Das Internet als Hauptinformationsquelle und Kommunikationsplattform hat das TV mit seinen festen Sendezeiten bald verdrängt. Vor allem die rasante Entwicklung von Web-2.0 macht gerade für ESC-Fans das On-Demand-Modell des Internets attraktiv. Angebote und Abruf neuester Infos und Musikstücke erfolgen mittlerweile im Minutentakt. Ich würde sogar behaupten, dass die Zeit vor dem Finale, wo noch alles offen ist, mittlerweile die eigentlich spannende Periode im Contest-Jahr ist.
Wer sich rund ums Jahr mit dem Contest beschäftigt, staunt und stöhnt nicht selten, wenn in nicht wenigen Ländern aus einer Auswahl brauchbarer Musikstücke und interessanter Stars letzten Endes mit fast schlafwandlerischer Sicherheit ein schwaches Stück und/oder langweilige Interpreten ermittelt werden. Auch beliebte Stars meinen oft, sich für den gemutmaßten Contestgeschmack verbiegen zu müssen, was zu enttäuschenden Ergebnissen führt. Wer sich also nur das Finale anschaut, dem entgehen die wahren Schmuckstücke europäischer Musik.
Wie im letzten Blogtext bereits erwähnt, setzt Norwegen auch bei der diesjährigen Vorentscheidung auf echte, handgemachte Musik und wagt, die Black Metal Band Keep Of Kalessin auf die Schlagerfans loszulassen. Sie haben am 08.01.2010 die erste Qualifikationsrunde glänzend bestanden, ich darf also weiterhin hoffen, in Oslo die erste Black-Metal-Band beim Contest zu erleben:
Auch der Wettbewerb verlagert sich vor. Wahre Fans fiebern nicht nur bei jeder nationalen Vorentscheidung mit, die Türkei befragte die Fans dieses Jahr sogar nach ihren Wunschkandidaten, die TRT per Mail mitgeteilt werden konnten. Bis vor kurzem gab es drei Favoriten: Manga, Emre Aydin und Şebnem Ferah. Was für eine flotte Auswahl! Noch! Ich warte seit dem 29.09.2008 auf eine Nominierung von Manga.
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Samstag, 9. Januar 2010
Samstag, 19. Dezember 2009
Keep Of Kalessin: “We are not afraid of exploring new territories!”
Bei der norwegischen Vorentscheidung wird zum ersten Mal eine Black Metal Band teilnehmen. Und dies ist nicht als Provokation oder Werbung gemeint, sondern angeblich hat der norwegische Organisator Per Sundnes nach dem Sieg einer freundlichen Polka für 2010 gezielt nach einer härteren, düsteren Musik Ausschau gehalten.
Davon fühlten sich Keep Of Kalessin spontan angesprochen. Mit dem Release ihres neuen Albums lässt sich eine Teilnahme gut kombinieren: “We had made a song with a catchy chorus, so I just sent it to them.“ (Obisdian, bürgerlicher Name: Gronbech, Arnt)
Metal beim Eurovision Song Contest finde ich nicht nur mutig, sondern überfällig. Black Metal für den Gastgeber Norwegen ist sogar konsequent, da dieses Subgenre maßgeblich in Norwegen und Schweden entwickelt wurde. Gitarren- und schlagzeuglastig, teilweise schnell und virtuos gespielte wie auch dissonante Riffs, rhythmisch mitunter sperrig und durch den gutturalen Gesang (Grunzen) bewusst schmutzig gehaltener Klang, geben der Black Metal Musik insgesamt einen emotional aggressiven, harten, ja zuweilen gewollt hasserfüllten Ausdruck. Authentizität wird angestrebt durch eigene Texte und Kompositionen wie auch durch musikalisches Handwerk.
Zur Entstehung ihres Contest-Beitrages: The Dragon Tower
Für den Song Contest wäre Keep Of Kalessin meiner Meinung nach eine Bereicherung. Ich finde diesen Musikstil sogar weitaus angenehmer (und europäischer), als das US-kopierte Black-Music-Geröhre all der Castingstars. Aber wäre eine Teilnahme auch gut für die Band?
Sweet Child In Time
Metal repräsentiert eine Subkultur, die sich bewusst vom Mainstream absetzt und zur Gesellschaft – beim Black Metal besonders zur Kirche – eine kritische bis ablehnende Haltung einnimmt. Für Musiker wie Fans scheint diese Musik als extremer Ausdruck von konfliktreicher Selbsterfahrung sogar eine therapeutische Funktion zu haben. Für Metal- Fans dürfte der Contest somit die Negativfolie plakativer Spaßigkeit, verlogener Pose und verratener Ideale darstellen.
Ich denke, nur wenn Keep of Kalessin ihrem extremen Stil treu bleiben, können sie erfolgreich sein. Wo Tabubrüche wie z. B. Kirchenbrandstiftungen, mysteriöse Todesfälle, Vergewaltigungen und Nähe zum Rechtsradikalismus „normal“ sind, da dürfte ein Auftritt beim Eurovision Song Contest auch noch zu verkraften sein ;-)
Und so soll es sich anhören:
Davon fühlten sich Keep Of Kalessin spontan angesprochen. Mit dem Release ihres neuen Albums lässt sich eine Teilnahme gut kombinieren: “We had made a song with a catchy chorus, so I just sent it to them.“ (Obisdian, bürgerlicher Name: Gronbech, Arnt)
Metal beim Eurovision Song Contest finde ich nicht nur mutig, sondern überfällig. Black Metal für den Gastgeber Norwegen ist sogar konsequent, da dieses Subgenre maßgeblich in Norwegen und Schweden entwickelt wurde. Gitarren- und schlagzeuglastig, teilweise schnell und virtuos gespielte wie auch dissonante Riffs, rhythmisch mitunter sperrig und durch den gutturalen Gesang (Grunzen) bewusst schmutzig gehaltener Klang, geben der Black Metal Musik insgesamt einen emotional aggressiven, harten, ja zuweilen gewollt hasserfüllten Ausdruck. Authentizität wird angestrebt durch eigene Texte und Kompositionen wie auch durch musikalisches Handwerk.
Zur Entstehung ihres Contest-Beitrages: The Dragon Tower
Für den Song Contest wäre Keep Of Kalessin meiner Meinung nach eine Bereicherung. Ich finde diesen Musikstil sogar weitaus angenehmer (und europäischer), als das US-kopierte Black-Music-Geröhre all der Castingstars. Aber wäre eine Teilnahme auch gut für die Band?
Sweet Child In Time
Metal repräsentiert eine Subkultur, die sich bewusst vom Mainstream absetzt und zur Gesellschaft – beim Black Metal besonders zur Kirche – eine kritische bis ablehnende Haltung einnimmt. Für Musiker wie Fans scheint diese Musik als extremer Ausdruck von konfliktreicher Selbsterfahrung sogar eine therapeutische Funktion zu haben. Für Metal- Fans dürfte der Contest somit die Negativfolie plakativer Spaßigkeit, verlogener Pose und verratener Ideale darstellen.
Ich denke, nur wenn Keep of Kalessin ihrem extremen Stil treu bleiben, können sie erfolgreich sein. Wo Tabubrüche wie z. B. Kirchenbrandstiftungen, mysteriöse Todesfälle, Vergewaltigungen und Nähe zum Rechtsradikalismus „normal“ sind, da dürfte ein Auftritt beim Eurovision Song Contest auch noch zu verkraften sein ;-)
Und so soll es sich anhören:
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