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Samstag, 1. Januar 2011

Spaßgesellschaften im Repressionswahn

Diese Überschrift gab es hier am 19.12.2008 aus Anlass der Wiedereinführung der Jury schon einmal – und ich kann sie heute aus anderem Anlass wieder aufgreifen. Diesmal geht es um Zensur der Musiker in Belgien. Beworben hatte sich Thooom mit dem Lied „United Belgium“.



Dieses Lied wurde aufgrund seiner politischen Message disqualifiziert:

One country, three languages, identical hopes
People wanna live together, believing in their goals
But now it's going to be wrong

What can we do?

We have to say no and sing...

One country, three languages,

With love and passion, we'll find a way

One country, My little Belgium,

We cannot break you more


Waiting for some reasonable minds

We'll fight for keeping love

And you can let it stay alive


Zur Erinnerung und als Vergleich:
Dieses litauische Lied wurde nicht zensiert.

Ist es also verboten, vom vereinigten Belgien, das es tatsächlich gibt, zu träumen?
Soll die Problematik lieber tot geschwiegen werden? Oder haben bei der Disqualifizierung gar nationalistische Argumente die Begleitmusik gespielt? Fühlen sich flämische Separatisten mit diesem Text veräppelt...? Aber selbst wenn das alles so wäre, wäre das so schlimm...?

Ich denke mir, dass die Subversivität ohnehin mehr in der Musik zu finden ist: Thooom hat eine klare Stimme, hält die langen Töne gut und singt dennoch schief. Einige seiner Sounds klingen zudem sehr Comic-verdächtig. Meine Frage an Thooom, ob dies beabsichtigt sei, verneinte er. Er wäre nun mal nicht perfekt. Gewonnen hätte er die Vorentscheidung wohl eher nicht, insofern hat man ihm seinen Traum unsinnigerweise zerstört.

Disqualifiziert wurden weiterhin Lorenzo Caminotti, da sein Song bereits vor dem 01.09.2010 veröffentlicht worden war, und Paul Biss mit „Manipulation“, einer kleinen Veräppelung der Medienberichterstattung schlechthin.

Qualifiziert haben sich über das Subskriptionsverfahren nun
30 Teilnehmer für die belgische Vorentscheidung.

Hierzu zählen auch Witloof Bay.



Freitag, 8. Oktober 2010

USFS – Unsere Stars für die Schweiz

Das Schweizer Fernsehen lädt mit einer Internetplattform Musiker ein, sich mit einem Videoclip für die Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2011 zu bewerben. Aus der vom SF und DRS 3 selektierten Wahl dürfen dann ab November auch Internetuser über ihren Favoriten mitbestimmen. Die zehn besten Kandidaten werden ihre Songs dann in einer grossen Liveshow am 11. Dezember 2010 im TV präsentieren, das Publikum ermittelt mittels Televoting, wer die Schweiz beim Eurovision Song Contest vertreten wird.

UNSERE Stars für die Schweiz... Zum ersten Mal kann ich ehrlich und mit gutem Gewissen das Wörtchen „uns“ in Großbuchstaben niederschreiben. Denn beworben haben sich Mave O'Rick & Patryk Smolarek als Duo mit dem Stück „The Story“. Sie sind nicht etwa nur Fanfavoriten, sie sind Fans, d. h. Teil der Fangemeinde. Dieses Duo als Teilnehmer auf der Schweizer Plattform zu finden, ist natürlich für Fans der Hammer!


Mave O'Rick & Patryk Smolarek mit ihrem Lied „The Story“.




Du hast keine Chance, aber nutze sie
So mögen viele heimlich denken. Aber mal Hand auf's Herz und Ohren gespitzt: Sind die beiden schlechter als das, was uns das deutsche TV in der Regel als erfolgreich verkaufen will? Mitnichten. Entspringt der Zweifel am Erfolg unbekannter und auf sich selbst gestellter Teilnehmer nicht eher einer Resignation gegenüber der aggressiven Vermarktungsstrategie all der Lady Gaga's und Lena Gaga's? Und hinterlassen deren penetrante Medienpräsens mit all den Erfolgsmeldungen und Siegen in Serie nicht einfach nur einen faden Nachgeschmack?


Genau deswegen wünsche ich mir, dass die kleinen Acts erst recht ihre Sonderstellung behaupten. Gerade bei den angeblich Chancenlosen kann man die nötige Leidenschaft voraussetzen, nur sie könnten diesem mittlerweile als abgekartert empfundenen Spiel zwischen Major Label und TV-Stationen endlich wieder seine spannende Dramatik und seinen Wettbewerbscharakter zurückgeben.


Denn egal, für welches Land die vermeintlich schwächeren Davids antreten mögen, schon ihr mutiger Versuch, die Goliaths niederstrecken zu wollen, ist immer ein heimliches Vergnügen für das Publikum und sichert den Musikern international Sympathien.


Weiter so – und bitte mehr davon!

Die Schweiz präsentiert sich für 2011 mit einem offenen und modernen Konzept, das sich über das Internet vor allem an junge, eigenwillige Künstler richtet, die mehr als Karaoke zu bieten haben. Ich würde mich daher freuen, noch mehr deutsche Beiträge auf dieser Plattform zu entdecken (und nicht nur deutsche). Die Webseite ist auch keine anonyme Plattform, sondern gute Erreichbarkeit und aufmunternde Worte der Macher beweisen, dass man als Musiker bei den Schweizern gut aufgehoben ist.


Interview mit Mave O'Rick – Self supported Super-Star