäre Jamala origineller gewesen.




Samstag, 16. April 2011

Anastasia Vinnikova - I Love Belarus

Während einige Interpeten vor dem Eurovision Song Contest gepusht und gepampert werden, müssen andere zusehen, wie sie sich mit spärlichen Mitteln vorbereiten. Zur letzten Gruppe gehört sicherlich auch Anastasia Vinnikova aus Weissrussland. Schon allein in dieser Hinsicht kommt ihr Liedtitel rüber wie ein "jetzt erst recht", er lautet: I Love Belarus.

Da Weissrussland in Europa als die letzte diktatorische Bastion des Kalten Krieges gilt, wundert es nicht, wenn dieser Titel für konservative ESC-Fans zum roten Tuch, zur Provokation schlechthin wird. Aber Hand auf's Herz: Verbirgt sich hinter dieser radikalen Ablehnung nicht auch ein wenig Verärgerung, weil sich die jungen Weissrussen ausgerechnet beim Song Contest im reichen Deuschland stolz und selbstbewusst präsentieren? Ich finde diese kleine Irritation eher amüsant, spannend, sogar faszinierend.


Chaos statt Musik?

In Weissrussland gab es für den ESC 2011 eine internationale Ausschreibung, woraufhin 29 Beiträge aus 8 verschiedenen Ländern eingingen. Die erste Wahl fiel auf die in Deutschland lebende Weissrussin Katya Langer, da aber ihr Lied "Running Man" bereits 5 Jahre alt war (die Beiträge dürfen nicht vor dem September des Vorjahres veröffentlicht worden sein), wurde sie disqualifiziert. Die nächste Wahl fiel auf Anastasia Vinnikova und das Lied "Born in Byelorussia", dies allerdings zum Erstaunen des Komponisten Evgeny Oleynik: "I'm a bit surprised of course that the jury has preferred this very track. [...] We were writing [this song] not for the contest, but now, we are reworking and correcting the lyrics."


Einige Tage später - 1 1/2 Wochen vor der Deadline - fiel auch dieser Beitrag der Disqualifizierung zum Opfer. Ein paar pfiffige russische Journalisten hatten herausgefunden, dass Anastasia dieses Lied bereits während einer Uni-Veranstaltung in Minsk performt hatte. Zunächst sah es so aus, als würde der Contest 2011 ohne Weissrussland stattfinden. Aber Anastasias Team hatte Blut geleckt. Innerhalb kürzester Zeit entstand ein neues Lied, der Clip zum Lied wurde gleich mitgeliefert. Statt kleinlaut zu werden, hatte man noch eins drauf gesetzt, denn der neue Beitrag hieß nun "I Love Belarus".






Für die 20-jährige Anastasia wird der ESC ihr erster großer TV-Auftritt und ihr erster großer Wettbewerb. Mutig und ambitioniert möchte sie zumindest das Finale erreichen und wünscht sich, dass ihr Lied ein kleiner europäischer Hit wird, vor allem in den ESC-Discos. Letzteres könnte ihr aus musikalischen Gründen sogar gelingen, denn in diesem von schleppender Spartenmusik dominierten ESC-Jahrgang gehört ihr Lied zu den wenigen, bei dem nicht nach bereits 20 sec die Füße einschlafen. Das einzige, was dem Europa-Hit im Wege steht, ist der Titel. Welcher (schwule) westeuropäische ESC-Fan möchte laut und fröhlich seine Liebe zu Weissrussland feiern?


Schöpferische Antwort auf ungerechtfertigte Kritik?

Ich habe mit dem Lied kein Problem. Zum einen kann man darauf verweisen, dass Politik beim ESC nichts verloren hat und den Text als reine Heimatschwärmerei verstehen. Darüberhinaus bin ich im Kalten Krieg aufgewachsen, die schulische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Stalin und Schostakowitsch lehrte mich damals, die Musik aus Osteuropa nicht eindimensional zu verstehen. Ich erinnere mich sogar an ein Zitat von Schostakowitsch, in dem er seinen Mut für seine Kompositionen während der Stalin-Ära begründete: "Keine Sorge, sie werden es nicht ohne mich schaffen."


Vielleicht liegt der Grund von so viel Selbstvertrauen und Stolz des weissrussischen Teams in dem Wissen begründet, dass sie gebraucht werden. Damit würden sie einen interessanten Gegenpol zum portugiesischen Beitrag darstellen, der in Bezug zu Protesten der im Neoliberalismus überflüssig gewordenen "verlorenen" jungen Generation entstand.


In einem Interview nach dem Sinn des Liedes befragt, antwortet Anastasia, dass sie "ihr" Weissrussland, in dem sie geboren und aufgewachsen ist, durchaus liebt.






Damit ist nicht gesagt, dass "ihr" Weissrussland mit dem vorherrschenden Bild 100% identisch ist. Ihr Text lässt neben Heimatschwärmerei - wenn man denn möchte - sogar sehr gewagte Interpretationen zu:


"So here I go and I'm ready to rise up

Just like a star guiding me through the night

I've got no fear and I will never give up

love is all we need and it's our light."


Anastasia Vinnikova wird am 12.05.2011 im 2. Semifinale als Startnummer 16 um den Finaleinzug kämpfen.



Quelle: ESCKaz.com




Sonntag, 3. April 2011

Homens da Luta für Portugal – „Macht verrückt was euch verrückt macht!“

Lissabon, 05. März 2011, Festival da Cancao, Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest. Aus einer Auswahl von 12 Beiträgen gewinnt die Band Homens la Luta mit dem Lied „A Luta é Alegria“. Etwas verblüfft war ich schon: Ganz nett, aber bei welcher Altkleidersammlung sind die wohl gewesen...? Die offiziellen Juroren waren gegen diesen Beitrag, aber das Fernsehpublikum hatte massiv dafür gestimmt.

Die Begeisterung des Publikums für diesen Beitrag verstand ich nicht. Dann gab es aber ein paar untrügliche Zeichen, die meine Aufmerksamkeit weckten, z. B. ihre Werbefotos, die sich stilistisch an russische Plakatkunst des 20. Jahrhunderts orientieren. Ihr Promo-Video für den Eurovision Song Contest beseitigte jeden Zweifel, die Band ist im Kontext der jüngsten Demonstrationen einzuordnen:



Ich recherchierte und fand folgenden Text im Blog "kritische Massen": „Wenn irgendeinem drittklassigen Promi ein Pickel auf der Nase waechst, ist das den freien deutschen Medien allemal eine Schlagzeile wert. Nicht so, wenn in Lissabon 300 000 Menschen demonstrieren. Das wird unter "ferner liefen" erwaehnt, wenn ueberhaupt. So werden Weltbilder gemacht. Picklige. Letzten Samstag erlebte Lissabon eine der groessten Demonstrationen seiner Geschichte. Sie richtete sich gegen die "Sparmaßnahmen" der sozialdemokratischen Regierung, mit denen die Krisenkosten nach den Vorgaben der EU auf die Bevölkerung abgewälzt werden sollen. Vorausgegangen waren in den letzten Wochen und Monaten zahlreiche Streiks in praktisch allen Wirtschaftssektoren und eine Vielzahl kleinerer Demonstrationen und Kundgebungen im ganzen Land.“

Und genau darauf will der diesjährige Contest-Beitrag aufmerksam machen. Portugal droht durch die Folgen der Finanzkrise ins Elend zu zurückzusinken, Arbeitsrechte sollen abgeschafft, Streikrechte eingeschränkt werden, damit das aufoktroyierte „Verarmungsprogramm“ durchgeprügelt werden kann. Besonders betroffen fühlt sich Portugals junge Generation. Rund 300.000 Portugiesen unter 35 haben keine Arbeit (fast die Hälfte aller Arbeitslosen in Portugal), viele machen unbezahlte Praktika oder arbeiten bestenfalls freiberuflich, letztere waren von den letzten Steuererhöhungen am meisten betroffen.

Musikalisch wurde dieser Protest der „Verlorenen Generation“ zunächst von der Band Deolinde initiiert, ihr Lied „Parva Que Eu Sou“ bringt die Probleme deutlich auf den Punkt: „Was bin ich doch für ein Narr, und wie dumm ist eine Welt, in der man studieren muss, um schließlich doch nur ein Sklave zu sein...?“





An den Demonstrationen nahm die Band Deolinde nicht teil. Vielleicht lag es an ihrer Musik, die zumindest in dieser Form nicht Demo-tauglich ist. Vielleicht lag es aber auch an dem Druck, denen die Protestierenden mitunter ausgesetzt sind. Vielleicht haben sie es auch einfach mit der Angst zu tun bekommen: Schließlich liegt Nord-Afrika näher als das übrige Europa und es wäre ja nicht ganz unmöglich, dass der Funke des Aufstandes auf Portugal überspringt. Und so ergriff die politische Satire-Band Homens da Luta mit dem Lied „Der Kampf ist Freude“ die Gunst der Stunde.

Wiederholt sich Geschichte?
Lissabon, 24.04.1974. 22:50 Uhr. Der portugiesische Rundfunk spielt den portugiesischen Eurovision-Song-Contest-Beitrag von 1974, das Liebeslied "E depois do Adeus" (Nach dem Abschied) von Paulo de Carvalho. Dies war das Signal für die aufständischen Truppen, nun begann der Marsch nach Lissabon mit dem erfolgreichen Ziel, Portugal von der Diktatur zu befreien. Gegen 00:30 spielte das Radio „Grandola, Vila Morena“ (Grandola, braungebrannte Stadt) des anti-faschistischen Protestsängers Zeca Alfonso, dieses Lied wurde schließlich zur Hymne der „Nelkenrevolution“ - und wird auch heute noch gesungen.





Es wäre also nicht das erste Mal in der Geschichte des ESC, dass ausgerechnet ein portugiesischer Song-Contest-Beitrag von der Sehnsucht nach einem besseren Dasein handelt, und dann tatsächlich große Umwälzungen hervorbringt. An diesen erfolgreichen Protest, an dieses Stückchen ESC- und Musikgeschichte wollen Homens da Luta erinnern. Grundsätzlich besteht die Band nur aus zwei Personen, Vasco and Nuno "Jel" Duarte, die je nach Projekt von unterschiedlichen Musikern begleitet werden. Beim Song Contest sind Celina Da Piedade (Akkordeon), Tania Lopes (Percussion), Rui Rechena (Bass) und Hugo Osga (Flöte) mit von der Partie. Ihre Kostüme sollen humorvoll unterschiedliche Gruppierungen der Gesellschaft darstellen: Intellektueller, Soldat, Fischer, Feuerwehrmann, Bauer, Krankenschwester, Hirte, Arbeitsloser oder Metallarbeiter.

Mit diesem Hintergrundwissen bekomme ich eine andere Einstellung zum Lied. Bei der Ignoranz der deutschen Medien gegenüber den Problemen der europäischen Bevölkerung ist es schon fast zwingend notwendig, dass die portugiesische Bevölkerung andere Wege sucht, um auf ihren Protest aufmerksam zu machen. Es ist übrigens der zweite Versuch der Band, mit ihren Satire-Songs am Song Contest teilzunehmen, letztes Jahr wurde ihr Lied "Luta assim nao da"
(In dieser Weise kann der Kampf nicht weiter gehen) disqualifiziert.

Es ist klug, die Botschaft in Satire zu verpacken und – wie ich hoffe – die portugiesische Sprache beizubehalten. So entzieht es sich geschickt dem Vorwurf der Agitation und der Propaganda und widersetzt sich zugleich der kulturellen Gleichschaltung im Neoliberalismus und der Dominanz der US-Musikindustrie. Ob dieses Massenlied überhaupt ein politisches Lied ist, entscheidet sich erst im Kopf der Zuhörer.

Mittwoch, 23. März 2011

Italiens Charmeoffensive - Raphael Gualazzi

Nach dem Ausstieg 1997 nimmt Italien 2011 wieder am Eurovision Song Contest teil. Ihnen war seit jeher das "Festival della canzone italiana" (Sanremo-Festival), welches als Vorläufer des ESC gesehen werden kann, wichtiger. Die Gründe für die Rückbesinnung auf den ESC wurden zwar nicht öffentlich genannt, liegen aber für mich auf der Hand:

Der ESC wird derzeit maßgeblich von den sog. Big-4-Ländern, das sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien, finanziert. Da aber letztes Jahr Deutschland als eines dieser Big-4-Länder gewonnen und in diesem Jahr den kostspieligen ESC auszurichten hat, ist es von dieser Mitfinanziering entbunden. Um die Differenz auszugleichen, hat man wohl Italien, das den gleichen Status besitzt, um die Teilnahme gebeten. (Sollten meine Überlegungen nicht richtig sein, lasse ich mich gerne korrigieren.)


Seitdem Italiens Teilnahme feststand, hatten wir Fans eigentlich einen italienischen Beitrag der letztjährigen X-Factor-Siegerin, Nathalie Giannitrapani, erwartet und waren um so verdutzter, als Italien stattdessen Raphael Gualazzi nominierte, und dies mit dem für den ESC eher untypischen Beitrag "Follia d'amore". Böse Zungen lästerten sogar, dass der Sieger wohl schon wieder feststünde und Italiens Teilnahme nur reine Formsache sei.

Ich sehe es etwas anders: Ungewöhnlich für westeuropäische Länder setzen dieses Jahr einige (z. B. Niederlande, Belgien und UK) nicht auf die Magie von 3-Minuten-Liedern, sondern gezielt auf die Professionalität der Musiker, die dem diesjährigen Contest somit eine ganz besondere Note verleihen.







Gottseidank mal keine eingängige 3-Klangs-Harmonik mit Disco-Fox-Rhythmen, keine geglättete Schönheit, kein unnötiges technisches Blendwerk, dafür aber eine Swing-Performance mit für den ESC herausragender Distinktion, Musikaltität und Ironie, vor allem wenn seine "Madness of Love" in der „aria d'urlo“ (Arie mit dem Schrei) mündet ;-)


Von seiner Homepage erfährt man, dass er am Staatlichen Konservatorium "Gioachino Rossini" ausgebildet wurde, wo er sich zunächst auf klassische Kompositionen konzentrierte und später Jazz, Blues und Fusion in sein Piano-Spiel mit einbezog.

Auf
Raphael Gualazzis Homepage heisst es weiter: "His music was born of the fusion between the Rag-time technique of the early 1900s and the lyricism of Blues, Soul and Jazz in its more traditional form. The typical pre-jazz and stride-piano sounds of Scott Joplin, Jelly Roll Morton, Fats Waller, Art Tatum and Mary Lou Williams, and the Blues of Ray Charles and Roosevelt Sykes, are brought up to date by Raphael Gualazzi with an extremely personal style in which tradition co-exists with the most innovative influences of such eclectic artists as Jamiroquai and Ben Harper."

Es ist durchaus lohnenswert, sich auf seiner Homepage die Live-Auftritte von ihm anzuschauen. Im folgenden Video stellt er sich, seine Musik und seine musikalische Entwicklung noch einmal vor (mit englischen Untertiteln).



Raphael Gualazzi nahm dieses Jahr am Sanremo-Festival teil und gewann mit dem von ihm selber geschriebenen und arrangierten Stück "Madness of Love" in der Kategorie Newcomer, daraufhin nominierte ihn RAI für den Eurovision Song Contest. Das Lied "Madness Of Love" findet sich übrigens auch im Soundtrack zum Film "Manual Of Love 3", von Giovanni Vchosen, in dem u. a. Robert De Niro and Monica Bellucci mitwirken.


Da Italien - wie bereits erwähnt - zu den Big-5-Ländern zählt, bekommt es Wettbewerbsvorteile und muss sich nicht erst im Semifinale qualifzieren. Raphael Gualazzi wird sein Lied im Finale am 14.05.2011 als Startnummer 12 präsentieren.


Mehr über Raphael kann man in einem Interview des Südafrikanischen ESC-Fanclubs
OGAE Rest of the World (ja, so etwas gibt es) erfahren.



Samstag, 29. Januar 2011

Unser Song für Deutschland...


... oder unser Lied für Düsseldorf?

Ab 31.01.2011 geht's los. Und dann geht es immer so weiter und so weiter.


Aber Vorsicht: Das "unser" bezieht sich nur auf Stefan Raab und Lena Meyer-Landrut. Nicht dass um Gottes Willen noch jemand auf die Idee kommt und da zuschaut oder gar anruft und die stört.




Samstag, 1. Januar 2011

Spaßgesellschaften im Repressionswahn

Diese Überschrift gab es hier am 19.12.2008 aus Anlass der Wiedereinführung der Jury schon einmal – und ich kann sie heute aus anderem Anlass wieder aufgreifen. Diesmal geht es um Zensur der Musiker in Belgien. Beworben hatte sich Thooom mit dem Lied „United Belgium“.



Dieses Lied wurde aufgrund seiner politischen Message disqualifiziert:

One country, three languages, identical hopes
People wanna live together, believing in their goals
But now it's going to be wrong

What can we do?

We have to say no and sing...

One country, three languages,

With love and passion, we'll find a way

One country, My little Belgium,

We cannot break you more


Waiting for some reasonable minds

We'll fight for keeping love

And you can let it stay alive


Zur Erinnerung und als Vergleich:
Dieses litauische Lied wurde nicht zensiert.

Ist es also verboten, vom vereinigten Belgien, das es tatsächlich gibt, zu träumen?
Soll die Problematik lieber tot geschwiegen werden? Oder haben bei der Disqualifizierung gar nationalistische Argumente die Begleitmusik gespielt? Fühlen sich flämische Separatisten mit diesem Text veräppelt...? Aber selbst wenn das alles so wäre, wäre das so schlimm...?

Ich denke mir, dass die Subversivität ohnehin mehr in der Musik zu finden ist: Thooom hat eine klare Stimme, hält die langen Töne gut und singt dennoch schief. Einige seiner Sounds klingen zudem sehr Comic-verdächtig. Meine Frage an Thooom, ob dies beabsichtigt sei, verneinte er. Er wäre nun mal nicht perfekt. Gewonnen hätte er die Vorentscheidung wohl eher nicht, insofern hat man ihm seinen Traum unsinnigerweise zerstört.

Disqualifiziert wurden weiterhin Lorenzo Caminotti, da sein Song bereits vor dem 01.09.2010 veröffentlicht worden war, und Paul Biss mit „Manipulation“, einer kleinen Veräppelung der Medienberichterstattung schlechthin.

Qualifiziert haben sich über das Subskriptionsverfahren nun
30 Teilnehmer für die belgische Vorentscheidung.

Hierzu zählen auch Witloof Bay.



Mittwoch, 17. November 2010

Lena Meyer-Landrut – alles nur Hochstapelei?

Vor kurzem war Lena Gast bei Radio-Fritz, was in einem sympathischen Video dokumentiert ist.






Ich habe mich allerdings gefragt, was sie da überhaupt wollte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fritz-Gästen weigert sie sich, etwas zu performen. Auf die Frage nach ihrem neuen Album reagiert sie unwissend. Und ausschließlich für den Eurovision Song Contest kreiert, scheint sie nicht das geringste Interesse daran zu haben. Damit untergräbt sie das Profil, das seit fast einem Jahr mit einer Wahnsinns-PR-Maschinerie um ihren Namen aufgebaut wird.

Dieser PR zufolge müsste sie schon als Exportschlager in Las Vegas erfolgreich sein. Stattdessen tingelt sie von Hannover über Rüsselsheim nach Düsseldorf und trifft sich mit Fritz-Moderatoren in einer Berliner Hinterstube, wo man mit ihr nur ein Bildchen bastelt. Im Gegensatz zu anderen ESC-Stars gibt es übrigens im Internet bis heute nicht ein einziges Video, wo sie sich mal als eine würdige Teilnehmerin (Siegerin!) eines europäischen Musik- und Gesangwettbewerbs präsentiert. Nur völlig überflüssige Laber-Auftritte. Die Diskrepanz zwischen PR-Märchen und Lena-Wirklichkeit sieht sehr nach Hochstapelei aus.




Lena Meyer-Landrut und die Natürlichkeit
Lena war schon in Oslo so unvorbereitet und unwissend, dass sie bei den Pressekonferenzen nicht mal Hänschen-Klein singen konnte. Das wird uns und wahrscheinlich auch ihr als "Natürlichkeit" eingeredet. Das deutsche Team sah sich dennoch genötig in die Offensive zu gehen, indem man Lenas natürliches Unvermögen hinter vorgetäuschter Selbstironie zu vertuschen versuchte.





Tabubruch beim Eurovision Song Contest

Dass sich diese selbsternannten ESC-Profis in Deutschland keinen Deut um Zuspruch scheren müssen, ist wohl mittlerweile schmerzhaft klar geworden. Dass ihnen aber die Akzeptanz im europäischen Ausland auch egal sein kann, wundert dann doch. Nie zuvor hat eine Delegation die Unabhängigkeit von Jury- und Publikumsmeinung so selbstgefällig vorgeführt wie diese drei Deutschen. Daraus leite ich ab, dass der Sieg abgesprochen war, man musste sich bis zum Sieg nur noch durchlavieren. (Ich glaube nicht mal, dass Lena im Finale live gesungen hat). Ein weiterer Grund für die Annahme von Absprachen ist, dass die Wertungsergebnisse bis heute nicht vollständig veröffentlicht wurden, was außer ein paar kritischer Fans niemanden zu interessieren scheint.


Eine dritte Überlegung ergibt sich aus der Lektüre von Tim Renners Buch „Kinder. Der Tod ist gar nicht so schlimm!“, der feststellt, dass Musikkonzerne wie Universal Music das Wort „Risiko“ nicht mal mehr zu buchstabieren wissen. Das Risiko einer Auseinandersetzung mit Musikern und Publikumsgeschmack wird vermieden, stattdessen sucht man sich Erfüllungsgehilfen beim TV, die innerhalb von 2 Monaten im TV-Prgramm für das TV-Event ESC einen Casting-Star kreieren, der dann zufälligerweise dieses ESC-Event auch noch gewinnt. Mit anderen Worten: Der Sieg beim Eurovision Song Contest soll dieses Billigkonzept als erfolgreich darstellen.


Die Lena-Märchenstunden-PR dient nur dem Zweck, Ursache und Wirkung zu vertauschen. Der Sieg also nicht als (Aus)wirkung, sondern als Ursache und Ansporn für die lauthals zelebrierte Kooperation mit den Privaten und der Lena-Kampagne.


Lena Meyer-Landrut – die Rampensau der Eurovision

Weil es so schön geklappt hat, nächstes Jahr die Wiederholung. Für 2011 machen die prinzipienlosen Lena-Macher ihre Lena zur Rampensau der Eurovision: 18 Lieder in der Vorentscheidung, Opening Act im Finale, deutscher Beitrag im Finale, warum nicht auch noch den Pausenact und am Schluss ihren Siegertitel singen?


Denn eins ist klar: Dieser musikalische Super-Gau muss PR-mäßig getoppt werden, und so ist ein zweiter Sieg gar nicht unwahrscheinlich. Ich hoffe nur, dass nicht irgendwann die Gebühren- und Steuerzahler diesen Bluff bezahlen müssen.

Samstag, 22. Mai 2010

Das Mysterium der Rankings und die Offenbarung der Wettquote

Lenas Glück beim Eurovision Song Contest

Mit eigens und auf die Schnelle für den Eurovision Song Contest produzierte Retorten kann ich nichts anfangen. Beim ESC steht dieses Jahr Deutschland als ein sog. Big-4-Land (mit Lena und dem Lied „Satellite“) für dieses Konzept – wahrscheinlich weil Deutschland sich wiederum den Forderungen der gleichnamigen Big-4 der Musikindustrie unterworfen hat? Das Fragezeichen soll darauf hinweisen, dass es in Deutschland zum Thema ESC keinen Musikjournalismus gibt, der Hintergründe beleuchtet, Organisatoren auf die Finger schaut und einen neutralen Blick über die deutsche Grenze wirft.


Für mich als interessierten Laien erwiesen sich somit das Internet und google’s Übersetzungsmaschine als ein wahrer Segen, denn es gab vor allem in Süd- und Osteuropa wieder Einiges zu entdecken. Beispiele:


Experimentelles aus Estland,

Diaspora-Konzept aus Armenien,

Protestlieder aus Griechenland und der Ukraine,

ernste U-Musik aus Israel und Polen,

der Ruf nach einem gerechten Europa aus Litauen und Lettland sowie

Free Music aus Russland.


Hinter diesen Konzepten stehen junge Musiker, die mit ihrem Contest-Auftritt offensichtlich mehr oder anderes verbinden als nur die Gier nach Punkten und Triumpf. In der deutschen Berichterstattung allerdings werden diese Musiker bestenfalls als Komparsen für den Auftritt von Lena Meyer-Landrut degradiert. Ausgerechnet.


Vom ESC-Kult zum Kult der Vermarktung

Lena, ein Teenie, die innerhalb eines Monats zur Werbe-Ikone hochgepuscht wurde, die zuvor nie was mit Musik zu tun hatte und am Finalabend ihre ersten Gehversuche auf internationaler Bühne machen wird. Sollte dies Erfolg haben, dürfen sich nicht Musiker, sondern Mediencoaches, Marktforscher, Imageberater, Agendasetter, Marketer, Spin-Doktoren, PR-Consultants usw. usw. anerkennend auf die Schulter klopfen.


In einem netten, 1-stündigen Gespräch auf Radio FRITZ am 14.05.2010 zeigte Lena sich als Musikerin entsprechend unerfahren und defensiv. Eher erstaunt über den von Stefan Raab erzeugten Medienhype um USFO und ihrer Person, amüsierte sie sich vielmehr – und zu Recht – über die teilweise grotesken Ergebnisse dieses Hypes. Die Organisatoren hatten mit Sensationsmeldungen auf Dauerfeuer schalten lassen und die deutsche Journaille ballert seitdem mit. Da muss man sich nicht wundern, wenn trotz starker Aufmerksamkeit der ESC in Deutschland weiterhin als Witzveranstaltung verkommt. Der größte Witz dabei ist Deutschland selber, denn es macht nicht mal richtig mit. Es kauft sich Wettbewerbsvorteile (Big-4-Status), damit Lena gleich im Finale starten kann, und die Forderung nach einer Jury lässt auch eher auf Risikovermeidung schließen.


Ein musikalisches oder sonst wie geartetes Konzept habe ich bei den Deutschen nicht entdecken können, in den Sensationsmeldungen geht es ausschließlich um Rankings, Downloadraten, Chartplatzierungen, Punktetabellen und Wettquotenergebnisse. Dem Zeitgeist entsprechend, erinnert mich das an ein spitzbübisches Börsenspekulantenspiel, bei dem unbekannte Aktien in die Runde geworfen und Aktionäre mit Rating-Agenturen zu blenden versucht werden - nur um sehen, wie weit man damit kommt...?


Das mag in der Wirtschafts- und Finanzwelt Spaß machen, aber beim Eurovision Song Contest verstehe ich nun mal keinen Spaß ;-)





Mittwoch, 13. Januar 2010

MaNga will represent Turkey in Oslo

Eine weitere Kulturrevolution. Meine türkischen Favoriten wurden gestern nominiert, jetzt kann ich nur hoffen, dass sie ihrem Stil treu bleiben. Aber diese Nominierung betrifft auch meine persönliche Fankultur.

So wurde letztes Jahr in Moskau im engen Fankreis schon vorgeschlagen, 2010 nicht zum Austragungsort, sondern zum Herkunftsland seiner jeweiligen Favoriten zu reisen. Und mal ehrlich: Das kleine, teure (und provinzielle) Oslo wird ja nicht mal als Städtereise in Reisebüros angeboten.

Deswegen zum Feiern und Daumendrücken nach Istanbul! Wer fährt mit?


Samstag, 9. Januar 2010

Kulturrevolutionen beim Eurovision Song Contest

Das Internet als Hauptinformationsquelle und Kommunikationsplattform hat das TV mit seinen festen Sendezeiten bald verdrängt. Vor allem die rasante Entwicklung von Web-2.0 macht gerade für ESC-Fans das On-Demand-Modell des Internets attraktiv. Angebote und Abruf neuester Infos und Musikstücke erfolgen mittlerweile im Minutentakt. Ich würde sogar behaupten, dass die Zeit vor dem Finale, wo noch alles offen ist, mittlerweile die eigentlich spannende Periode im Contest-Jahr ist.

Wer sich rund ums Jahr mit dem Contest beschäftigt, staunt und stöhnt nicht selten, wenn in nicht wenigen Ländern aus einer Auswahl brauchbarer Musikstücke und interessanter Stars letzten Endes mit fast schlafwandlerischer Sicherheit ein schwaches Stück und/oder langweilige Interpreten ermittelt werden. Auch beliebte Stars meinen oft, sich für den gemutmaßten Contestgeschmack verbiegen zu müssen, was zu enttäuschenden Ergebnissen führt. Wer sich also nur das Finale anschaut, dem entgehen die wahren Schmuckstücke europäischer Musik.

Wie im letzten Blogtext bereits erwähnt, setzt Norwegen auch bei der diesjährigen Vorentscheidung auf echte, handgemachte Musik und wagt, die Black Metal Band Keep Of Kalessin auf die Schlagerfans loszulassen. Sie haben am 08.01.2010 die erste Qualifikationsrunde glänzend bestanden, ich darf also weiterhin hoffen, in Oslo die erste Black-Metal-Band beim Contest zu erleben:




Auch der Wettbewerb verlagert sich vor. Wahre Fans fiebern nicht nur bei jeder nationalen Vorentscheidung mit, die Türkei befragte die Fans dieses Jahr sogar nach ihren Wunschkandidaten, die TRT per Mail mitgeteilt werden konnten. Bis vor kurzem gab es drei Favoriten:
Manga, Emre Aydin und Şebnem Ferah. Was für eine flotte Auswahl! Noch! Ich warte seit dem 29.09.2008 auf eine Nominierung von Manga.


Dienstag, 24. November 2009

Ich bilde mir jetzt mal ein…

dass lautes Schimpfen was bewirken kann.

Erst letzte Woche fand ich auf der Homepage des RBB einen Aufruf von Radio FRITZ!

Herrn Schrag finde ich übrigens wirklich charmant, auch wenn sein Auftritt wohl nicht ganz ernst gemeint ist ;-)

Dann wurde auf den Internetseiten des WDR ein Interview mit Jochen Rausch veröffentlicht, das mir stellenweise aus dem Herzen spricht:

„Vom ARD-Hörfunk sind die großen Popwellen dabei […] Die ARD erhofft sich insgesamt davon, ein jüngeres Publikum zu erreichen, und wir beim Hörfunk haben da Kompetenz. Wir vom Radio haben bei jüngeren Leuten deutlich mehr Erfolg als das Fernsehen.“ Das ist wohl so.

Und gestern überraschte mich ein informativer Aufruf zur Bewerbung in der NMZ.







Na also, geht doch!

Die Raabschen Berührungsängste mit einer Fachzielgruppe und Musikern scheint wie weggeblasen. Und richtig: Ging es nicht darum, das Ansehen unserer deutschen Beiträge beim Contest mit angemessener Werbung und anspruchsvoller Musik zu verbessern? Warum dann nicht gleich so? Und wozu eigentlich die Kooperation mit PRO Sieben und Stefan Raab? Und wieso ein Casting?

Ach, ich will ja nicht schon wieder grübeln. Warte ich doch lieber auf weitere positive Überraschungen.